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Der Israelit · 1921-03-24 · Heft 12 (24.3.1921) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 12 (24.3.1921)
Date
1921-03-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Lt . MW- E litten unsere Senner Stecht,» enn sie sagen, daß wir im Begriffe find, eine „Aschera inS Heiligtumhinzubringen. Seine Exzellenz und keine Regierung der Welt können die Ehre des Rabbinats wieder Herstellen, wenn dieses nicht feststeht auf den Gesetzen der Thora. Alles, was die Befürchtung nahelegt, daß die Ehre des Rabbinateö und der Thora angegriffen werden könnte, werden wir bis zum letzten Blutstropfen bekämpfen. Die Sitzung wird unterbrochen. Inzwischen hat man die Laten eingeladen, wieder zu erscheinen und sie nehmen ihre Plätze wieder ein. Dr. Kl ausn e r protestiert gegen die Rede Kuks, der die zu wählenden Konsulenten, die doch thorakundig fein müssen, verdächtigt habe, daß sie nach fremdem Rechte richten werden. Wir werden das Gute nehmen, wo wir es finden. Wenn ihr nicht zustimmen wollt, tut, was ihr wollt wir haben dann hier nichts zu suchen. Rabbiner Kuk: Aeußere Ordnungsvorschriften werden wir von jedem annehmen, aber kein Recht. Unser Recht ist göttliches Recht, und es ist die Seele der Nation. Ihr, nichlreligiöse Bevollmächtigte der Gemeinden, seid wenigstens so tolerant wie Elischa ben Abuja, der, selber auf einem Esel reitend, seinen Schüler Rabbi Meier an der Dabbatgrenze zur Umkehr ermahnte. Rabbiner Charlap: Genug der Diskussionen. Hier spricht ein Rabbiner aus der Tiefe seines Herzens und Dr. Klausner sitzt da und spottet und lacht. Solfl das Anstand fein? Er kann zusttmmen oder nicht, aber aufmerksam zuhören sollte er wenigstens. Unter großem Tumulte schließt der Vorsitzende die Sitzung. Sechste (Schluß)-Sitzung. In der Abendsitzung war nur noch die H ä l f t e der Delegierten anwesend. Zu Beginn der Sitzung erklärt Bentwich, daß die Regierung offiziell nur dasjenige Besdin anerkennen werde, das von dieser Versammlung gewählt würde. Herr Adler gibt der Hoffnung Ausdruck, daß dereinst der Tag kommen werde, an dem keine Unterschiede mehr zwischen offiziellem und nichtoffiziellem Rabbinat nötig seien und ein Mann zum rabbinischen Obehaupte ganz Palästinas gewählt werden könne. Dr. Klausner und ein weiterer Laie erklären, daß sie sich an der Wahl nicht beteiligen, werden. Nach kurzen Auseinandersetzungen mit Bentwttch verliest Rabbiner Kuk die endgültige Fassung des Antrags der Rabbinen,. über den alsdann abgestimmt wird. Er lautet: „Es werden drei thorakumdige und gesetzestreue Laien gewählt, die als- Rat beim Oberrabbinat fungieren. In richterliche Angelegenheiten dürfen sie sich nicht mischen. Sie kommen mit den Rabbinen einmal monatlich zusammen um über organisatorische und taktische Fragen zu beratensie stehen ..um 111 .... fl i i ■ ■ ■■ lim ■!»!■! eriiMii ««fcMirtriirTMrmi umwmi in ferner den Rabbinen mit Informationen außerhalb des Thorarechtes zur Seite." . Der Antrag wird unter großem Beifall angenommen und zwar in Anwesenheit von 34 Rabbinen und 15 Laien. Hierauf wurde das Achtmännerkollegium gewählt, an deren Spitze als gleichberechtigte Präsidenten die Rabbiner Kuk und Me ir stehen. Mit den üblichen Schlußreden wurde die große Rabbiner-Versammlung alsdann geschloffen. Kochemundschau. An MchSgesetz über das Volksschulwefen. Dem Reichstag ist vor kurzem vom Reichsministerium des Innern der Entwurf eines Gesetzes zur Ausführung des Artikels 146, Absatz 2 der Reichsverfassung zugegangen. Er unterscheidet Gemeinschaftsschulen, wo Schüler aller BekenntniffeUnterricht und gesonderten Religionsunterricht erhalten, Bekenntnisschulen und bekenntnisfreie, d. h. weltliche oder besondere Weltanschauungsschuleu. Die religiösen Sekten gelten als selbständige Bekenntnisse. Bekenntnisschulen sind zulässig, wenn Träger des betreffenden Bekenntnisses eine Körperschaft des öffentlichen Rechtes istdie lehrplanmäßigen Anforderungen in diesen Schulen bitrfen nicht hinter denjenigen der allgemeinen Volksschulen Zurückbleiben. Unter der Rubrik „bekenntnis fr eie Schulen" können Volksschulen jeder dogmatisch zu formulierenden Weltanschauung eingerichtet werden, sobald hinter ihr eine Körperschaft des öffentlichen Rechtes steht. Es wäre also interessanter Weise im Notfälle unter der Spitzmarke „bekenntnisfreie Schule" auch eine Volksschule orthodox-jüdisch er Weltanschauung denkbar, in der dann gesetzlich der gesamte Unterricht im Geiste des orthodoxen Judentums erteilt werden müßte. Der Gesetz-Entwurf enthält Bestimmungen über das Antrags recht der Erziehungsb erech ti g te n und überdasAnmeldunqsverfahren, ferner eine Auslegung des Begriffes des „geordneten Schulbetriebes", der nach der Verfassung durch die Bekenntnisschule nicht beeinträchtigt werden darf, außerdem Hinweise auf die Verwendung der Lehrer der verschiedenen Schularten und den Ausbau des Reichsgese-.es durch die Landesgesetzgebung. Sie Amsterdamer Vermittlungs-Aktion. Im „Jewish Chronicle" wird ein Interview mit Oberrabbiner Onderwyzer veröffentlicht, das Ist nun das Verhalten Mordechcüs nicht ganz einwandfrei, dann erscheint die Handlungsweise Hamans nicht so fluchwürdig, wie man sie gewöhnlich annimmt. Nun aber gibt es im Hebräischen für „wollen", „bitten" und „wünschen", zweierlei Ausdrücke: nW und ntppa, Ersteres drückt mehr einen „Wunsch" und das Ersuchen um Etwas, ohne Aussicht aus Gewährung desselben. riB^S hingegen drückt das intensive Streben nach etwas aus, das man unbedingt und unter allen Umständen zu erreichen sucht. Daher sprach auch Esther zum Könige: 'rÄNttD „was mich persönlich anbelangt, so äußere ich nur einen Wunsch, den du erfüllen kannst oder nichtn:jn, was mein Volk aber anbelangt, so ist mein. ganzes Streben darauf gerichtet, eS zu befreien und zu erlösen". Haman strebte intensiv darnach, Israel zu vernichten. Der Grund und die Veranlassung dazu war ihm ganz nebensächlicher Hatzte Israel aus tiefstem Herzen und suchte feinen Untergang unter allen Umständen herbeizuführen. Hätte sich Mordechai vor ihm gebückt, denn hätte er einen ander» Grund erfunden, sein Mütchen an Israel zu kühlen. Daher heißt es mit Recht: naüfr'iPpa nwt fön *inx, Haman ist fluchwürdig, weil er mit aller Macht darnach strebte, mich zu vernichten, deshalb »nvr'n Wiö ttd, deshalb sei Mordechai gesegnet, der sich als aufrechter Jehudi benahm und fich vor Haman und seinen Götzenbildern nicht bückte. Denn hätte eS Mordechai getan, Haman wäre derselbe Iudenhaffer geblieben. Daher *nn*n wus Mmrs Feuilleton. (Ein altes Knliurgebict als Wüste). Die syrische Wüsie, heute eine unfruchtbare Einöde, gehörte einst zu den dichtbevölkertsten und am höchsten zivilisierten Gebieten der Erde, und Hunderte von Ruinen« statten erzählen von der stolzen Vergangenheit der jetzt so unwirtlichen Gegend. Die Frage, warum dieses Land der völligen Verödung anheimfiel, gehört zu den interessantesten der geschichtlichen Forschungsie ist aber auch von dem neuesten Bearbeirer des Problems, H. C. Butler, nicht gelöst rvorden. Wie B. Brandt in einer Besprechung dieser Abhandlung iu den „Naturwissenschaften" hervorhebt, handelt es sich dabei weniger um eine geschichtliche als um eine naturwissenschaftliche Frage. Die Untersuchungen der jüngsten Zeit haben erwiesen, datz das jetzt menschenleere Gebiet der syrischetr Wüste einst dichter bevölkert war als, die Großstädte ausgenommen, die bevölkertsten Teile Englands und der Vereinigten Staaten. Die Wirtschaft und Zivilisation der semitischen, seit dem Alexanderzuge mit europäischen Kolonisten durchsetzten Bevölkerung standen aus hoher Stufe. Ein großartiges Straßennetz und mächtige Brückenbauten ermöglichten einen umfangreichen Außenhandel mit Indien und Rom und der blühenden Kultur entsprossen jene wunderbaren Tempel und Kirchen, Theater und Bäder, Billen und Grabdenkmäler, deren Ruinen noch heute stehen. Diese Blütezeit reicht von ungefähr 304 vor bis 600 nach unserer Zeitrechnung und endete mit den Eroberungszügen der Perser und des Islams. Da die Perser ihr Land durch einen Wüstengürtet gegen fremde Eiusätte schützen wollten, zerstörten sie die Be- . geeignet ist, Mißverständnisse hervorzurufen und die „Agudas Jisroel", noch ehe Vorhand, lungen begonnen habm, für ein etwaiges Scheitern verantwortlich zu machen. Wir sind demgegenüber in der Lage, das Schreiben zu veröffentlichen, das die Londoner Aguda-Leitung am 16. Februar in Beantwortung der Aufforderung des Amsterdamer Oberrabbtnats an dieses gerichtet hat, und das bis heute noch der meritorischen Beantwortung durch die zionistische Organisation harrt. DaS Schreiben lautet wörtlich: An bas Rabbinat der Red. Israel. Hoofdsynagoge z. Hd. Sr. Ehrwürden Herrn Obberrabb. A. S. Onderwiyzer Amsterdam. Sehr geehrter Herr Oberrabbiner! Gemäß unserem Briefe vom 16. Schewat haben wir Ihre geschätzte Zuschrift vom 11. Schewat unserem Komitee vorgelegt und gestatten uns nun, darauf folgendes zu erwidern: Unser Komittee hat von den anerkennenswerten Bemühungen des Oberrabbinates, zum Besten der allgemeinen jüdischen Interessen des heiligen Landes eine Verständigung zwischen der zionistischen Organisation und' der in der Agudas Jisroel organisierten Orthodoxie der Welt herbeizuführen, dankbar Kenntnis genommen. Die Leitung der Agudas Jisroel hat worauf in der Unterredung mit Prof. Weizmann anscheinend nicht hingewiesen worden ist, während eines^ Zeitraumes von etwa zwei Jahren sich unausgesetzt bemüht, die zion. Organisation durch praktische Vorschläge und persönliche Darlegungen zu einem Zusammenwirken mit der organisierten Orthodoxie, insbesondere bei der Vertretung der jüdischen Palästina- Interessen gegenüber den Staatsbehörden zu veranlaffen und hat darüber hinaus auch aus dem Gebiete der inneren jüdischen Politik (Aufbau-Arbeit) ihrerseits die Initiative zu einem solchen Zusammenwirken ergriffen. Die Korrespondenz, die in dieser Hinsicht mit dem Bureau der zionistischen Organisation geführt worden ist, haben wir im „Haderech" längst der Oesfentlichkeit übergeben. Jeder vorurteilslose Leser dieser Korrespondenz sowie der Erklärung, die Herr Sokolov in Basel über diesen Gegenstand abgegeben hat, wird erkennen, daß eine Verantwortung für die Erfolglosigkeit dieser von der Agudas Jisroel einaeleiteten Bemühungen nicht unsere Organisation trifft. Wir weisen auf diese historische Tatsache hin, nicht um daraus das Recht zu einer ablehnenden Stellungnahme gegenüber der Anregung des verehrltchen Oberrabbtnats herzuleiten, sondern um die Motive deS Beschlusses ins rechte Licht. zu stellen, der inzwischenim Augull vorigen Jahres von der obersten Leitung der Agudas Jisroel in Preßvurg gefaßt worden ist. Dieser Beschluß bat, als Antwort auf daS Verhalten der zionistischen Organisation während der abgelaufenen beiden Jahre, der Exekutive der Agudas Jisroel eS feierlich untersagt, derartige Verhandlungen wieder aufzunehmen, hat ihr vielmehr zur Pflicht gemacht, ihre Aufmerksamkeit gänzlich auf die selbständige praktische Arbeit im heiligen Lande zu konzentrieren. Wir könnet! demnach, um dem Wunsche des verehrlichen OberrabrnatS Rechnung zu tragen, keinen anderen Weg beschreiben als den, unsere größeren seftigungen und Städte. Ader damit ist noch nicht er klärt, warum sich das fruchtbare Land tn eine Einöde wandelte. Man findet Hunderts von Oel- und Weinpressen in Gebieten, in denen heute weder ein Baum noch ein Weinstock Wirrzel fassen kann: wo ehemalreiche Pflanzungen gestanden haben müssen, ragt heute nackter Fels, Flußbetten über die mächtigen Brücken gespannt und an deren Ufern noch Wacheinrichtungen vorhanden sind, zeigen nur Sand und Geröll, haben das ganze Jahr nicht einen Tropfen Wasser. Die Brunnenanlagen, Zisternen und Beriefelungsvorrtchtungen, auf die man allenthalben stößt, beweisen, daß damals Wasser genug,zur Verfügung standmit Holz trieb man jetzt iu dem baumlosen Lande große Verschwendung, die sich aus den Hüuserbauten erkennen läßt. Gewiß mögen die Wälder rücksichtslos nieder, geschlagen worden seindie weidenden Ziegen- und Schafherden verhinderten die Wiederaufforstunginfolgedessen wurde das Erdreich aögespült und das kahle Gestein kam zum Vorschein. Man hat auch auS historischen Befunden auf eine Klimaverschlechterung schließen wollen. Aber durch das: alles wird noch nicht erklärt, wie die fruchtbare Brotkrume, die Wälder- Quellen und Flüsse, so völlig verschwanden und der Wüste wichen. (Statistisches ans der Schweiz). Laut eidgenössischer Volkszählung vorn 1. Dezember 1620 zählt die Schweiz bei einer Gesamtbevölkerung von 3.857.840 Seelen 20.951 jüdische Seelen, Ihre Verteilung auf die einzelnen Kantone ist sehr verschieden. Zürich zählt etwa 7000, Bern 2057, Basel mehr als 2600, Luzern 558, Genf 2772, St. Gallen üoer 1100 jüdische Seelen. Der Kanton Uri zählt nur 7 Juden, Appenzell nur 2 und Nidwalden, keinen einzigen Juden. Hingegen zählt Rargau immer noch 891 jüdische Seelen.

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