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Der Israelit · 1921-03-31 · Heft 13 (31.3.1921) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 13 (31.3.1921)
Date
1921-03-31
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Sette 6 Nr. 18 Der A-rarirr Frankfurter Berichte. Aum Verkauf -er alten Synagoge. Ein Abschiedswort. Die letzte Nummer des „Israelit" brachte die Nachricht, daß die alle Synagoge als Ausstellungsraum verkauft sei und 'daß in diesen Tagen manches Gemetndemitglied den Weg nach der Schützenslratze gefunden habe, um von der alten Schul Abschied zu nehmen. Die alte Schul, Grötzschul! Aus vergangenen KindheitSlagen steigt die Erinnerung empor, und mir deucht eS, als ob ein Grützen des alten Hauses zu mir zöge — jetzt, da feine Jahre zu Ende gehen. Mit ihm verband sich die lebendige Erinnerung an ein Geschlecht, das lange schon schlafen gegangen, das aber weiterlebte, weil die alte Schul in lautloser und doch weit vernehmlicher Sprache von ihnen und ihrem Leben Kunde gab. Und mir ist eS, als ob dies Geschlecht in seiner Gesamtheit erst jetzt hier auf Erden Heimat!«- geworden sei. So möge denn kindliche Liebe den ehrwürdigen' mächtigen Raum noch einmal mit dem Leben ver. gangener Zeiten erfüllen, bevor des Alltagnüchterne Hand den letzten Rest versinkender Schönheit uuwiederbr inglich weggewicht hat. Seht — da ziehen sie einher in unübersehbarer Reihe die Männer und Frauen eines halben Jahr- Hunderts. Hört ihre TefillauS, denkt all die stillen Bitten und der lauten Huldigungen, der hoffenden Zuversicht und des überquellenden Dankes, der tiefen Seufzer der Tränen, der geweinten und der ungemein en, die aus wehen Herzen aufgestiegen. Seht die Schamosim in weißen Haaren, die in hingebender Treue den Dienst im Heiligtum vollzogen; hört die Chasonim, die den Geist deS Frankfurter ChafonuS liebevoll gepflegt, schaut ihn, der mit der Würde deS Hohenpriesters am Omed gestanden und besten unvergleichliche Ntgunim, immer leiser und leiser werdend, in dem heiligen Raum verhallen. Seht die Parnosim und Manhigim, die der Kehillo gedient voll Stolz auf ihre aufblühende Grütze und Kraft, voll Demut vor dem Manhig auf dem göttlichen Throne. Seht ihn auf der Kanzel, den Greis mit dem JünglingSauge, dem man zugejubelt in kindlicher Liebe und in ehrfurchtsvoller Scheu, den Rabbiner, den Großen, besten Mund voller Weisheit und deffen nimmer rastende Hand unsterbliche Werte geschaffen. 83 ini w Geschlechter versinken; jcd«ch dtiö *6 D'pnat Q’no o*B' Jahre sterben, aber Liebertat und Menschengrötze dauern fort. Alte Schul — so heitzt eS jetzt für immer v«n dir Abschied nehmen. Abschied auch von leuchtenden Kindheitserinnerungen. In bunter Fülle strömen sie mir zu: Da ist der erste SlichauSmorgen; draußen die Nacht im Sternengefunkel und dem scheidenden Mond; da huschen wir Knaben über den Schulhof durch die Seltentür in Schul, daraus uns ypö bjf *iDim in hinreißender Innigkeit entgegentönt. Die Weihe der Jomim Nauroim hat die Beter ergriffen und die Suldtgung des BPn &t?n wogt, von Hunderten von timmen getragen, durch den lichterfüllten Raum, n^nn “pJönp nm» 'Kit»3 — du hast nun die Ruhe für immer gefunden — alte Schul. Oder Chanukoh! Man hat die Schule eine Viertelstunde früher geschloffen und ein ganzes Heer von Knaben eilt im Sturmschritt in die Schützenslratze. Die miJö steht bereit und nach nrao steigt der große langsam die Stufen zu ihr empor. Lautlose Stille ringsum, auf daß nicht ein Ton der wunderbaren Brochoh verloren gehe. Leise beginnt er, dann aber erhebt sich seine Stimme zu machtvoller Höhe. Ihn preisend, der den Vätern Wunder erwiesen, in jenen Tagen zu dieser Zeit. Oder nnw nfittttM Kein Plätzchen in der großen Schul, das nicht doppelt und dreifach besetzt wäre Auf dem Omed der Chason im seidenen Tallts. min nnöSP3 nßBW tönt es aus seinem Munde und mit unnachahmlicher Grazie tanzt er, sein Sefer im Arm. Kein Auge, das diesem heiter ernsten Gottesdienst nicht lächelnd zugeschaut, kein Mund, der die ewig jungen Klänge nicht mitgesungen. Aber niemand glücklicher als die Jugend, dle nicht um alle Schätze auf nun nnvV in Grötzschul Verzicht geleistet hätte. Aber nicht nur die festlichen und ehrfurchtgebietenden Tage waren es, die unsere Herzen zusammenklingen ließen mit dem Leben und Weben der alten Schul; jeder Tag in ihr war uns ein Geschenk, jeder Stein ihrer Mauer uns vertraut. Ob man am Erew Peffach im Hofe Chomez verbrannt, ob man vor Hauschano Rabbo dort die Schanaus ausgesucht, ob man zuschaute wie die Erwachsenen ihre Schekolim spendeten, oder ob man die Verkündigung der Mazzomehl-Anmeldung vernahm — es war alles gleich schön und gleich unvergeßl'ch. Aber eine Erinnerung ist's, sie vor allen, die mich nie die alte Schul vergeffen lasten wird. ES war am S8. TeweS des Jahres S648. B-r de« Haufe in der Schönen Aussicht stand der schwarze Wagen, darauf man köstliche Bürde lud zur letzten Fahrt. Langsam setzte sich der Zug tn Bewegung. Die Schüler der Prima der Realschule voran, die Werke Samson Raphael HtrschS in den Händen; dann die sterbliche Hülle deS Meisters, sodann wir kleinen Schüler, nach uns die anderen Klaffen der Schule und viele Taufende Letderfüllie. Wir bogen in die Schützenstraße ein, um an der Synagoge vorüberzuziehen. Und siehe da! Man hatte die Tore der Schul weit geöffnet; niemand bef.nd sich in den Gängen und Korridoren, und in tiefem Schweigen und in einsamer Größe entbot sie ihrem Schöpfer den letzten Gruß. Mehr als drei Jahrzehnte sind seit jener Stunde vergangen. Der kleine Junge, der damals neben seinen kleinen Kameraden ging, wußte noch nichtvon dem Tode, noch davon wußte er, daß eS Auserwählte unter den Menschen gibt, die den Tod überdauern und in dem Gedächtnis ihres Volkes weiter leben. Aber ein leiser Hauch der großen Lehre »om Leben und Sterben der Unsterblichkeit mag in jener Stunde doch durch seine kindliche Seele gezogen sein und die alte Schul war eS, di» ihm davon verkündet. Alte Schul — liebe, alte Schul, Hab' Sank, Hab' ewig Dank! H. Sch. Mofes Kußmarr« Unter -aylrerchrr Beteiligung wmL« GsnNtatz vormittag Moses Sußmann zur einigen Ruh« bestattet, der, im Jäher 1848 geboren, fern von der Heimat sein arbeits- und segensreiche- Leben beschloß. Ein ganz Fremder war aber Sußmann in Frankfutt nicht, da er ein Snkel de« ^3 war, -er auf dem alten Friedhof an der Bßrnestraße rnht. Seine Heimat war Osirog in Wolhynien, au? deren Friedhof feit dielen hundert Jahre» fein« Familtza einen besonderen Platz hatte, für dessen Erhaltung er die größten Opfer gebracht hat. Er lieg ihrß turcb Mauern einsassrn, damit die Grober ohne Betreten des Friedhofs gesehen werden konnten, da dvn ihnen als Kauhanirn, nieinand diese heilige Stätte betreten konnte, und baute ein Beth hakneses daran, damit der Platz nie expropriiert werde. Nicht nur für die Ruhe der Toten sorgte er, den Alten jund Siechen errichtete er ein Altersheim, den Kranken ein Krankenhaus, den Waisen ein Waisenhaus, de« Hungrigen eine Suppenansta.lt. Nicht Geld allein gab er dazu, sein Herz und seine ganze Kraft widmet« er diesen Anstalten. Tan eben stand fein -eigenr- Haus für jeden Bedrängten weit offen. MS Bor« stand der Gemeinde und als Stadtverordneter war es ihm möglich. Jedem, der in Schwittiakeiten kcmtz Seizustehen. — Ein Fürst aus feinem Gebiet, müfc gestattet mit dem wahren Adel jüdischer Gesinnung» hat er Schatze und Kräfte im Dienst der Nächsten» liebe verwendet. Nun ist er heimgegangen. Güter und Geld konnten ihm die wilden Kriegshorden rauben, Freunde und Verehrer sind fern von ihr», über seine Maaßim lauwtm, Zcdoknh und GemMuS Eheßed begleiten ihn vvr Gottes Thron und sicher» ihm eine« Platz unter den Gerechten. 7,"2SHn WoHttLligLekls-K-rtjert. Las von der Jüdischen Frauenvereinigung tfu Gunsten der unterernährten Kinder veranstaltete Korr» «ert findet Mittwoch, den 6. April, abends pväciS?Vs Uhr im großen Saale der Frankfurt-Loge statt. Reben den Darbietungen des jüdischen Orchester» Vereines unter Leitung des' Herrn Tiriaenten Neumann, sind auch Solostücke bewährter Künstler fern Programme vorgesehen. %ec gute Zweck läßt auf «in» rege Beteiligung hoffen. Aüdische Arauenvereirrigu«-. Tienstag. den 22. März hielt die Jüdisch« Frauenvereinigung ihre zwölfte Hauptversammlung ab, der wir im Interesse des Vereins regere Be» tetligung gewünsch: hätten. Ungefähr 24—30 Anwesende folgten aufmerksam den Worten der Kovfttzenben, welche die Versammlung begrüßte, den Jahresbericht nochmals klarlegte und ergänzte und in die Arbeit der verschiedenen Kommissionen einen kurzen Einblick gewährte. Tie Wahl zweier Revisoren, einige Schlußworte, den Tank für gewahrt» Beihilfe uird die Bitte um fernere- Wohlwollen ausdrückend, beendeten die Versammlung. — Mit freudiger Genugtuung begrüßen wir baS Aufblühen des Vereins, der unter der Leitung eineS einsichtsvollen Vorstandes solch segensreiche Tätigkeit ent* faltet. Vereinskalender. Verein Mekor Chajim. Samstag vorm., nach Schluß der Synagoge: „Dinim"; Herr Rektor B. Falk. — 12 Uhr im Hörsaal Friedberger Anlage: „Melochim"; Herr Prof. Wey l. — Nachm. 4 Uhr: „Mikron- Herr cand. med. Fritz Hamburger. Sonntag vorm. 93/4 Uhr und Dienstag abend 7 Uhr: „Gemoro"; Herr R. R. Posen. ^__ 31. März 1921 S,rrntag nachm. 7,7 Uhr: „Midrasch"; Herr Kantor Stetnberger. Montag und Mittwoch abend7Uhr: „Gemoro"; Herr Dr. Jos. Breuer. Mtttrpoch, Jahrzeiisstiftungslernen: Direktor Dr. Mendel Hirsch-Stifmng. Allabendlich 8*/4 Uhr: „Gemoro"; Herr H» Halpern. Jeden Morgen Mischnalernen. Agndas Jisroel-Jugendgruppe. Sonntag vorm. 8 Uhr: „Chumisch mit Raschi"; Herr Leopold Oppenheimer. — Nachm. 97« Uhr: „Tehillim"; Herr Herm. Frankenthal. — 6 Uhr: „Hebräische Sprache"; Herr Lehrer I. Je len. Herren und Damen. Dienstag abend 8 Uhr: „Tefilloh"; Herr Oberlehrer Kaufmann. SamStag vorm., 97, Uhr: „Gemoro"; Herr Dr. I. Posen, Tiergarten 42. — liy4 Uhr: „Gemoro"; Herr H. Halpern. — 11% Uhr: „Mischna"; Herr A. Hirschberg. — 3% Uhr: „Gemoro"; Herr Dr. H o f m a n n. — */4 Stund« vor Nacht: „Midrasch"; Herr Dr. H o f m a n «. Agndas Jisroel-Madcheirgruppe. Montag abend 8% Uhr: „Dinim" (Peffach); Herr Redakteur Schachnowitz. SamStag vorm, nach Schul: „Sidravortrag". SamStag nachm. 4 Uhr: „Thauro"; Herr Lehrer Hirschberg. Zeire Emnne Jisroel, Hanauerlandstraße IV. SamStag nachm. 4 Uhr: „Orach Chaim" st'v •hnt Herr B. Gitler. Sonntag abend 8% Uhr: „Gemoro"; Herr I. Sch. Neigebauer. Montag abend 8V« Uhr: „Gemoro"; 97« Uhr: „Jeschajohu"; Herr N. Weil. Dienstag abend 87, Uhr: „Gemoro"; 97, Uhr: „Dinim"; Herr Sch. Lustig. Mittwoch abend 87, Uhr: „Gemoro"; Herr M. Speiser. Donnerstag abend 87, Uhr: „o^nn" und „Doroth Haroschonim"; Herr I. Landau. Verein sn fp£. SamStag nachm, nach „Mincha", Hörsaal Friedberger Anlage; Herr Prof. Dr. Sulzbach, Beshamidrasch, Ostendstrafte 18. Freitag abend nach Schul: „m& ritten"; Herr Rachelsohn. SamStag nachm., 7»6-7*7 Uhr, Sonntag früh 8—9 Uhr, DienStag und Donnerstag abend, 9—10 Uhr: „Gemoro-Schiur" nvp »23; Herr Rechtsanwalt Dr. I. Breuer. SamStag nachm. 4 Uhr: Vortrag. — Eine halbe Stunde vor Nacht: „Mefstlas Jefchorim"; Herr H. Halpern. Alltäglich 7, Stunde vor Nacht: „Dinim"; Herr Rosen zweig. Vw *nan, Ostendstrahe 18. Täglich nachm. 67,—77, Uhr, B'n&B nnv:; SamStag - nachm. 4—5 Uhr: Herr Rabbiner S. Weber. Heöetzeite». 'Mäv row. Freitag abend 6.25. Samstag morgen 8.— Samstag nachm. 5.—. Samstag albend 7.45. Wochengottesdienst: Morgens 6.30. Nachmittags 6.30. Familiennachrichten. Barmizlvohfeier. Arthur, Sohn des Herrn Siegfr. Vogel, Herderstr. 37, Synagoge Börneplatz. Verlobte. M. Lepkowitz, Jerusalem, zur Zeit in Frankfurt a. M., mir Sara Herbstmann, Fulda. Groß-Frankfurt am Eschenheimer Turm Spezialitäten- Theater Zifl&rtal usad Bies*kabai»ett Kassenöffnung 67, Uhr, Anfang 77, Uhr abends W ei n k B a ca s e Eingang hup Stifft&traBe 32

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