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Der Israelit · 1921-03-17 · Heft 11 (17.3.1921) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 11 (17.3.1921)
Date
1921-03-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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I 'Sette 10 Nr. 11 Der JSraeltt. 17. März 1931 Kinderecke. Gin Purim-Gast. Bon Hermann Schwad.*) VS war einmal am Purim, und Groß und Klein war lustig und guter Dinge. Nur in dem kleinen Hause, dem letzten des Städtchens, war rS still, und der Purim schien an ihm vorbeigegangen zu fein. Hier wohnte eine alte Frau mit zwei Kindern. Seit Wochen war sie krank, und wenn nicht gute Menschen zuweilen etwas Essen in daS kleine Haus geschickt hätten, so wäre es den dreien schlimm ergangen. Seit einigen Tagen aber war niemand mehr gekommen, und so hatten sie am Purim nur trockenes Brot im Hause. Die arme Frau lag auf ihrem Bette und neben ihr saßen die beiden Kinder. Sie erzählten von der Schulevon der Purim- Geschichte, von dem bösen Haman und dem guten Mordochat und von der Königin Esther. „Und zur Erinnerung an die Rettung auS der Hand des bösen Haman feiern wir Purim, hat der Lehrer gesagt, und essen und trinken und geben Geschenke und denken der Armen", schloß daS Mädchen seine Erzählung. „Warum essen wir denn heute nicht auch etwas Gutes?" fragte der kleine Junge und sah trübselig auf das Stückchen Brot in seiner Hand. Die Mutter seufzte tief: „Wir sind arm", sagte sie, „und die Leute haben uns vergessen." Und sie fing an bitterlich zu weinen. Da wurden die Kinder still und traurig, und weil die Mutter weinte, weinten sie auch. — Der Mittag war längst vorüber, da kam ein alter Mann durch das Städtchen. Niemand kannte ihn und keiner hatte ihn je gesehen. Er trug einen langen Mantel und einen großen Stock, und sein langer, weißer Bart ging bei jedem Schritte auf und nieder. Er kam auf das kleine Häuschen zu und sah lange durch die Scheiben in das niedere Zimmer, wo die Mutter mit den Kindern saß. Und er nickte und nickte. Dann klopfte er an die Türe und trat ein. „Gut Purim", sagte er, „ich bin den ganzen Tag gewandert und habe Hunger, könnte ich vielleicht bei euch etwas bekommen?" „Gut Purim", sagte die kranke Frau mit schwacher.Stimmedie Kinder aber sprangen auf und holten den Rest des trockenen Brotes und gaben eS dem fremden Manne. — Der aber ließ sich das trockene Brot gut schmecken, und während er aß, erzählte ihm die die Frau, daß sie schon lange krank fei und wie schlecht eS ihnen gehe. Der alte Mann hörte aufmerksam zu und nickte bei jedem Worte. „Ich danke, euch", sagte er nach einer kleinen Weile und rüstete sich zum Weitergehen. „Ich danke euch für eure Gastfreundschaft und werde eS nie vergessen, daß ihr euer letzte- Stückchen Brot mit mir geteilt habt. Aber auch an mich sollt ihr denken — so lange ihr lebt. Sagt mir drei Wünsche, jeder •) Im Berlage L. Sänger, Frankfurt a.M. ist in zweiter vermehrterAuslage dar Märchenbuch für jüdische Kinder, „Kinderträume" von Hermann Schwab erschienen. Das schöne Kinderbuch hat sich in der jüdischen jungen Welt bereitgroße Beliebtheit erworben und ist auch ins Hebräische übertragen worden. Mit Genehmigung des Berlages lassen wir hier obige stimmungsvolle Erzählung aus dem Schwnbschs« Märchenbuchs folgen. einen Wunsch, und — glaubt mir, sie werden in Erfüllung gehen." Erstaunt sahen Mutter und Kinder auf den fremden Mann. War er wirklich nur ein Armer, der wandernd von Stadt zu Stadt zog? Cr schien plötzlich viel größer geworden zu sein, ''eine Augen leuchteten, und seine Stimme klang laut und schallend wie eine Glocke. „Wir wollen auch einmal Purim feiern, wie die andern," rief der kleine Junge, „und ich möchte gesund dabei sein", sagte leise die Mutierend immer den Armen Gutes tun können", meinte das kleine Mädchen, und dachte an den Lehrer und seine Worte. „So sei es", sagte der fremde Mann. Seine Hand berührte leise den Scheitel der Mutter — da ward sie gesundmit seinem Stocke klopfte er auf den Ttsch inmitten de- Zimmers, und er bedeckte sich mit guten Speisen, köstlichem Wein und herrlichen Früchten. Die Mutter und die Kinder sähen sprachlos auf den alten Mann und glaubten zu träumen. „Wer seid Ihr", fragte schließlich die Mutter, „daß Ihr so Wunderbares zu tun vermöget?" „Ich bin der Purim", lautete die Antwort. „Ich kam zu euch, weil ihr mich nicht vergaßet, trotz eurer Armut. Ich wollte euch auf die Probe stellen und bat um euer letztes Brot — ihr gabt es mir; ich ließ euch drei Wünsche aussprechen und wieder habt ihr mein gedacht — das werde ich euch nie vergessen. Gesundheit, Glück und Freude am Wohltun werden immer bei euch sein, und am Purim sei rS immerdar am schönsten". Dann reichte er ihnen die Hand und schritt langsam in die Nacht hinaus. Die Mutter aber und die beiden Kinder setzten sich an den reich bedeckten Ttsch und aßen und tranken und fteuten sich und feierten Purim nach Herzenslust. Und daS Glück -lieb immer bet ihnen. Gm Mische- Schilda. Jedes Land hat sein Schilda, das heißt die Stadt der Dummen und Einfältigen, die unbeholfen und ungeschickt wie sie sind, Unbequemlichkeiten dadurch aus dem Wege gehen, bäh sie sich noch größere Unbequemlichkeiten auferlegen. In dem von Juden dichtbewohnten Litauen ist edas Städtchen Eh ole.m, da» die Hochburg aller „Schlemihls" ist. „Lholemer Schläfer" oder auch „Ehoiemer Narren", sagt man. Einige Spießbürger-Erzählungen auf diesem jüdischen Schilda seien hier wiedergegeben: l. Auf dem Sholemer Spielplatz Zehn Kinder aus dem Eholemer Spielplatz führten ein Spiel auf, zu dem man zehn Köpfe brauchte. Eine» der Kinder zählte, aber es bekam nicht mehr als neun heraus, obwohl sie alle wußten, daß fle ihrer zehne am Platze waren. „Ich weiß schon warum", sagte einer der Kleine», „Jostel vergißt, sich selbst milzuzählen". „Richtig"! Und er fing von neuem an. Aber jetzt bekam er immer die Zahl elf heraus. „Ganz einfach", wandte ein Pfiffikus ein, „Jossel ängt bet sich an und schließt mit sich selber. Er zählt ich also zweimal". „So geht's aber nicht weiter", schrie ein anderer ungeduldig „Jetzt mache ich einen Vorschlag. Wir holen uns flüssigen Lehm und jeder steckt seine Finger hinein. Dann zählen wir die entstandenen Löcher". Der Antrag gefiel und sie taten also. Dapassterte eS aber, daß ein kleines Mädchen aus Versehen alle fünf Finger in den Lehm steckte und damit die Zahl verfälschte. Jetzt schlug einer vor, eS möge jeder feine Nase in den Lehm stecken und dann sollte man die Löcher zählen. Zum Unglück hatte aber ein kleines Mädel eine so breite Plattnase, daß, wie eS zuletzt daran kam, alle Löcher spurlos verwischte. So konnten die Eholmer Kinder zu keiner richtigen Zahlung komryen. , ,.,t II. Gehamsterte Ssirrie. Die guten Eholmer kamen eines Läge» dahinter, daß es mit dem Sonnenlicht und mit der Wärme sehr schlecht verteilt ist aus Erden. Warum sollte man im Sommer schwitzen und im' Winter frieren und daS teure Holz verbrennen? Was würde eS der eigensinnigen, stolzen Sonne schaden, wenn fie im Winter ein bischen mehr leuchtete und wärmte, statt deflen aber tm Sommer etwas weniger einheizte, so schrieen die gu en Leute auf der Eholmer Gemeindeversammlung, daß die Fenster klirrten. „Wir wüsten Mittel und Wege suchen, im Sommer der Sonne Licht und Wärme abzuneyme» und fi« für de« langen kalten Winter ausspare«". Und nun sind die Guten auf einen sehr gescheiten Gedanken gekommen. Sie bestellten bei einem Töpfer ganz große irdene Töpfe. Mit diesen großen Gesäßen stellten fie sich an einem heißen Sommertag vor die Sonne. Und wie diese mit ihren warmen Strahlen in die Töpfe htneingeleuchtet hatte, deckten sie sie rasch zu, verbanden fie von oben fest und liefen, was sie konnten, mit ihren Töpfen voll Sonne davon. Es war eine schreckliche Enttäuschung für die guten Leute, als fie im Winter die Töpfe öffneten und statt der Sonne Mäuse aus den Töpfen sprangen. III. Die rollende Synagoge In Eholem sollte eine neue Synagoge gebaut werden, doch war in der Stadt kein Platz zum Ablagernder Steine und Balken vorhanden. Da fanden . die Eholmer nach langem Suchen einen freien Raum außerhalb der Stadt zum Bauen. Natürlich konnte aus diesem Platz jenseits der Stadt die Synagoge nicht stehen bleiben. Aber sie beschlosten, den ganzen Bauplatz mit einer hohen Schicht von Erbsen zu bestreuen. Auf den Erbsen wollten sie bann die Synagoge bauen. Denn, sie sagten sich, was auf Erbsen gebaut ist, kann man leicht hinrellen. So, wollten sie nachher die fertige Synagoge in die Stadt hineinschieben. Gesagt, getan. Die Schul' war fertig, ein prächtiger Bau auf Erbsen. Glücklich über den Erfolg, versammelten sich alle Cholmer, zogen draußen die Röcke auf und «achten sich im Innern daran, den Rücken an die Wände gelehnt, mit aller LeibeSkrast die Synagoge in die Stadt zu schieben. Inzwischen kam draußen ein Bauer gefahren. Wie er da die vielen herrenlosen RScke liegen sah, zog er fle, ohne viel zu fragen, alle in de» Wagen und jagte davon. Nachdem sich die guten Eholmer schon tüchtig abgearbeitet hatten und in Schweiß gebadet, ein bischen rasteten, gingen fie hinaus, um festzustellen, wie wett sie schon mit ihrer Synagoge gekommen waren. „Himmel, was hüben wir schon gut gearbeitet", jubelten fie im Shore: „Wir haben schon große Strecken zurückgelegt, man steht ja von unseren Röcke« keine Spur mehr..." Mrgenfiunbe. FS, da« Sprichwort: „Morgenstunde hat Salb iw Munde", hörte ich von einem meiner Lehrer die drei folgende» Ueberjetzungen: "VTO 2N1 - -m np; sntö - *ip2n im kw ant - Mcan ip2 'S2- Leipzig, 4. März 1921. Dr. P. I. Rohn. Die nufiö:u o Oer rrrn m gr. 8 laufet: ^D2 Manet). v'02 (Tor). Die nufittfung 9es Rüffels in Nr. 0 laufet v'-riD pirn nnf Vi>7 nnr *D1Ö- Die Anfangsbuchstaben ergeben: flfcHÖ- Richtige Lösungen sandten «in: Ltlli Sp'eter, Sögel; Martha NeuhauS, Caffxl; Ilse Kalb, Sontheim (Hettbronn),- Martha und Leo Lehmann, Fürth; F. Häusler, .Duisburg; Elkeser Berlinger, Berltngen; Jakob Strauß, Hamburg; Clara May und R. Reinheimer, Beerfelden t. O.- Ludwig Halberstadt, Halle a. S.; M. Feller und Naftali Berlinger, Heidelberg; Lehrer W. Wertheimer, Eubigheim i. Z.; M. Süßholz, Düstelbors; Mendel Weinreb, Ludwigshafen; Helene Wertheimer, HeidingSfeld; Arthur Beermann, Mannheim; Theodor und Samson Wettz, Breslau- Jakoö Strauß, Hamburg; I. Sternglatz und Max Rennert!un., Mannheim; Hannchen Berlinger, Berlichingen; Lehrer S. Heß, DüdeSheim; H. Munk BeerS, . Tilsit; Jakob und Frieda Nebenzähl, Max unb Moritz AntSdächer, Leo und Jenny Birnbaum, Josef Sam. Äogel, Leo Gabel, Heinrich Safier, Bernhard ünd'Mtnon. tächzet, Emil Schwarzschild, Emil Offenbacher, Werver' roß, Bella und Bronia Weinreb Robert Bamberger, Sally HeidingSfeld alle in Frankfurt am Main; Mannfred,HermanneundMax Münz, Glauburg; Sophie Strauß, Siegburg; Paula Löwinger, WilhelmSburg; Ludwig Frank, König; Ehajtm Paff, Hamburg; Herbert Kohn, Eanstatt; Aedale Kotz, Karlsruhe; Ernst Blume« thal, Rostenburg.

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