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Der Israelit · 1921-04-07 · Heft 14 (7.4.1921) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 14 (7.4.1921)
Date
1921-04-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
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i Nu, 14 7. «Ml-E vollste Geschenk der jüdischen Schule: die jüdische Jugend. Eine Jugend im reinsten, höchsten, schönsten Sinne deS Wortes. „An Unbedingtes zu glauben und Unbedingtes zu wollen, daS ist gerade die Eigenart des jugendlichen Geistes", sagt Wyneken. Das ist das Geheimnis des gesetzestreuen Jünglings und damit begreift man, welch schweren Schaden seine Seele in der nichtjüdischen Schule erlebet. Er soll an die Unverbrüchlichkeit, Un- Ledtngtheit des jüdischen Gesetzes glauben und kann doch manchmal nur heimlich, verstohlen, in aller Eile rnd in dem für die Jugend niederdrückenden Bewußtsein, verlacht zu werden, das V'VV auf sich nehmen. Dagegen wird gewöhnlich eingewandt, daß diese Opfer, unter denen die Mizwaus geübt wurden, sie umsoviel teurer erscheinen lasten. Das gilt für uns Erwachsene, aber nicht für die Jugend, deren innerstem Wesen es zuwiderläuft, ihre Heiligtümer bemitleiden und bespötteln zu lassen, ja selbst vernachlässigen zu müsten. Darf ihr Geistesfchwung schon den taufend Sorgen des praktischen Lebens zum Opfer gebracht werden? Gewiß nickt! Darum ist die jüdische Schule für die Jugend der Gegenwart und besonders für die nicht deutsche noch viel mehr eine Heimstätte wie daS Elternhaus, in welchem sie vielfach nicht mehr ihr geistiges Heim finden kann. Sie erst bedingt die Glaubens- und Begeisterungsfähig, keit, die mit dem Wesen der Jugend ewig unzertrennlich sind. Darum ist der Kampf der jüdischen Schule um ihre Existenz identisch mit dem Willen der jüdischen Jugend zum Leben. Darum muß sich die A. J.-Jugendbewegung mit der Richtung der jüdischen Schule begegnen. Hier muß die geistige Arbeit geleistet werden, die jener ermöglicht, eine dauernde Organisation zu bilden, und dle tn der Jeschiwa ihre Fortsetzung findet. Die jüdische Schule ist noch jung und hat infolgedessen weniger Lehrmittel als die staatlichen, deren Anschauungsmaterial die exakten Wistenschaften wesentlich erleichtert) die Anforderungen, die an Privatschulen gestellt werden, sind eher größer als kleiner geworden. Isis nicht Utopie, für die nichtjüdtsche Schule Ersatz bieten zu wollen, wo auch noch Gemoro, Raschi mb TausfauS zu Worte kommen sollen? Einer der jüngsten unter den jüdischen Realschulen war es beschieden, diesen Versuch zu wagen und glänzend gelingen zu sehen. So hat die Leipziger jüdische Realschule in diesem Jahre zum ersten Mal ihre Primaner zum Abtmrientemxamen entlasten und hatte die Genugtuung, zu sehen, daß sie in ihrem Wisten und Können die Zöglinge aller anderen Privatschulen übrrtrafen. Man sieht: diese Schule ist kein Experiment mehr, sie ist ein Organismus, ein in acht jahrelangem Ringen gewordenes Ganzes. Alle einzelnen Entgleisungen von Schülern, alle Mängel, die der Schule naturgemäß noch anhaften mögen, besagen nichts gegenüber dem großen Ziel, das sie sich gesteckt, jüdische Eigenart mit Weltkultur, jüdische Väter mit ihren Söhnen, nun mit pirr Yn zu verbinden Aber diese Schule ist auch wieder ein Beweis, wie,wenig wir Gesetzestreuen doch aus der Vergangenheit gelernt, wie wenig wir uns unserer Verantwortlichkeit gegenüber der jüdischen Gesamtheit bewußt sind. Wie wäre es sonst möglich, daß im ganzen Kuratorium einer Schule, deren Direktor Dr. Carlebach ist, nicht ei « Orthodoxer ist! Mit Recht klagte man häufig in diesem Blatte, daß man über dem p"irr ‘n‘7 nur zu oft die SYllfl vergesse. Aber nicht minder groß ist die Gefahr, daß man über der mm den p'irr vergesse. JmKampf mit den andersgearteten Richtungen der Judenhett brauchten wir nur eines pretszugeben, und wir sind verloren: Die jüdische Schule nach Hlrsch'schem Muster. Hier haben die Gesetzestreuen bisher die Führung gehabt und haben sie noch,' verzichten wir aus sie, dann blüht uns ein trauriges Schicksal, dann können wir überhaupt dir Hoffnung auf einr Neuorientierung des __' _Ler ISraettt. Judentum-, wie sie Agudas JtSroel erwecke hat, zu Grabe tragen. Die jüdische Schule ist die stärkste Stütze des jüdischen ZusammengehörtgkeitS- und Verantwortungsgefühls, wie es durch A. I. verkörpert wird. Die A. J.-Jugend, die den Wtllen zur Tat zeigt, muß daher als ihre eigentlichste Aufgabe betrachten, ihren einzelnen Mitgliedern den Besuch der jüdischen Schule zur Ehrensache zu machen und, wo eine solche nicht am Platze ist, den Besuch einer auswärtigen mit allen Mitteln zu unterstützen. Darum mögen aber auch die Eltern diese Zeilen nicht ungehört verhallen lassen! Wenn sie ihre Kinder lieb haben, wenn sie ihr Judentum lieben, wenn sie für beide auf eine Zukunft hoffen, dann unterstützen sie die jüdische Schule, indem sie ihr geben, was sie als ihr Teuerstes betrachten! Sine frohe Botschaft an Palästina- Reisende. Unter den Auspizien einer Reihe unserer hervorragendsten Juden ist jetzt endlich der Wunsch von Tausenden nach Erez Jisroel ziehenden glaub mstreuen Juden nur Tatsache geworden und eine Verkehrs- und Transportgesellschaft „Silo ah" gegründet worden, weiche dafür sorgen wird, daß der strenggläubige Jude, und besonders der ostjüdische Emigrant, nicht nur eine weitausmenschenwürdig'ereBehandlung,alS diesbtsherderFall war, erfahren wird, sondern sich auf dem Schiffe heimisch fühlen soll und überall daS fürsorgliche Walten guter Freunde und Ratgeber wahrnehmen wird. Der neugegründeten „Siloah", Verkehrs- und Transportgesellschaft m. b. H., Wien II, Malzgvsse 12 a, mit dem Hauptsitze in Wien und Filialen in Triest und Venedig, ist es gelungen, mit der „Serviztt Maritimt" einen günstigen Kontrakt abzuschließen, demzufolge auch unsere Deckpassagiere in geschlossenen Räumen untergebracht werden und ihnen Matratzen und Decken zur Verfügung stehen werden. Frauen und Kinder bekommen außerdem noch Betten zugewiesen. Während der Ueberfahrt ist für gesunde, bekömmliche und ausreichende Kost gesorgt, welche von einem dazu, bestellten Koch in streng koscherer Weise zubereitet wird. Die Passagiere, die, aus dem Osten kommend, Wien passieren, werden in separaten Waggons nach dem Einschiffungshafen Triest oder Venedig unter Begleitung eines kundigen Beamten dirigiert, woselbst sie bis zum Abgänge des Dampfers in eigenen Heim umergebracht werden. Die„Silouh" hat ihrem Unternehmen eine Spedittonsabtetlung angegliedert, welche die Aufgabe hat, den Warenverkehr mit Palästina in rascher und kulantester Weise zu efftkkuteren. Ferner werden Waren aller Gattungen für das pesamte In- und Ausland und alle Ueberseeländer zu den billigsten Sätzen übernommen. Wegen Auskünften wolle man sich an die SpedttionSabteilung der „Siloah", Wien II, Malzgasse 12a, wenden. Eorrefponoenzen und Aachlichtes. Deutsches Reich« Merlin, 20. März. In den letzten Sitzungen der Repräseniantenversammlung der jüdischen Gemeinde beschäftigte man sich mit den Mtßständen auf dem ISebteke '-W jüdischen MWU^n»MormundsUast.' M taurtfe IwfÄ; Ä eine Anzahl jüdischer Kinder in christlichen -PsteKsstellen untergebracht sind. Der Vorstand tagte Abhilfe zu. Ein Antrag der jüdischen Volkspartet auf Abschaffung der bestehenden S'onderkoMMtssion für die Ernennung von Ehren-Beamten der Gemeinden wurde abgelehnt. Der Gernetndevor stand beantragte, b€t „Hochschule für Wissenschaft des Judentums" eine Subvention von 20.600 Mk. für ein halbes Jahr zU gewähren, während die Anstalt bisher 18.Ä00 Mk. jährlich erhielt. Die Volk Spartet brachte bei der Verhandlung einen dringlichen Antrag ein, nicht nur der Hochschule, sondern auch dem BerlinerRabb tn er-Semin ar eine jährliche Subvention von je 20.000 zu bewilligen. Trotzdem der Vorstand etnwendete, daß ein Antrag des Seminars gar Nicht vorliege, wurde Mit Rücksicht auf die Parität beschlossen, auch dem Seminar eine Subvention von LO.lM Mk. zuzuwenden. vrltwSoxtz verfsmmluna. KambUrg, 1. April. Am 31. März abends fand unt§r Vorsitz des Herrn A. Auerbach im Logenheim eine sehr zahlreich besuchte Versammlung orthodoxer Gemetndemitglieder behufs Besprechung derdurch den von den Gemeinde-Repräsentanten beschlossenen Anschluß der Deutsch-Israelitischen Gemeinde an die geplante Organsiation des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes geschaffenen Lage. Rach einem sehr klaren, mit großem Beilall ausgenommenen, eingehenden Referat des Herrn Dr. L. Schlesinger, wurde ein Komitee von 16 Herren gewählt, welches weitere Schritte beraten und unternehmen soll, um, wenn irgend möglich, zu einnr friedlichen Regelung dieser die gefttzestreuen Kreise der Gemeindemilglieder sehr be» wegenden Angelegenheit zu gelangen. Uoterl. Nuklöluns Ser „loinf" für vllgslHen. Lemvttg, 2S. März. Die Konferenz der Joint-Direktoren bat die Liquidierung des Joint Distribution- Bureaus für Oftgalizien beschlossen. Eine spezielle Kommission soll in Lemberg die Liquidierung durchführen. Unter der jüdischen Bevölkerung in Oftgaiizien hat dieser Beschluß große Aufregung hervorgerufen. Me Pelljura Sie luSen derhöhnf. Lcmörrg, 28. März. Der „Ukrainische Pressedienst" meldet aus Tarnow: Oberhetman Petljura hat an die Aufständischen in der Ukraine einen Aufruf erlassen, in welcher er den Ruin der Ukraine, die Folgen des dreijährigen Krieges und die Notwendigkeit des Zusammenschlusses aller Volksschichten und Nationalitäten der Ukraine hervorhebt und sich besonders scharf gegen das Bandenwesen und die Pogrome wendet. Der Aufruf enthält folgenden Befehl an die Ausständigen: „AlS Oberatüman der ukrainischen Armee befthle ich: Die Bolschewiken und anderen Banditen, welche die Bevölkerung zugrurde richten und Pogrome veranstalten, sind ohne jedes Erbarmen zu strafen." Petljura der bisher nur über unbewaffnete Juden siegen konnte, verhöhnt sie noch/ indem er nach den Pogromen seinen Untergebenen den Befehl zur Ruhe gibt. Die frage des Rabbinafes. Warschau, 1. April. Die gestrige Plenarsitzung der Gemeindeverwaltung stand ganz im Züchen des Kampfes um die Besetzung des Rabbtnütrs. Schon gleich zu Beginn der Sitzung erschien eine rabbtnische Delegation, bestehend aus den Rabbinern Perlmutter,Segall, Gütschächrer, Kahana undJueowski. Die Delegation legte Protest dagegen et», daß die Gemeinde von sich aus Rabbmer einzufetzen

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