Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 14 (7.4.1921)
- Date
- 1921-04-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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7. April 1931 -kr. U Sette 8 KorMllt oder RSWtttt? MetLuchtuu-e« tHx du« erste Iayrzehut einer Mische« Kchnke. Kaum hundert Jahre sipd verflossen, seit G. R. Hirsch mit der alten Formel OV NUN . *sNN der Renaissance des gesetze-treuen Judentum- Ziel und Weg gewiesen hat. Grundträger dieser neuen Generation sollte die Jugend, Grundpfeiler seine- Gebäudes die jüdische Schule sein. Die Jugend von damals ist nicht mehr. Eie war ein Anhängsel der älteren Generation, die für sie kämpfte. Heute kämpft die Jugend für sich selbst. DaslstdteFruchtderHlrsch'schenSchule. Sie erntet aber keinen Dank. Man ist nicht zufrieden mit ihr. Den einen vermittelt sie zu wenig jüdisches Wissen, den anderen zu diel,' die einen verurteilen sie angesichts so vieler Schüler, die nach oder vor der Entlassung dir Prinzipien der jüdischen Schule verleugnen, die anderen befürchten von ihr eine Steigerung des konfessionellen- und Rassenhassesdem einen kostet sie zu viel Geld, dem anderen ist sie zu wenig fein. Auf diese alten Einwürfe, die schon längst?>ründlich widerlegt worden sind, einzugehen, verohnt sich nicht. Die sie erheben, müssen selbst, wenn nicht verstehen, so doch fühlen, wie bitter unrecht sie ihren jüdischen Brüdern tun. Wir möchten uns und anderen nur vergegenwärtigen, welches die treibenden Kräfte sind, die die jüdische Schule auf den Plan gerufen und heute noch notwendiger denn je machen, und welches die Ziele sind, die ihr vorschweben. Die Versöhnung von Wissen und Glauben, von religiöser und weltlicher Bildung war der erste Ausgangspunkt. Diese Forderung scheint in der Achtung gesunken zu sein. Der Ernst, mit dem die jüdische, in der A. I. organisierte Jugend das Btldungsproblem ergriffen, vereinigt mit der von Osten kommenden Geringschätzung de- PN« "INN DP NNIli-Prinzips, hat mehr oder minder bewußt zu einer Abkehr vom Hirsch'schen Ideal geführt. Der Zug zur Jefchiwa ist gewiß etwas Herzerfreuendes. Aber muß er mit Ausgabe der jüdischen Schule und ihres Grundgedankens bezahlt werden, dem die gesetzestreue Judenheit Deutschlands ihre Erhaltung und Erneuerung verdankt? Jsts Fortschritt oder Rückschritt, wenn mit der Flucht in die Jeschtwa die jüdische Schule denen überlassen wird, denen die Thora gleichgültig ist? WaS die jüdische Schule für das jüdische Kind bedeutet? Schutz vor roher Zerstörung aller Kindlichkeit und all dessen, was das kindliche Herz mit Liebe umfaßt,- Haß und Verstellung bleibt ihm erspart,- die Poesie der Sabbate der Kamps gegen Rabbiner Kuk doch andere Formen annehme, als die Gegensätze zwischen den Schulen HillelS und SchamaiS, wurde das Interview leider obgebrochen, da man zum Minchagebet rief. Obgleich Bublik selbstverständlich ein scharfer Gegner der ganzen Anschauungen Rabbiner Sonnenfelds ist und kein Hehl daraus macht, daß er Kuk unendlich höher stellt, schreibt er in seinem Interview doch Folgendes: „Im Hause Rabbi Chaim Sonnenfelds sieht es aus, wie Im Hause eines kleinstädtischen Raw8 in Litauen. Wenig Möbel und viele Bücher. Ich wühle bereits, ehe ich zu Ein ging, dah Rabbi Chaim Sonnenfeld frei ist von der schlimmsten Leidenschaft, die den Menschen herabzuzwingen pflegt, von der Leidenschaft nach Geld. Rabbi Chaim ist erhaben über jede Neigung zu materiellen Gütern, so haben mir seine Feinde versichert, und hierin liegt auch ein gut Teil des GeheimnifleS seines Einflussesein Mensch, von solcher Uneigennützigkeit ist eine moralische Kraft, die Respekt Hervorrufen muß". Jüdischer Sumor. (Aus amerikanischen Zeitungen.) Sie Heilung vor dem Schlage. Ein New'Korker Rabbiner trifft auf einem Sabbat- Spaziergänge ein Mitglied seiner Gemeinde, das sich an »wer Erfrischungsbude gegen Bezahlung Sodawasser reichen läßt. Der Mann, unangenehm überrascht, sucht nach einer Entschuldigung und sagt: „Sie verzeihen Herr Rabbiner, ich tue eS nicht aus Vergnügen, ich mutz das Wasser zu Heilzwecken trinken". Darauf der j Rabbiner: „Im Talmud heißt es, Gott schasst das Ve? Mraem. 3ry-«re# WHSclie~ Ausstattungen Damen-, Herren- und Kinder-Wäsche Anfertigung in eigenen Werkstätten Wöimun^s^ElnrtcMungen Ständige Ausstellung eingerichteter Zimmer von einfacher bis zu vornehmster Art Vier Stockwerke Möbel Gardinen ♦ Möbelstoffe . Teppiche . Beleuchtungskörper und Jomimtowim, die jüdischen Geschichten, für die im zweistündigen Betrieb der Rellgionsschule gar keine Zeit ist, und so viele Kleinigkeiten, die im Leben des Kindeeine große Rolle spielen, machen die jüdische Schule zum Parodiedes jüdischen Kindes. Die gefährlichste, kraftvollste, schönste Zeit, das sind die Jahre der Entwicklung bis zur Mündigkeit. Hier feiert die A. J.-Jugendbrwegung ihre Triumphe. Diese Jugend strebt nach einer Lebensführung, die ihrem jugendlichen Wesen entspricht, die es ihr ermöglicht, sich und ihr Wollen ernst zu nehmen. Da kommt alles darauf an, ob sie in die jüdische Schule mündet, von ihr ausgeht, mit ihr zujammengeht. In der nichtjüdischen Schule ist sie isoliert, zur Passivität verdammt, zur Leblosigkeit verurteilt. Die jüdische Schule bedeutet für sie ein Erwachen, heute mehr denn je eine Entfesselung von unwürdigen Banden. Da beginnt jene großartige Wiederbesinnung auf das, was das jüdische Kind noch vor seiner Geburt an göttlichen Eindrücken empfangen hat. Wenn die A. J.-Jugendbewegung der bis dahin starren Lebensform der gesetzestreuen Jugend ein neues, ungeahntes, heiteres Gepräge gegeben hat, so ist es bas Verdienst der jüdischen Schul?, der Jugend die Gedanken- und Gefühlsfretheit im Sinne der Familie und des Väterglaubens auch bet der ernsten Arbeit gesichert zu haben,- sie hebt den Dualismus zwischen jüdischer und ntchtjüdtscher Kultur auf, sie allein ermöglicht eine wirkliche Jugendkultur,- im Verkehr mit jüdischen Lehrern und Freunden kommt jene Gleichgültigkeit gegenüber den höchsten Fragen des Judentums nicht auf, die den durch die nichtjüdische Schule hindurchgehenden Zögling für die Einwirkung einejüdischen Einflusses nur zu oft unempfindlich macht. „Nicht das Lernen ist die Hauptsache, sondern oas Tun." „Des Wissens Blüte sei das Leben." Zur Aneignung des Wissens genügte zur Not die nichtjüdischö Schule. Aber wie diesem das jüdische Leben entquillen, wie das jüdische Wissen in der uns umgebenden Welt Bestätigung und Anwendung finden könne, dazu bedarf es der Vertrautheit mit der Kultur und Zivilisation unserer Welt, gesehen mit jüdischen Augen. Man spricht viel vom kaufmännischen Handelsgeist, vom Materialismus des Juden. Nicht gerade zum Segen des Judentums. Wie viele jüdischen Kinder, die sonst gezwungen wären, mit 14 Jahren ins Geschäft und von da den berüchttgen Weg des jüdischen Ladenschwengels oder Kommissionsreisenden zu gehen, erhalten durch die .jüdische Schule eine ganz andere Geistesrichtung! Mitten im verwirrenden Chaos der Zeit, bei der Geist und Leben bedrohenden Mechanisierung zeigen dieJd eale der jüdischen Schüler eine reine und starke GeisteSbejahung, ungehemmt von der Scheu vor übelwollender Mißdeutung. Und das ist so recht eigentlich das wert Heilmittel vor dem Schlage. Das Heilmittel haben Sie bereits, und nun schwanzes gemacht hat, dem stückweise das Lebenslicht ausgcblasen wird.. ." Ein richtiges „Hinem". Beitel: Unseren Chasan mußt du hören, lieber Treitel. Wie er am letzten Roschhaschono daS „Hineni heoni" (Einleitungsgebet zum Mussafj anstimmte, da wackelten die Fensterscheiben. Treitel: Da kann ich dir von einem größeren Wunder erzählen. War da ein Mann bei uns, der nicht einmal Chasan war. Ein Kaufmann war er, bet dem Kehilla- und Waisengelder deponiert waren. Und wie er auf einmal das „Hineniheoni" (Ich bin arm), hinausschrie, da erzitterte das ganze Städtchen, nicht allein die Fensterscheiben der Synagoge . . . (Nathan Samuely gestorben). In Baden bei Wien ist der bekannte hebräische Schriftsteller Nathan Samuely gestorben. Samuely war einer der frühesten Vorkämpfer der HaSkalah-Bewegnng in Galizien und ein ständiger Mitarbeiter des von David Gordon herausgeaehenen „Hamagid". Er gehörte zum Schriftftellerkreise der Gotilober, Brandstetter, Brandes, SmolenSky u. a. Samuely hat eine reiche literarische und publizistische TckkiARt, entfaltet und ist auch als Ueberfetzer deutscher Dichtung inS Hebräische bekannt geworden. Aus seiner Jeder besitzen wir treffliche Schilderungen des jüdischen Lebens in Galizien. (Mumm und Mumpitz). In einer der jüngsten RetchSiagösitzungen leistete sich der deuischnationale Abgeordnete Mumm folgende Stilblüte: „Die Ostjndenfrage muß gelöst werden. Das kann nicht geschehen, wie eS Minister Heine nach Art des Hunde-; (Die Bibel in dev Hand der Missionäre). Die englische Bibelgesellschaft, die im Jahre 1804 gegründet wurde, hat die Bibel und zwar natürlich auch das neue Testament in nicht weniger als 638 verschiedenen Sprachen und Mundarten und in 311 Millionen Exemplaren verbreitet. Jni letzten Jahre allein sind 8lf, Millionen Bibeln neu gedruckt worden. Fünf neue Sprüchen in Afrika, eine für Nordkanada und eine für die Südsee-Jnseln wurden zur Uebersetzung herangezogen. Die Gesellschaft verfügt über ungeheuere finanzielle Mittel, die ihr auch jetzt reichlich zerfließen, denn sie nimmt für jedes Pfund Sterling, das ausgegeben wird, nur 7 Shilling ein. Ihre Vertreter, die Missionäre, setzen sich den größten Gefahren aus, um in der ganzen Welt der ihnen heiligen Sache der Bibelverbreitung und der Bekehrung zum Christentum zu dienen. Für uns Juden ist interessant eine Bemerkung in dem jüngsten Z>rhxLSliertcht.H«: Bibelgesellschaft, wonach eine od<r zwei htbräische Schulen in Palästina in letzter Zeit das neue Testament in hebräischer Sprache angekauft hätten, um es in denKlassenzu lesen. ES wäre außerordentlich wissenswert, ob diese Nachr'cht zutrifft und ob die in gewissen zionistischen Kreisen wahrnehmbare Tendenz, den Stifter der christlichen Religion für das nationale Judentum in Beschlag zu nehmenwirklich die eigenartige Blüte gezeitigt hat, von der hier die englische Bibelgesellschaft spricht.