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Der Israelit · 1921-03-17 · Heft 11 (17.3.1921) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 11 (17.3.1921)
Date
1921-03-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Der Israelit Ein Centralorgan für das orfbodoxe Judentum 62. Jahrgang BöSl Sranhlurf a. M-. Sen —ynSjjj-jfBBIl^sss M 11 Abonnement pro Vierteljahr 1 Dentschlandvei den Postämtern sowie vei direkt. Bestellung «. Rechnungserteil, durch d.Verlag M.7.20 Viertels, s. Lehrer u. KultuSbeamte (n. direkt) M. 3.60 vierteljährlich, Deutsch-Oesterreich Kr.60.— vierteltöhr«ch: Tschecho-Slowakei Kr. 12.— Ungarn Kr. 50.— vierteljährlich, Polen (nur in deutscher ReichSmk.) M. 10. Vierteljahr!., Rnmönien 10 Lei. Holland fl. 1. Skandinav. Kr. 2, SchweizfS.l. 50, Frankreich u.Belgien Fr.2.50, England 1 uh. 6 p., Amerika 0.50 Doll, vierteljährl. Einzelnummer «0 Pfg. Durch den Buchhandel wie beim Verlag. Der Israelit erscheint jeder Donnerstag Inserate: Mk. 2.— für die sechsgespaltene Colonel-Zeile etnschl. TeuerungSznschl. :AuSland-Jns.Mk.4.—pro Zeile Rab. nach Tarif Bei laufenden Jnseratauftr. tarifm. Preiserhöhung jeberz. vorbeh. Jnseratenannahme durch den Verlag des Israelit G. m. b H., Krankfurt a. 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Wochenrundschau: Polen als Beschützer der Juden vor dem Völkerbund. — Eine bedeutsame wissenschaftliche Feststellung zu Gunsten der Schech ta. — 8. Aufsätze: Dr. M. Lewin: Purim 5681. — 6. Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin, (Talmudische Fortbildungskurse). — Berlin, (Die Ostjuden). — Hamburg, (Repräsentantenkollegium der Deutsch-Israelitischen Gemeinde). — Wien, (Eine neue Internationale. — Warschau, (Die polnisch jüdische VerstLndigungskommission. — Warschau, (Die Besetzung der Warschauer Oberrabbinerstelle). — Jerusalem, (Die große Rabbiner-Versammlung). — Jerusalem, (Agudas Jisroel in Palästina). — Jerusalem, (Allerlei aus Palästina). — New-Aork, (Das neue Einwanderungsgesetz). — 7. Personalien. — 8. Vermischtes. — 9. Frankfurter Berichte. — Famtliennachrtchten. — Beretnskalender. — Gebetzeiten. — 10. Feuilleton Beilage: UonGordoma »ach Chosarien. — 11. Kinderecke: Hermann Schwab- Ci« Purim-Gast. — Gin jüdisches Schilda. - Morgenstunde. — Auflösung der Rätsel in Nr. 8 u. 9. — 12. Purim-Beilage: Dr. P. Kohn: Kabbinischer Humsr. — Pom jüdtfcheu Hetratsmarkt iu Amerika. — Die Probepredigt. — Dalfen. — Literatur. — Das angebliche Shnhebrion in Jerusalem. Die „Limes" läßt sich vor» ihrem „zionistischen" Korrespondenten die Sensationsnachricht auftischen, in Jerusalem sei das „alte Beth-Din-Hagadol wiedererstanden", was man in Palästina „als das größte Ereignis seit der Zerstörung des Synhedrion" betrachte, Herbert Samuel aber werde als der „neue Netzemja" gestiert. Hinzugefügt wird, daß der juridische Sekretär des Oberkommiffars, Norman Bentwich, — derselbe Stammesgenosse, den der Oberkommiffar erst zur Schließung seines Büreaus am Sabbat zwingen mußte — dem neuen Beth-Din „die Einführung gewisser Reformen in Uebereinstimmung mit den modernen Erfordernissen" zur Pflicht gemacht habe. Den Kommentarzu der letzten bedeutungsvollen Wendung liefern erstens das Londoner Jüdische Korrespondenzbüro, das die legalen Befugnis s e des neuen angeblichen „Brth Din Hagadol" abhängig erklärt von seiner Bereitwilligkeit, das Frauenrecht zu reformieren, und ein großer Artikel der zionistischen „Rundschau" in Berlin, in dem ein Herr Chajtm Aharon Krupnik das „neue Synhedrion" als oberste Instanz zur Verdonnerung der — Frankfurter und Kownoer (ausgerechnet!) Orthodoxie begrüßt. Dieser Herr Krupnik ist ein offenherziger Mann. Er spricht unverhohlen aus, was reformlüsterne Jung-Misrachtsten und politisch geschulte Zionisten vorsichtig zu verschleiern Pflegen, und verkündet folgendes: „Fortan wird Jerusalem darüber zu entscheiden haben, was gesetzestreu und was gesetzeswidrig ift; fortan werden nicht Frankfurter oder Kownoer Rabbiner die Hüter der Thora sein. Die Thora kehrt in ihre Geburtsstätte zurück. In der Diaspora, wo die Thora nicht dem Leben entsprechen kann, muß sie notgedrungen erstarren, ihre Entwicklung ist unnatürlich. Anders in Palästina. Dort wird sich unsere Religion auf natürlichem Wege dem neuen Leben anpassen müssen, wie sie sich in Palästina bereits. einmal von Moses bis Hille! entwickelt hatte. Palästina übernimmt hiermit wiederum die Führung im Judentum. Diese Organisation bedeutet gewiß eine Stärkung der Orthodoxie, und noch manchen Kampf wird man mit ihr auszufechten haben. Aber wir begrüßen fie, wie jede Zusammenfassung der Kräfte im Judentum. Mit einer verantwortungsvollen Körperschaft ist immer leichter zu verhandeln, als mit einzelnen unverantwortlichen Rabbinern. Auf den Weg der Anpassung der Religton an die Bedürfnisse des modernen Lebens wird denBet-Din die andere Funktion stoßen, die ihm übertragen wurde. Die Entwicklung des jüdischen^GerichtswesenS in Palästina hat ein Bedürfnis für eine obere Instanz wachgerufen. Der Bet-Dtn, bestehend aus acht Personen, wird zugleich das Appellationsgericht sein. Diese Tatsache hat zunächst in Palästina Beunruhigung verursacht. Besonders waren eS die Frauen, die mit dieser Regelung unzufrieden waren. Unser Recht, dessen natürliche Entwicklung vor ungefähr 2000 Jahren unterbrochen wurde, enthält Dinge, die für unS heute unmöglich sind. Insbesondere bedarf das Eherecht einer gründlichen Reform, da wir uns mit den Ansichten unserer Vorfahren über die Frau und ihre Stellung in Leben und Familie nicht befreunden können. Der Oberkommissar, sowie der Letter des JustizwesenS in Palästina, Sir Norman Bentwich, haben auch auf die Notwendigkeit dieser Reform, als Voraussetzung für die Rechtswirksamkeit der neugeschaffenen Instanz, hingewiesen." Sind nun auch diese ganzen sensationell aufgeputzten Zeitungsnachrichten eine groteske Uebertretbung deffen, was in Jerusalem tatsächlich vorgegangen ist — die Idee, daß acht von palästinensischen Rabbinen und Ame-haarez gemeinsam gewählte Rabbiner das alte „Beth-Din- Hagadol" dar stellen, mutet wie ein schlechter Purimscherz an —, so enthüllt sich doch dank der zionistischen Sensationssucht die Tendenz der mit so auffallender Geschäftigkeit betriebenen paläst in enstfchenRabö in ats- Organisation, ja darüber hlnaus eine dem Zionismus selber innewohnende natürliche Tendenz in geradezu erschütternder Klarheit. Die oberflächlich Urteilenden in der Diaspora waren bisher gewohnt, die Zionisten als die natürlichen Bundesgenossen der Orthodoxie im Kampfe gegen die Reform, gegen das „Richtltnten"-Judentunr des Liberalismus zu erblicken, und in der Tat fanden ja seit den badischen Gebetbuch-Kämpfen mancherlei Konstellationen im Gemeindeleben — siehe Jüdische Volkspartei in Bayern — dte beiden Parteien in gemeinsamer Frontstellung vereinigt. Da ging eS um Orgel und deutsche Gebete, um altjüdtschen Mtnhag und jüdische Schulform. Was jetzt in Erez JtSroel aber auf dem Spiele steht — das reicht bis in dte Tiefe des jüdischen Volkslebens hinein, dorthin, wo es buchstäblich nm das Leben des Individuums und der Gesamtheit geht, wo Y3 JYMVöl MWO Wn lauern, in das jüdische Eherecht. Hier werden gewaltige Lebmsströmungen und Jntereffenkomplexe sich gegen das jüdische Recht erheben, wo es am empfindlichsten ist, und es drängt im Rahmen der nationalen Gemeinsamkeit die Schicksalsfrage zur Entscheidung, ob Gottes dieses Recht ist oder der Menschen. Man verstehe uns nicht falsch. Wir unterstellen den zionistischen Arrangeuren der Synhedrion-Sensation nicht die unmittelbare Absicht, bas neu kreierte Kollegium zu einer offenkundigen Preisgabe grundlegender Bestimmungen des jüdischen Rechtes zu zwingen — dazu würden sich die Rabbiner Erez Jisroels auch unter dem Doppeldrucke der wirtschaftlichen und politischen Macht von den ihnen aufoktroy« irrten Laien-Juristen nimmermehr zwingen lassen — aber die Aeußerungen, die wir oben zusammenstettten, erhellen mit schauerlichem Fackelschein

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