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Der Israelit · 1921-03-17 · Heft 11 (17.3.1921) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 11 (17.3.1921)
Date
1921-03-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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lTrytea IMt _ nung war, daß es bei der. freundlichen Haltung -er österreichischen Regierung gegenüber den Juden einer solchen Intervention nicht bedürfe. Eine bedeutsame wlffenschastlichc Zeflstellung zu Gunsten der Schechita. Der bekannte gesetzestreue Arzt und Gelehrte Dr. Salomon Lieben in Prag veröffentlicht in den „Monatsheften für praktische Tier-Heilkunde" die Ergebnisse hochinteressanter experimenteller Untersuchungen, die er zur Prüfung gewisser von schächtgegnerischer Sette aufgestellter Behauptungen an gestellt hat. Diese Behauptungen gipfelten darin, daß nach dem Schächtschnitte nicht, wie man anzunehmen geneigt ist, durch Ausströmen des Blutes rasche Blutleere des Gehirnes und daher Empfindungslosigkeit herbeigeführt werde, sondern, daß vielmehr die vom Nacken aus nach dem Kopfe führenden sogenannten Vertebral-Arterien, die beim Schächten natürlich unberührt bleiben, das Gehirn weiter mit Blut versorgten. Dr. Lieben hat nun durch ein sinnreiches Verfahren nach modernen wissenschaftlichen Methoden den im Gehirne vorhandenen Blutdruck nach dem Schächtakte an zahlreichen Tieren gemessen, derart, daß alle Blutdrnckv er Änderungen an dem Meß-Apparate abgelesen werden konnten. Das Ergebnis war ein geradezu verblüffendes und läßt sich in folgenden, von Dr. Lieben selbst im hebräischen Teile der letzten Nummer des „Jeschurun" formulierten Sätzen zusammenfassen: 1. Der Blutdruck in den Gehirngefäßen fällt sofort nach dem Schächtakte und von diesem Augenblicke tritt kein Tropfen Blut mehr in die Gehirngefäße ein; das blutleere Gehirn kann keinerlei Schmerz mehr empfinden. 2. Der Blutdruck verschwindet so schnell aus dem gesamten Gehirne, daß die Wirkung die gleiche sein muß, wie ein starker Schlag, der von außen dem Schädel versetzt wird. 3. Alles dies ist nur nachzuweisen, wenn der Schächtakt an einem gefesselt am Boden liegenden Tiere mit einem scharfen glatten Messer ohne Zögern ausgeführt wird und die Lage des Halses das ungehinderte Ausströmen des Blutes gestattet. Das Ergebnis der wissenschaftlichen Untersuchungen Dr. Liebens ist — ganz abgesehen von seiner praktischen Bedeutung bei der Abwehr der schächtgegnerischen Angriffe — wieder einmal ein wunderbares Zeugnis für die allem Wechsel der Zeiten überlegene unerforschliche Tiefe der im Gottesgefetze niedergelegten Weisheit. (Mischle 22). Dazu bemerkt der Midrasch: „Der Name Mordechais ist besser als der Reichtum Hamans". Aus diesem Vergleich ergibt sich, datz der Relchtum^Hamans auch sein Gutes hätte, aber der Name Mordechais etwas Befferes öarstellt. Was soll aber an Hamans Reichtum gut gewesen sein? Zur Beantwortung dieser Frage sei auf folgende Stelle in Jesajas 26, 17, hin« gewiesen, mn p r6aro pyin frnn rnbb a»npn mn iv2 'n Dieser Vergleich .läßt sich nach nviv aro folgendermaßen erklären: Unsere Weisen sagen: „Die Ueberreichung des Ringes Achaschwerusch an Haman — d. h. die ihm erteilte Macht über Israel — infolge der zehntausend Kikar, die Haman anbot, hatte auf Israel mehr gewirkt und eher zur nni^n geführt, als sämtliche 48 Propheten und 7 Prophetinnen, die Gott sandte. Sonach brachte der Reichtum Hamans auch Gutes, denn schließlich — vit>l Di )n'iVüb 'n byD b$ njn dV? — hat Gott „alles zu seinem Zwecke er« schaffen, auch den Bösen für den Tag des Unglücks", Solche Rückkehr ist jedoch nur yon kurzer Dauer, solange nur feindlicher Druck und Haß auf Israel lastet. -Diese geschichtlichem.Erscheinungen.wiederholen ffich bis aus die heutigeZM Kommen die Amalekiten,' Hamaniten — und sie kommen immer unter neuen Namen und neuen Formen-- dann erschallt in Israels Lager der Sammelruf — Cii5 — gut Ein- und Rück« kehr, mehr der Not gehorchend als dem eigenen Triebe. Solche nai^n, aus dem vorübergehenden Drucke für kurze Dauer geboren, erinnert aber an den Zustand der mn, der die windenden Schmerzen allerlei guten Vorsätze abringen. Der Reichtum Hamans war gur, hatte wie oben erzählt, bewirkt, daß das Volk, das unter anderem sich durch seine Teilnahme an dem Mahle Achaschwerosch versündigt hatte, zur Besinnung kam. Jedoch bester Nr? Purim 5681. Von Rabbiner Dr. M. Lewin in Hamburg. „Wenn auch alle Feste einst aufhören sollten, das Purimfest wird ewig seine Bedeutung behalten". Dieser Ausspruch unserer Alten, der dem Purim Ewigkeitswert verheißet, gründet sich auf die Ueberzeugung, daß unser Fest in den wechselvollen Schicksalen unserer Gesamtheit als Sorgenbrecher und Heilsbote mit imnler neuer Freude und Erwartung begangen wird und den sieghaften Glauben an die wundersame Kraft der allumfassende' Liebe des Weltenschöpfers uns zu einem Panzer werden läßt gegen die mannigfachen Pfeile unserer Gegner. Wie trübe und ernst auch die Zeichen der Zeit sein mögen, eS entrückt uns Purim für eine kurze Weite den Sorgen und Aengsten des Tages und versetzt uns in eine erträumte Welt der Ideale, in der die finsteren Mächte der Menschenbrust unterliegen und nur Liebe und Wahrheit das Zepter führen. Vielfach sind die Pflichten, die an unser Fest gebunden sind. Wir sollen die Geschichte unseres Festes lesen, abknds und morgens, alle unterschiedslos, weil durch sie die Saiten unseres Herzens zum innigsten Halle! auf die Liebe Gottes erklingen, der in unserer Geschichte ewig wirksam nicht schläft und nicht schlummert als der treue Hüter Israels, der nicht nur in Wundern wirkt, sondern auch wie in jenen Tagen um diese Zeit in dem natürlichen Verlauf der Dinge in der gesetzmäßigen Folge von Ursache und Wirkung waltet. Wir sollen uns der Freuden reinste sichern, indem wir andere erfreuen, durch Geschenke unsere Freunde und durch mildtätige Gaben jene, die unserer liebevollen teilnehmenden Fürsorge überantwortet sind. Die Zeit mit ihren furchtbaren materiellen Nöten sorgt dafür reichlich, daß wir hier nicht erst tastend zu suchen und zu forschen haben. Und schließlich zeichnen wir Purim als TltWfc DV nnüttflals Tag des Mahls und der Freude aus, in dem sich ein. jedes jüdische Haus zu stimmungsvoller froher Feier vereint. — — UnserFest mögeuns aber auch zurMelbstbesinnung führen und uns an die Pflichten mahnen, die wir beim Aufbau der Lehrstätten zu,erfüllen haben, die ein Opfer des Krieges geworden sind. Und besonders sollen wir nicht versagen, wo mehr denn je es nun gilt, im heiligen Lande Pflanzstätten der Thora zu unterhalten, an denen Liebe und Begeisterung für unser altes Erbgut und echter jüdischer Sinn und wahrhafte Ueberzeugungstreue der Jugend eingepstanzt wird, daß hier dem Judentum eine neue Zukunft verbürgt bleibe. Da ist es gar bedeutsam, was des Midrasch Welsen vermerken. Bestürzt vernahm Mordochat von dem Israel drohenden Verhängnis, und in _Ar. 11 B r ite » Sack und Asche, in sein Trauergewand gehüllt, eilte er durch die Straßen der Hauptstadt. Da sah er drei Knaben, die auS der Schule kamen. Sofort ging er diesen nach und fragte einen jeden von ihnen nach dem Vers, den er heute gelernt hätte. Und der eine begann: Dixnö NNÜV K*vn?K Klan 'a nwn nxiVQl „Fürchte dich Nicht, du wirst dich utcht fürchten vor plötzlichem Schrecken und vor dem Stürmen der Frevler wenn es kommt". Der zweite nannte den BerS: 'n liiar m dv nan man naini naty ixiv „Fasset nur einen Plan, er wird doch vereitelt redet das Wort, es hat doch keinen Bestand, denn mit uns ist Gott"' Der dritte schließlich: *nw ax aiaa« ax na'w njn «in napt w xm -axi vavxi aiaox 'axi „Und bis zum Alter bleibeich derselbHßid bis zumGretsenalter werde ich die Last tragen. Was ich geschaffen, das traze ich, und wenn ich die Last trage, so rette ich." — Diese Worte des Glaubens und der Hoffnung, die Mordochai aus dem Mvnde der heranblühenöen Jugend vernahm, richteten ihn aus und verliehen ihm Festigkeit, daß er vertrauensvoll dem Kommenden entgegensah... Wo die Jugend von Liebe zu unserer Tora erfüllt ist und in ihren Geist sich versenkt, da ist Israel gewappnet gegen alle Stürme und Waffen, da werden die Pläne unserer Feinde vereitelt und bleibt -der himmliche Vater der, der da uns trägt und hält und zum Ziele leitet. Dasist eine Wahrheit, die unsere Vergangenheit bezeugt. Wir sind, wir leben und weben, west immer neue Wege und Mittel gefunden, wurden, daß die Thora nicht vergessen wurde in Israel« Das Licht, das in den Lehrhäusern aufstrahlte, flutete in Israels Familien, erwärmte hier die Herzen und erleuchtete die Geister, um schließlich das Dunkel zu lichten, das so oft und so mannigfach unsere Gesamtheit umschattete. So war es — und so wird es sein. Die Lernfreudigkeit unserer Jugend, ihr Forschungstrieb, ihre Begeisterung für unsere jüdischen Ideale bleiben die beste und sicherste Gewähr, daß Jesajas Wort von dem Fehischlagen der feindlichen Absichten und Pläne immer von neuem sich als Wahrheit erweist. Dessen eingedenk dürfen wir nirgends zurückstehen, wo wir für die Unterweisung unserer Jugend Opfer bringen sollen und besonders das Schulwerk im heiligen Lande zu fördern haben. Die Liebe zu Zionist uns die Liebe zur Thora die von Zion ausgegangen ist. Und daß sie hier die schönste Pflege finde, daß sie gleichsam, um mit Jesajas zu reden, in den Jüngeren besiegelt werde, — das möge das Streben aller derer sein, die sich am Purim an dem Worte der Esterrolle erheben: „Den Juden werde Licht und Freude, Wonne und Würde." war der Erfolg Mordechais, denn er war ein leuchtendes Beispiel für seine Zeitgenoffen; 'pvtp p dessen Gebet für sein Volk erhört wurde, vp p der unerschrocken, in furchtloser und selbstloser Weise für sein Volk eintratein Wö», der stets den rechten Weg der Thora zeigte und ging, ein Führer, dem kein Opfer zu schwer war, wenn es galt dem Wohl seines Volkes, ein aito unn, der seine Brüder zu dauernder Teschuwah geführt und damit zu nnaan mw np»i pam Kleines Feuilleton. (Die jüdische Flagge auf dem Meere). „Husudstatesbladet" meldet von New-Aork: Hier wurde eine neue Reederetgesellschaft „Palästina Commerce and Navigation Company" mit einem Kapital von 500 000 Dollar gegründet. Das erste: Schiff dieser Gesellschaft, das 15 000 Tonnen faßt, ist soeben von New-Aork nach Palästina mit einer Ladung von Lebensmitteln und Baumaterial abgefahren,. Während bisher die Seefahrt nach Palästina meistens unter italienischer Flagge erfolgte,' führt dieses Schiff die jüdische Flagge: blauweiß mit dem Davtdschild. lModere Rassentheorie). Ueber dieses Thema sprach in Wiesbaden Prof. Dr. Julius Gold stein, Darmfiadt. Der Vortragende widerlegte die Ansicht, datz die Nationalitätenfrage von der Raffenfrage abhängig sei. Von dem Gedanken ausgehend, daß überhaupt der Begriff Raffe nur auf die Tierwelt angewendet werden sollte, kennzeichnete er die Menschenrasse, nachdem man nun einmal sich diesen Begriff zu eigen gemacht hat, als eine Menschengruppe, deren angeborener Habitus sie als etwas Gleichartiges erkennen läßt, während die Nation, durch den Besitz gewisser kultureller Güter zu einer Einheit verbunden, den Willen zu einer gemeinsamen Zukunft in sich besitzt, aber von anderen gleichgearteten Einheiten getrennt sein kann. Wir haben in Europa kein reinrassiges Volk, betonte der Redner. Der Redner nannte eine Reihe hervorragender Persönlichkeiten, die gerade in einer Nation Hervorragendes geleistet haben, zu der sie ihrer Abstammung nach nicht gehören und folgerte daraus, daß die schöpferische Kraft einer Nation nicht in ihr selbst begründet zu sein brauche. (Jüdische Neger). Aus London wird berichtet: Ein jüdischer Neger aus Ostafrtka, der im englischen Heere Kriegsdienste geleistet hat, hielt vor kurzem in einer jüdischen Versammlung in London ein interessantes Referat über seine Abstammung. Der jüdische Stamm, dem er angehört, lebt glücklich und zufrieden in Ostafrika, ohne je unter Verfolgungen, wie sie die Juden allenthalben erfahren, gelitten zu haben. Vom Talmud hat sein Stamm keine Kenntnis, dagegen seien ihnen die fünf Bücher der Thora, wie die Schriften der Propheten und der Bibel in hebräischer Ursprache sehr geläufig. In einem eigenen Tempel bringen sie Opfer dar und haben einen Hohenpriester, der mit Hilfe von sieben Priesterfamilien den Stamm lehrt und leitet. Ihre Gesetze sind in die Wände ihres Tempels etngegraben. Bon ihren Brüdern in anderen Ländern wissen sie nicht viel. Ihre Hoffnung ist auf Palästina gerichtet, in welchem Lande sie Moschiach mit den anderen Juden vereinigen wirb.

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