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Der Israelit · 1921-03-24 · Heft 12 (24.3.1921) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 12 (24.3.1921)
Date
1921-03-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. IS Ve: Ks-aeit? HMW 1U ■für die oberschlesischen Juden hinwies. Der Gottesdienst war zahlreich besucht. Wirrt, 20. März. Hiesige Zei-ungen berichten über einen schrecklichen Fall: In der Gemeinde M a l a k a in der Siowakai hat der Rabbiner, Vater von acht Kindern, in einem Anfall von geistiger Umnachtung, Selbstmord begangen. Der unmittelbare Grund war die außerordentliche Not, in der er sich mit seiner Familie befand. Und diese wird von der „Neuen Freien Presse" damit begründet, daß der Unglückliche ein Mann alten Schlages war, während die Gemeinde« führer liberal gesinnte Männer sind, denen der alte Rabbi nicht nach Willen und Geschmack war. Dieser Fall sollte doch die Aufmerksamkeit der jüdischen Oeffentltchkcit endlich auf die ungeheuere Not der Rabbiner, Lehrer und sonstigen geistigen Arbeiter in -er Tschechoflowakai und auch anderswo Unken. Frankfurter Berichte. Vas Jüdische Keim. Ich sah mir das Jüdische Heim in derSchützen- Rechneigrabenstrckße an. Ein Heim wie alle derartigen Heime, eine gute Jamilienpension. Auf den laugen weißgedcckten Tafeln hie und da eine Blume in Glasväschen. In den bequemen Stühlen sarte (man nenne dieses Wort heute nicht mehr vulgär), lachende Jugend, die auch außerhalb der Essenszett bei einer Zigarette und einem Zetumgsblatt die leidige politische Weltlage in Stauch und Dunst aufgehen läßt. Ein wenig geflirtet wird auch, das gehört dazu. Ein Plakat an der Wand zeigt irgend ein Tanzvergnügen von irgend einem Vereine an. .Der Huuger ist unpolitisch und unparteiisch und die Hungerkanone, der riesige Kochkessel auf dem Herde in der schönen, picksauberen Küche, umfaßt alle mit gleicher Liebe, darum läßt man alle Parteien zu Worte kommen, auch die des TauzbeineS . . . Uebrigens gibt das Plakat Anlaß zu guten, geistreichen Witzen und gesundem verdauungsförderndem Lachen. Denn intellektuell sind die Pensionäre zum weitaus größten Teile bis auf die Fingerspitzen, die wissen, daß „nicht vom Brote allein der Mensch lebt". Ich hörte deutsch, ungarisch, polnisch, jiddisch, auch fron, zöstsch sprechen, und zwei sagten sich gehörig die Meinung — in klassischem Hebräisch. Studenten und Jeschlwohörer, auch Kaufleute und Handlungsbeflissene. Je nachdem, zu welcher Gruppe man sich findet, kann man erfahren: die Unsirmigkeit der Häckelschen Evo lutionslehre, die Bedeutung der Einstetnschen Relativitätstheorie, den „Zelach" zu der letzten „Sugtoh" oder den neuesten Kursstand des Dollar . . . ' Zionismus, Agiida, Misracht schwirren und klirren geradeso durch die Lust.- Aber beim frommen in dlütenweißer Unschuld schillernden Reisbrei, auf dem die dünne Schicht braunen Zimtes wie eine züchtige Haube sitzt — es war Sonntag abend gab es keine Explosionen. Man aß und sprach und atz wieder, milde, gemütlich und einträchtig. Eine gute Jamilienpension, wo Jeder bei guter Kost und sauberer Ausmachung seinesgleichen findet. Das ist der erste Gesamieindruck. Die ganze Bedeutung dieses Institutes ging mir aber auf dem Nachhausewege auf, da sich mir ein Pensionär anschloß und in seinem saftigen Halbdeutsch einiges von der Art und dem Küchenzettel des Heimes mitteilte und dabei auch seine persönliche Stellung zum Hause präzisierte. Er stammt aus Lodz und mußte ein Jahr lang schwer ringen, um Brot und Kleid, um Menschenrecht und Menschenwürde — nicht alle erkennen diese Allmenschengüier auch dem Fremden und Mittellosen willig zu —. Nun hat er feit Monaten Arbeit, in einer Buchhandlung, wo er 150 Mk. die Woche ver« dient. In Lodz halte dieser Betrag vor Jahren der zwölfköpfisen Familie seiner Eltern für den ganzen Monat ausgeretcht. Hier begann erst mit den 150 Mark Wochenlohn das wirtschaftliche Problem. 20 Mark die Woche fürs Zimmer, ohne Heizung und Licht, 100 Mark dir Woche für karges Mittags- und Abendbrot. Die restlichen 30 Mark sollten herhalten für Kleider« und Gchuhreparaturen — an neue Kleider und Schuhe denkt heute kein anständiger Mensch ... — Zwischenmahlzeiten, Licht und Holz und Unvorhergesehenes. Sogar die Steuerbehörde besteht auf ihren zehn Prozent. Und daheim darben Eitern und Geschwister und warten auf Hilfe vom Sohn und Bruder im großen, reichen FrankfurtDazu kommt noch) daß-er schon alr kleiner Junge sich in Lodz Zigaretten, drei Stück für e sn e Kopeke, gekauft' hätte, und er kann es jetzt «och nicht ganz lassen . .; „@o führen sie ihn. hinein, — die. bösen Rauchgeister ins feindliche Leben, kaffen ihn schuldig werden und überlaffen ihn der Pein" Run kam das Jüdische Heim und eS ist ihm, als wäre die ganz« Idee, all die Sitzungen und Beratungen, Erwägungen, Bedenken, Voranschläge und kostspieligen Herrichiungen nur dazu dagewesen/ um sein wirtschaftliches Problem zu lösen . . . „Ist eS wirklich gelöst"?, zweifelte ich. „Ob er gelöst ist! Für SS Mark die Woche Sekomms ich hier gutes, reichlicher Mittag- und Xtonb- «ff®«- „Und da profitieren Sie im ganzen 25 Mark die Woche". „O nein", wandte mein Gewährsmann lebhaft ein, „viel, viel mehr. Erstens brauche ich kein Holz und kein Licht mehr in meinem Zimmer zu zahlen, ich sitze in den Frei« und Abendstunden hier, im warmen Zimmer und verdiene noch — durch Abschreibearbeiten — manches dazu. Aber, was mehr ist als Verdienst und Geld, ich habe ein Heimich war immer einsau, und allein und habe nun F'.eunde, mit denen ich rede und mich berate . . . Seit einem Jahresreue ich mich jetzt wieder aus den Sadüat . . . Zum ersten Maie konnte ich gestern einen kleinen ersparten Betrag nach Hause schicken" ... Er hätte mir sicher noch mehr zu erzählen gewußt, wenn wir nicht jetzt an der Straßenkreuzung angelangt wären, wo sich unsere Wege schieden. Ich aber dachte im Stil-en: Wißt ihr, ihr tapferen Frauen und Männer, die ihr mit soviel Müh' und Aufopferung dieses Heim U.S Leben gerufen und leitet, wißt ihr, wieviel Heil und Glück ihr geschaffen, wieviej stillen Dank ihr euch erworben in den Herzen all derer, die zu gut sind für die gemeiniglichen Massenabfütterungen in den Volksküchen, aber zu wenig besitzen, uur ihre Studien- oder Lehrjahre mit den Hötel- und Pensionsrechnungen von heute zu belasten; wißt ihr, ihr edlen Frauen und Männer, wie sehr man euer Werk preisen wird draußen auf dem Lande, wo Lehrer- und Kleinhändlerfamilieu ihre Kinder bisher nicht in der Sradt versorgen konnten, weil sie die Kosten und Gefahren — ja Gefahren! — der Unterbringung scheuten! Wissen wir es, dann stehen wir ihnen mit offenem Herzen und offener Hand bei, denn auch zur Krieg« sührung gegen die Not des Mitteistandes bedarf es der bekannten drei Dinge.' Geld, Geld und abermals Geld! Es sind zuviel der Tapferen, die an diesem Werke der Gemeinnützigkeit — nicht der Wohltätigkeit — gearbeitet und noch arbeiten, als daß sie einzeln genannt werden sollten. Merken wir uns aber wohl statt der Namen eine Zahl, die Zahl 50 714. Das ist die Postscheckkontonummer deS „Jüdischen Heimes". S-tz. Wohttäligkeiiskonzert. Wie wir schon berichtcr haben, findet am Mittwoch, den 6. April, in der Frankfurt-Loge ein Konzert deS „Jüdischen OrchestervereinS" statt. Veranstaltet wird dasselbe von der Jüdischen Frauenvereinigung, die den Reinerlös unterernährten jüdischen Kindern zukommen läßt. Der Umstand, daß die gesamte künstl rrsche Leitung in den Harden des Herrn Max Neu mann ruht, gibt sicherste Gewähr, daß uns ein genußreicher und vielversprechender Abend in Aussicht stehr. Außer dem Orchesierverein, der unter anderem die zweite Symphonie von Haydn bringen wird, ist noch Herr Gerl ich (Tenor) gewonnen worden, der im ersten Teil JargonUeder, im zweiten Teil Lieder allgemeinen Inhaltes, vortragen wird, darunter auch eigene Kompositionen des Herrn Neumann. Das Programm verzeichnet ferner noch zwei Trios, die von Mitgliedern des Orchesteroereins bestritten werden. Jrn Jntereffe der guten Sache wäre ein „Ansverkauft" zu wünschen. Karten im Vorverkauf in den Buch« Handlungen von Sänger u. Friedbeig, Hofmann und Rachelsohn, sind jetzt schon erhältlich. Targuw schem-WdrLrag. Der Vortrag „Aus und überTargum schent" wird auf allgemeinen Wunsch nächsten Sonntag im „Mekor Chajtm", Langestraße 18, fortgesetzt. Während der erste Vortrag die Erklärungen zu Megilla brachte, soll der zweite die Teile behandeln, die in einem loseren Zusammenhänge mit der Esther-Geschichte stehen. Der Bortrag beginnt präzis Vs7 Uhr. Ntmnenaölö/ung. „Ehret die Frauen, sie flechten und weben Himmlische Rosen ins irdische Leben" . . . D-e traurige Jüdische Frauenvereinigung weiß sogar das Kapitel des Kinderelends mit zarter Anmut, mit Kunst und Schönheit zu umgeben. Das von ihr hergestellte Kärtchen als Blumenablösung zu Gunsten unterernährter Kinder ist ein in frischen Farben gehaltenes Kunstwerkchen, das Herz und Gemüt erfreut und, wie wir hoffen, auch zum Erfreuen anregen wird. Die eine Seite der zusammenlegbaren Karte zeigt einen Jungen,-- der,' an einem Blumenwagen ziehend, .aus einem mächtigen Korbe Blumen vor sich streut.; Auf der anderen S^ite sinh,-drei Blumentöpfe von einer wehenden. Wimpel zusammengehälten, auf der der Psalmsatz prangt: Vsipd n „Heil dem, der v erst rin d ig ist dem Armen gegenüber» am Tage der Not schütz' ihn Gott". Im Schatten dieser Blumen kann sich der Name d«S Spenders und Gratulanten bergen, in deffen Auftrag die Jüdische Frauenvereinigung den stnuige» Blumengruß an den Adreffaten übermittelt. Wird allgemein von dieser prächtigen Einrichtung Gebrauch gemacht, so kann daraus viel Segen für die unterernährt«, Kinder erfprietze«. (Die Kart» ist «ach efatnt 24 März 1921 Entwurf von F S. Schames in der Lithographischen Kunstanstalt Kornsand u. Co. in Frankfurt a. M. an« gefertigt). Verein Mekor Chajirn. SamStag vorm., nach Schluß der „Dinim"; Herr Rektor B. Falk. — 12 Uhr, im Hörsaal Friedberger Anlage: „Melochtm"; Herr Prof. W e y l. - N a ch m. 3^Uhr: „Mikro"; Herr Dr. Robert Rotschild. Sonntag früh: Jahrzeitsstistungslernen Theodor Mayer-Stistung. Sonntag vorm. 9% Uhr und Dienstag abend 7 Uhr: „Gemoro"- Herr R. A. Posen. Sonntag nachm. %7 Uhr: „Ueber und aus Targum Scheut zu Megilath Esther"-(zweiter Borirag: Das Salomonische Weltreich); Herr Redakteur Schachnowitz. Montag abend 7 Uhr: „Gemoro"; Herr Dr. Jof. Breuer-. Allabendlich 83/4 Uhr: „Gemoro"; Herr H. H a l p e r n. Jeden Morgen Mi sch na lernen. Agirdas Jisroel-Jugendgruppe. Sonntag vorm. 8 Uhr: „Chumisch mit Raschi"; Herr Leopold Oppenheimer. — Nachm. 21/, Uhr: „Tehitlim";HerrHerm.Frankenthal. — 6 Uhr: „Hebräische Sprache"; Herr Lehrer I. Je len. Herren und Damen. Dienstag abend 8 Uhr: „Tefilloh"; Herr Oberlehrer Kaufmann. Freitag abend nach Schul: „Gemoro" für Anfänger Herr Leop. Oppenheimer. SamStag vorm., 9% Uhr: „Gemoro"; Herr Dr. I. Posen, Tiergarten 43. — 11V* Uhr: „Gemoro"; Herr H. Halpern. — II3/« Uhr: „Mischna"; Herr A. Hirschberg. — 31/, Uhr: „Gemoro"; Herr Dr. Hofmann. — '/«Stunde vor Nacht: „Midrasch"; Herr Dr. Hofmann Agudas Jisroel-Mädchengruppe. Montag abend 8% Uhr: „Dinim" (Peffach); Herr Redakteur Schachnowitz. Samstag vorm, nach Schul: „Sidrahvortrag". SamStag nachm. 4 Uhr: „Thauro"; Herr Lehrer Hirschberg. Verein zur Pflege jüdischen WiffenS anm mKsn e. B. Sonntag, den 30. März, abends 7% Uhr: „Ausgewählte Kapitel aus den Bestimmungen de» jüdischen Rechtes über den Werkvertrag"; Herr Rechtsanwalt Horovttz. Zeire Emune Jisroel, Hanauerlandstratze IV. Freitag abend 8',', Uhr: „Derusch"; Herr Rabbiner Halpern. Sonntag a b e n d 8ff, Uhr: „D^rm" und „an»' rftaa"; Herr I. Landau. Montag abend 8'/, Uhr: „Gemoro"; SV, Uhr „Dinim"; Herr M. Speiser. Dienstag abend 8ff, Uhr: „Gemoro"; SV» Xhr: ,/Jeschajohu"; Herr S. Hiller. Donnerstag abend 8'/, Uhr: „Jeschajohu"; »Uhr: „Doroth Haaschaunim"; Herr I. Lauda». Verein jli mb- Herr Prof. Dr. Sulzbach, Sonntag nachm^ 1 Stunde vor Mincha, Langcstr. 18 und SamStag nachm., nach Mincha, Hörsaal Friedberger Anlage. Beshamidrasch, Osteudstraße 18. Freitag abend nach Schul: „Tis» ritten"; Herr Rachelsohn. SamStag nächm., Vtö-1/,7 Uhr, Sonntag früh 8—9 Uhr, DienStag und Donnerstag abend, S—10 Uhr: „Gemoro-Schiur" »vp km; Herr Rechtsanwalt Dr. I. Breuer. SamStag nachm. 4 Uhr: Vortrag. — Sine halbe Stunde vor Nacht: „Messilas Jefchorim"; Herr H. Halpern. Alltäglich V, Stunde vor Nacht: „Dinim"; Herr Rosen zwetg. » m E 8 c h-e n h e i jire r f fj r*»» »■ Zillertal und Biei*kabai*stt Ramniffnung 61/, Uhr, Anfang 71/, Uhr akaafe H«inklauss Eingang nur illflatrale 18

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