Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 10 (10.3.1921)
- Date
- 1921-03-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Sr?r ZSrarW. Nr. IS -Grti» 3 SP A hi OAU E R ST'HA SS E E GR -iö/l 5 » B E-RLI N C WHsclve-Ausstattungen Damen-, Herren- und Kinder-Wä»che Anfertigung in eigenen Werkstätten Wohnungs^ £inirlchtiingexi Ständige Ausstellung eingerichteter Zimmer von einfacher «bis zu vornehmster Art Vier Stockwerke Möbel Gardinen . Möbelstoffe » Teppiche . Beleuchtungskörper IS, MiirA iM ihrer,-arunteretn Misrachist. drei «etter der «üion« KSrüelite, "von denen .einer die Jeä vertritt, drei Letter Her Agudas Jisroel und als Vorsitzenden ein Vertreter Ser ältesten Palästina-Organisation, der Pekidim und Amarkälim. ^.. Das wäre eine Aufbau-Kommission, worin, wie wir meinen, die ganze JudenHeit sich wtdergesptegelt findet.: eine .Kommission, die ganz selbständige losgelöst von jeder Organisation arbeitend, sich das Vertrauen der JudenHeit erwerben kann. Man werfe uns nicht ein, daß dasM an d a t ausschließlich von der zionistischen Organisation spricht, denn dieses Dokument läßt für viele Auffaffungen und Interpretationen Raum) außerdem wird die Feststellung des Textes nicht vor dem April stattfinden. Die vierte Bedingung ist: Ausschließlich die so zusammengesetzte Kommission beschließt, auf welche Weise die Gelder, die für den Aufbau bestimmt find, verwendet werden. Daß dabei nichts gegen die Religion geschehen darf, sondern daß zur Förderung der religiösen Angelegenheiten gearbeitet werden muß, ist selbstverständlich. Wir glauben nicht, daß die JudenHeit von diesen Bedingungen viel fallen lassen kann, aber werden sie erfüllt, dann kann unter Gottes Segen und im Vertrauen auf Seine Führung ohne übertriebene Er. Wartungen etwas Gutes zustande gebracht werden, woran jeder Jude Mitwirken mutz. Möge die Londoner Konferenz dlesesResultat haben oder wenigstens die Aussicht auf dieses Resultat eröffnen." Was an diesen Ausführungen angenehm auffällt, ist insbesondere die Tatsache, daß hier nicht mehr von zwecklosen Versuchen die Rede ist, die zionistische Organisation zu platonischen Liebeserklärungen an die Adresse des jüdischen Religionsgesetzes zu veranlassen. Rach dieser Richtung sind unseres Erachtens — auch auf Seiten der Agudas Jisroel — manche Fehler gemacht worden, die sich nicht wiederholen dürfen. Die zionistische Organisation ist, wie die Dinge heute liegen, gar nicht imstande, irgend welche Gewähr für die Wahrung des Religionsgesetzes in Erez Jisroel zu übernehmen und es ist ebenso unbillig wie unklug, Zusicherungen nach dieser Richtung von ihr zu verlangen. Dagegen zeichnet sich der von dem Amsterdamer Blatt entwickelte Plan durch politische Nüchternheit und einleuchtende Logik aus. Er verdient jedenfalls ernstliche Würdigung, bevor die in Aussicht genommene Konferenz Zusammentritt. Nach unseren Informationen hängt die Aussprache jedoch von dem Ergebnis einer zwischen dem Amsterdamer Oberabbtnat und den Organisationen schwebenden Korrespondenz ab und dürfte kaum vor der Rückkehr Weizmanns aus Amerika stattfinden können. prWdent Harbins- In einer Zeit, da sich die . am politischen Himmel Europas hängengebliebenen Gewitterwolken von neuem zu entladen drohen und im Londoner Nebel sich der Menschheit älteste Leitsterne „Recht" und „Bölkerfreiheit" unr einen weiteren Grad verfinstern, zieht ins „Weiße Haus" zu W a s h i n gton ein neuer Mann ein, um fortan an Stelle Wilsons die Geschicke der Bereinigten Staaten Amerikas zu leiten und den Einfluß, dieses großen vom Kriege am wenigsten verbrauchten Reiches jenseits des Atlantus in die-Wagschale der Wellpolitik zu legen. In seiner Antrittsrede hat Harding gewiß nicht mehr gesagt als alle Präsidenten vor ihm bei ihrem Regierungsantritte. Manches Wort wird sogar als Dämpfer gegenüber weitgehenderen Hoffnungen wirken. Harding will eine Politik der „NichVerwickelung und Nichteinmischung" verfolgen. Soll das so viel heißen als daß man in Amerika blind und stumm bleiben wird für jüdische Entrechtung und blutige Verfolgung jenseits des Wassers, taub für die jüdischen Tränen und Hilferufe? ... Das „notinvolvement" kann auch anders verstaudeu werden, etwa im Sinne von Nichtüeteiligung an militärischen Aktionen und so ähnlich. Menschlichkeit war in Amerika allezeit, und nicht zuletzt in der Aera Wilson, ein weiterer, über Länder- und Völkergrenzen hinausreichender Begriff. Wilsons große Friedenspolitik ist an Widerständen zusammengebrochen, die stärker waren als der gute Wille eines Menschen. Aber Friedensarbelt im Kleinen hat kein Land im unb nach dem Kriege in dem Maße geleistet, wie Amerika. Es hat für unsere hun- - gernden Kinder gesorgt, llnd das jüdische Amerika hat Hilfsaktionen für. Polen und andere Kriegsgebiete ins Leben gerufen, die in diesem Ausmaße einzig in unserer Geschichte dasteheu. Die von Wilson ehrlich gewollte, wenn auch leider nicht ebenso kräftig durchgesührte Politik der Versöhnung hat doch die ideale Basis für diese Unternehmungen edler Menschlichkeit geschaffen. Hoffen wir, daß unter Harding zum guten Wollen sich auch noch das Können und entschlossene Vollbringen gesellt. Beglückwünschen wollen wir aber vor allem den neuen Präsidenten dazu, daß sein Regierungsantritt nicht, wie es gute Zeittang beinahe scheinen wollte, unter dem Zeichen der zeitweisen völligen Grenzschließung vor den Flüchtlingen vor sich gehr Bor diesem bösen Omen hat ihn glüMcherweise der Senat bewahrt. Leider ist der Senat allerdings nicht so! weit gegangen, um auch einer prozentualen Einschränkung seine Santtion zu versagen. Vir jüdische SchulpolM der Berliner ..Liberalen". Im vergangenen Sommer ergaben zum ersten Male die Repräsentantenwahlen in der Berliner Gemeinde eine kräfttgeVerftärkung der „konservattvvolk-partellichen" Opposition. Manche Optimisten hofften damals auf einen neuen Kurs in der Brrliner Gemetndepolitik. Zwar hatten eS die Beim Verrichten des Achtzehugebetes, lehrt der Talmud (Berachat 12), muß man bei t Worte 71*0 niederknieen (sich verbeugen), beim Worte vV.n sich wieder aufrichten.?)piT tntgoi *]ro3 jnp P">w kiws QtP3 P]ptt. Das ist eine N3^n, die keiner weiteren Erklärung oder gar einer „Begründung" bedarf. Und dennoch, welch' Herrliche Lehre, welch' tiefer Sinn ist in diesem kurzen Ausspruch enthalten! Eine Lehre, die es wahrlich verdient, von jedem Jehudi beherzigt zu werden. Es gibt im menschlichen Leben Tage und Stunden, in denen der Mensch von der Sorgen Last und der Leiden Bürde gebeugt und niedergedrückt wird. In solchen Situationen pflegt der Mensch gegen die göttliche Vorsehung zu murren und der nagende Wmm des Zweifels beginnt sich in seinem Innersten zu regen. Der wahre Glaube, das felsenfeste, unerschütterliche Gottvertrauen ist es nicht, 'w «wLw' ■“jrßo. „Selbst wenn der Mensch niedergebeugt und niedergedrückt ist, rufe er aus: nn« 7113. „Gelobt seiest Du, Herr der Wett". Aber wer aufgerichtet wird, wer in die Höhe kommt, vergesse es nicht, daß er es nur Gottallein verdanke, daher qpa p],*m fpw KinW). Im Anschluß an den scheinbaren „Widerspruchs deS weisesten König 3w «SO nit.it «Sb („wer eine Frau gefunden, hat das Glück gefunden") und nwo no.^« «sw^ NMn rix („ärger wie der Tod ist daSWelb"), erzählt her Talmud (Berachat 8), daß man in Palästina den Bräutigam zu fragen pflegte, «so oder «Sw. Diese Frage ist scheinbar unverständlich. Wie sollte der Bräutigam vor der Hochzeit wissen, ob er eine glückliche Wahl getroffen oder nicht? Allein, Ehen werden zuweilen aus verschiedenen Gründen geschloffen. Der eine heiratetum einä Frau zu haben, ein Haus M Israel zu gründen unveinen sittlich reinen Leb?nswandet zu führen. Ein anderer heiratet, um durch die ' Frau und mit ihrer Hilfe fich eine Existenz zu gründen, ein Vermögen zu erwerben und eine beffere Position sich zu schaffen. Dieser heiratet nicht die Frau als solche, sondern mit der Frau hatte er noch.etwas anderes zu erwerben. Das Wörtlein n« Bebeutet nach dem Talmud ein N3'3 „eine Vermehrung" (vergl. N3w3^ pn« f?3 enn n\n). Wer daher eine Frau im idealen Sinne sucht und findet, 3w «so, kann versichert sein, eine gute und glückliche Wahl getroffen zu haben. Wer aber no>«n n « mit der Heirat der Frau noch eine Nebenabsicht rein materieller Natur verbindet, der wird häufig enttäuscht (non« n^tso *on *ns3) und diese Enttäuschung ist zuweilen nwo no. Das war auch die Frage, die man an den Heiratskandidaten in Palästina richtete: ntt>« «SO oder mwtn-Jnt «Sw. Aus diesem kleinen Blütenstrauß kann man ersehen, welche köstliche Blüten das ganze Werk enthält. (Fortsetzung folgt). Kleines Willeton. (Teppiche mit Hakenkreuzen). Teppiche mit ■ Hakenkreuzen sind seltsamerweise keine alldeutsche Crsindung, sondern werden neuerdings, aus Chi na nach; Europa, vornehmlich nach England, eingeführt. In - ihrer Milte zeigen sie allerlei Glückszeichen, fo den chinesischen Glückskreis oder einen Schädel, der in ■ China Unsterblichkeit bedeutet, . den Drachen (bas ' Zeichen kaisefticher Größe) und 'endlich.auch das — - Hakenkreuz. Freilich wirb dem Hakenkreuz weher . tn Wng, noch auch in England dieselbe Bedeutung unterstellt, wie dies augenblicklich in Deutschland der Fall ist. Immerhin werden sich wahrscheinlich diese chinesischen Teppiche auch in Deutschland großer Nachfrage, erfreuen, wenn nicht die böse Valuta diejenigen, die den Besitz eines solchen Teppichersehnen, an ihrem Erwerb noch für eine kleine Weile hindert. (Roethe errötet nicht . . .). Die Feier, durch die der Akademische Richard Wagnme-Beretn kürzlich den TodeSlag deS Meisters und das 80 jährige Bestehen des Deutschen Reiches ehren wollte und die in der neuen Aula der B erl iner Univ ersitat in Gegenwart des Rektors stattfand, gestaltete sich zu einer monarchistisch-antisemitischen AgitationSversammlung. Schon der Vorsitzende wandte sich gegen jene „undeutschen VolkSkreise, die wie Hunde vor Wotanverachtungsvollem Blick seien". Daun kam die politische Festrede aus dem Munde deS Herrn UniversttätSvrofeffors Dr. Roethe. Er wandte sich gegen die Demokratie. „Demokratie läßt sich ins Deutsche garnicht übersetzen. Es ist eine jüdisch-französische Erfindung". Als besonders anziehendes Zitat des Herrn UniversttätsprofefforS wird noch genannt: ,>Wo der Jud' sich mausig macht, wo der Lump sich lausig macht". Man könnte auch diese Rüpeleien zu den übrigen legen, gäbe nicht der Ort der Veranstaltung ihr einen besonderen Charakter, für den sich die Regte-, rüng der Republik interessieren muß und wäre e& nicht so tief beschämend, wenn auf solche Weise vor Inland und Ausland das Niveau enthüllt wird, auf dem sich Erzieher der akademischen Jugend bewegen. Der Germanist Roethe .hat nicht: nur über Reinmär von Zweier und den . Sachsenspiegel, er hat leider auch über neuere Literatur gelesen. Vielleicht liest er einmal., bei Lessing die Verse nach: „Er roethe wenigstens,. Luclnde, daß nichts dich Mehr errorthrn macht" .f u •c.v—p-.p.E-är