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Der Israelit · 1921-03-17 · Heft 11 (17.3.1921) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 11 (17.3.1921)
Date
1921-03-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 No. 11 Der JSraeltt. 17. MärzlMI 1 Deutsches Reich. Lomfponbenzen an- Aachrichte/.. »SS Talmuöifcfie JorlbSfäunoshurfo- MerNn, 7. März. DaS NabbinerseminaKAU Berlin (Ariilleriestr. S1) hat talmudischWötrtbildungskurse für junge Akademiker und Kaufleute eingerichtet, die unter Leitung des Herrn Rabbiner Dr. Wresch ner stehen. Vorerst findet ein dreistündiger Talmudunterricht und ein einstündiger Midrasch-Vortrag statt.. Vorr April ab sollen die Kurse wesentlich erweitert werden. Meldungen können entweder schriftlich an das Sekretariat des Rabbir.erseminars oder mündlich beim Leiter der Kurse zu den Unterrichtszeiten (Sonntag 3—4, Dienstag abends 8,15—10, Sabbat 3—4) erfolgen. Die Öfljuben. Merlin, 2. März. Die Deutschnationalcrr rucken mit einer neuen Anfrage Im Reichstage vor und wrisen auf die Beschlüsse des Haushaltsausschusses in 'der Vollversammlung hin, in denen die Reichsregierung aufgefordert wird, .die „starmnessrkmde Osteinwanderung" zu hemmen und die Ostjuden über die Grenze zurückzuschaffen. Es heißt dann weiter- „Was hat die Reichsregierung daraufhin getan? Wo befinden sich die von dem zuständigen Organ des BolkswillenS vor einem halben Jahre geforderten Internierungslager? Ist die Relchsbehörde in der Lage, Ziffern darüber anzugeben, wie vielen Ostjuden die Einwanderung verweigert, wie viele zurückgcschobeu, wie viele iwerniert worden find? Deutsck-Oesterretch hält die Ausweisungsbefehle gegen die Ostjuden auch gegen den Einspruch Polens beim Völkerbund aufrecht und verficht diese Befehle auf der bevorstehenden Tagung deS Völkerbundes. Ist das Deutsche Reich gewillt, sein Ausweisungsrecht grgenüber Heimatländern und lästigen Zuwanderern aufrecht zu erhalten?" Eine andere Anfrage — zum vierten Male gestellt — betrifft die „verfassungswidrigen Haussuchungen bet rechtsstehenden Personen". — Man beklagt fich also über verfassungswidrige Haussuchungen bei Putschisten und ruft die Verfassung für die Austreibung armer Flüchtlinge, die ihr Leben hierhergerettet, an. Replösentanferikolleglum Ser Deuffch-Israelitilchen öemsinSe. Kamönrg, 10. März. In der letzten Sitzung wurde beschlossen, an den Gemeindevorstand das Ersuchen zu richten, möglichst bald eine Regelung der Lehr er geh älter vorzunehmen. Es wurde weiter mitgeteilt, daß auf Grund übereinstimmender Beschlüsse beider Gemeindebehörden ein Ausschuß eingesetzt ist, der über eine Verfassungsänderung der Gemeinde beraten soll. Dem „Verbände der deutsch :n Huden" wurde zur Deckung feines Fehlbetrages im Jahre 1920 ein Betrag von 3000 Mark bewilligt und der Jahresbeitrag für die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden von 750 auf 1500 Mark erhöht. Zu Mitgliedern des Gemeindevorstandes wurden die Herren Jakob Alexander und Jos. Lippmann wieöergewählt. Oesterdeichs, eine neue Inielnalivnale Mm, 12. März. Dieser Tage findet in Wien ein Antisemitenk o ngreß statt. Am ersten Tage werden Berichte der ausländischen Vertreter aus Deutschland, Ungarn, der Tschecho-Slowaket und Polen über den Stand der Judenfrage in ihren Ländern angehört. Mit einer antisemitischen Massenversammlung findet die Tagung ihren Abschluß. Auf dieser Tagung wird ein großer internationaler Kongreß vorbereitet, der im Herbste, gleichfalls in Wien, statfinden soll und zu dem auch Vertreter des fernen Auslandes einglladen werden. — Das ist die vierte Internationale, die der Dummheit. Uoien. Die polniscli-Wilcke VerfTänSigunosfiommlffion- Warschau, 5. März Die neugebtldete ministerielle Kommission für die Judensrage hielt wiederum unter dem Vorsitz des Ftnanzministers Steczkowski eine Sitzung ab, an welcher sich von der Regierung außer dem Finanzminister der Innenminister Skulski, der Blldangsminister Rataj, der Vertreter des Außenministeriums Wolowski und der Unterftaatssekletär des Mlnisterrates Wroblewski beteiligten. Als Vertreter der jüdischen Parteien waren anwesend: N. Prilutzkt,Farbstein, Schipper, Kirsch braun. Ferner war der Vermittler der Unterhandlungen, > Dr. Nossig, zugegen. Die Sitzung dauerte zweieinhalb Stunden und es fand eine eingehende Aussprache statt, die in den nächsten Tagen fortgesetzt wird. Bet der Diskussion beantragte Herr Prilutzkt, die Wahlordnung für die jüdischen Gemeinden nicht zu publizieren, bevor die jüdischen politischen Parteien den Inhalt kennen lernen und chm zustimmen. Die übrigen jüdischen Vertreter schlossen sich diesem Vorschlag an. Nach Beratung mit den übrigen Ministern w üigte Minister Rataj in die Verschiebung der Veröffentlichung. Me öesetzung öer UJarrchauer OberrabbinerRelfe- Warschau, 12. März. Eine gewisse Gruppe innerhalb der Gemeinde macht alle Anstrengungen, den bekannten Prediger Dr. Posnanski zum Oberrabbiner von Warschau zu wählen. Dagegen wird aber von allen Seiten, wo man noch auf Tradition halt, energisch Protest erhoben. Der „Jud" erkennt alle Eigenschaften Posnanskts als Gelehrter, Lehrer und Prediger rückhaltslos an, betont aber, daß all diese Eigenschaften P. noch nicht zum Rabbiner und geistigen Führer der Warschauer Gemeinde quäl fizieren. Wenn die seit Generationen vakante Rabbinersielle in dieser größten jüdischen Gemeinde Europas überhaupt besetzt werden soll, so könnte doch für diese Stelle nur ein anerkannter 7>N) miro in Betracht kommen. UaLitstina. Die große Rabbiner-Üerlammlung- Jerusalem, 21. Februar. Am Dienstag, den 14. Adar, versammelten sich die Rabbiner im Hause dcs Herrn Chefez im Bucharenviertel zu der lange vorbereitetenRabbinerversammlung, die zum Hauptpunkt der Tagesordnung „die Organisation des Oberraböinats in Palästina" hatte. An dem Podium waren Ehrensitze für das Präsidium und die hohen Gäste errichtet. Unter den Versammelten, die etwa 600 Mann zählten, sah man Rabbiner in allen möglichen Trachten. Als kurz nach ^10 der Oberkommissar Samuel in Begleitung seiner Adjutanten erschien, wurde er von einer rauschenden Ovation begrüßt. Darauf trug Herr Rabbiner K u k einen Psalm vor und der Gerichtskanzler Herr Bentwitch hielt eine hebräische Ansprache, in der er den Oberkommissar als „den Nechemia unserer Zeit" feierte. Der Oberkommiffar ergriff nun das Wort. Er fing seine Rede hebräisch an und setzte sie dann englisch fort, wobei.der Leiter der ökonomischen Abteilung, Herr Kornfeld, Satz für Satz ins Hebräische übertrug. Der Oberkommissar warf einen Ueberbllck über die Entstehung der heute zu regelnden Kragen und besprach den Antrag des Vorbereitungskomitees im einzelnen, den er zur Annahme empfahl. Hand in Hand mit dieser Organisation soll auch eine Regelung der gesamten Gerichtsbarkeit vorbereitet werden. Vor allem sei das jüdische Ehe- und Kamilienleben aus den Kesseln des türkischen Gesetze? zu befreien. Auch daS jüdische Zivilgesetz müsse auf eine feste Grundlage gestellt werden. Nötig sei für all d es, das Btrtrauen zu den Rabbinern. Auch materiell und finanziell muß der Rabbinische Rat unabhängig und von der Opserfreude im Lande selbst getragen sein. Die Mittel seien ausfindig zu machen. Der Oberkommissar bedauert, daß nach Lage der Umstände, zwei Vorsitzende, ein sefardischer und ein afchkenastscher, an der Spitze des Rabdinifchen Rates stehen müssen, und hofft, daß es zu einem späteren Zeitpunkt gelingen dürfte, die absolute Einigkeit von früher wieder herzustllen. Obwohl schon die jetzige Regelung eine Majortfterung der Minoritäten völlig ansschließen müsse,—das jüdische Volk habe auch allzusehr unter Unduldsamkeit der anderen Völker gelitten, um selbst unter fich Intoleranz zu üben — so sei doch nach absoluter Einheit und Einigkeit zu streben. 14 Millionen Juden in der Diaspora sehen nach Erez Jisroel hin, so muß denn hier, am Herzpunkt des Judentums, das Beispiel der jüdischen Zusammengehörigkeit der ganzen Welt gegeben werden. Gleich nach der Rede, der stürmische Ovationen folgten, verließ dec Oberkonlmiffar mit feinem Adjutanten den Saal. Der Gouverneur vonJerusalem-HerrStors, fing seine Rede ebenfalls hebräisch an, sprach dann englisch weiter und schloß mit dem hebräischem Satze: „Ki miziaun teze Thauro" usw. Der Gerichtskanlzer, Herr Bentwitch, verlas dann den Rechenschaftsbericht in hebräischer Sprache, in dcm er aus die Unterschiede zwischen dem bisherigen Oberrabbinate in Konstantinopel nach türkischem Gesetz und dem jetzt zu gründenden Rabbinischen Rate hinwies. Die Entscheidungen der jüdischen Gerichte sollten die Halacha zur Grundlage haben, aber auch überetnstimmen mit dem modernen Rechte. Er hofft, daß unter den Laienmitgliedern des Gerichtes sich auch Rechtsanwälte mit talmudischen Kenntnissen befinden werden. Ec spricht auch über die von den Mit», gliedern der Gemeinde erhebenden Beiträge für die Erhaltung und Ausgestaltung der jüdischen Gerichte. Den Rechenschaftsbericht des vorbereitenden Komitees erftatteteHerr K o r n f e ld als Vorsitzender dieses Komitees. Er sagt u. a.: Die Gründe, die zur Neuorganisierung des Rabbinats geführt haben, sind: . M 1. Die ungeklärte Stellung deS Chacham Bafcht in Konstaniinopel in den letzten Jahren, 2. das Aufhören des türkischen Regimes und die sich daraus ergebende Notwendigkeit, das Rabbinat auf Grund der neuen Geietze neu zu ordnen, 3. der Wunsch der Aschkenasim, von nun an im staatlich anerkannten Rabbinare mit gleichen Rechte wie die Sefardim vertreten zu sein. Die von der Kommiffon aufgestellten Richtlinien seien vom Oberkommiffar genehmigt worden. Die Kommission hielt 16 Sitzungen ab. In diesen seien auch viele entgegengesetzte Meinungen zum Ausdruck gekommen. Viele sprachen sich scharf gegen jede Einmischung der Regierung in die inneren Angelegenheiten des Judentums aus, andere wollten es bet der bestehenden Ordnung lassen und wiederum andere plädierten für eins noch radikalere Aenderung. Es war nicht leicht, den Matzstab für die Qualifikationen des Urwählers zu finden. Man sei endlich zum Beschlüsse gelangt, dieses Recht auf die Rabbiner zu beschränken, die in Palästina ein Rabbineramt ausüben oder ausübten, lieber die letzteren, d. h. diejenigen, die zur Zeit kein rabbinisches Amt inne haben, mußte im Einzelnen unter Ausschluß der Oeffentlichkeit befunden werden. Die Vorschläge erstrecken sich auf süus Punkte: 1. den Rabbinischen Rat bilden acht Rabbiner, zu gleichen Teilen Sefardim und Aschkenasim, unter dem Vorsitz von zwei Präsidenten, einem Aschkenasi und einem Sefardi. Den Rabbinern stehen drei Laienmitglieder als Beirat bei. 2. Als Voraussetzung gilt, daß es dem oder den Präsidenten nicht zustehe, ohne mit den Mitgliedern des ganzen Rates in Einvernehmen zu treten, etwas zu beschließen oder zu verfügen. 3. Eine Budget-Kommission ist zu wählen, die den Voranschlag für die Einnahmen. und Ausgaben ausarbeitet und ihn der Allgemeinen Rabbinerversammlung zur Genehmigung vorlegt. , t 4. Die Entscheidungen der lokalen Gerichte ttt den Städten und Kolonien werden von den Bezirksbehörden zur Ausführung gebracht, ohne daß diese Urteile einer Genehmigung der oberen Instanz des Rabbinischen Rates unterliegt. 6. Das Schlichtungsgericht besteht aus sechs Mitgliedern des Rabbinrschen Rates unter dem Vorsitze eines Präsidenten. Der Referent betont noch die finanziellen Schwierigkeiten, auf die schon das vorbereitende

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