Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 13 (31.3.1921)
- Date
- 1921-03-31
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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si mitt im tn Ksrarltt. Sprechfaal. Koscherbutter. Auf die Entgegnung der Frau H. B. gefielte ich Mir, Folgendes zu bemerken. Dieselbe gesteht unumwunden,ein, daß mein Eingesandt ihr aus dem Herzen gesprochen sei. Sie gibt damit zu, daß auch nach ihrer- Ansicht seit Freigabe der Feite der Genuß von Butter, die ohne Aufsicht hergestellt ist, unbedingt religionS« gesetzlich verboten ist. Viele Jehudim glauben noch heute, in gewissen zuverlässigen christlichen Bauernfamilien anstandslos ihre Butter weiter beziehen zu dürfen. ES ist dies eine Selbsttäuschung. Und nur ein Wort zu der Bemerkung über die bayerischen Rabbiner. Als Laie kann ich mir nicht anmaßen, über eine religiöse Entscheidung der zumeist als Jeretm anerkannten rabbintfchen Autoritäten ein Urteil zu fällen. Zweifellos ist erwähnte Erlaubnis erst nach wiederholtem Drängen seitens der jüdischen Bevölkerung erteilt worden. Da während deS Krieges eine Befürchtung wegen Vermischung mit unerlaubten Fetten nicht bestand, so ist gegen diese durch die Not der Zeit erfolgte Entscheidung sicherlich nichteinzuwenden. Hätten d;e Rabbiner ihren nwx aufrecht erhalten, so würde man sie sicher in jüdischen und in antisemitischen Zeitschriften als Finsterlinge und Fanatiker beschimpft haben. Glaubt denn Frau H. B. im Ernst, ößfj ein Bauer, dem während des Krieges von Hamsterern und Schleichhändlern die höchsten Preise für Butter gezahlt wurden, sich einer Aufsicht unterzogen hätte? Stein, nein'. Welche Mühe kostete es in der schweren Zeit, einige Lot Butter zu erhaschen. Wie glücklich Shlte man sich, wenn man nach langem Bitten und eiteln einmal ein halbe- Pfündchen dieses teuren Gutes erwerben konnte! Wenn Frau H. B. dies nicht mehr wissen sollte, dann hat sie die Kriegsjahre verschlafen. Jetzt handelt es sich darum, wieder den jetzigen Verhältnissen Rechnung zu tragen. Der Wunsch der Frau H. B., ihr Butter za verschaffen, kann ich leider nicht erfüllen, da ich ihre Adresse nicht besitze. Jedoch können Sie beliebig viel koschere Butter bekommen, wenn Sie sich mit den bekannten Firmen in Frankfurt a. M. und anderöwo in Verbindung setzen. Allerdings liefern diese Firmen nur Pflanzenbutter. Dafür haben Sie die Gewißheit, daß Ste auch koschere Butter erhalten. Flieden, 20. Adar I. S. Freudenberger. Literatur. Jüdisches Jahrbuch für -Le «Schweiz (Annuaire isra€lite pour la Suisse. Basel 5681. 5. Jahrg. Das jüdische Jahrbuch für die Schweiz, das in diesem Jahre zum fünften Male als willkommene habe erschienen ist, ist wiederum außerordentlich reich- Gallig. ES beginnt mit einem Rückblick auf das vergangene Jahr, de, i» einem warmherzigen Tone die Schicksale des jüdischen Volkes bespricht und dabei ebenso Palästina wie die Länder der iöiaSpora berücksichtigt, naturgemäß aber besonder» auf die Verhältnisse der Schweiz Bezug nimmt, in der auch manche Aeußerung antisemitischen Getste» zu verzeichnen war. Die Einleitung der Abhandlungen bildet eine gehaltvolle Predigt von Rabbiner Dr. Cohn, Basel, „die Rückkehr nach Zion", die aus Anlaß de» San Remoer Beschlusses de» Obersten Rates gehalten wurde und die tn den Gedanken auSklingt, daß mit der Rückkehr in» Judenland die Rückkehr zum Judentum verbunden fein muß. Bon hohem Interesse ist auch der ausführliche Bericht vor? L. Wyler über d!e WelthllfSkonferenz in Karlsbad, der er selbst als Delegierter beigewohnt hat. Der Bericht läßt da» ganze große Leid des jüdischen Volkes an uns »orüberziehen, aber er zeigt uns auch den entschlossenen Willen der Teilnehmer, alle», »av in ihren Kräften steht zu tun, um diese Leiden zu mildern. Von warmer Liebe zum jüdischen Volke ist auch der Artikel von Dr. M. Ascher, „Wir sind ein Volk", erfüllt, der die Notwendigkeit einer gemeinsamen Front des Judentums in der Frage der Emigration und Palästinas betont. Wichtig ist ferner die Abhandlung *on Dr. Robert Suggenheim, „Zur Psychologie deS Schächten»", wichtig schon deshalb, weil die Frage in der Schweiz immer noch aktuell ist durch das Schächtverbot, daß die Verfassung der Eidgenossenschaft verunziert und das, nach provisorischer Aufhebung infolge der Kriegsverhältnisse, neuerdings wieder voll tn Kraft getreten ist. Beachtenswert ist auch der Artikel von Dr. M. Ascher, „Nouvelle Evaluation de valeurs mecoumes", der die sexuelle Frage vom Standpunkt deS Judentums erörtert. Bon den Erzählungen heben wir besonders die ergreifende Schilderung von Dr. Max Rosenkranz, „Die BaalSfeuer", hervor. Außerdem enthält das Jahrbuch die üblichen Beigaben. ES kann im ganzen als eine außerordentlich erfreuliche Erscheinung bezeichnet werden und wir zweifeln nicht, daß eS sich zu feinen bisherigen Freunden noch viele neue erwerben wird. Dr. I. U. Die Juden als Rasse- und^ Kulturvolk, von Fritz Kahn. Berlin 1920. Welt-Berlag. 224 Seiten und 2 Karten. Preis geh. 15 Mk., geb. 19 Mk. Ein geistvolles und trotz des gelehrten Apparates feffelnd und auch dem Laien letchtverständlich geschriebenes Buch legt uns der Verfasser vor, welches der Verlag in einer schönen Ausstattung der Oeffentlichkeit übergibt. Jedoch daS Buch leidet bei allen seinen Vorzügen an einem großen Fehler, der diese alle überwiegt. Der Verfasser kämpft redlich für seine Glaubensgenossen gegen die Verunglimpfungen eines Chamberlain und eines Delitzsch, welche die Juden als minderwertige Raff' kennzeichnen, die nichts Eigenes geschaffen, die Plagiat geübt habe an der babylonischen Kultur und die mit ihrem Lun und Treiben für die Welt 9t*. 13 Sette 7 nur Schädlinge seien. In seiner Verteidigung und Beweisführung weiß Kahn warme, zu Herzen gehende Töne für die Geschmähten anzufchlagen. Was fei et» Sabbat der Juden gege« den des Hammurabi und wie gestattet sich praktisch die Sabbarfeier der Judenheit gegen die SonntagSfeter der großen Masten, die den Tag nur dem Vergnügen in Sportübung und de« Besuchen von Bergnügungsplätzen widmen? Wie verhält sich die Schöpfungsgeschichte bet Hammurabt, der die Welt aus Mord und Zwietracht hervorgehen läßt, zur biblischen Erzählung, die von der Erschaffung der Welt durch einen gütigen Gott spricht? .Und da» jüdische Volk soll kein Kulturvolk sein, das der Wett die Bibel, das Buch, das für einen großen Teil der Wett Erhebung und Trost bedeutet, gebracht und bewahrt hat? DaS ist nun alles recht schön und gut, wenn e» vom jüdischen Standpunkt, der an eine Offenbarung glaubt, gedacht wäre, daS ist es aber nicht, unsere Thora ist nach deS BerfafferS Ansicht Menschenwerk, daS verschiedenen Zeiten seine Entstehung verdankt, er geht in den Spuren Wellhausens und damit auch in denen EhamverlainS und Delitzschs, nur zieht er verständigere Schlüffe aus den Prämissen als jene. Gewiß rührt vieles, so meint der Verfasser, von Mose- Her, dem großen und weitschauenden Gesetzgeber, -er aber auS dem Vorgefundenen Material ganz andere» herausgearbeitet hat als Hmmurabi! Aber Moses, so meinen wir, hat garnichtS herausgearbeitet, MoseS ist kein Gesetzgeber, er ist der Uebermittler deS ihm von Gott offenbarten Gesetzes, nachdem dem ganze» Volke in weitester Oeffenrlichkeit von Gott die Grundlage deS ganzen Thorainhaltes, die „zehn Worte" kundgegeben waren. Ein Werk deS Mensch en Mose» und wäre er der Weiseste gewesen, hätte keine Ewigkeitswerte geschaffen, wie sie unsere Thora enthält, keine Bestimmungen, um der.« Verwirklichung jetzt nach mehr als 3000 Jahren — mau denke an die sozialen Gesetze — die Menschheit ringt, weil ste in ihnen daS Glück der Menschheit gesichert sieht. Wer sagt uns, ob nicht der Mensch MoseS in dieselbe« Fehler wie Hmmurabi verfallen wäre, wenn er sich als Gesetzgeber hätte betätigen wollen? Vor de» krassen Irrungen deS babylonischen Fürsten hätten ihn allerdings die seit Abraham in den von diesen abstammenden Familien gewahrten Traditionen geschützt. Wir geizen nicht nach dem Ruhm, die Bibel alS jüdisches GetsteSprodukt bewundern zu lassen, wir freuen uns der „Erwählung" würdig geworden zu sein, sie von Gott, nicht von, sondern durch MoseS empfangen und der Welt bewahrt zu haben. Die wahrhaft schönen Partien, die daS Buch enthält, wiegen den Mangel, den wir hervorgehoben, nicht auf und darum tut es uns doppelt leid, es, abgesehen von der gründlich wissenschaftlichen Behandlung der Raffenfrage, die schlagend die Unwtffenschaftlichkett unserer Feinde in Behandlung dieser Frage nachwetfl, ablehnen zu müffen. Sulzbach. nsg] Für den Inseratenteil ist die Redaktion nicht verantwortlich; insbesondere ist es ausschliesslich Sache der Leser, die im Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgesetzlichen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen^ üumelflr meine sunoeiier relig., große schlanke Erscheinung, angenehm. Aeußere 18 I. alt, in Haushalt u. Geschäft tüchtig, einen Passenden Herrn m. gestch. Existenz. Mitgift 100 000 Mk. u. erstkl. Friedensansitattung ev. Witwer auch Ausländer. Briefe sind zu richten unter F. D. B 4855 an Rudolf Moffe. Frankfurt a. M. SS092 Für meinen Bruder, 45 Jahre alt, Inhaber eines gutgehenden Manufakturwarengeschäfts in der ProvinzHannover (kleiner. Platz), hem es an passender Damenbekanntfchaft fehlt, suche ich eine tücht. Häusl, wohl erzogene FRAU die auch im Geschäft mit tätig fein kann. Angebote erbitte direkt od. von dessen Angehörigen Vermittler zwecklos) mit Bild u. 22927 an die Exped.. ds. Bl. ilr Ile WM lassen Sie Ihre «Ile» MenllreMe nach neuest. Modell. umarb.,sow. Men-We ob weich, steif oder Chlinder nach modernen Formen wie neu Herrichten färben und reinigen. SM MeiMtöf Hüte werden gleich garniert, alte Zutaten verwendet. (22982 ntflÜPS 3M Schtllerstraße 10. II. Römer 2414. Betotttgung mit »0008 Mk. gesucht an Haushalt, Glas, Porzellan, Eisenwaren od. 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