Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 12 (24.3.1921)
- Date
- 1921-03-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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No. IS Gelte 5 24. MLrz 1921 _ _ Polen. Ein grober Sthroindel. Krakau, 18. März. In einigen Städten Galiziens schrecken die Zionisten auch vor schwindelhaften Manipulationen nicht zurück, um für ibre Sache zu agitieren. So behaupten sie in Plakaten und Aufrufen, daß die Gesetzestreuen allüberall sich znm .„Keren hajesod" bekannt hätten und daß der Fond dazu da sei, um Chedarim und Jeschiwaus zu unterstützen. Die Aufrufe knüpfen auch an die Institut onen von Teruma und Moaser an und sie wissen sogar von einem Mitwirken der Aguda an dem Keren Hajetod miizuteilen. Demgegenüber muß kategorisch erklärt werden, daß all diese Angaben aus der Luft gegriffen sind und daß die Aguda laut Preßburger Beschluß ihren eigenen Palästina-Fond hat, der mit dem Keren haj^od nichts zu tun hat. öegen Pofnanshl Warschau, 20. März. Der Sturm der Entrüstung .infolge der Kandidatur des HerrnDr. Posnanskt zum Oberrabblner von Warichau hat sich noch nicht gelegt. In den orthodoxen Synagogen fanden große Protestdemonstrationen statt. Eine virltausend köpfige Menge zog nach dem Gebäude der Gemeindeverwaltung, wo gerade eine Beratung über die Angelegenheit vor sich ging. Die Delegation des Zuges wurde aber von einigen Gemeindevorstehe n muSchlägen empfangen und es kostete Mühe, weitere Schlägel eien zu vermeiden. Als die Situation bedrohlich wurde, erschien, wie man sagt, auf einen Anruf aus der Gemeindestube, berittene Polizei auf dem Platz, die aber nicht in Funktion trat. Auf , gütliches Zureden von orthodoxer Seite zerstreute sich 1>ann die Menge, die inzwischen auf 15 bis 20000 Köpfe angewachsen war, ohne daß es zu schweren Zwischenfällen gekommen ist. In der Gemeindestube ging dann die Debatte weiter. Es wurden Kompromißvorschlage gemacht, dahingehend, daß PosoauSkt zwar nicht den Titel des Ooerrabbiners erhält, wohl aber das Rrcht, in seiner Synagoge Trauungm vvrzunehmen und die rabbinlscyen Oallegeuheiten innerhalb seiner Gemeinde zu erfüllen. Die orthodoxen Mitglieder in der Gemeindeverwaltung erklärten, erit nach Fühlungnahme mit den orthodoxen Massen zu diesen Vorschlägen Stellung nehmen zu können. In den Massen Versammlungen wurden inzwischen Resolutionen gefaßt, die gegen das Ansinnen, den Prediger Dr. Posnan'ski zum Rabbmer zu ernennen, schärfsten Protest einlegen. Die Versammlung sieht darin den Anbeginn der westlichen Reform in Polen und einen Schritt, um den R^bbtnerstand in Polen zu diskreditieren. Sollte die Verwaltung eigenmächtig über die Köpfe der Massen hinweg ihren Plan zur Ausführung bringen, so würde dieses zu einer Spaltung führen, wie sie vor Jahren die westliche Orihoooxie gezwungenerwetse vornehmen mußte. Die Versammlung warnt die Gemeinde vor einem Schritt, der zu solchen Konsequenzen führen müßte. Palfifilnaarbelf tn Litauen. Kowno, 12. März. In der letzten Zelt entwickelt die Organisation «Zeire Jisroel" eine energische und intensive Tätigkeit auf dem Gebiete der Palästlnr-Arbett. Bet dem Zentral-Komitee wurde ein „Palästina- Amt" gegründet, das die Arbeiter-Kräfte aus allen Schichten des orthodoxen Judentums Litauens um sich konzentriert. Die Haupt-Aufgabe des „Palästina-Amtes" ist der Transport der Chaluztm nach Palästina. An alle Ortsgruppen und Vorsteher der Orthodoxie aller Richtungen wurden Zirkulare, die Gründung orthodoxer Chaluzim-Gruppen mit dem Namen„ChaluzeiJisroel" betreffend, versandt. Gleichzeitig wurden die Statuten der Ehaluzim und die Methode ihrer Ausbildung veröffentlicht. Der Israelit. In Kowno und anderen Orten ist die Gründung von „Chaluzet Jisroel Gruppen" bereits im Begiff. Um die Organisierung und Ausbildung der Ehaluzim herbeizuführen und ihren Abtransport nach dem heiligen Lande zu ermöglichen, wurde ein „Chaluzei Jisroel-Fond" qegründet. Das „Palästina Amt" beschloß, an den Pnrlm- Taqen eine Geldsammlung, durch Blumen-Tage, größeren Geldzetchnungen und Synagogenspenden zugunsten der „Choluz i Jisroel-Fouds" zu veranstalten, und zu diesem Zweck erscheint in nächsten Tagen ein Aufruf an die jünsche Bevölkerung. Es sind bereits die nötigen Schritte getan worden, welche zum Unterbringrn der Ehaluzim in einer Farm, wo sie die Landarbeit erlernen sollen, führen. Um über die Bedingungen der Einbürgerung in Palästina Auskunft zu erhalten, setzte sich das Palästina Amt mit verschiedenen ausländischrn Zentralen, die die Chaluztm-Angelegenhciten fördern, tn Verbindung,' damit soll auch eine gemeinsame Aktion erzielt werden. Rumänien. Kkaufeüölirg lb März. In den orihodoxen Gemeinden zu Kiausenburg und Großwardein haben die nationalistischen Kreise bei den Wahlen zur Gemeind»Vertretung die Mehrheit erlangt. Die Orthodoxen sind infolgedessen ausgetreten und haben die Gründung selbständiger orthodoxer Gemeinden tn die Wege geleitet. UaliMtna. Berberf Samuel und Rabbi Ciialim Sonnenfeld Aerusakew, 17. Bdar I. Der Vorstand der unter Leitung von Rabbi Chasim Sonnenfeld stehenden aschkenasischen Gemeinde hat am 14. d. M. vom Oberkommissar ein Schreiben erhalten, worin auf Grund der Vorstellungen des Rabbiners ausdrücklich erklärt wird, daß die Unab hängig keit der Gemeinde und des Rabbinats vollkommen unangetastet bleiben und daß über Gemeinde und Besdin demneuzubtldendenpaiästinensischen Oberrabbtnat keinerlei Kompetenzen zustehen werden. Dieses letztere genieße nur den Vorzug, daß lediglich s eine gerichtlichen Entscheidungen von seiten der Regierung legalisiert und vollstreckt werden würden und nur die beiden Präsidenten den Titel Oberrabbiner von Palästina führen dürften. (Damit bestätigt sich unsere Vermutung, daß die Nachricht des „Jewish Chronicle" über an gebliche Ablehnung der Sonnenfeidschen Anträge farsch war. Siehe übrigens auch die Erklärungen Bentwichs in der vierten Sitzung der Rabbinerversammlung. Red.) 5ür die Ukraine. Aerusatem, 5. März. DaS Hilfskomitee für die ukrainischen Brüder hielt eine große Versammlung ab, in der eine umfassende Hilfsaktion für die Ukraine beschlossen wurde. In der gefaßten Resolution werden alle jüdischen Organisationen aufgefordert, die Ueberfahrt der ukrainischen Juden nach Palästina und anderen Ländern zu erleichtern- Die für die Waisenkinder gesammelten Gelder sollten nicht für Experimente vergeudet w-rden, sondern dem Ziele dienen, diese „Waisen des jüdischen Volkes" nach Palästina zu überdringen und sie dort als Juden zu erziehen- Die öemelndefay-IDahlen in Bayern. Nürnberg, 22. März. (Privattelegramm des „Israelit".) Das Gesamtergebnis der Wahren ist eine starke liberale Mehrheit. Gewählt sind 43 Liberale, 22 Vertreter -des liberal-orthodoxen Blocks, 12 Voltsparteiler. .. _ vH_ tPiiuaautM ^| Personalien. Jchenhauie«, 15. Mä>z. Am mpi rav starb im 6ö. rrrbensjahre Frau Mina Gerstle, geb. Hirsch, in München, wo sie die letzten 13 Jahre mit ihrem Gatten tn harmonischer Ehe verbrachie. Einem echt jüdischen angesehenen Hause entstammend, setzte sie dessen Traditionen in threu, eigenen Hause fort, baute dasselbe zu einem „Mikdosch meat" auS und wandelte darin a!S Priesterin und Hüterin des GoltekgesetzeS. Bon einer echten, tiefen Frömmigkeit beieelt, zeichnete sie sich durch große Wohltätigkeit im stillen auS und stand jedermann, der sie hilfesuchend anging mit Rat und Tat freudig zur Seite. Bon ihrer Beliebtheit zeugte das große Ltichenbegängnis tn ihrer alten Heimat, woh n F.eunde von Nah und Fern geeilt waren, um ihr die letzte Ehre zu erweisen. An der Bahre Zeichnete Herr DistriklSrabbiner Dr. Lohn, der Freu^' und Leid ihres Hauses Jahrzehnte hindurch geteilt, tiefbewegt ein getreneS Lebensbild der Verklärten und hob ihre großen Verdienste hervor, die sie sich um den tsrac titschen Frauenoerein als dessen Vorstandsmit lied erworben hat. Herr Max Meyer aus Köln, tem sie seit dem frühen Tode seiuer Eltern in mütterlicher Liebe zugetan war, rief ihr herzliche Worte des Abschieds und des Dankes nach. ,i"22M. Berlin, 15. März. Dem BerwaitungSbeamle« beim Mag strat Berlin, Herrn Max Saiomon, wurde von der Prußifchen Staatsregierung die Rote Kreuz Medaille verliehen. Mastbach, 20. März. Herrn Max A. Marx ist in Anb-rracht seiner mannigfachen Verdienste vom Rabbinate Kisstngen der 12N Titel erteilt worden. Vermischtes. Hamburg, 10. März. Im „Verein zur Abwehr deS AntiiemuismuS" sprach RetchSm'Nister a. D. Gothein über „Die Wirkung deS deutschen Antisemitismus auss Ausland". In dieser schweren Zeit, führte er aus, müßtrn alle Deutschen zusammenhallen und sich bemüh» n, moralische Erorberungen tn der Welt zu machen. Eine überaus schwere Gefahr für unsere Auslandsbeziehungen bilde der Antisemitismus mit seinem verstiegenen Nationalismus und mittelalterlichem Rückschritt. Wie im Mittelalter sollen jetzt wieder die Juden an allem Unglück schuld fein. Schüchiern regen sich bald da, bald dort im Ausland Sympathien für das unterlegene Deutschland, fie werden aber durch die antis« mtlischen Bewegungen im Keime ersticke Je mehr sich dtr Antisemitismus bei uns breit mache, in desto höherem Matze bützten wir daS Vertrauen des Auslandes ein, daS wir so nötig haben." Der frühere Landlagsabgeordnete Pfarrer Graue protestierte als evangelischer-Theologe gegen die sittlich vermerfi'che Hetze aegen die Juden. Kcin gläubiger Christ dü.fe vergessen, datz daS Christentum sich auf dem Aiten Testamente aufbaue, datz daS g'öhte religiöse Genie aller Zeiten aus dem jüdischen VolkSgetste herausgewachsen sei. Der Antlsemtttsmus widerspreche der Gerechtigkeit, der Wahrheit und der deutschen Kultur. In der Aussprache stellte sich Herr von Oppeln-Broniko wski als Deulschnattonaler vor, der aber gleichzeitig ein entschiedener Gegner deS Antisemitismus sei. Nur ein kleiner Teil rech S« radikaler, radaulustiger Elemente, mache die anü semilische Heye mit. Stendal, 20 März. Heute fand in der hiesigen Synauvge anläßlich der Abst mmung in Oberschlesten ein vaterländischer Fürbittegottesdienst statt, bei dem Herr Rabbiner Dr. Rübner, gestützt auf den PsalmverS px rurh IVVII'1 121111MV1 'i mp in beredten Worten auf die Bedeutung und den Ernst deS TageS für daS Reich und feine Bewohner, insbesondere aber Sabdat-Ansang und Ausgang. Olt Ti Anfang Datum AuSgaug Udr iMtn. ISSl! 5081 Udr,Mtn. 25. lS.Adarli. Frankfurt a. M. v 10 März 7 so Verkta .... 6 SS 7 VS München . . . S 15 7 IS Ltrastbnrs . — — — — Stuttgart. . . — — — — Pose« .... ->- — — — Nürnberg. . . 6 10 7 17 Ha«d««a . . . « 80 7 80 Zamillennachrlchten. Barrriizwohfeier. Max, Sohn des Herrn Emil Jeidel und F»au Rilka, geh. Ehrenretch, Bad Ktsstnge». — Simon, Sohn deS Hoorn Jakob Ellangoe^BoUatz in Inzer«.