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Der Israelit · 1921-03-24 · Heft 12 (24.3.1921) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 12 (24.3.1921)
Date
1921-03-24
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite S. Nr. IS. „O l ä i t e t.ü L März 18S1. Eruierungen und Besorgungen im Auslande wollen Sie durch uns hurchführen. Zum Schlüsse möchten wir noch bemerken: Sollte sich an Ihrem Orte schon ein Büro befinden, das sich im Dienste eines Komitees, einer Gesellschaft oder einer Partei der jüdischen Aus-" Wanderung mit Eifer und einem gewissen Erfolg widmet, so steht nichts im Wege, ja ist es sogar ein Vorteil für die Sache, wenn mit diesem Büro ein Zusammengehen ftattfindet. Bis zu welchem Punkte zusammengegangen werden soll und kann, hängt por Allem von den besonderen Verhältnissen des Ortes und oes betreffenden Büros ab, aber selbst dort, wo schon ein älteres, erprobtes und auch den heutigen großen Anforderungen gewachsenes Büro.vorhanden ist, muß die Agudas-Jisroel>O)rtsgruppe durch ihren jedenfalls tzu bestellenden Emigrationsreferenten (eventuell samt Emigrations- Kommission) zumindest darnach trachten, den ge bührenden Einfluß in diesem Büro zu gewinnen um dessen Tätigkeit vom orthodoxen Stono Punkt zu kontrollieren und zu ergänzen. Nochmals bitten wir Sie, den Ruf d?r Agudas Jisroel nicht ungehört verhallen zu lassen. Lange genug hat man sich um die große Frage der jüdischen Wanderung, um das große Elend der jüdischen Wanderer nicht gekümmert. Jetzt geht es so nicht mehr weiter. Die Lage unseres Volkes hat sich furchtbar verschlimmert. Hunderttausend? unserer Brüder drängen ans den Ländern des Ostens heraus. Sie suchen Rettung und finden statt ihrer Tod und Not. Das darf nicht mehr sein! Helfen Sie mit, daß sich die Verhältnisse bessern, daß an oir Stelle einer regel- und planlosen und vielfach gestörten Wanderung eine geregelte, planvolle und utmehind?rte trete? Errichten Sie sofort ein Agudas - Jisroel - Emigrationsbüro und schließen Sie sich damit der von der Agudas- Jisroel gegründeten orthodoxen Organisation für Regulierung der jüdischen Auswanderung an. Wir hoffen, bald im Besitze Ihrer Nachrichten, Berichte und Fragen zu sein. Mit vorzüglicher Hochachtung Agudas Jisroel, Emigrationszentrale Wien, Dr. Nathan Birnbaum Nein. Ich möchte registrieren, ich fauu es aber nicht. Ich suche selbst schon etliche Monde aus unseren eigenen Reihen nach Stimmen der Entrüstung oder vielmehr der Bewunderung für ein Martyrium, dessen Größe vielleicht dereinst erst die Geschichte würdigen kann. Ich kenne — zunächst verrate ich nicht, wo — Menschen, schlichte, tiesgelehrte Charakterheroen, welche hungern. Sie könnten in Glanz und überschüttet von äußeren Ehren leben, wenn sie nur ein wenig ihre Ueberzeubnng Preisgaben, wenn sie nur ein wenig wernger an die Allgemeinheit dächten, ein wenig mehr an sich wie so viele ihrer Zeitgenossen. Und viele von diesen Zeitgenossen suchen jene Heroen.zu entthronen, ihnen auch das zu mißgönnen, was sw noch an Autorität besitzen. Diese Männer sind das aschkenafische Bes- Din in Jerusalem, an der Spitze R. Chaim Sonnenfew. Sie haben keinen .Cent von dem amerikanischen Gew genommen, sie haben cs nicht geduldet, daß die .Schulen, für die sie mitverantwortlich sind, dem Waad Haichinuch verkauft werden, sie glauben daran, daß aus diesem Peitschen-Zuckerbrot-System doch endlich uiw endgültig unsere Thora als .Sieger hervorgehen wird. Sie sind' die Kämpfer auf dem vorgeschobensten Posten. Und wenn sie dort in Jerusalem von Stellen aus befehdet, mißachtet, begeifert werden, von denen man es am wenigsten erwarten sollte, wenn man ihnen nun gar ein mit höchst offiziellem Klimbim inszeniertes Synhedrin entgegenstellen will, werden gewiß die Drahtzieher dieser Jntrigue ihre Verantwortung zu tragen haben, nicht vor ihren Zeitgenossen, die sie umjubeln, daß sie endlich das Joch der „unverantwortlichen" Rabbiner brechen, sondern vor dem Allmächtigen und vor der Geschichte, die es registrieren wird, wie man im Nationalheim Märtyrer schuf und behandelte. Mer wir, was tun wir? Wo bleibt denn in Deutschland und Tschechoslowakei, in Oesterreich und Ungarn de Träne, die Tat, die Entrüstung, die Hilfe? Ihr habt doch alle Beziehungen nach Amerika. Schreibt es, schreibt es dorthin, wie mit dem in so ehrlichem Wollen gegebenen amerikanischen Geld geknebelt ward. Ich will nicht registrieren: Im Zeichen der jüdischen Kultur behandelt man so seine Märtyrer. _‘ * * Abraham Grüribanm Jerusalem. Der vorr -er Palästinazentrale der Aguda Jisroel entsandte Agndasührer Abraham Grünbanm aus Nürnberg ist gestorben. y'2£T- Ans Jeruscholajim kommt bie erschütternde Kunde von dem Wieben Abr. Grünbaums i' M. Drnch' drangen von heiliger Freude, Erez Jisroel wieder zu sehen, den heiligen Boden wieder betteten zu dürfen, war er nach dem heiligen Lande gezogen, um dort, wie schon vor 36 Jahren, im Treuste des der jüdischen Gemeinschaft, zu wirten und die Lage im Interesse der Agudatätigkeit aus eigener Anschauung rennenzulernen und darüber zu berichten. Äb-r die Verwirklichung dieser Aufgabe, die einen Höhepunkt dieses arbeits- und erfolgreichen Leben gebildet hätte, sollte ihm nicht beschieden sein. Angesichts dieses unersetzlichen Verlustes drangt sich uns der schmerzliche Ausruf der Weisen aus: s'nrvNv psm b$ „Wehe um solche Entschwundene, derengl-ichm sich nicht finden." Solche Persönlichkeiten wie Wr. Grünbaum Vitt sind äußerst selten anzutreffen. Er war mit einem überaus scharfen, beweglichen, raschen Verstand begnadet, der besonders aus die praktische Seite des Lebens gerichtet, stets das Wesentliche, Kernhafte einer Sache zu erfassen vermochte, um mit glücklicher TveffsichcrhZt und Umsicht den richtigen Weg zu erkennen, der zur Lösung des Problems führte. Diese herrlichen Geistesgaben standen im Dienste einer ganz ungewöhnlichen Tatkraft und Initiative, einer Energie, die mtt eiserner Folgerichtigkeit dem gesetzten Ziele zustrebte. Fast noch bewundernswürdiger als seine Fähigkeiten war die Güte seines Auszug aus dem „Haderech". 3. Zahrganz. Ar. 6. Im Spitzenartikel. beleuchtet CH. Eis-Zürich unter r>em Titel „Enttäuschte Hoffnungen" den schreienden Kontrast zwischen der Not in der Ukr.aine, den Opfern der dortigen Pogrome, und den papierenen Zusagen des „Völkerbundes", und den von der „Elite der Jerusalemer Gesellschaft" veranstalteten Murik» und Tanzabenden (Jerusalem hat es neuerdings zu zwei Tanzschulen gebracht!). Jüdisch- Botts-„Führcr", die heute dafür Sinn und Mittel haben, werden auf diesem Wege das Judenweh nicht lindern können. Unter dem t.iiei „nzrb *r c; Fbentitrt halewi über die Krise im Zionismus (welche sich neuerdings auch in der Umformung des Aktionskomitees äußerte) und zitiert dabei einen instruktiven Artikel der Nr. 88 des zionistischen „Toar hajaum", „Nationales Heim oder nationale Kultur" welcher sich »ingehmrd mit der Frage beschäftigt, warum der größte Teil der Orthodoxie nicht der Zionistischen Partei angehöre, obwohl gerade sie durch ihren Idealismus und Opserfähigkeit die gegebenen Pioniere für Erez Jisroel seien. Den Grund findet der „Toar hajaum" darin, daß die Kulturarbeit im Zionismus die gcsetzestreucn Juden ichftoßen müsse, weil sie tollen, daß im neuen Jifchuv ihre Kinder der Thora entfremdet werden. Darum, jo schließt der Artikel,. „hört mtt der Kulturarbeit aus" und wendet Euch lediglich dem ökonomischen Ausbau zu. Ter Artikel „Misnagdenu" (Unsere Gegner), rechnet in der bekannten, sachlichen Art dcs pseudonymen Autoren „Einer von den Söhnen des Chaidlm" mit den Angriffen ab, welche insbesondere von zionistischer und misrachistischer Seite gegen uns geschleudert tverden. Wir behalten uns sine ausführliche Wiedergabe des Artikels vor. Tie Korrespondmzen aus der Bewegung beginnen mit einem ausführlich?« Stimmungsbild aus der englischen Aguda und weisen auf die Fülle der Aufgaben hin, die gerade dort zu bewältigen find. Es wird des weiteren Mer die einzelnes Ortsgruppen in Palästina. Argentinien, Polen, Lettland, Tfchecho-Swvakei berichtet. Für Herzens. Seine n'nen r&'ttSi Ppit in tt,Am voüeN Ausmaß zu schildern, würde ganz» Bände beanspruchen, man kann ohne Uebertreibung aus thnanwmden: nnr6 mr>v otisk b&) iva Seine von früher Jugend durch Tauroh Erziehung Eleforinte Persönlichkeit ging fast im Tienste altgrm. üdischer Interessen aus. Zur Zeit der Gründung »er Agudas Jisroel erschien es als ganz selbstv.'vj stündlich, daß Wr. Grünbaum V'si an leitender Stel- I lang in dieser Bewegung tätig war, in Kattowih f wirkte fr als Mitvorsitzender und las Provisorische - Komitee zählte ihn zu seinen tätigsten Mitgliedern. Kurz nach Gründung des P. C. ging er in einer wichtigen Mission nach Galizien. Tort gelang es ihm, dem Süodeutscheit, die Brücke zum Osten zu schlagen uno der Aguda das nicht leicht zu gewinnende Vertrauen bedeutender b*jsV und erwerben und so den dringend notwendigen Zusammenschluß aller Gesetzestreuen vorzubereiten. ES war wiederum Mr. Grünwaum b' 2» der oftmals nach Wien und anderorts reiste, um in Verbindung mit galizischen Flüchtlingen und ihren bewährten Führern die Chedorimfrage zu b eraten und besonders die Errichtung von Waisenhäusern zu föroern. .Fast niemals fehlte er bei den Beratungen der Agndasührer urrd war einer der eifrigsten, wenn es galt, die notwendigen Geldmittel auszubringen, die cs der Aguda ermöglichen sollten, ihre Tätigkeit zu entfalten. Aus seiner Sehnsucht, daß es der Agudas Jisroel beschieden sein möge, die gesamte gefetzestreue Judew heit der Welt zusammenzusassen und zu eiben, hatte er für ihre Entwicklung manchen Wunsch. Wenn auch seine ganze Lebensarbeit diesen großen, allgemeinen" Zielen geweiht war, fand er Zeit, in Einzelarbeit durch Schiurim und Vorträge an der Verbreitung und Vertiefung des Judentums und deS Agusaaedailkens, der sich ihm alS der praktische, politische Ausdruck des währen Judentums darstellte, mitzuwirken. Nun richt tt tm heiligen Goden. Wunderbarer Abschluß seines segensreichen LebenS. S'»N1S ISA r.unv imv "-! Äabbiner D. Klein-Nürnberg. Sitzung des Aentrallomttees der Schlaume Smuneh ZiSroel. (Unliebsam verspätet' In der letzten Februarwoche fand in Warschau eine Sitzung des Zentralrates der polnischen Landesorganrsation der Llgudas Jisroel statt, an welche sich außer den Telegierten der Warschauer, Lodzer, Lubliner und Krakauer Gruppen noch 60 Vertreter anderer Gruppen beteiligten. Die Veiiammlung wurde geleitet vorn Vorsitzenden der polnischen Landesorgani» sation Sr. Ehrw. dem Gcrer Rebbcn, Rabbiner Alter und dessen in Teutschland rühmlichst bekannten Schwiegersohn Herrn I. M. Lewin. Nach Erledigung der Founallen wurde die Wahl für den Zentralrat vorgenommen. Mit Rücksicht auf die von Ost- und Westgslizien zu wählenden Vertretern dttchräukte man sich aus die Wahl von ‘ 6 Mitgliedern und 6 Vertretern. Erstere ftno der Gerer Rebbc, der Radziner. Rebbe, der Sokolower Rchbe, Herr S.'Affiach Herr D. Weidenfeld und Herrn N. Schwarz. Den übrigen Teil oes Tages füllte ein großzügiges Referat des Radziner Rebbe über die.Erziehungssrcy;e aus, welche jetzt besonders aktuell ist durch die drohende Einführung der Zwangsschule von Seiten der polnischen Regierung. Die dadrrrch den Chadorim drohende Gefahr stand tm Mittelpunkt der Diskussion. Mit Befriedigung nahm man davon Kenntnis, daß den Vertretern der Aguda bei ihren Verhandlungen mit der Regierung die Zusicherung gegeben war, daß vorläufig keine Schritte zur Auslöfung der Chadorim getan werden sollten. Besonders bemerkenswert ist die Tatsache, daß heute eben angesichts der drohende Zwangsfchule von allen Seiten anerkannt wird, wie wertvoll das Lehrshstem der von der Aguda eingerichteten Chadorim ist, da man hofft, daß die Regiedie Bedeutung' der Aguda in Litauen ungemein fördernd war die imposante Agudaversammlung, . welche sich an die Rückkehr des Rabbiner Eppstein, des Letters der Slobodkaar Jeschiva anschloßi Mit flammenden Worten forderte Rabbiner Eppstein zur Beteiligirng an der Aguda auf und warnte vor schlaffer Resignatton der Orthodoxie. Herr Schereichewski^be- " richtet über die Preßburger Konferenz, deren Beschlüsse von der Bsrfamwlung tu einer Resolution gebilligt wurden. Nach einem Bericht über die Tätigkeit der Kownoer Ortsgruppe, welche sowohl auf dem Erziehungswesen (Einrichtung ein^s ChedLr für 125 Kinder und der Jeschiva „Ateres Zwi"), als auch politisch bei den StadtraiSwahlen mit großem ' Erfolge sich beteiligte, fanden Wahlen für den Vor. stand und Ausschuß statt. Als Vorsitzender wurde Rabbiner Eppsteingewählt. Literarische Besprechungen und Spendenverzeichnisse der einzelnen Fonds der Agudas Jisroel bilden den Schluß der inhaltsreichen Nummer, deren Lektüre wir insbesondere unseren Jugendgruppen an speziell dafür eingesetzten Abenden empfehlen möchten.

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