Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 12 (24.3.1921)
- Date
- 1921-03-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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»eile 4 91*. 1t Der'JSraeltt. LandeSorgavisationen, die hinter dem P eßburger Be. schlutz stehen, über die Sachlage zu unierrichien und sie zu einer Revision ihres Beschlusses einzuladen. Um dies erfolgreich tun zu können, müssen wir jedoch, wie daS verchrliche Oberrabbinat begreifen wird, den Landek-Organisationen konkrete Unterlagen zu geben im Stande sein. Wir möchten daher daS ehrwürdige Oberrabbinat bitter,, zunächst sestzustellen, auf welchem Gebiete und und in welche^ Form ücd nach Ansicht und den Wünschen deS Herrn Prif. Weizmanrr ein Zusammenwirken zwischen der zionistischen Organisation und der Agudas Jisroel vollziehen könnte. Sobald uns hierüber einige konkrete Angaben vorlkegen, werden wir nicht verfehlen, eine möglichst schleunige Bt schlustfassung unserer Landesorganisationen her beizuführen. Zu Jbrer gefl. Orseniiorung überreichen wir Ihnen separat unter Kreuzband ein Exemplar des „kaderech", in dem unsere Korrespondenz mit der zionistischen Organisation veröffentlicht ist. Mit vorzüglicher Hochachtung. H?rrO^errabblnerOnderwyzer antwortete auf dieses Schreiben unterm 2 l. Fe bruar u. o.: „Ich bestätige den Empfang Ihrer gefl. Zuschrift vom 4. Febr. und 16. Fe<-r.; auf die letztere hoffe ich bald znrückzukommen. Infolge Ihres oben erwähnten Schreibens schrt b ich an Herrn Dr. Ch. Weidmann, daß Sie mich ersucht haben, zunächst sestzustellen, auf weichem Gebiete und in welcher Form sich seiner Meinung nach ein Zu'ammenwtken zwilchen der zto. nisttschen Organisation und der Agudas Jisroel vollziehen könnte." Hernach ist es außer Zweifel, daß zunächst eine Aufklärung von zionistischer Sekte erwartet werden muß. Abraham Grünbaum V 'xr. Irailkfurt a. W., 18. März. Aus der heiligen Stadt kommt die erschütternde Trauerkunde, daß Abraham Grün bäum aus Nürnberg, kaum daß er den Boden Erez JisroelS betreten und fein Wirken als niiSB N'2V begonnen hatte, vom Schauplatz irdischen Seins urplötzlich abberufen worden ist.; .inirr r?n T?1? nxn n^rrV ■p-o — mit der ganzen Energie seines J t of tburdbftrömtcn Wesens hat Abraham Grünbaum sein Leben lang nach Erez Jisroel gebangt, für Er-z Jisroel gesorgt und gewirkt — und er mußte ein zweites Mal selber dorthin wandern, um seine Laufbahn, rastlos schaffend, zu vollenden. Im Aufträge der Palästina-Zentrale der „AgudasJisroe l" war Grünbaum am 1. März von Triest nach Palästina abgereist, voll von Plänen für d e Mitarbeit am wirtschöstlichen Aufbau des heiligen Landes, den er schon in vergangenen Jahrzehnten, als er den Amsterdamer Pektdim seine Vorschläge zur Umgestaltung des palästinensischen Unterstützungswesens unterbreitete, als Endziel aller organisierten Erez Jsroel-Fürsorge betrachtet hatte. Wir w ssen in diesem Augenblicke nichts Näheres über die Umstände, unter denen der Heimgang des rüstigen Sechzigers erfolgte — aber sicherlich werden seine irdischen Reste in der geheiligten Erde des Gotteslandes ruhen: N21LN finnbniap DPT 1782. Abraham Grünbaum stammte aus dem kleinen Fabrikftädtchen Schwabach bei Nürnberg er war ein echter Typ des bodenständigen, von Thora und Gottesfurcht gesättigten fränkischen Judentums, in dem sich ohne viel Grübeln und bewußtes Erziehen dir Verschmelzung einer guten bürgerlichen deutschen Bildung mit reichem und gründlichen jüdischen Wissen vollzogen hat. So wie sein Beruf, die Blattgold-Fabrikation, einen ausgeprägt lokalen Charakter trug, so war der ganze Mann von stärkstem Heimatgesühl durchdrungen, und die Angelegenheiten des bayrischen Judentums, der Aufbau und die Weiterentwicklung der Nürnberger Adaß Jisroel, der er Jahrzehnte hindurch der anerkannte Führer war, die Btldungsanstalten in Würzburg, Höchberg, Burgpreppach und Schwabach, die Kämpfe um die Revision des Judenedikts, zuletzt die Wahlen zum bayrischen Gemeindeverband waren die obersten Anliegen seiner jüdrsch-politischen Tätigkeit. Die obersten, aber beileibe nicht dteeinzigen. Im großen Ausschuß der „Freien Bereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" waren seine Klugheit und Tatkraft auch dann hochgeschätzt, wenn unausbleibliche Meinungsverschiedenheiten über tnnerbayrische Angelegenheiten die Geister in temperamentvollen Debatten aufeinanderprallen ließen,' derPalästinakom misston der „Freien Vereinigung" widmete er insbesondere beim Aufbau des mit so wunderbarem Erfolge ins Leben gerufer en Talmud Thora-Schul verks in den judäischen Kolonien stete, lebendtge Mitarbeit. Hatte er sich ja schon 1885 durch einen längeren Aufenthalt in Erez Jisro l die Unterlagen zu einem reifen und sicheren Urteil über die idealen und wlrtschastl'chen Bedürfnisse des Landes erworben, dos er dann als Mitglied der „Deutschholländischen Palästinaverwaltung" be der Durchführung des Reorganisationswerkes von 1906 in vorderster Reihe praktisch nutzbar machte. Die Gründung der „Agudas Jisroel" rief Grünbaum schon in den ersten Stadien der Beweg mg auf den Plan. Er war es, der vor der Kalkowitzer Konferenz im Aufträge der vorbereitenden Kommission eine längere Reise nach Galizien, nach Beiz und Czortkow, übernahm, um die chaisidischen Kreise über die Z ele der „Agudas Jisroel" zu unterrichten und sie für den Organimtionsgedanken zu gewinnen,' als Mitglied der AgudaleUung hat er dann insbesondere den Grund zur Wiener Agudas I srael gelegt und um dte unter den galizischen Flüchtlingen von Agudas Jisroel errichteten Sch ulen, wie um denKrtegswaisenfonds der Aguda sich unauslöschliche Verdienste erworben. Alle Erfahrungen seiner vielstittgen und großzügigen Berufstätigkeit, seinen Scharfblick und sein Organisationstalent, vor allem aber seine glühende Liebe zu den Idealen des Thorajudentums gedachte er nun in den Dienst der aktuellsten Gesamtheitsaufgche zu stellen, in den Dienst der Eroberung Erez Jtsroels für das Gottesgesetz.- Gottes Wille hat es anders beschlossen. Allein das ms? eines den Mizwos geweihten Lebens, unter diesen Mizwos vielleicht nicht zuletzt rn'ö JYlXö, deren Erfüllung sich der unablässig Tätige mit besonderer Opserfreude zeitlebens genidm-'t, hat ihn zum Lande der Sehnsucht heimgeführt, aus dem seine Seele den sicheren Aufschwung finden durfte zu den Pforten der Ewigkeit. Das mag den Seinen Trost sein.!"i"22£3n * » * Nach weiteren inzwischen nngelangten Nachrichten ist Abraham Grünbaum, nachdem er schon unierwegs, wahrscheinlich an einer Grippe, e,krankt war. am Mittwoch, den 29. Adar l in Jerusalem eingrlroffen und dort am Sonntag, den 3. Adar II im Schaare Zedek Hoipiral, zu dessen Gründern und eifrigsten Förderern er zeitlebens gehört hatte, sanftentschlafen. An seinem Krankenbette befand sich seine Gattin, die die Reste mit ihm unternommen hatte. Die Bestattung fand am Montag, den 4. Adar auf dem Beshachajim am Oetberge statt. » » * Am Montag nachmittag hielt Herr Rabbiner Dr. Klein im Gotteshause derNürnbergerAdah Jisroel-Gemetnde vor dichtgedrängter Hörerschar und zah'reichen auswärtigen Gästen und Vertretern von Korporationen einen Hesped, der de ganze unermeßliche Größe des Verlustes, den Grünbaums Heimgang für seine Gemeinde und die Gesamtheit bedeutet, zu erschütterndem Bewußtsein brachte. Ungekünstelt und wahrhaftig in Farm und Inhalt, liefe der Hesped die wahrhaft klassische Persönlichkeit des Heimgegangenen vor dem geistigen Auge erst-hen und verweilte insbesondere bet dem den stark«-»,, von gewaltiger Lebknsenergie durchströmten Mann auszeichnenden liebevollen Herzen. Seine Zedoko war unvergleichlich, und nicht umsonst war er einer der ersten, der geaen die Bürokratisierung und Zentralisierung der jüdischen Wanderarmenpflege in die Schranken trat. Der Gemeindeverwaltung legte der Trauerredner inSbesonders anS Herz, alle Kräfte zusammenzunehmen, um dte Lücke, die der Tod des Führers gerissen, einigermaßen zu schließen. Im Anschluß an die synagogale Feier fand im großen Saale des KMturvereins eine Trauerveriammlung ftait. Es sprachen namens des Vorlandes der Adast Jisroel-Gemeittde Herr Don Sichel, ür d'e D utsch-Houändische Paiästtna-Verwaltung und daS Schaare Zedek-Hospital Herr Rabbiner Horo v icz aus Jerusalem, für die Freie Vereinigung und die AgudaS Jisroel Herr Jacob Rosenhetm auS Frank-; IE furt a. M., daS Lehrerseminar in Würzburg Herr DistriktSrabbiner Dr. Stein, Schweinfurt, für die Israelitische KultuSgemeinde Nürnberg Herr Kom. Rat Metzger, die Ohet Jacob-Gemeinde München Herr Rechtsanwalt Dr. Max Feuchtwanger, München, für dte Bene Brith-Loge Herr Justizrat Erlanger. Ferner Herr Beermann für den jüdischen Wohltätigkeits-Verein Nürnberg, Herr Wtßmann für den Esraß Noschim-Verein und Herr Klugmann für die Agudas Jisroel Jugend- und Mädchengruppe Nürnberg. Mit einem kraftvollen Schlußworte des Herrn Rabbiner Dr. Klein und dem Maariw-Gebete endete die erhebende Feier. Evrrespondenzen and Aachrlchtev. Deutsches Reich« Aus dem Reichstag. Rerki«, 11. März. Auf dte Forderung des Abg. Mumm (D.-N.) „alles zu tun, um die stamme^ fremde Ostrittwanderung zu hemmen und die Oftjuden über die Grenze zurückzuschaffen", erklärt Mmisteralrat Hering: „Die Reichsregierung ist mit den ihr zu Gebote stehenden Mitteln bemübt, nach Kräften den Gefahren enigegenzunelen, die sich aus der unerlaubten Einwanderung von Ausländern nichtdeut?chen Stammein wirtschaftlicher, kultureller und politischer Hinsicht ergeben. Zur Verhinderung der unerlaubten Einwand tung von Ausländern dienen dte Paßvorschristen und die Maßnahmen der Fremdenpolizei. Zur Abwehr deS Zustromes von fcemdstämmigen Ausländern ist die verschätsie Handhabung der Paßvorickr sien angeordnet worden. Die Ostgrenze wurde zunächst für nicht deutschstämmige Einwanderer grundsätzlich gesperrt. Eine Massenabschiebung unerlaubt Eingewanderier über die Ostgrenze scheitert an dem Widerstand der polnischen Behörden. Im Jahre 1920 sind 11458 Personen wegen unerlaubten Grenzübertritts im Osten festgenon men worden. Davon sind 0169 wieder über die Grenze abgeschoben. Im Januar 1921 sind rund 2800 Pe-fonen teils nach unerl.. übten Grenzüberrriit wieder abgeschoben worden. Zur voriäufigen Internierung solcher fremdstämmigen Ausländer, deren Abschiebung angrzeigt, aber nicht alsbald durchführbar ist, sind mehrere Läger zur Ve.füguvg. Dos Lager Stargard in Pommern steht für etwa 2700 Personen bereit." Diese Erklärung genügt dem Abg. Mumm nicht. Er fragt, wie die Regierung die volle Wirkungslosigkeit ihrer Maßnahmen sich erklärt. Eine Antwort wird nicht erteilt. Oesterreich. ex?ßlle 9er flntifemifen« — Der Religionsiehrerflreih- Wien, 15. März. Anläßlich des Antisemitentages veranstaltenen einige hundert junge Leute, unter Durchbrechung des Polizeikordons, wüste Ausschreitungen auf dem Ring und der Kärtener Straße. Sie drangen in Hotels und Kaffeehäuser und verprügelten „jüdisch ausseheude" Gaste/ Straßenbahnwagen wurden angehalten, einzelne Personen — darunter ein hoher ausländischer Beamter mit einen Damen — aus Automobilen gezerrt und ieschimpft. Die Polizei verhaftete 25 Personen. — Der Streik der Religtonslehrer ist beendet; er hat zu einem vollen Siege der Beamten geführt, die den städtischen Lehrern gleichgestellt wurden. - -! ' ' - 1! .... Das Palälfina-Vifum- Wien, 20. März. Das englische Konsulat in Wien berichtet an.!üe Agndazentrale, daß es von nun an den Paffen von Palästina-Reisenden, die von der Agudazentrale empfohlen werden, ohne weiteres das Visum erteilen wird. < 1! < 1 i i l r r f $ A l % k 1 s l i d