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Der Israelit · 1921-03-24 · Heft 12 (24.3.1921) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 12 (24.3.1921)
Date
1921-03-24
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Ar. IS. Sekte Ü. S4. gK8t* ifo?1. cuitg sich mit diesem Lehrplan einverstanden erklär?» wird. Eine Mngliedrige Kommission wurde damit beauftragt, die tit - dieser Angelegenheit nötigen Schritte zu unternehmen. Des weiteren wurde befchwssen, eine Konferenz der polnischen Landesorganisation aus den 15. Jjar einzuderusen. Sollten bis dahin die nötigen Vorbereitungen nicht getroffen werden können, so wäre ein späterer Termin in Aussicht zu nehmen. Auf der Tagesordnung der Sitzung des zweiten Tages stand zunächst die Erez-Jisroelsrage. Es wurden einstimmig mehrere Resolutionen angenommen, welche die selbständige Tätigkeit der Aguda für die Besiedelung von Erez^Jisroel in breitestem Maßstabe verlangen, speziell mit ausdrücklicher Ablehnung des Geulacharakters, lediglich zur Erfüllung En Mizwas Jischuw -Erez-Jisroel. . Zu diesem Behufe soll jede einzelne Ortsgruppe ihre eigene Erez-Jisroel-Abteilung gründen, die in stänoigem Kontakt mit der Palästinazentrale zu stehen hat. Eine Palästinadelegation bestchend aus industriellen Fachleuten unter Leitung des Herrn S. Asfrach wird Im Anschluß an die Tätigkeit der letzten Wiener Agudadelegation aus polnischen Agudak^ifnr zusammengesetzt in Bälde die Reise nach Erez-Jisroel antreten. Stürmische Begeisterung erweckte die Mitteilung des Gerer Rebbe, daß er beabsichtige, sofort nach der Zenttairatssitzung die Reise nach Erez-Mroel zu unternehmen, um dort seinen Einfluß im Sinne. der Aguda geltend zu machen. Er knüpfte daran den Wunsch, daß seinem Beispiel in der Zukunft weitere Thoragrößen der Diaspora Folge leisten möchten, um das Thoraband zwischen Erez-Jisroel und Chuzo loorez fester zu knüpfen. Ter restliche Teil der Tagung war den Beratungen über die Notwendigkeit der Beteiligung der Aguda an dem llnterstußungSwerk der amerikanischen Hilfsaktion für Thorazweige gewidmet. — Mit dem Vorsatz» den Geist in alte Agudagruppen hineinzutragen/ welcher die Sitzung durchzogen hatte, trennten sich di« Teilnehmer der harmonisch verlaufenen Tagnng. Gegeüwartsaufgaben der thoratreuen Iudenheit. (Aus einem Bortrag» gehalten von Rabbiner Tr. Emarmel Earlebach - Köln in den Agudagruppen Hamburg-Altona.) Es war einst eine Versammlung in Schechem. Dort hatte Jehauschuah das Volk zusammengerufen und sprach zu der Versammlung: „Uttb setzt wisset, wem ihr eure Huldigung darbringen wollet; dem Gotte eurer Väter oder dem Geiste der Nation, in deren Lande. ihr jetzt wohnt." Und ich denke an eine andere Versammlung. Die Stätte war der Karmel, und Elijohu, der Prophet, ruft der Versammlung zu: „Wie lange noch wollt ihr Hüpfen, bald hier-, bald dorthin?" Aber noch einer dritten Versammlung erinnere ich mich, und die war in Jeruscholajim selbst. König Janschijohu hat die Versammlung veranstat et um ihnen szuzurmen und ihnen ans Herz zu legen, daß sie Gott dienen sollten in Ganzheit ur& m Wahrheit. Meine Damen und Herren, was hat Jehauschuah, was hat Elijohu, was Janschijohu Mnes gesagt? Welche großen, bisher fremden, neuartigen Gesichtspunkte sind in Schechem, am Berge Karmel, in Jeruscholajim von den Führern des Volkes geltend gemacht worden? Gegenwartsaufgaben der Gottesnation zu zeichnen? Nichts Neues! Nichts nicht schon Bekanntes, was nicht jeder für sich hätte aufschlagen mrd lesen können in der ihm zugänglichen Tauras Mauscheh. Und doch war der Erfolg dieser Versammlungen ein so außerordentlich gewaltiger, daß .das Volk Jehauschuah zugerufen hat: „Wir wollen unsere fremden Weiber sortschicken und fortan nur noch unserm Gotte dienen", und daß am Berge' Karmel das gesamte Volk, auch der abgefallene Teil, von Volk, Gott und Tauroh gesprochen hat: Haschem hu. Hoeläukim! Nur der Eine verdient unsere Huldigung! Und ähnlich war die Wirkung bei der Rede von Janschijohu Hamelech. Ich sage, ich tröste mich damit, wenn ich Neues Ihnen nicht bringe, meine Damen und Herren. Neu war für mich nur das Referat selbst. „'Die Gegenwartsausgaben der thoratrenen Judenheit". Gegenwartsaufgaben? Und ich habe mir lange überlegt: haben wir eine Gegenwartsausgabe, die wir in der Vergangenheit nicht ,,Ä l tk tt e r.^ hatten, und die wir in 8er Zukunft nicht zu er-- j füllen haben werden? Und mir ist der Gedanke | gekommen, meine Damen und Herren, eine ß Gegenwartsausgabe glaube ich zu finden, in der § Forderung des Zusammenschlusses der thoratreuen Judenheit. Mir erscheint dieser Zusammenschluß, in dem die besten und edelsten, die frömmsten und gelehrtesten Männer und Frauen des gegenwärtigen Jisroel mit Einsetzung ihrer j ganzen Kraft' und ihrer ganzen geistigen und! sittlichen Fähigkeiten seit Jahren schon arbeiten: dieser Zusammenschluß.zu einer Organisation, die die ganze Gottesnation aufruft zur Gottesheiligung — der Zusammenschluß zu einer solchen Organisation scheint mir eine Forderung der Gegenwart zu sein. Meine Damen und Herren! Ohne einen langen geschichtlichen Rückblick vor Ihnen zu entrollen über die hinter uns liegenden Jahrhunderte und Jahrtausende, glaube ich sagen zu dürfen, daß ehedem ein solcher nach außen zum Ausdruck kommender Zusammenschluß aller, die auf dem Boden der Tauroh stehen, die überzeugt siird, daß wir eine von Gott auserwählte Nation sind, auserwählt zu ganz besonders heiligem Tun und Leben, daß die Zusammenfassung aller Gott treuen Glieder der Gottesnation bis zur Zeit vor etwas über hundert Jahren eine Gegenwartsaufgabe nicht war. Wohl war Jisroel zerstreut über die weite Welt. Aber das Leben in! und mit der Dauroh, das Leben in den Mi-" wauS war an und für sich das stärkste einigende Band zwischen dem Indien im äußersten Osten und dem Juden im äußersten Westen. Kulturelle Unterschiede waren eigentlich nicht vorhanden; soziale Unterschiede gab es ebensowenig. Cs war ein Erfordernis der Zeit nicht gewesen, das Bewußtsein in unseren über die Welt zerstreuten Brüdern zu wecken, daß sie ein einziges, auch ein einzigartiges, ein in sich zusammengeschweißtcs und zusammengehöriges Voll und das Volk des einen Gottes feien. 'Dies Bewußtsein war in ihnen so natürlich, so selbstverständlich, daß es eines äußeren Ausdrucks dieser Zusammengehörigkeit nicht bedurfte. Mer mit der geschichtlichen Epoche der Emanzipation beginnt eine 'Periode für Israels Leben im Golus, die anders zu bewerten ist als die Epoche vorher. Die Ursachen hiervon sollen hier heute abend nicht untersucht werden; aber es bröckelt allmählich und immer mehr ab die Treue gegen die Tradition, die Treue gegen das Gotteswort. Man gewöhnt sich daran, seinen Blick nicht weiter als über die Grenzen des Landes, und zumeist nicht weiter als über die Grenzpfähle der eigenen Stadt zu lenken, und es schwindet allgemach das Gefühl der Verantwortlichkeit und der Zusammengehörigkeit, der Bruderschaft und der Verwandschaft, ohne das eine Nation nicht bestehen kann. Man hat sich einander entfremdet, man kennt sich nicht und hat die Sehnsucht nicht, sich zu kennen: Und doch wissen wir alle: Wenn wir vor dem Berge Sinai, wo wir standen im Begriff, Gottes Trengelöbuis ausznsprechen, keinen andern Gewinn weagetragen hätten als den, ein einig Volk von Äottesdienern geworden zu sein, ganz ohne Rücksicht auf die Dauroh; wenn er uns nur. näher gebracht hätte einander, diese zwölf Stämme und die Angehörigen und Bekannten dieser voneinander verschiedenen Stämme, wenn sie dort nur gekommen wären, um zu sprechen: „Naasseh wenischmoh!" — Dajenu. Und so. sehe ich den Zusammenschluß der thoratreujen Judenheit als ethisches Moment, als Selbstzweck, ohne zu fragen warum? aus welchem Grunde? Was kann diese Organisation finden? Nur die Tatsache, der Ausdruck: Jisroel at$ Gottesnation, in all seinen Gliedern zerstreut über die weite Welt,' ist trotzdem eine einheitliche, untrennbar geschlossene Gottesnation — das ist allein ausreichend, um immer wieder Lenen gegenüber, die noch nickt zu uns gekommen sind, mit dem Werberus aufzutreten: „Hinein in die Agudas Jisroel! Hinein in die einzige Organisation, die einzige Stätte, die wir haben, auf deren Basis wir uns vereinigen können: die einzige Organisation in der großen weiten Welt im Kreise Jisroels, die ganz Jisroel umfassen will, aber unter der Voraussetzung, berufen zur Gotteseinheit, euch begreift als ein Volk Gottes?" Was der Zusammenschluß, meine Domen und Herren, der Agudas Jisroel zuwege zu bringen vermag, das zu zeigen bin ich nicht beauftragt. Das zu zeigen würde auch ein erschöpfendes BÄd über die Möglichkeiten der Tätigkeit, die sich ergeben innerhalb des weitgespannten Radcks der Agudas Jisroel, in diesem Augenblick sich deshalb erübrigen, weil das kurze Lebensalter der Agudas Jisroel noch kein sicheres Bild über die wirkliche Arbeitsmöglichkeit zum Wöhle des ganzen ergibt. Du aber sprichst, mein Bruder: Ja, wir sind ein einheitliches Volk, wir sind ja aber doch sehr geschieden voneinander, weit voneinander entfernt. Hast du schon mal gesehen, wie der Ostbruder sich freut oder wie er trauert? Ganz anders als der Westjude! Hast du schon gesehen, wie er betet, wie er sich kleidet, wie er spricht? Es ist ein anderer Stamm, eine andere Art, der Bruder spürt den Bruder in dieser Aufmachung nicht: und dann, La gibts Chassidim, und da gibts Misnagdim, und da gibt es Ostbrüder, urrd da gckt es Westbrüder. Sie sind trotz aller schönen Worte, die wir in Borträgen hören, und me nur in allen Zeitungsergüssen lesen können, sie sind voneinander entfernt innerlich, viel mehr, als wir es uns selbst eingestehen. Und was noch mehr bedeutet: die Lebensanschauung der Chassidim, verglichen mit der der Misnagdim, scheint eine Kluft auszuweisen, die schier unüberbrückbar ist! Meine Damen und Herren! In den Tesillin, die wir am Kopf und am Arm tragen, zeigt sich ein -wesentlicher Unterschied zwischen den Tesillin schel Rausch und den Tesillin schel Jad. Die Tesillin schel Rapsch bestehen aus vier einzelnen getrennten Häuschen, währen es bei den Tesillin schel Jad nur ein Bajis gibt. In den vier Botim der Tesillin schel Rausch stehen die Arba Parschians auf vier verschiedenen Streifen Pergament nebeneinander, und in den Tesillin schel Jad sind alle ans einem Pergament in dem einen Bajis enthalten. Und jeder weiß, daß in den Tesillin schel Rausch ausgemeißelt ist ein Schien; nach beiden Seiten hin ein verstärktes Schien, sichtbar jedem. Der Grundgedanke hiervon dürste vielleicht folgender sein: Wir haben in der Judenheit, meine Damen und Herren, unleugbar verschiedene und voneinander verschiedene Gruppen. Und ohne weiter zu prüfen, nennen wir sie einmal Chassidim und Mis-- nagdim, die östlichen und die westlichen Juden. Ein genauer wissenschaftlich Untersuchender ttnrb vielleicht noch feinere Nuancierungen finden für diese, aber die größten Gruppen in Israel lasten sich so umschreiben, und alle sind in ihnen enthalten. Der Unterschied ist gedanklich. Und so liegen, diese vier verschiedenen, gedanklich voneinander geteilten Gruppen, an der Stelle, die das Denken zum Ausdruck bringt, ans dem Rausch. Sie bleiben geschieden,. bleiben getrennt. Es ist nicht nötig, daß du den Ostbruder, der nach Hamburg nun zieht, hineinziehst in deine Gebräuche, in deinen Ritus, in deine Synagoge, in der er sich nicht wohl fühlt, wo er nicht leben kann wie er es gewohnt ist. W!enn nur das Schien, der Schem Schomasim, hinauslugt in all dein Denken. Um die Tat, um den Arm, da müssen alle zusanmren liegen, alle Arba Parschians: tun, tvirken, schaffen, leiten müssen wir alle zusammen als ein Gauj Echod, als Agudas Jisroel, unteilbar, untrennbar, Gott gewidmet! Nur die Einigkeit, meine Damen und Herren — und danut darf ich das Kapitel über die gegenwärtige Aufgabe des Zusammenschlusses dann enden, nur die Einigkeit macht Jisroel stark. (Zwischenruf: „Sehr richtig!") Sehr richtig, meine Damen und Herren, es gibt nichts anderes für Jisroel, es gibt nur Scholaum,

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