Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 12 (24.3.1921)
- Date
- 1921-03-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1« Eharaktrr haben. Rabbiner Zitron wünscht, daß in den rabbinischen Oberrat auch zwei Rabbiner aus der Provinz Eintreten. Rabbiner Ku k: Dir Versammlung muß die Organisation aller palästinensischen Rabbiner schaffen.^ Der Rabbiner-Kongretz tagt einmal jährlich in Jerusalem und müsse so etwas wie das große Sanhedrin sein. Die Interessen der Gemeinden sollen auf dem Kongreß Gemetndedelegierte wahrnehmen. Aus der Mitte des Kongresses bildet sich ein Zentralkomite, das mit seinen 23 Mitgliedern ein kleines Sanhedrim bildet und vier mal jährlich tagt. Umfassende und allgemeine Statuten können nur auf der Jahresversammlung beschlossen werden. Beschlüsse von minderer Tragweite können jedoch auch vom Kollegium der 23 gefaßt werden. Das Oberrabbinat gilt als Vertretung des gesamten Rabbinaies. Das Rabbinat teilt sich in Lokal-Rabbinat, Provinzial-Rabbinat und Landesrabbinat. Streitfälle durchlaufen die genannten Instanzen von unten nach oben. Im Prinzips müsse man einer Teilung des Rabbinaies in Jerusalem (Oberrabbinat und Stadtrabinat) nach dem Vorschlag Zitrous bestimmen. Vorerst seien aber, in der Befürchtung, daß das Oberrabbtnat für sich keine genügende Betätigung findet, diese beiden Instanzen zusammenzulegen, und zwar so, daß über Dinge lokaler Natur nur die Komitemltglieder beschließen, in allgemeinen Fragen aber auch die beiden Präsidenten herangezogen werden. Später kann nach Bedarf die allgemeine Versammlung die Trennung von Oberrabbinat und Jerusalem r Stadtrabb nat beschließen. Kornfeld: Die acht Rabbiner mögen den Ober rat für ganz Palästina bilden. Rabbiner Tukazinski: Die Zahl acht verstößt gegen die gesetzliche Tradition von der ungleichen Zahl des jüdischen Gerichtskollegiums. Eton, Haifa: Warum spricht denn Rabbiner Kuk kein Wort von den dreiLaienmttgliederninder Rabbiner Kommission? Mejuchas: Im offiziellen Memorandum über die Organisation sind die drei Laien Mitglieder ausdrücklich vorgesehen. Rabbiner Markus: Die Versammlung hat die Autorität, gegen jene Vorschläge zu beschließen. Weber: Auf das besagte Memorandum sind mehrfache Proteste gegen die Wahl der Laienmitglieder eingegangen. Auch das Stadtkomitee von Jerusalem sprach sich gegen die Laien aus. Rabbiner Tukaztnski: Wir haben unseren Choschen Mischpath, unser Gesetzbuch, was sollen da die Laienmitglieder? Das Ausland wird einen solchen Eingriff in die Rechte der Rabbiner nicht verstehen. Jellin: Die Laienmitglieder werden sich nicht tn das Thoragesetz elnmengen, sondern lediglich ihre Meinung in anderen Angelegenheiten äußern. Rabbiner Kuk: Das Rabbinar wird sich auch mit allgemeinen Dingen besaffen, die das Leben in Palästina Der JSraeÜj. berühren und man muß Vertrauen zu den Rabbinern haben, daß sie in solchen Fragen, nach Bedarf das sachverständige Urteil der Laien einholen werden. In Fragen, die nach Religionsgesetz zu entscheiden sind, wird man die Laienmitglieder nickt bemühen. Kornfeld: Unbeschadet ihrer Kompetenz sollte die Versammlung hier n'cht au bereits erledigte Dingen rühren. Die Vorarbeiten der Kommission sind doch vom Oberkornmissar genehmigt und sie sehen die Wahl der Laienmitglieder vor. M i b o s ch o n: Man wähle erst die ganze Kommission einschließlich der Laien, dann kann man über die Kompetenzgrenzen noch verhandeln. Rabbiner Fi sch mann verliest einen Satz aus der Denkschrift des Herrn Bentwich: „Möglicherweise findet die Kommission später es für nötig, drei Rechtsanwäire zuznwählen". (Beifall). Dr. Klausner: Wir wollen feststehende Satzungen schaffen nnd nicht die Dinge der Willkür der Rabbiner überlassen. Rabbiner Kuk: Es ist nicht gerade nötig, daß man Recht'.s an walte wählt, denn damit könnte man den Anschein erwecken, als genüge uns das jüdische Recht nicht. Die Ratgeber werden den Rabbinern willkommen sein, wenn es sich für sie darum handelt, über Tatsachen fragen, nicht aber über Rechtsfragen unterrichtet zu sein. Auch organt. satorische Fragen können oft mit jüdischen Rechtsfragen zusam menhängen. Tie Stimmung wird immer erregter, die Auseinandersetzungen werden stürmischer. Die Lasen drohen, die Versammlung verlassen zu wollen. Jede Partei sucht durch eine Fülle von Anträgen und Resolutionen die Gegner aus dem Felde zu schlagen. Schließlich entsteht ein großes Getümmel und alle Ordnung ist ausgelöst. Man fürchtet vorl allen Seiten, daß die ganze Versammlung auZeinanderfallen und ihr Ende erreichen wird. Schließlich besteigt Rabbiner Kuk die Tribüne und ruft: „Wenn ihr wirklich glaubt, daß das jüdische Recht der Unterstützung des Profanrechts der Völker bedarf, dann müssen wir wahrlich zu Rabbi Chaijim Sonnenfeld hingehen und um Verzeihung bitten, mit Bezug auf den Taanis Ztbbur, den er verkündet hat! Wir können in die Lage kommen, euere Ratschläge zu erbitten) wir werden uns von euch gern Aufklärung geben lassen und diese in unserem Geiste verarbeiten, aber wir werden euch auch mit eueren Waffen bekämpfen. Es ist unmöglich, von den Rechten des REinats auch nur eines Haares Breite preiszugeben) es ist unmöglich, daß Laien neben den Rabbinen sitzen in dem Augenblicke, in dem diese über Dinim und Halochaus entsch ei den." Nach weiteren Debatten stellt der Vorsitzende folgenden Antrag zur Abstimmung: Die Versammlung wählt für das Oberrabbinat drei Konsulenten, die ihorakundlg und gesetzestreu sind, aber nicht dem Rabbinerstande angehörenmm in die Rolle Esther. Von Dr. Felix Kanter in Zwittau (Mähren). Haman, so berichten unsere Weisen (Tr. Megillah 16),. suchte seinen erbittertsten Feind Mordechai im Lehrhause auf, wo er den Jüngern der Thora die Lehren von der nsnap (des Haufens) erklärte. Auf die Frage HamanS, mir welcher Lehre sie sich beschäftigen, antworteten die Thorajünger der Wahrheit gemäß: mit der? Lehre von der nx*ap. Daraus sprach Haman zu ihnen: Euer Häuflein Mehl, das ihr als Opfer dargebracht, erwies sich schwerwiegender als die 10(00 Kikar Silber, die ich dem König — für die Vernichtung des jüdischen Volkes — versprach. In der gefahrvollsten Stun.de fand Mordechai kein anderes Thema aus dem endlosen Gebiete der Halacha vorzutragen j als ausgerechnet die Lehre von der nsnap! Warum j gerade diese Lehre und keine andere? Den tiefen Sinn! dieses talmudischen Ausspruches versteht man erst, wenn man — die Lehre von versteht. Was ist! eigentlich nrt'vp? Aus einem Opfer (nmo), bestehend i aus drei Matz Mehl, wurde ein Haufen genommen und aas dem Altäre dargebracht. Dieses Häuflein bildete das eigentliche Opfer. Ein Haufen kann nur gebildet werden, wenn alle Finger der Hand sich eng zuflrmmenschlietzen und das, was in der Handfläche sich befindet, fest zusammengehalten wird. DaS feste Zusam menschließen und Zusammenhalten ist bei der ns'ap die Hauptsache. Und gerade dieses tat dem Judentum in Susa sehr not. Biele ließen sich, wie unsere Weisen bemerken, verleiten, an rvnicx r.taxö sich zu verunreinigen; viele rechneten es sich als hohe Ehre und Auszeichnung an, an der königlichen Tafel teilzunehmen und den nm'} min toy von sich abzustreifen Nun brach die Stund/ der Tcot und Gefahr füc alle heran. In dieser gefahrvollen Stunde befahl Esther, alle Juden zu versammeln und zu vereinigen (a'nin'n b 2 ns aiJ2 ^). Und was Esther befahl, das lehrte Mordechai im Lehrhanse, in1? nna, rrt'Bp nirAn, er demonstrierte seinen Zuhörern die Notwendigkeit und den Segen der Einigkeit und des festen Zusammenschlusses an der Hand der nL'vp. Einig soll Israel sein im Glauben an Gott, im Vertrauen auf Ihn und seine Hilfe; einig in der Bereitschaft, den “sn»i min bw wieder auf sich zu nehmen; einig in der Ausübung von D'Slö DWöl nuta. Als Haman diese Einigkeit r nd das feste Zusammenhalten in Israels Lehr- und E-Uteshäusern wahrnahm, begann er zu ahnen, daß sein Unternehmen von keinem Erfolge gekrönt sein werde. Hau,an, so berichtet die Megillah (5, 9) verließen „diesem Tage" den König fröhlich und freudigen Herzens (nvV Kinn ava /an rw'i). Nur „an diesem Tage" war Haman noch froh «nd fröhlich, am folgenmit ihnen können die Rabbtnen im Bed^fsfalle und je nach ihrem Ermessen beraten. Der Antrag wird mit Mehrheit angenommen und die Sitzung sofort geschlossen. Nachdem die Nabbmen das Maariwgebet verrichtet, verkündet Herr Etan, daß die Laien beschlossen haben die Versammlung zu verlassen. Fünfte Sitzung. Die Sitzung wird in Abwesenheit sämtlicher Laien-Delegtertkn eröffnet und es beginnt zunächst eine Debatte über die Vorschläge Rabbiners Kuk, einen Rat von 23 Rabbinen zu wählen, dem der Achterrat verantwortlich sein soll, sowie ferner über die Amtsdauer des letzteren. Der Vorsitzende gibt offiziell bekannt, daß sich die Laienmitglieder an der Versammlung nicht mehr beteiligen werden. Mitten in der Debatte über diese Mitteilung erscheint aufs neue der Justizsekretär Normen Bentwitch und erklärt folgendes: Ich bedauere die gestrigen Ereigniffe außerordentlich; noch ist es Zeit, die Lage wieder herzu stellen. Die Kommission, die der Herr Oberkowwiflar eingesetzt hatte, hat den Vorschlag gemacht, dem Rabbinat drei Laien zuzugeflllen. Diese Laietl solle , nieder mit den religiösen Mitgliedern im Bes-- din sitzen, nock Anteil uehmen an der Urteilsällung. Sie sollen velm ehr nur Ratgeber sürgesetzliche Fragen sein, die sich auf die Organisation der Gerichte im allgemeinen beziehen. Dieser Beschluß ist vom Oberkommissar bestätigt werden und die Grundbedingung für die offizielle Anerkent.ung des jetzt zu bildenden Rabbinates ist, daßesgemäßd? m Vorschlag der Regierung zusammengesetzt sein muh. Seine Exzellenz will diese bedeutungsvolle Angelegenheit ordnen und den Rabbinen die ihnen gebührende Stellung geben, jedoch nur dann, wenn Einheit herrscht zwischen ihnen und den Laien, zwischen dem Rabbinerkollegium und dem W a a d H a i r. Rabbiner Fisch mauDer Herr Justizsekretär möge verzeihen, wenn ich Widersprüche konstatiere zwischen seiner Rede am Anfang und seiner jetzigen Erklärung. Anfänglich war davon die Rede, daß die Regierung vorschlage, sodatz wir also das Recht gehabt hätten, zu verwerfen, und nun wirb von einer „Grundbedingung" gesprochen, die erfüllt werden muß. Radbbiner Kuk: Ich frage den Herrn Justizsekretär, wie wir sein Memorandum in EinklangbringenkönnenmitseinerErklärung. Wir haben mit dem Anträge der Regierung vollkommen gerechnet, weil er von einem Gouverneur und einem j Justizsekretär kommt, die unsere Brüder sind, aber wir haben die Ehre des Radbinats zu wahren. Wenn die Gemeinde ihre Rabbtnen im Verdacht haben muß, datz sie um äußeren Glanzes willen, um offizielle Anerkennung zu erlangen, auch nur den leisesten Punkt eines ThoragesetzeS preisge« geben haben, dann werden dieseRabbine nuntauglich sein in den Augen der Gemeinde wie eine entwertete Münze. Wir müssen je zugestehen, datz ein Teil der Laien in Wahrheit Reformen und fremde Gesetze hineintrage n will tn das Recht der Thora, und dann den Tage begann schon seine Niederlage. Dieser Tag war für ihn der letzte Tag. Am folgenden Tage befahl der König, seinen Günstling und Intimus aufzuhängen. Wie ist diese Plötzliche Sinnesänderung des Königs und sein grausames Urteil zu erklären? Ein geistreicher Kommentar will es aus dem Wortlaute der Megillah selbst begründen. Haman ließ bekanntlich auf Anraten seiner Gattin und seiner Freunde für den Juden Mordechai einen Galgen errichten. Als er fertig war und Haman ihn besichtigte, rief er lachend aus: „Dieser Galgen ist viel zu gut und schön für den Juden Mordechai; er patzt eher für einen König und nicht für diesen verhaßten Juden"! Dieses berichtete Charbona wörtlich dem König. Er sprach (7, 9) fvn nw *itwt nsn dj “j^an bv 2iv mn .... „Siehe, der Galgen, den Haman aufertigen ließ für Mordechai und von dem er sagte, er sei gut und paffend für den König" usw. Darauf gab der König den Befehl, auf diesen Galgen Haman aufzuhängen. Daher 2irs^ 1121 nnam an. Vorher aber heißt es V'n ts>p2 -,2>« jan nrw und schließt mit »nvrn >2ma “p“D. Dieser Nschsatz wird nicht mehr begründet. Setzt man, abervoraus, daß jeder weiß, .warum Mordechai zu segne« sei, dann muß man doch ebensogut voraussetzen, daß jeder wifien würde, warum Haman fluchwürdig sei. In der--Tät könnte man versucht sein anzunehmen, daß das'Benehmen Mördechais scheinbar nicht ganz' einwandfrei wäre. Mordechai hätte doch wiffen'sollen," wie rachsüchtig Haman sei und hätte ihn daher nicht reizen sollen. Hätte sich Mordechai vor Haman gebückt, dann hätte er fein Volk nicht in solche Not und Gefahr gebracht. Dasselbe deuten auch unsere Weisen an, anknüpfend sn dir Bezeichnung Mördechais als