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Der Israelit · 1921-03-17 · Heft 11 (17.3.1921) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 11 (17.3.1921)
Date
1921-03-17
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Purim-Veilage zu Ar. 11 des „Zsraelit". Aahbinisther Humor. Von TT. P. Kohn in Leipzig. . In vielen Jeschitzot war es früher üblich, einen I Purim-Rabbiner einzusetzen, dem aUe, einem Rab- Ibiner gebührenden Ehren erwiesen wurden. Seine I Ausgabe war es, Vorträge zu halten und Schaalot »zu paßkenen (in rituellen und religiösen Fragen Ijii entscheiden). Da das ganze nur ein Ulk war |(etnm wie der Prinz Karneval) waren natürlich die IPorträge, Schaalot und Entscheidungen in diesem I Sinne gehalten. Hier einige Proben davon. 1. Der Rabbi wurde ersucht, die Frage der Tossa- Iphot am Airsang des Traktates Baba-Kama 1a zu I beantworten. Tiefer beginnt mit den Worten: I Arb nah abot nesikin: haschor wehabor nsw. (Vier | Harchtfchäden gibt es, und zwar: solche durch einen | Ochsen, durch eine Grube, durch Abweiden und durch! Feuer hervorgerufeue). Tazu bemerken die Tosia- Iphot: Warum: heißt es hier nicht: Arbaah abot! nesikin he n, wie an cnrdern Rollen, z. B. Arbaah I schomrin Herr (viererlei Hüter gibt es)/ arbaah rösche I schonim hen (vier Jahresanfänge gibt es) und viele I ähnliche? Warum fehlt hier das Wörtchen hen [ «gibt es)?. Der Rabbi antwortete schlagfertig: Im Traktat Pesachim 113b werden verschiedene! Sprüche ausgez-ählt, die geeignet sind, die Menschen vor Schaden zu . schützen. Rab lehrte — heißt es dort — nise deture hen, hen. (Ter Spruch gegen einen Ochsen, um sich vor seinem Stoße zu schützen, lautet: hen, hen). Wenn also der Ochse beim Hören dieses ominösen Wortes (hen) ausreißt — meinte der Rabbi — hat ja die Mischna recht, hier das Wort hen ivegzulassen, weil ja unmittelbar darauf der Ochse (haschor) folgt, denn würde dieser es hören, so würde er wegrennen und es blieben dann nur die drei andern Schäden, während die Mischna alle vier aufzählen will. 2. Dem Rabbi wurde die Frage vorgelegt: Eine j Taube flog über eineu' Topf voll siedender Milch und hatte das Unglück, hineinzufalleu und mitgesotteu zu werden. Was soll mit der Milch geschehen? Tie Mich sei selbstverständlich zum Genüsse! verboten, entschied er. Ta aber bei Bassar-brchalab (Fleisch, das in Milch gekocht wird), auch die -Hanaah — der Nutzen - verboten ist, dürfte rnan -die Milch l nicht einmal an einen Mchtjudeu verkaufen. Seine Entscheidung rief eine gewaltige Unzufriedenheit hervor, da Bassar os (Geflügel in Milch gekocht) nur ein ravbinisches Verbot ist und dar Nutzen (Hanaah) nicht verbotet: sein Rmu. Man wollte ihn absetzen. Aber er war der Situation gewachsen. Es war doch eine lebende Tairbe, die hineinfiet, eine solche untersteht jedoch dem Verbote vor: Eber min hachaj (Fleisch von einem! noch lebenden Tiere), das auch für ben-noach (Nichtjuden) gilt. Man darf es einem solchen nicht verkaufen, weil umn dadurch das Verbot lisne stver lo titeu michschol (dein Blinden sollst du keinen Anstoß in den Mg legen) verletzen würde. 3. Im Traktat Megillä 12 gibt es einen Meinungsstreit über Achaschwerosch, ob er ein kluger oder närrischer König gewesen sei. Ter Rabbi glaubte nus der Megillat Ester Nachweisen zu können, daß die Mittung, er sei ein Narr gewesen, die richtige sei. Tort, wird nämlich erzählt, daß; die Halle, in der er seine Gäste bewirtete, mit Edelsteinen gepfknstrrd war. Me konnte ör es wagen,, bei.einem Andrang/H Kieler frerrider, Leute, kostbare Steine io oUew UnKuidn>?-7 Tuaber,, nach, .einem. Sprichworts ein "Stein, den ein Narr weglegt, von zehr: Weisen nicht fortgenommen werden Sann, dirrfte es sich Achaschwerosch wohl erlauben. 4. Warum müßte der Galgen, an dein Haman :mfgehängt wurde, fünfzig Men hoch sein? wurde der Rabbi gefragt. Seine Antwort lautete: Nach der Vorschrift des Schulchan-aruch dürfen Vater und Sohn nicht hintereinander oleh sein (zur Thora aufgerusen werden). Es wäre nun dis Frage zu stellen: Me durfte inan Haman mit seinen zehn Söhnen zusmmnen auf den Galgen oleh sein lassen? .War der Galgen aber fünfzig Ellen hoch, dann ist diese Schwierigkeit gelöst. Als Grund dieses Verbotes wird vom Schulchan-aruch der böse Blick (ajin Hora) angegeben, der Vater und Sohn schaden könnte, wenn sie hintereinander oleh wären. Da aber der Talmud bei der Sukkoh (Laubhütte) und beim Chanuknlicht lehrt, daß in einer Höhe von über 20 Eller: das Auge nichts mehr wahrnimmt, konnte man Haman mit seinen Söhner: an demselben Galgen aufhängen. Es bliebe aber immer noch die Frage offen, warum er gerade 50 Ellen hoch sein mußte, da ja, um das Verbot zu umgehen, auch schon 20 genügt hätten? Tarauf gibt es — meinte der Rabbi — zwei verschiedene Antworten. Nimmt man an, daß man Haman und seine Söhne, einen unter der: andern gehängt hat, dann stimmt die Zahl ganz genau. In: Traktat Baba-batra 10vb wird als Turchschmttsmaß des menschlichen Körpers' eine Länge von 3 Eller: angenommen. Tie obersten dreißig Ellen blieben also für die zehn Söhne Hamans, die man ja rächt sehen durfte, reserviert, tvährend Haman selbst schon innerhalb der 20 Ellen häi:gen durfte. Ist rnan aber der Airsicht, daß Haman und seine Sohne in einer Reihe aufgehängt wurden, in welchem Falle allerdings, schon eine Höhe von über 20 Ellen genügt hätte, un: sie vor dem bösen Blick zu schützen, so mußte der Galgen doch genau 50 Ellen hoch fein, aus folgenden: Grunde: Haman war nämlich der Ezah-(Rat°?)Geber des Königs und die Weisen lehren in den Sprüchen der Väter: bei: chamischim l'ezah (heißt wörtlich: ein Fünfzigjähriger hat jveiseu Ratl Ta aber ezah auch mit ez ----- Galgen verwandt ist, so wäre damit eine Andeutung gegeben, daß für einer: Ezahgeber, wie Haina:: es war, ein 30 Ellen hoher Galgen gerade der richtige sei. Warum, wurde er lveiter gefragt, wurde nicht auch Seresch, Harnans Frau, .mitgehängt? Das durfte nicht geschehen, aniworteie er, weil der Galgen dann 50 Ellen und eine Seres (Spanne.) gewesen wäre und man dadurch das Verbot von bal tossif (Du sollst nichts zu den Geboten hinzufügen) übertreten hätte. Sie hieß doch aber garnicht Sercs, sondern Seresch, wurde dagegen eingewandt? Da sie eine Litauerin war, und diese bekanntlich das sch wie s aussprechen, sei die Antwort richtig. Woher weiß man, daß sie ans Litauen stammte? Der Targum (die Uebersetzung des Onkelos) übersetzt arura seresch niit: lita seresch, was doch beweist, das; sie aus Litauen war. 0 5. Nach jeder Vorlesung aus der Thora, sogar nach den: Studium eines Talmudabschnittes wird ein Kaddiscb gesagt. Warum geschieht dies nicht auch nach dem Lesen der Megillah? Der Rabbi antwortete: Ta Hamans Söhne mitgehängt wurdeil, blieb er ohne Kaddisch. 6. Eine andere Frage lautete: ' Unsere Weisen lehren: leke miae delo remisa beorajta (es gibt keine Sache, aie in der Thora nicht angeöeutet wäre). Wenn 'dem so sei, daun sollte er doch sagen, wo man in der Bibel die Tatsache bestätigt finde, daß- Wissenschaft und .itfirt /icitei: in einer. $0^0» vereinigt sind....'. \Im Buche Esther, war seine Antwort. Tort heißt es: et Parschandata weet Talfon (die Namen zweier Söhne Hamans). Teilt man den ersten Namen in zwei Worte, so ergibt sich oarans die Bezeichnung für einen Gelehrten, ::ämlich Parschan (Erklärer) data (des Gesetzes). Tarauf folgt aber das Wort Talfon (Bettler), weil die Gelehrten und Bettler meist identisch sind. Nach Vorschrift des Schülcharv-Aruch soll man bei::: Vorigen der Megilla die Namen der zehn Söhne Hamans in einem Atemzuge ablesen. Warum? Ter Rabbi sagte: Weit es nicht ratsam ist, in solcher Gesellschaft Wen: zu holen. (Aus „Rabbinischer Humor", IT. Teil, von Dr. P. I. Kohn, der demnächst im Truck erscheint.) Vom WischenMralsmarlt in Amerika. S Man wird es bei uns af» Purimwitz empfinden. In den »Jüdischen Gazetten", die in New-Aork erscheinen, füllen aber die folgenden Annoncen in jeder Nummer lange Spalten aus und wollen vollkommen ernst genommen werden. Wir bringen hiermit auS dem Heiratsmarkt einer einzigen Nummer nur einige Anzeigen, in denen Verwandte — auch Heiratskandidaien selbst — mit allerlei Anpreisungen Lebensgefährten oder.Lebenszefährtinnen zu fangen hoffen. Die charakterischen Jargonausdrücke bleiben ungeändert. Vater stellt vsr feine schöne und gerateue) Tochter. Nachdem eS so ist, daß das Leben in New-Nork wie ein kochendes Jam (Meer) ist, wo der cine nichtweiß vom zweiten und anständige Kinder n'cht fir.de:. Bekanntschaft, will ich versuchen, vor?u.e wn meine Tochter. Sie ist ein jung Mädel, 24 J-ch'- eine „voll-- ständige" und gelernte, mittler Wuchs rnd n p.uliwr Oekonomisch gesonnen in Haus? irtscha r . iu ».'Leu,. Spielt fein Piano, ist intelligent und st rikm .s'rrt, ohne welche Fehler. Ich präsentiere ihr 00 lar für gewiß. Unser Wunsch ist ein j: ' w M m, ordentlich und gelernt, nicht älter wie 30, 1 ofess eU oder etabliert, möglich auch ohne Geld, aber!n edler und gelernter, nicht fanatisch. Antworten ro. Der Bat:.. II. Eltern stellen vor ihre junge Tochter mit vielen Eigenschaften. Wir wollen vorstellen unsere Tochter. Sie ist ein intelligentes, jüdisch-nationalistisch gesonnenes Mädel (33), hat schwarze Augen und Ham, just „nicht kein Geld", höher als mittler Wuchs, nicht fett und nicht mager, wiegt 236 Pfund, spricht und sch übt englisch, große Wirtin. Hat auch in baar 1500 Dollar und noch „wahre Eigenschaften", welche man kann persönlich ausfindig machen. Verlangt wird ein intelligenter junger Mann (20), ein wahrer Schabboshüter. Kann sein im Geschäft oder mit Vermögen, um Geschäfte zu machen, die wir für ihn etablieren können. Interessenten ustv. M. III. Sucht einen Doktor. Ich bin eine Studierte. Mein Alter? JnEmetz35aber keiner glaubt es mir, weil ich bin so jung, so kräftig und so schön, weil ich immer lebe aus breitem Fuße. Ich will haben einen Doktor Medizin, welcher mutz haben eine gme Praxis, daß wir können leben schön und breit. Ist er ein Witwer, so schadet es nichts, auch wenn er 50 Jahre alt ist. Er muß aber fein ohne kleine Kinder und schön aussehen, mit seinen Manieren. Ich bin geboren in Rußland, aber vollkommen amerikanisiert. Irl. Dr. N.!V. Für meinen Schwager. Ich will vorstellen meinen Schwager, einen jungen Mann 32 Jahre alt, mittler Wuchs, höchst intelligent. Besitzt billige Sprachen mit edlem Charakter. Kommt von sehr seiner Familie, hat Erfahrung in Geschäften. Er verlangt ein Mädel von 26 bis 28 Jahr. Muß sein brünett und besitzen die englische Sprache. Und ihre Eltern sollen willens sein ihn ins Geschäft hineinzunehmen. Reflektanten werden sehr zufrieden sein und sollen sich melden usw. '■ ■■■- - V. Ein orthodoxes Mädel. Wir orthodoxische Eltern stellen vor unsere liebe Tochter. Sie ist schön und klug und hoch von Wuchs. Bloß 19 Jahre ist sie alt, und wie sie ist gekommen nach Amerika, war sie ein Baby von einem Jahr. Sie ist jüdisch gesonnen, gebildet in allem und befchästtgt sich als Buchhalterin, ist aber auch gute Hauswirtin, keine Verschwenderin und hat alle Eigenschaften von einer jüdischen Tochter. Wir suchen einen jungen Mann, der jüdisch gesonnen. Gin Schabboshüter mit gutem Charakter von ordentlichen Eltern. Er soll imstande sein, ein ordentliches Leben zu „machen". Meldungen usrv.

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