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Der Israelit · 1921-04-07 · Heft 14 (7.4.1921) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 14 (7.4.1921)
Date
1921-04-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Astt; 3 Nr. 1t scheidung nur dann aeeepttert, wnm er koscher auSsprlcht! Und wte wäre es, wenn man einem Beth-Dtn sagt: Entscheide auf Grund deS Thoragesetze-, Deine Entscheidung kann aber nur akzeptiert werden, wenn sie mit unserer modernen Anschauung conform geht, denn „was im Mittelalter noch möglich war, ist heute nicht mehr zu halten" (Dr. Klausner). Solche Grundsteine, auf denen eine jüdische Einheitsfront aufgebaut werden soll, sind vollständig ungeeignet, sind innerlich hohl und leer und bald nach deren Errichtung würde das eben Vollendete in sich zusammen stürzen. DaS orthodoxe Judentum will den Wiederaufbau von Erez Jisrorl derart, daß dem obersten Grundsatz des Judentumsnicht die Anerkennung versagt wird, xnn x-, rrnnn nrrnp dem Grundsätze, daß 'an unserer Thora weder ein Laie noch ein Rabbiner etwas zu ändern das Recht hat. Dies und nur dies ist die Basis, auf der eine Einheitsfront im Judentum möglich ist. Wochenrundschaii. Ser nicht aosgeplündette Sol-stein. . . Die „Deutsche Tageszeitung" und ihre Mitläufer sind in einiger Verlegenheit. Die blutigen Vorgänge in Mitteldeutschland lassen sich mit bestem Witz und Willen in gar kein Verhältnis zu der Judensrage bringen. Wte tragisch für die Radaubrüder des deutsch-nationalen Marktes, an dieser großen, schönen Rauferei so ganz unbeteiligt zu bleiben und nicht einmal ein paar Steine' nach jüdischen Fenstern lenken zu können! Aber es geht wirkttch^nicht . . . Die bekannt werdenden Namen der Führer sind so verdammt „teutsch", daß auch bet weitester Zurücklegung des Stammbaumes sich der „Judenstämmling" nicht heraushauen läßt. Hölz, Sylth und äjnltch. Kein einziger Cohn, Levi, Goldstein dabei! Das ist wiederum so eine echte jüdische Unverschämtheit, nicht dabei zu sein, wo man sie so gut brauchen könnte . . . Aber halt — die „Deutsche Tageszeitung" jubelt — es ist d o ch ein Gold stein dabet! Dieser Goldstein hat zwar auf keiner Barrikade gekämpft, er hat keine Basküle gestürmt, aber Goldstein ist der Name eines Kaufhauses in Eis leben, daö — man höre recht — ni cht ausgeplündert worden ist. Das größte Kaufhaus in der Stadt und nicht ausgkplündert. Und heißt Gold st ein! Wer nicht daran den absoluten Zusammenhang zwischen den Unruhen und der jüdischen Weltreuolution erkennt, dem ist wahrlich nicht zu helfen! ____ Drr JKr-eUt. Wir machen wohl Witze? O nein. Man lese die ^Deutsche Tageszeitung" vom 39. März, die in allem Ernst in einer Betrachtung über die nun abgeschlossenen Unruhen, das verschont gebliebene HauS Goldstein im Sperrdruck als lebenden Beweis für den jüdischen Kommunismus wie für den ganzen jüdischen Charakter der Unruhen figurieren läßt. Außerdem kommen ihr noch die „Rüsten" zu Hilfe. Irgend ein Lokalblatt wußte zu berichten, daß bei Ausbruch des Generalstreikes sich in EiSleben mehrere Rüsten aufgehaltrn hatten. Die „Deutsche Tageszeitung" präsentiert sie gut abgezählt — genau 60 — mit der Zugabe von zwei ihr sehr geläufigen Worten, und der ganze Satz lautet nun: „Wes Geistes die sind, * gebt daraus hervor, daß bei Ausbruch des Generalstreiks, in Eisleben 60 Russen und Jud en festgrstellt wurden". Woraus zu folgern ist, daß die Rädelsführer unschädlich gemacht werden müssen usw. Man könnte, wollte man auf die kleinliche Art dieser aus allen Blüten saugenden Kreaturen einqehen, mit einer großen Namensliste der Kohns, Levis,BlumenthalS,Goldsteins usw. dienen, die überall in Mitteldeutschland als erste Zielscheibe für die plündernden Horden dienten. Man könnte auch von den vielen KohnS und Levis erzählen, die in Oberschlesien ihren deutschen Stimmzettel mit Haus und Hof, Leben und Gesundheit büßen mußten. Aber es geht heute um größere Dinge, uud Deutschland hat wahrlich Besseres zu tun, als den ausgeplünderten Goldstein dem nichtausgeplün derten gegenüberzustellen ... Weit ernster und bedenklicher ist es aber schon, wenn offizielle Regierungsblätter die Vorgänge auf diesen oder noch rüderen Ton stimmen. Das geschieht natürlich wieder im gelobten Bayernlande. Ein bayrisches Amtsblatt, (der „Miesbacher Anzeiger") schmückt die leitende Stelle seiner Nummer mit einem „Funkspruch an alle Sau- und Negterungsjuden an der Panks- Dahme, Briese, Doße, an der Havel an der dreckigen Spree." Der Inhalt des Schreibens entspricht dem schönen Tttel vollkommen. Das vierte und fünfte Wort des Titels kehren in den lieblichsten Verbrämungen auf jeder Zeile wieder. Wir gestehen, es kostete uns große Ueberwindung, diesen Titel wiederzugeben. ' Aber man dient der Wunde nicht damit, indem man sich mit Ekel von ihr abwendet. Man soll sie zeigen und ansehen, wo sie am blutigsten und schmerzlichsten ist. Wann wird der Hetlbringer für Nord und Süd kommen? 7. April 1931 ----- — - . Vom Krlegsantlsemlti-mvs in Amerika- Daß der KriegSanttsemitismus den Weg auch über den NtlcmtuS nach der neuen Welt gefunden hat, gehört zu den bittersten Enttäuschungen der Zeit. Es blieb doch in all den Jahren des Schreckens das Gefühl, als wäre Amerika bei dieser Welt- und Kulturzerstörung doch nicht mit ganzem Herzen dabei. Die offizielle Union machte wobt den Reigen mit, aber im Ganzen schien es doch, als wären dort die güten Geister, die in Europa Heimat- und obdachlos geworden, noch gut geborgen. Viele Ruinen auf dem geistigen und sittlichen Trümmrrfelde Europas wußte die amerikanische Menschenliebe wieder auszu-- bauen, bevor man hier noch an tatsächliche Wiedergutmachung denken konnte. Auch daS Wort Weltfrieden und Völkerbund kam zuerst von dort zu uns herüber und setzte sich in die Herzen und Hirne aller fest, die sich noch einen Rest von Klauben an Weit und Menschheit bewahrt haben. Umso betrüblicher, daß sich in Amerika ein Ford mit einem Hetzwerke etablieren konnte, bei dem zu den sachlichen Niederträchtigkeiten des mitteleuropäischen Antisemitismus noch die Schwungkraft der unvergleichlichen amerikanischen Reklame und Propaganda hinzukommt. Amerikanische Zeitungen schieben einen Teil der Schuld auf den jetzt aus dem weltpolitischen Leben scheidenden Wilson zu, der die Machtlosigkeit, an der seine großen Idee» zusammengeörochen sind, in noch weit größerem Maße drr Fordschen Hetzpolttik gegenüber zeigte. Der hebrätsche „Haibri" wirft sogar Wilson bis zu einem gewissen Grade bewußten und aktiven Antisemitismus vor. Diesen Vorwurf verdient u. E. der Mann, an dessen Namen sich in der trübsten Zeit so weitgehende Welthoffnungen knüpften, nicht. Ec hat auch in seiner Regierungszeit kaum zu solcher Anschuldigung Anhaltspunkte geboten. Immerhin wollen-wir der Hoffnung Ausdruck geben, daß es unter den Regime H ard ing gelingen werde, all die dunklen Elemente, die die glorreichen Traditionen Amerikas zu verleugnen und die ersten Voraussetzungen seines Glückes und Aufsteiger zu zerstören suchen, möglichst nieder zu halten. Die letzte Kuudgebung des katholischen Ordens „Knights of Columbus“, über die wir in jüngster Nummer berichtigt haben, zeigt zur Genüge, wie sehr eine allen Konfessionen gerecht werdende Regterungspolittk auf Unterstützung der Besten in Amerika rechnen darf. Keines Feuilleton. Ein Interview mit Rabbi Chaim Sonnenseld. Angesichts der die ganze jüdische Welt, soweit sie auf gesetzestreuem Boden steht, stark erregenden Vorgänge in Jerusalern, die zu einer immer offener hervortretenden Spaltung der palästinensischen Judenheit geführt haben, erscheint ein Interview besonders interessant, das der zionistische Publizist Gedaljah Bubltk vor einer Reihe von Monaten bereits in Jerusalem mit Rabbi Chaim Sonnen selb gehabt hat und über das er in einer der letzten Nummern der New Yorker „Jüdischen Gazetten" berichtet. Als Bublik in Jerusalern war, hatte der Kampf gegen Rabbiner Kuk infolge der aus seiner Feder erschienenen Broschüre „Auraus" gerade die schärfsten Formen angenommen, sodaß Bublik beschloß, einmal den so viel befehdeten Führer der, wte er es nennt, „extremsten" Orthodoxie, Rabbi Chaim Sonnenfeld, selber aufzusuchen. Er schreibt: „Rabbi Sonnenfeld hat mich mit einem breiten und freundlichen „Scholaum Alechem" empfangen und hat uns gleich in die Sukkoh hereingesührt. Er ist ein großer Mann. Sein Gesicht ist breit, von einem langen weißen Bart umrahmt, der bis auf die Brust herabfällt. Sein Gesicht weist strenge Züge aus, die Augen .zeigen große Klugheit, ein Blick genügt, un> zu sehen, daß man einen wirklichen Weisen vor sich hat, in echtestem Sinne des Wortes. Ebenso fest wird man überzeugt, daß er ein Mann absoluter Wahrhaftigkeit ist, der fest auf seinen Prinzipien steht und den Kampf für das führt, was er für gut und richtig hälr. ES gibt keinen größeren Gegensatz, als zwischen dem schwermütigen Philosophenkopf des Rabbiner Kuk und dem Führer der extremsten Orthodoxie, öeffen Wahlspruch ist: . . . 12p' m» („Lieber sterben als ein Verbot übertreten"). Rabbiner Sonnenseld weiß von keinen Kompromißen, weiß nichts von Neigungen. „Das Judentum ist ein Kampf und wer in den Krieg zieht, darf sich mit Sentimentalitäten nicht abgeben". Der Interviewer kam nun auf den Sonnenfeldschen Brief zu sprechen, der in einer Broschüre gegen Rabbiner Kuk abgedruckt sei und meinte, daß dieser gegenseitige Kampf gesetzsStreuer Rabbiner in der Oeffentlichkeit höchst bedauerliche Wirkungen ausübe. Er fährt dann fort: „Rabbiner Sonnenseld hat mir nicht die Zeit gelassen, um meine Rede zu beenden. Ich habe gesehen, daß meine Worte ihn nicht im mindesten in Verlegenheit brachten. Er hatte seine Antwort in Bereitschaft und war vollkommen sicher, daß er im Rechte sei. Als ich geendet hatte, erklärte er mir in einfachen Worten, daß die Meinungen unter den Menschen immer verschieden gewesen seien und daß Jeder verpflichtet sei, für seine Meinung zu kämpfen, wenn er überzeugt ist, daß die Anschauungen der Gegner schädlich seien. Bes Schamat und Bes Hille! hätten sich ebenfalls bekämpft, und sie hätten recht daran getan, denn sie hätten damit die Thora größer gemacht. Das sei der Sinn der npibnte, die eine große Sache sei und solange existieren werde, wie Menschen denken. Er fuhr dann fort: „Ich bin mit dem Jaffaer Raw nicht einverstanden. Der Jaffaer Raw ist gewiß ein großer Mensch, aber er hat eine andere nsv und ich habe eine andere . . . Ich bin überzeugt, daß seine Auffassung dem Judentum Schaden bringt, kann ich schweigen? Der Jaffaer .Raw meint, wenn er den Radikalen Lobeshymnen singt, oder sie zu entschuldigen sucht, wird er sie eher für die Jüdifchkeit gewinnen können. Er meint, wenn er aus sie schreibt, daß sie trotz ihres Freidenkertums große Verdienste um das Judentum hätten und ähnliche Sachen, so werden sie damit für das Judentum gewonnen werden. Deshalb sagt er, daß, wenn sie sich mit Gymnastik beschäftigen, sie damit einen „heiligen Dienst" verrichten, während alle wißen, daß diese Leute öffentlich das Heiligste entweihen. Der Jaffaer Raw hat gewiß eine gute Absicht, aber deswegen verherrlicht er doch die Menschen, die das ganze jüdische Leben zugrunde richten und das Fundament, ans dem wir stehen, unterwühlen. Und was ist das Ende? Sie, jene Leute, lesen garnicht, was der Jaffaer Raw schreibt. Sie wollen überhaupt nichts in die Hand nehmen, was ein Rabbiner schreibt, so liberal er sich auch zu ihnen stellte. Sie sind nicht einmal dankbar für seine Stellung zu ihnen. Sie er. kennen es garnicht an und wißen garnicht, was er schreibt. Die einzigen, die lesen was er schreibt, sind diefrommenjungenLeutevondenJefchiwos, der letzte Rest dessen, was uns geblieben ist, und wenn sie lesen, daß Turnen ebenso gut ist, wie Tehillim» sagen, werfen sie das bischen Jüdifchkeit weg, das sie besitzen. Ich glaube, daß wir mit den „Freien" nichts zu tun haben dürfen. "Wir werden sie nicht für unS gewinnen können und sollen lieber verhüten, daß diejenigen, die zu uns gehören, uns nicht entrissen werden. Die großen Lobreden auf die „Freien" sind gewiß kein Heilmittel dafür, daß die, die zu uns stehen, bet unseren Fahnen bleiben". AIS der Interviewer die Unterhaltung fortsetzen und eine Aufklärung darüber verlangen wollte, warum

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