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Der Israelit · 1921-03-17 · Heft 11 (17.3.1921) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 11 (17.3.1921)
Date
1921-03-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Bette 2 91t. 11 Der die Wegrichtung, nach der die Reise gehen soll. Werden die vor den Wagen gespannten Rabbiner die Kraft haben, ihn herumzuwerfen? Beim Krauen-Wahlrecht fängt es relativ unschuldig an — wo's endet, möchten wir heute lieber nicht aussprechen. Und der Umfall gewiffer rabbinischer Kreise Erez Israels, die zuerst mit Vehemenz die Beteiligung an der Wahl deS Nationalrats verboten, um sich nachher auf Umwegen als Abgeordnete in eben diesen Nationalrat hineinzubegeben, hat sicherlich ermutigend auf diejenigen Politiker gewirkt, die von der unbegrenzten Entwicklungsfähigkeit des jüdischen Rechtes und seiner rabbinischen Vertreter überzeugt find. Achad Haam wittert Morgenluft— der Misrachi sehe sich vor, daß er nicht unter die Räder kommt! Selbst sein Rabbiner Fisch mann hat schon gegen die Zusammensetzung des Laien-Wahlkörpers protestiert, was ihn freilich nicht hinderte, dann doch mitzumachen. Liest man die zitierten Stimmen der zionistisch orientierten Presse, so erhält man zugleich ein volles Verständnis für die scharf ablehnende Haltung, die zwei der hervorragendsten Persönlichkeiten Erez Jisroels und der rabbinischen Welt überhaupt, Oberrabbiner Chajtm Son nenfeld und Rabbi Jzchock Jerucham Diskin zur Rabbinerverfammlung einnahmen, und die zu den in voriger Nummer gemeldeten traurigen Vorgängen. — nmn tos min n»w — geführt hat. Man muß bedenken, daß es sich um eine von der rechtmäßigen Landesregierung, noch dazu von einer an sich so sympathischen Persönlichkeit wie Herbert Samuel, gewünschten Rabbiner-Versammlung zur Stärkung der rabbinischen Autorität in Erez Jisrotl handelte, daß offiziell kein Mensch von einem „Syrihrdrion" für Klall Jisroel oder auch nur für Palästina gesprochen hat, sondern daß es einfach galt, an die Stelle der überlebten Lhacham-Baschi-Jnstitution der türkischen Zeit eine vernünftige Neuregelung deS offiziellen Rabbinats zu setzen. Da man Sefardim und Aschkenasim nicht unter einen Hut bringen kann, ist man auf die ganz gesunde Idee gekommen, bewußtermaßen eine als Besbin rechtlich ganz altionsunfähige Instanz, ein vlPV pl n’3 von 8 Rabbinen, 4 Sefardim und 4 Aschkenasim, zu schaffen, mit zwei gleichberechtigten Präsidenten, einem aschkcnasischen und einem sefardischen. Daß dennoch, trotz dieser unschuldigen Fassade, die Führer der einzigen Jerusalemer Gemeinschaft, die ihre innere und äußere Unabhängigkeit von der zionistischen Parteiherrschaft bis heute bewahrt hat, bei der Wahlaktion nicht mittun M2 niDD'n »<m Rabbiner Dr. M L. Bamberger in Schönlanke- Die Bemerkung des Herrn Rabbiners Dr. Kanter in Zwtltau zu meinem Aufsätze über xV'r d'MI» veranlaßt mich, über das im Schaltjahr einzufügende Wb einiges mitzuteilen. Der Auffassung Kanters der Talmudstelle Sanhedrin 10d bis 13g, „wonach König Chisktjahus Sünde darin bestand, daß er durch Einfügung des Monats Weadm: das Pessachfest verschoben habe" und „daß mit Rücksicht auf diese in jedem Schaltjahre stattfindende Berschiebung des Pefiachfestes i"iB2?i zu sagen jet , kann ich mich nicht anschließen. Zunächst einmal ist selbst eine beabsichtigte, unberechtigte Berschiebung deS Pefiachfestes nicht als Sünde zu bezeichnen, da ja deutlich die Mischna Roschhaschono!i, 9 bet Gelegenheit der Differenz zwischen Rabbon Gamliel und Rabbi Joschua bemerkt: nvuia '1 px pan pn amx lxipn ipx i6x. Steht dem Sanhedrin die Berechtigung zu,! die Feste in der ihm gut dünkenden gebotenen Weise I festzulegen, dann kann von einer Sünde, welche der - wollten, hatte seinen Grund sicherlich nicht in dem Gegensatz zwischen den Rabbinen Sonnenfeld und Diskin einerseits, Kuk - andrerseits — auf diese tief in sachlichen Meinungsverschiedenheiten wurzelnde ll'QV np'Dnia wird noch zurückzukommen sein. Vielmehr ist es ganz offensichtlich ein siche- - rer Instinkt für die Abgründe, die hinter der l harmlos scheinenden „Rabbinerversammlung" sich auftun, der insbesondere Rabbi Chajim Sonne ns eld wieder einmal geleitet hat. Es ge. hörte für diesen Mann, ein ungeheurer Mut dazu, sich nicht nur den Wünschen der Regierungsgewalt, sondern der — einerlei ob aufrichtigen oder erzwungenen — Zustimmung fast aller palästinensischen Kreise zu widersetzen und mit dem greisen Rabbi Diskin und seiner eigenen Gemeinde allein zu bleiben. Aber rascher als er selbst es wohl sicher voraussehen konnte, giebt ihm der Chorus der nationalen Gesetzesreformer recht, deren Jubelhymnen das „neue Synhedrton" bei seiner Geburt Unheil -kündend umrauschen. Die Herren Rabbiner Kuk und Jacob Mei'r, die an der Spitze des Achtmänner-Kollegiums stehen, sind sicherlich frei von dem krankhaften Ehrgeiz, den min ^lnj der Diaspora, insbesondere des Ostens, mit Herrn Chajim Aharon Krupnik vorschretben zu wollen, was „gesetzestreu und gesetzeswidrig" ist) sie besitzen Nlln und nrrn'' genug, um zu wissen, daß das jüdische Volk seine min ins nicht durch zionistische Advokaten, nicht einmal durch die Gunst eines hohen englischen Beamten vergeben läßt. Das Judentum als Ganzes hat also von der neuen Instanz vorläufig nicht viel zu fürchten, allerdings auch nichts zu hoffen; der Einfluß der den acht Rabbinen zur Seite gestellten nationalistischen Politiker wird jede Lntscheidung ausschlaggebend beeinflussen, so wie ja auch bisher alles nach dem Willen dieser Politiker gegangen ist. Von wahrhafter Freiheit und Unabhängigkeit, wie sie notwendig wäre, um in Erez Jisroel heute rabbinische Tekcnaus, die die Zeit erfordert, zu treffen und so an der vom Gottesgesetze selber gewo llten„Entwicklung" des jüdischen Gesetzeslebens zu wirken, kann leider unter der derzeitigen Konstellation keine Rede sein. Man darf schon glücklich sein, wenn die Herren Rabbiner Kuk und Meir mit ihren sechs Genossen den an sie herantretenden ungeheuren Versuchungen standhalten werden, und wenn es anderseits 'Rabbi Chajim Sonnenfeld gelingt, die von der Regierung neuerdings verbriefte Unab- ° Sühne bedarf, nicht die Rede sein. Das dreimalige k arx (Talmud Roschhaschono 25 a) will ja in der Tat unS belehren, daß die vom Sanhedrtn bestimmten Feste den von der Thora gewollten Charakter und dle von ihr bestimmte Feierpflicht besitzen, gleichviel ob die Festsetzung erfolgt ist, weil das Sanhedrium paaw, pi'w oder pyttiö waren, was ja auch von Maimonides (Hilchot Kiddusch Hachaudesch II, 10) als Halacha rezipiert wird. König ChiSkijaks Vergehen bestand nach Pesachim 56a darin, daß er p»32 py Tay, daß er am 30. Adar, der bereits als Nifian hätte gelten können, einen Schaltmonat einfügte, was nicht sein sollte; trotzdem — auf Grund der Regel jw s^ex anx rc. -- aber auch dann rechtskräftig als Schaltmonat gilt und die Verschiebung des Pefiachfestes herbeiführt (vgl. Maimontdeö Hilchot Kiddusch Hachaudesch 'IV, 14). Was nun die Formel WB m&271 anlangt, weise ich darauf hin, daß es nicht feststeht, daß diese ausschließlich für das Schaltjahr bestimmt ist. Nach dem Siddur des Raw Amaram Gaon (ed. Wassilau, Teil l, S. 33), werden diese Worte jeden Rausch Ehaudesch im Muffaf eingeschaltet. Machsor Vitry, Rambam — und danach der spantolische Siddur — kennen diese Formel überhaupt nicht, auch Tur und Schulchan Aruch erwähnen nichts davon, ebenso Lewusch, Bach und Mateh Mansche nehmen keine Notiz davon. Erst die spätere Literatur kennt den Minhag der Einschaltung des wb rr>B2^ im Schaltjahr. So gibt die Sulzbacher Machsorausgabe (Polnischer Ritus 5495) folgende Begründung: >3X1 D'tPII 2"' 1)22 Dp2i 2"’ pany pi pro riivabi anaixtpioyi rar? yixjtta „Gewöhnlich werden 12 Bitten im Mufiaw erwähnt, den 12 Monaten entsprechend, ich fand jedoch für das! Schaltjahr das Wort yrc ir*sH wie es auch im * hängigkeit seiner Gemeinde allen Anfechtungen zum Trotz*) aufrechtzuerhalten. Dann kann die gesetzestreue Juderiheit hoffentlich die schwere Gegenwart überdauern, bidie im letzten Grunde wirksamen wirtschaftlichen Ursachen verschwinden, die heute das heilige Land den überwiegenden Einflüssen deS thorafremden Nationalismus ausliefern. Kochenrundschaii. Men als Beschützer der Men v»r dem Völkerbund. Der Rat des Völkerbundes befand sich vorige Woche in der eigenartigen Lage, zu Gunsten unglücklicher jüdischer Flüchtlinge zu intervenieren und zwar auf Ansuchen der polnischen Regierung. Diese beschwerte sich beim Völkerbundrat über die von Oesterreich angedrohte Ausweisung der galiztschen Flüchtlinge in Wien. Durch Vermittlung Balfoua:s kam zwischen den Vertretern der polnischen und der österreichischen Regierung eine Vereinbarung zustande, wonach einerseits das Recht der österreichischen Regierung zur Ausweisung von Ausländern anerkannt wird, anderersetis aber eine humane Ausübung dieses AusweisungsrechteS 'verlangt und zugcsagt wird. Insbesondere sollen kranke und betagte Personen, gewisse Kategorien von Studierenden, sowie diejenigen Gruppen von Flüchtlingen nicht ausgewiesen werden, deren Heimstätten durch den Krieg zerstört und nicht wieder aufgebaut sind, ferner diejenigen, die sich in produktiven Arbeitsstellen befinden. Interessant ist, daß vorher das englische Joint Foreign Committee auf Anraten des Wiener Oberrabbiners Dr. Chajes eine Intervention zu Gunsten der ostjüdischen Flüchtlinge ab gelehnt hatte, weil Dr. ChajeS der Met- *) „Jewish Chronicle“, der neuerdings AgudaS Jisroel mit seinem besonderen Haste bedenkt, weiß zwar unter der charakteristischen Uebeischrist „lntolerancs of Agudas Jisroel“ (was hat die Aguda als solche mit der Sonnenfeldschen Gemeinde zu tun?) aus Jerusalem zu melden, Rabbiner Sonnenfeld habe sich an Herbert Samuel mit dem Ersuchen um Anerkennung der Unabhängigkeit seiner Gemeinde gewandt und sei mit diesem Verlangen abgewiefen worden. Allein diese Nachricht steht erstens im Widerspruch mit einer uns vorliegenden gegenteiligen direkten Meldung, die zwangsweise Einfügung einer Religionsgemeinde in eine von ihr perhorreszierte, religiöse Organisation wäre zweiten» gänzlich unvereinbar mit aller englischen Tradition von GewifienSfreihett, und endlich hat der Oberkommtfiar ja in feiner Eröffnungsrede — stehe den Nachrtchtenteil — ausdrücklich erklärt, daß keinerlei Zwang au»- geübt werden dürfe. Frankfurt Minhag ist". Diesen Minhag Frankfurt teilt auch R. Joseph Hahn im Jauseph Aumez 6S1 mit, „daß diese 13. Bitte in Frankfurt — allerdings nur im Weadar — eingefügt wirb. Elijohu Rabboh 423, 6 ist der Ansicht, daß man WB me2,?i während des ganzen Schaltjahres sagen sollte, da diese Bitte, ebenso wie die 12 anderen Bitten, dem Monate des Jahres entsprechen solle. Der Pri Megodim 423, 2, der die Ansicht des Elijohu Rabboh mitteilt, scheint nicht besten Meinung zu sein, was sich aus der Bemerkung ergibt: 3,i3v.i >jvxi v"vi p»a tpin r?xi IN pi, jedoch sah ich, daß es Minhag ist nur bis Rausch Ehaudesch Nifian zu sagen". So ist in der Tat auch, soweit mir bekannt, fast überall der Minhag — mit Ausnahme von Frankfurt a. M., wo nur im Weadar selbst gesagt wird. Zum Schluß möchte ich noch eine vom Pri Megodim mitgeteilte Erklärung anfügen: Der Psalm 160 enthält zwölfmal den Ausdruck ^.1, den zwölf Monaten entsprechend, die Wiederholung des letzten Verse» geschähe wegen des Schaltmonais. Ist diese Erklärung richtig, dann wäre für die ständige Einfügung von ya?D imAi — auch nicht gerade im Schaltjahre — wie sie der Siddur Raw Amrams will, eine Erklärung gesunden. Hamans Reichtum und MrbechalS Ramen. Purimbetrachtung von Lehrer Wertheimer in Hardheim. 2,181 *p2D 21 ibwj H23. „Bester ist ein guter Name, als großer Reichtum, als Silber und Gold"

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