Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 13 (31.3.1921)
- Date
- 1921-03-31
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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81. März 1981 Dieser Tage erschien der Jahresbericht des American Jewish Committee für das Jahr 1920, in welchem die.Geschichte der antisemitischen Protokolle, mit denen Hemy Ford in Amerika und seine Gesinnungsgenossen in Europa ihre Hetzpropaganda betreiben, einen großen Raum etnnimmt. In dem Bericht wird ftstgestellt, daß die Direktion des Amer'ean Jewish Committee von den „Geheimnissen der Weifen von Zion", mit denen der internationale Antisemitismus eine Zeitlang hausieren ging, Kenntnis erhielt, noch ehe sie in Europa veröffentlicht wurden. Die russischen Antisemiten, welche die falschen Protokolle zu dem Zwecke verfaßten und hergestellt hatten, .um durch sie den Judenhaß in Rußland wachzuhaltm und reaktionäre Propaganda zu treiben, wandten sich an das amertkanilche jüdische Komitee mit dem Borschlag, gegen eine große Ablösunc “ summe die angeblichen Originalprotokvlle zu vernichten. Das Komitee, löhnte selbstverständlich ein solches Ansinnen ab und wies den Erpressungsversuch entschieden zurück. Daraufhin wurden dann diese Protokolle unter. den verschiedensten Titeln in England und später auch in anderen Ländern, vornehmlich in Deutschland, veröffentlicht. Interessant ist auch die Feststellung des Berichtes, daß General Denikin sich dieser Protokolle bet seiner gegenrevolutionären Kampagne bediente, indem er den Haß gegen, den Bolschewismus dadurch zu erwecken suchte, daß er ihn als eine „jüdische Bewegung" hinstellte. Lehrerelend. Von L. G. in A. Zur Illustration dieses ominösen Begriffes wurden uns in den letzien Nummern dieses Blattes so unerquickliche und erschütternde Bilder vor Äugen geführt. Manchem Leser des „Israelit", der bisher vielleicht gar nicht um den Lehrersland sich gekümmert hat, wurde da womöglich zum ersten Male die schreiende Misere, ja die Tragik, des heutigen Religionslehrerftandes ins Gewissen gezeichnet. Denn des Lehrers Klagen wurden bisher leider nur in seiner Fachpresse behandelt, um ein Wie und Wodurch zu finden, was seine so elende Lage verbessern könnte. In empfindlichem Stolze, in ausgeprägter Selbstachtung hat er sich gescheut, an die Otffenllichkeit zu appellieren, immer noch der Zeiten harrend, wo sich die jüdischen Gemeinden auf sich selbst besinnen würden. Das ist, Gott sei's geklagt, aber nun fast nirgends geschehen und darum.diese himmelschreiende Not des jüdischen Nellgiorislehrers. Der HSrarM. Krau Sorge steht bei ihm Wache zur Nacht, Frau Sorge begrüßt ihn beim Morgengrauen, sie beglei.et ihn in Schule und Gotteshaus, sie sitzt bei ihm zu Tische. Nirgends mehr eine Rettung: ein Hinsiechen an Kö.per und Geist, ein Verkommen seiner Familie, sicherer Untergang, rettungslos! Ja, w'e wäre es auch anders möglich, denn höret: Eine fränkische Landgemeinde zahlte ihrem alten, im Dienste der Gen ein de grau gewordenen Lehrer bis jetzt sage und schreibe 800 Mk. Fixum,' da nun der Beamte nach langen Verhandlungen mit diesem Riesengehalte nicht mehr operieren wollte, legte er sein Amt nieder und nun schreibt diese biedere Gemeinde die Stelle mit 3000 Mk. Fixum aus. Eine andere Gemeinde gewährt ihrem Lehrer 2400 Mk. bar, nachdem sich derselbe während des ganzen Krieges mit 1200 Mk. Fixum durchschlagen mußte. Der Lehrer einer anderen Gemeinde starb im Kriege den Heldentod und hinterließ eine Witwe mit fünf unniündigen Kindern in Elend zurück. Keiner bekümmert sich um dlese Unglückliche, sie müßte verderben, wenn die Kollegen nicht ihr Schärflein zur Linderung der Not beisteuern würden. Ebenfalls wird mit Hilfe der Lehrerpresse für einen gebrechlichen Lehrergreis gesammelt, damit seine schwachen Kräfte nicht zusammenbre hen. Ein Lehrer hat sich aus Not — er wußte keinen anderen Ausweg — einen Handel beigelegt, der Kultusoorstand verbietet ihm die Ausübung desselben, damit dem Prestige der Gemeinde nicht Abbruch geschieht. Eine Gemeinde erhöht das Gehalt ihres Lehres, der über 40 Jahre dortselbst amtiert, von 3000 auf 5000 Mk. Er hat eine zahlreiche Familie mit unversorgten Töchtern. Ein Lehrer hatte zwei Söhne auf der Schule und Universität. Er mußte alle beide herausnehmen und schöne und berechtigte Hoffnungen zerstören, damit sie. baldigst auf eigene Füße gestellt werden. Wie viele Lehrer haben ihr Privatvermögen und das bischen Ersparte vor dem Kriege vollständig aufgebraucht. Sie' stehen jetzt vor dem lähmenden Schottengespenst der Verschuldung, der völligen Verarmung. Soll ich Namen nennen! Ein trefflicher Lehrer mit 45 Dienftjahren in ein- und derselben Gemeinde hat kürzlich das Zeitliche gesegnet. Der Rabbiner rühmt am offenen Grabe seine zahlreichen Verdienste in der Gemeinde, seine tiefe Religiosität, seinen geraden Charakle-, seinen bescheidenen, anspruchloien Sinn. Zuletzt fügt er hinzu: „Durch die tatkräftige Unterstützung rn. 18 ®elt? s seiner Angehört en und Verwandten blieb ec von der äußersten Not geschützt." — In tiefer Berstimmung grollt darob die beleidigte Gemeinde dem Rabbiner. Krlleidoskoparttg wechseln noch viele, viele solcher erhebender Bilder vor unserem geistigen Auge! Und nun ihr Glaubeusbrüder! Es muß euch doch endlich einmal zum Bewußtsein gekommen sein, daß ihr fortwährend Blutschuld auf euch ladet! Warum gibt es für euch nur eine gesetzliche Pflicht, und nicht vielmehr noch eine moralische Pflicht? Jede, auch die kleinste Kommune hat ihre Beamten in die Klasse eingereiht, in welche sie ihrer Vorbildung gemäß und der Bedeutung ihres Amtes entsprechend gehören. Und was habt ihr Glaubensgenossen geboten? Almosen. Ja, nicht einmal das! Habt ihr je schon einmal nachgedacht, ob euer jüdischer Lehrer seine nur notwendigsten Bedürfnisse zu bestreiten vermag, während ihr mit vollen Händen ausgeben könnt! Dann wehe euch! Daun beherrscht ein diabolischer Geist euer Gehirn, ein pharaonisches Herz verschließt euere Brust! Was zaudert ihr, der immer näher kommenden Katastrophe energisch Einhalt zu gebieten? Wollt ihr warten, bis unsere jungen Lehrer der Reihe nach den Staub ihres Berufes mit Ingrimm abschüttteln, ob der herrlichen und verlockenden Aussichten, die ihnen zur Zeit noch winken? Oder wollt ihr warten, bis der bei euch im Berufe grau gewordene Lehrer zusammenbrtcht an Leib und Seele? Dieses Schauspiel wird bald beendigt sein, seine Introduktion hat längst schon begonnen, (wie obige, wahrheitsgetreue Beispiele bezeugen!) Wie es dann aussehen mag im jüdischen Lehrerstand, der der Jugend Liebe einpflanzen soll für unsere heilige ^Religion, der ein wahrhafter nyx irbttf sein soll! Wohin steuert unser Judentum! Könnt ihr die entmutigenden Folgen verantworten? Wo bleibt thr Führer des Judentums, die ihr euer Judentum liebt und zu jeder * Zeit für rS zu kämpfen bereit seid! riK?n niD sirnnn unnn ök '2. Wenn wir schweigen sollen in solcher Zeit, wo soll uns Rettung und Hilfe werden von einem anderen Orte her, bevor wir und mit uns das Haus Israel dem Untergänge zueilen. Glauben wir ja nicht, daß von dem neuen Gemeindcverband den Gemeinden und dem Lehrerstande ausgibige Hilfe zuteil wird, nein, in erster Linie sind die Gemeinden berufen und verpflichtet, ihre nur einfache Schuldigkeit zu tun — und sie können es fast ausnahmslos im reichsten Maße — ihre Beamten so zu stellen, daß diese wenigstens ihre nacktesten Lebensbedürfnisse zu bestreiten so siegt das Geistige in uns und wird geläutert unser Sinn und geadelt unser Dasein. Hierzu will uns der dritte der vier großen Sabbate befähigen, er bringt uns die stehre von der Unzulänglichkeit des Menschenverstandes, damit wir frei von Dünkel und Hochmut die Allweisheit dss Schöpfers ar.beten und mit seinem in der. Thora uns gesandten Lichte unfern Geist erleuchten und unser Herz erwärmen. So zeigt sich unser reinstes Menschentum in jüdischer Vollendung und wir die Träger der Thora sind auch ihre beredtesten Verkünder, die ewigen Zeugen dafür, daß die Satzungen der Lehre, die Wasser der Reinheit und Lauterkeit über ihre Bekenner ausgießen. Kleines Kuilleivn. AeiigemÄ-e Literatur. Zwei schmucke Festgaben hat der in erfreulicher Entwicklung begriffene jüdische Verlagsbuchhandel dem Publikum auf. den Sedertisch gelegt. Die Firma M. Lehrberger u. Co. veranstaltete eine Neuäusgabe der alten Heiden he im scheu Ha gab ah .mitneuer Uebersetzung von Rabbiner Dr. Selig Bamberger und zehnköstlichen Holzschnitten von Stanislau B e n der. ES sind dies die attbekanmcn Bilder, an deren handgreiflicher Naivität wir uns in der Jugend naiv ergötzt haben und die wir als Männer und Greise nicht ohne stille Rührung betrachten können. Aber diese alten. Bilder haben in der Auffassung deS Künstlers eine neue Leuchtkraft erhalten und verleihen der Hagadah, die auch äußerlich einen gefälligen Eindruck macht, besonderen Wert. Auf einem künstlerisch weit höheren Niveau steht als Ganzes die von R. Löwit, Verlag in Wien, mit 26 Bildern nach Radierungen von Jos. Budko hecauSgegebene nvs nm Hier liegt ein nach Drucktypen, Satzform, Btldschmuck und Einbandstil einheitliches Kunstwerk vor. das Herz und Auge im höchsten Matze erfreut. Es gehört allerdings schon ein etwas reifer und an modernes Schauen gewöhnter Geschmack dazu, um Budkos Radierungen zu verstehen und zu genießen. Aber wer diese Reife besitzt, wird mit Entzücken die Miniaturen der zehn Plagen oder der überall mit Btldschmuck versehenen Anfangsbuchstaben betrachten. Die Lehrbergersche Hagadah kostet 5,25 Mk, die Löwtische 25 Mk. (Das Alte Testament im Film). Ein Riesenfilm, gegen den selbst die neuesten Leistungen unserer Filmindustrie verblassen, wird gegenwärtig in London vorgeführt. Er ist betitelt „Das Alte Testament" und soll mehr als 30 Millionen Goldmark gekostet haben. Ursprünglich war er 250000 Fuß lang, ist aber jetzt auf 30 000 Fuß zufammengedrängt worden. In dem Film werden alle uns wohlvertrauten Ereignisse der biblischen Weltschöpfung, sowie die Schicksale Israels nach den Büchern der Schrift, vorgesührt. Mit der Inszenierung des Paradieses hat man sich besondere Mühe gegeben,' aber auch die Sintflut soll sehr anschaulich wirken. Der Auszug der Kinder Israels aus Aegypten, ihre Wanderung durch das Rote Meer, sind gut wiedergegeben. Ä (NeueReproduktionen vonWerkenjüdischer Künstler). Die „Schweizerische Vereinigung jüdischer Forscher, Schriftsteller und Künstler, Haruach", beabsichtigt, durch die H rausgabe einer Anzahl von Postkarten, Werke einiger seiner Mitglieder, zur Kenntnis der Oeffentlichkeit zu bringen. Die erste Serie, die uns vorliegt, enthält Abbildungen zweier Skulpturen Prof. Henryk Glicensteins, eines Holzschnittes und einer Bleistiftzeichnung Gregoire RabinowttchS und zweier Oelgemälde Alexander Wat ins, fefielnde Arbeiten, deren Wert durch eine gute Tiefdruckreprobuktion deutlich zu erkennen ist. Der Erlös aus den Karten, die pro Serie zwei Francs kosten, fällt dem Hilfsfonds der Vereinigung „Haruäch" zu, von dem sie gegen Voreinsendung!des Betrages von 2.20 FrcS. zu beziehen sind. (Adresse: Zürich, Geßner Allee 53). Saddat'Ansang und Ausgang. ORT» Anfang Datum Ausgang Uhr iMin. 19211 5681 Uhr,Min. Frankfurt a. M. 6 ’ 25 1. , April 23.Adar1I. 7 45 Berlin .... 6 ' 35 7 28 München . . . 6 , 30 7 34 Ttrakbrrrs - . — - — - Stuttgart. . . — — - - Pose« .... — - - Nürnderr - . . S 88 7 28 Hamburg . . . S ' 48 7 44 v C.