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Der Israelit · 1921-03-17 · Heft 11 (17.3.1921) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 11 (17.3.1921)
Date
1921-03-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
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No. 11 Gelte 5 1*. März 1921 Komitee gestoßen ist und spricht den Mitarbeitern und Förderern des Planes den Dank aus. Es folgen Begrüßungen von Rabbinern in Jerusalem und in der Provinz im Aufträge des Mtsrachi, der Jüdischen Delegationen, der Delegierlenversammlung zu Jerusalem, des Stadtrates von Jaffa und anderer Städte. In das Präsidium der Versammlung werden en bloo gewählt, die HerrenRabbinerK u k, JaeobM e i e r,F i s ch m ann, Bentwitch und David Jelin. Außerdem sechs Sekretäre und ein Perman enzaussch uß, bestehend aus sechs Rabbinern und drei Laienwitgliedern. (Fortsetzung folgt.) NguSas Sisroel in PsläMna Jerusalem, 3. März. Die hieranwesendePalästina-Delegation der Agudas Jisroel hielt im Hotel Warschawsky eine große Versammlung unter dem Vorsitz des Herrn Wolf Pappenheim aus Wien ab. Der Vorsitzende berichtete über den Stand der Aguda-Bewegung in Europa und erklärte die Gründe, warum sie bis jetzt nicht kräftig in Aktion für Palästina treten konnte. Die Arbeiten in der Diaspora waren bis jetzt zu groß und zu dringend. Nun aber soü der Schwerpunkt der Aguda auf Palästina gelegt werden. EsZwurde dann von Herrn K ah an er der Arbeitsplan für Palästina verlesen. Herr Mond ari berichtete über die Arbeiten der organisierten Gesetzestreuen in Polen. Von den Jerusalemer Jereim begrüßte Herr Blau die Gäste und Herr Lieder bat die Delegierten, sie möchten eine rabbinische Kapazität in Europa veranlassen, nach Palästina überzusiedeln. Die Gründung einer orthodoxen Zeitung wurde in Erwägung gezogen. Es wurde dann eine zwölfgliedrtge Kommission gewählt, die als Bevollmächtigte der Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel in Wien hier eine rege Arbeit entfalten soll. miede] aus Palästina. ßerufatem, 27. Februar. Der Kolel „Schomre hachomoth" in Jerusalem beabsichtigt in der Umgebung von Jerusalem eine orthodoxe Kolonie zu gründen, für die ein Philantrop bereits einen Grundstock von 1000 ägypt. Pfund gespendet hat. Die wetteren Gelder hofft man durch Ausgabe von Anteilen aufzubringen. Die Aktien sollen unter den Gesetzestreuen in Europa abgesetzt werden. Das Hilfskomitee von Jerusalem teilt mit, daß infolge oer Finanzkrisis es ihm wohl dieses Jahr nicht möglich sein wird, wie in den früheren Jahren, Mazzos an die Armen zu verteilen. Die Gemeindevorftände werden gebeten, ihrerseits rechtzeitig für die nötigen Unterstützungen Sorge zu tragen. Nach einer Mitteilung des amerikanischen Hilfsfonds für Pogrom-Waisen, soll jetzt eine Aktion zu Gunsten der in Palästina weilenden Waisenkinder einsetzen. Es befinden sich in Palästina etwa 4000 Waisenkinder, die von bewährten Lehrern und Erziehern unter Aufsicht des palästinensischen Waisenkomitees unterrichtet und versorgt werden. Es ist höchste Zeit, daß eine eigene Aktion für diese Walsen etngeleiiet wird, da die anderen Hilfsaktionen infolge ihrer ungeheuren Aufgaben in Europa ihre Hilfe für Palästina immer mehr etnschränken. Anzerika. Das neue einman9eriingsge[eb. fUw-'ajotß, 26. F-br. Nachdem das Repräsentantenhaus dem Senatsbeschluß über die Beschränkung der Einwanderung auf 3 Proz. jeder hier bereits angesiedelten Bevölkerungsgruppe genehmigt hat, regelt sich erneut die Proteste auf jüdischer Seite gegen den für die unglücklichen Stammesgenossen in Osteuropa geradezu, katastrophalen Beschluß. Me „Hayas" hat an Senat, Kongreß sowie an Der JSraeM. den neuen Präsidenten ausführlich begründete Eingaben gerichtet, in denen vor allem barauf hingewiesen wird, daß es barbarisch sei, sie Bereinigung der in Europa zurückgebliebenen Familienangehörigen mit ihren bereits in Amerika befindlichen Verwandten zu verhindern. Es lasse ferner jede Gerechtigkeit vermissen, wenn man in dem Einwanderungsgesetz die Staats-Nationen, die in Europa auf freiem und gesichertem Territorium sitzen mit gleichem Mastabe messe, wie die unglücklichen Minderheits-Nationalitäten, die alten Schikanen aus gesetzt und wirtschaftlich, politisch oder gar physisch zugrunde gerichtet werden. Bei der Feststellung des Prozentsatzes dürfe die Zahl der in Amerika befindlichen Stammesgenossen nicht nach der Volkszählung von 1910 berechnet werden, wie es der Senat will, sondern nach der von 1920. W'e aus Warschau heute gemeldet wird, machen sich die Wirkungen des neuen Gesetzes dort bereits stark geltend und es herrscht in den betroffenen Kreisen Helle Verzweifung. Personalien. Fritz Mordechai Kaufmann. Berlin, 14. März. Fritz Mordechai Kaufmann, der Generalsekretär deS Berliner Arbeiterfürsorgeamtes ist in» 33. Lebensjahre gestoroen. In der Blüte der Jahre ist ein Mann aus dem jüdischen Leben gerissen worden, der eine jüdische Persönlichkeit im vollsten Sinne des Wortes war. In Deutschland geboren, hat Kaufmann danach gestrebt, vor allem das jüdische Wesen wirklich zu begreifen und ganz ln sich aufzunehmen. Er war durchdrungen von der zentralen Bedeutung deS OstjudentumS für das jüdische Wesen. Vor mehr als einem Jahrzehnt gab er noch als junger Mann die Zeitschrift „Die Freistatt" heraus, welche diesen Gedanken verfocht und in der Kaufmanns kräftige, temperamentvolle Persönlichkeit den Grundton anschlug zum Kampfe gegen alle schablonenmätzig nationalistische Aeußerlichkett. Die Schöpfungen des Voiksgeistes, daS Volkslied, die Volksdichtung, die Literatur der östlichen Judenhett, wurden für Kaufmann Gegenstand einer aus echter, wirklicher Kenntnis kommenden Liebs. Er war cs, der das Werk Mendele Mocher Sforim s für den deutschsprachigen jüdischen Leser übertrug. Was von dieser Uebertragung, die nun durch den Tod so jäh unterbrochen wurde, bereits bekannt ist, das ist nicht Uebersttzung, sondern Schöpfung aus demselben Geiste, der im Werk MendeleS und dem Leben, das dieses Werk hcrvorbrachte, wohnt. Kaufmann hatte sich auch zur jüdischen GesinnungStreue emporgerungen und geht uns mit ihm auch ein jüdischer Schriftsteller verloren. ,T''23»n. Rabbiner Dr. Ferdinand Rosenthal Breslau, 5. März. Im Atter von 83 Jahren verstarb am Sonnabend nach kurzer Krankheit der Breslauer Gemeinderabblner a. D. Dr. Ferdinand Rosenthal. Als Sproß einer altangesehcnen Gelehrtenfamilie im Jahre 1638 in Kenefa (Ungarn) geboren, besuchte er die Gymnasien zu Eisenftadt und Wien und studierte an der Universität Berlin und als Schüler Esrtel Hildesheimers am Berliner Rabbinerseminar. Nachdem er im Jahre 1866 an der Universität Leipzig das philosophische Doktorexamen absolviert, trat er Ostern 1867 das Rabbineramt in der Gemeinde B e u t h e n O.-S. an und hat dort sowohl als Rabbiner wie auch als Ortsschulinspektor der jüdischen Volksschule 20 Jahre lang eine überaus umfangreiche und segensvolle Tätigkeit entfaltet und sich dabei auch große Verdienste um das religiöse Leben in den anderen Gemeinden des oberschlesischen Jndustrtereviers erworben. Im Jahre 1887 folgte er einem Rufe der Breslauer Synagogengemeinde, in der er als erster Rabbiner an der Alien Synagoge auf der Wallftratze 33 Jahre lang wirkte, bis er vor etwa einem halben Jahre wegen hohen Alters in den wohlverdienten Ruhestand trat. Mit seiner Gemeinde und mit der Stadt Breslau fühlte er sich im Laufe der Jahre dermaßen verwachsen, daß, als an ihn die Berufung auf einen der ersten Rabbinersitze in der Reichshauptstadt erging, er diesen ablehnte. Als Schriftsteller ist Dr. Rosenthal vielfach bedeutsam hervorgetreten und zwar sowohl mit großen gelehrten Werken, als auch mit kleineren Abhandlungen. Rabbiner Dr. Rosenthal erfreute sich im weitem Kreise der Breslauer Bürgerschaft hoher Wertschätzung und großer Beliebtheit, sowohl wegen seines verbindlichen, liebenswürdigen und friedfertigen Wesens, als auch wegen seiner stets opferbereiten' und hingebungsvollen Anteilnahme an a^en humaniiärcn Bestrebungen. Staatlicherseits sind die Verdienste des Dahingeschiedenen durch die Verleihung des Roten Adlerordens und durch andere Auszeichnungen anerkannt worden. Er war auch nach Kräften bestrebt, die jüdische Sache in der großen heterogen zusammengesetzten Gemeinde Breslau zu wahren. rraswv * München, 11. März. Einen schweren Verlust | haben wir wieder zu beklagen. Frau Jette Rosenbusch ist unserem Kreise entrissen worden. Rabbiner Dr. Ehren treu rief unS an der Bahre nochmals das hehre Bild der Dahtngeschiedenen vor Augen, so wie es uns allen bekannt und teuer war. Eine von den tosa o*^3, deren heiliger Glanz das Haus zu einem ttpö vnpo macht, war Frau Rosenbusch. Ihre frommen Kinder und Enkel zeugen von der Jüdischkeit ihrehäuslichen Wirkens. Nach außen trat sie nur hervor, wo Liebe und Mildtätigkeit auszuüben war. So kannte man sie in Kitzingen, wo sie den größten Teil ihres Lebens verbrachte, so wissen wir vgtt ihr zu erzählen, obwohl eS uns nur wenige Jahre vergönnt war, sie in unserer Mitte zu besitzen. Die kurze Zeit hat genügt, um in unS ein ewiges, treues Gedenken an die Heimgegangene zu sichern. nÄ3Jön. Langenselbold, 10. Mär. Herr Abraham Kanthal II und Frau Hannchen, geb.Stern, feierten am Mittwoch, den 33. v. Mts., das Fest der goldenen Hochzeit in körperlicher und geistiger Frische. Im Anschluß an den 1. Vers der Sidra feierte Herr Lehrer Ehrenreich das Jubelpaar als Vorbild der nivp n":i und verglich dessen sieben Kinder mit den sieben Flammen des Leuchters. Die Rede machte auf die ln der Synagoge versammelten Gäste einen tiefen Eindruck. Zum Schlüsse hielt Herr Lehrer Kan thal aus Cuxhagen, Sohn des Jubilars, in beredten und ergreifendst: Worten eine zu Herzen gehende Ansprache. Möge das Jubelpaar noch Reihen von Jahren der Gemeinde in der Uebung von n"ä3i miay mustergültig vorangehen. Hrinsbach a. d. Bergslr., 4. März, Herr Lehrer D oko w, eine durch reiches jüdisches Wißen in weiteren Kreisen bekannte Persönlichkeit, blickt auf eine 40 jährtge Tätigkeit am hiesigen Orte zurück. Aus diesem Anlaß beabsichtigt die Gemeinde, den 26. März als Jubeltag festlich zu begehen. Die Dankbarkeit der Gemetnde fand bereits ihren praktischen Ausdruck ln der Gewährung einer angemesienen Teuerungszulage. Wir beglückwünschen den Jubilar und die Gemeinde. Vermischtes. Berlin, 7. März. Das Kuratorium des Rabbiner- Seminars erläßt ein Preisausschreiben auS der Fritz R a u - S t i f t u n g. Die Preisfrage lautet: Der „Höhen — (Bamoth) Kultus nach Bibel und Talmud". Der Preis beträgt 750 Mk.; zur Bewerbung zugelafsen sind die gegenwärtigen und ehemaligen Hörer deS Rabbiner-Seminars. Genauere Bedingungen werden nuf Wunsch vom Sekretariat des Rabbiner-Seminars Berlin (Artilleriestr. 31), verschickt. Karlsruhe, 1. März. Am 28. Februar veranstaltete der Verein der Ostjuden einen Lieder- und Arienabend zugunsten der vertriebenen, notleidenden Brüder aus dem Osten. Herr Kantor Lieber auS Heilbronn stellte sich bereitwilligst zur Verfügung. Das reichhaltige Programm befriedigte die in großer Anzahl erschienenen Besucher vollauf. Herr Lieber brachte mit seinem wohlklingenden, weittragenden lyrischen Bariton klassische Gesänge, sowie Jargonlteder Sabbat-Anfang und Ausgang. mp’i mp- ORT« Anfang Datum Ausgang Uhr Isiin. lö»l| 5681 Uhr,Mi«. Frankfurt a. M. « j 18. März 8. Adarli. 7 20 Berlin . . . 6 10 j 6 57 München . . 6 — 1 i 7 03 Stratzburg . — — i — — Stuttgart. . — — j - — Pofe« - . . — — | — — RürnberH. 6 — i 7 OB Hamburg - . 6 ' 30 7 18 Familiennachrlchten. Barmizwohfeier Robert, Sohn des Maurice Müller, Straßburg, Hagenauerstr. 4, in der Synagoge Kageneckerstraße. SS- I ' rnmmmftwm i ■■ 111 Ji _» . »i .11 ' .'«M» «s Seit einigen Monaten arbeitet der „Hilfsausschutz für jüdische Durchwanderet in Köln mit Aufgebot aller Kräfte daran, den ostjüdischen Flüchtlingen zu helfen. Ununterbrochen treffen diese schwerbepacklen Auswanderer in größeren und kleineren Gruppen in dem hier eingerichteten Durchganaslager in Köttl-Deutz ein. Hier werden sie — etwa 350 bis 300 Menschen täglich — verpflegt und bis zu ihrer Weiterreise beherbergt. Jeden Tag befinden sich unter Ihnen völlig mittellose Familien, denen der „Hikfsauslchuß für jüdische Durchwanderer" die Mittel zur Wetterfahrt geben muß. Dazu gehört viel Geld. Wir verweisen auf den Aufruf in der heutigen Nummer, der etndringlichst auf das Elend, das gelindert werden mutz, htnwetst. Jede Gabe in Geld, Lebensmitteln und Kleidungsstücken ist willkommen.

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