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Der Israelit · 1921-03-03 · Heft 9 (3.3.1921) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 9 (3.3.1921)
Date
1921-03-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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N>r 919. t Seite 5 kdklimmung ln Oberfcfilefien. Wysl-witz, 25. Februar. Während der RLstimmungstage wird für alle in Mtzslowitz und dessen Synagogenbezirk Abstimmungsberechtigten die Mnrichtung ritueller Herpflegung beabsichtigt. Umgehende Anmeldung erbeten an Rabbiner Dr.Baßfreünd,Mys!owitz. I Gesteweirh.! Der UrierpsrsprspK im Wenverein I Wie«, 28. Februar. I Auf der starkbesuchten Generalversammlung I -es „Alpenverrins Austria" stand der sogenannte Arierparagraph, der die Juden (angeblich galizischr Juden) aus dem Verein ausschließen will, i« Mittelpunkt der Tagesordnung. Als Generalredner für den Antrag sprach Dr. Riehl, als Kontraredner Herr Oskar Marmorek. Riehl erklärte, daß die bodenständige Alpenbevölkerung durch die Juden sich beleidigt fühle, welche sich die Einreise nach Tirol mit Hilfe von Alpenvereinskarten erschleichen würde. Im übrigen bewegten sich seine Ausführungen in dem Rahmen der althergebrachten Phrasen vom völkischen Wesen, vom Vstjudentum (als ob die Ostjuden zu den noto- > rischen Hochtouristen gehörten), von den Schiebern, hie in die Schutzhütten kämen und ähnlichem mehr. Er verabsäumte es aber nicht, zu betonen, daß sich die Aktion nicht gegen das bodenständige Wiener Judentum richte, welches sich mit der bodenständigen Wiener Bevölkerung eines Sinnes fühle. .. __ Der Kontraredner Herr Marmarek erklärte, daß es sich nur um Schlagworte handle, da man «ach dem Umsturz zuerst gegen die Offiziere und jetzt gegen die Juden hetze. Es würde die Hetze auch inszeniert worden sein, wenn sich nicht der etzizige hierzu notwendige jüdische Schieber gefunden hätte. Der Redner verwies weiter auf die anderen neuen Wiener Sektionen des Alpenvereins, die zwar auf arischer Grundlage stehen, aber bezeichnenderweise ein nur kümmerliches Dasein fristen. Gerade die Sektion „Austria", die bis nun bet der Aufnahme der Mitglieder keine Unterschiede der Rasse oder Konfession gemacht habe, habe sich zu ihrer bedeutenden Höhe hinansgearbeitet. » Während die Red? Riehls von seiten der Opposition ruhig an gehört wurde, begleiteten die alldeutschen Radaubrüder die Rede Marmoreks. mit lärmenden Zwischenrufen. Die Abstimmung ergab 1254 Stimmen für und 652 gegen den Arierparagraph, womit die notwendige Dreiviertelmajorität nicht erreicht und der Antrag zu Falle gebracht worden war. Es entwickelte sich zur Wahl noch eine kurze Debatte, in welcher Sektionschef Grienberger, der dritte Präsident' .des Hauptausschusses des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins in München, unter stürmischen Protestrufen der antisemitischen Mehrheit, an die Versammlung appellierte, die altezt erfahrenen Ausschußmitglieder ohne Rücksicht auf politische Strömungen weiter arbeiten zu lassen. Im gleichen Sinne sprach auch Hofrat Dr. Do na bäum, ebenfalls Mitglied des Hauptausschusses. Die über die Wahllisten vorgenommene Abstimmung ergab, wie es nicht anders zu erwarten war, eine überwiegende Majorität für die antisemitische Liste. Zum Schluffe der Versammlung erklärte der neugewählte Obmann, Ingenieur Pichl, unter stürmischen Hetlrusen, die Wahl anzunehmen und die Sektion „Austria" im völkischen Sinne auszubauen. Es werde auch sein Bestreben sein, den völkischen Gedanken auch im Deutschen Reiche zum Durchbruche zu verhelfen. Dazu bemerkt die Wiener „Jüdische Zeitung": ES wäre wohl Pflicht des neuen strammen anttsemitsichen Ausschusses, die jüdischen Spenden, die sicher nicht im völkischen Sinne gegeben wurden, den Spendern zurückzuerstatten. > Ungarn. Nus der unsarifdien Uslionsloerssmmluna Awdapest, 20. Februar. Die Samstgassttzung der ungarischen Nationalversammlung, in welcher mehrere Interpellationen begründet wurden, verlief stellenweise äußerst stürmisch. Wie eine Bombe wirkten die Ausführungen des Abgeordneten Viktor Drozdy, der über das Vorgehen dei Jnternternngen interpellierte. Drozdy erklärte, daß es außer Rußland kein Land in Europa gebe, in welchem so viele Menschen verfolgt würden, wie in Ungarn. Auch der nächste Interpellant Ludwig Szillagyi erregte durch seine Anfrage über die Umtriebe der „Move" (ungarische Landesverteidigungsliga) große Unruhe. Er verwies darauf, daß aktive Offiziere und die Mannschaft in der Armee, trotz des Verbotes der Regierung und obzwar auch der Friedensvertrag von Trianen eine diesbezügliche Bestimmung enthält, der „Move" Dienste leisten, so sehr, daß diese Organisation einen unheimlichen Einfluß auf das Verfahren des Kriegsgerichtes und bei Ehrenaffären ausübe. Redner führt eine Anzahl von Fällen an, in denen die „Move" ganz besonders Erpressungen an' Juden begangen hat. Die „Move" habe Millionen gesammelt, ohne Verrechnung gelegt zu haben. Der dritte Redner, Aladar Balla, besprach die oft lächerlichen Willkürlich leiten der Zensur und stellte fest, daß der Fünfersenat der Zensurkommission heute über dem Ministerpräsidenten stehe und Ungarn beherrsche. — Alle drei Interpellationen bleiben vorläufig unbeantwortet... vom Etat 9er iüflifdien öemeinflen in polen' __ Lodz, 28. Februar. k-h Das Ministerium für religiöse Angelegenheiten stellte der Gemeinde ei x Kommunique zu, in dem darauf htngewiesen wird, daß die Gemeinden nicht alle Einnahmequellen genügend ausnützen. Insbesondere gehe es nicht an, daß die bedeutenden Einnahmen vom Schächten nicht in den Gemeindesäckel fließen, sondern Einzelnen zugute kommen. Bei richtiger Organisierung des Steuerwesens könnten Defizite leicht vermieden werden. So zählt die jüdische Bevölkerung in Lodz 180008 Köpfe, von denen nur 6000 Kultussteuern zahlen. In Warschau zahlen von 400000 jüdischen Seelen nur 1b 000 ihren Beitrag an die Gemeinde. Gerügt wird auch der allzugroße Beamtenstab in den Gemeindestuben. So unterhält Lodz wie Warschau 25 Berwaltungsbeamten, obwohl die Warschauer Gemeinde dreimal so groß ist als die Lodzer. Die neue Besoldungsregelung kann nur nach Einschränkung der Beamtenzahl auf das vernünftige Maß vor sich gehen. Man muß zvgeben, daß die Beanstandungen der Regierung mehr wie berechtigt sind, und daß nicht eher eine Gesundung im Gemeindewesen eintreten wird, als bis diese und ähnliche Nebel beseitigt find. Ukraine. Störungen in öer Lmlgrstlon nur öer llkrslne. Kischinerv, 27. Februar. Bekanntlich ergießt sich der Strom der ukrainischen Emigranten über Bessarabien. Wie wir bereits seinerzeit Mitteilen konnten, war es dem Herrn Rabbiner Zirlsohn gelungen, daß von den rumänischen Behörden den Auswanderern die nötigen Reisepapiere ausgestellt werden. Nunmehr wird aber bekannt, daß das amerikanische Konsulat in Bukarest sich mit diesen Dokumenten zur Erteilung des Visums nicht begnügt und regelrechte Geburtsscheine fordert. Es sind von zuständiger Seite in Amerika Schritte unternommen worden, Milderung herheizuführen. Mit der HtlfsarLeit für Beffarabten ist von der jüdischen Welthtlfskonferenz der bekannten Ingenieur B. L. Tiomkt n betraut, der dieser I Tage von Paris nach der Ukraine und Beffaradten abgefahren ist. Es ist vor allem ermöglicht worden, eine größere Anzahl von Waisenkinder aus der Ukraine über Beffarabten Erziehungsanstalten zuzuführen. In Paris werden mit Hilfe eines Herrn D. Rosenthal, der für den Grundstock eine halbe Million Frank gespendet hat, 200 Waisenkinder erhalten. 100 Kinder übernahm Argentinien und 280 die jüdische Gemeinde in Kanada. fgjorUanfr. BJeljmann und 9ie Orthodoxie. Amsterdam, 22. Febr. Im „Handelsblaad" schreibt Prof, de Haan in Jerusalem über Weizmanns letzten Besuch in Erez Jisroel. „Wie man weiß, ist Prof. Wetzmann vor seiner Reise nach Palästina zuletzt in Holland gewesen. Natürlich habe ich darüber in hollän- Rschen Zeitungen gelesen. Und der Doar Hajom hat einen Brief darüber von einem holländischen Korrespondenten S. T. Pros. Weizmann hat einer Delegation der holländischen Misrachileitung versprochen, daß er feinen ganzen Einfluß dahin verwenden wolle, um ein Ende mit der Tatsache zu machen, daß ein Teil der Küchen für die Chaluzim nicht rituell sei, und daß die Sabbatgesetze dort geschändet werden. Er hat ferner dem Oberrabbiner Onderwijzer erklärt, daß beim Aufbau Palästinas von Seiten der zionistischen Leitung nichts geschehen soll, was im Streit mit dem jüdischen Religionsgesetz sei. Unwahr — es wird hier von Seiten der zionistischen Leitung mit zionistischem Geld eine ganze Anzahl Schulen in Stand gehalten, worin der Unterricht ganz und gar im Streit mit dem Religionsgesetz ist. Dagegen wird der orthodoxe Unterricht tüchtig behindert. Was nun den ganzen Einfluß von Prof. Weizmann betrifft in Sachen der Küchen und der Sabbatschändung, so hat er nichts getan, rein absolut nichts. In keinen von seinen vielen Reden und Interviews hat er ein Wort von diesen Dingen erwähnt. Ebensowenig in einem Interview mit einem Redakteur des „Haaretz", worin er doch über seine Eindrücke in Holland gesprochen hat. Wohl aber sprach er fortwährend von der Notwendigkeit des Unterrichts. Einer Versammlung von Achad-Haamisten in Jaffa wurde beigewohnt. In Haifa sprach er über Immigration, Landbau und nationale Erziehung, als die drei Grundlagen des Jischubs. Selbst für die nationalisierte Orthodoxie hat er nichts getan. Als Weizmann und Sir Alfred von dem jerusalemittschen Stadtrat der Juden empfangen wurde, wurden durch die Rabbinen Kuk, Me tr und Fi sch mann Ansprachen an sie gehalten. Rabbiner Kuk nannte die beiden Herren „Friedensengel, Diener des Allerhöchsten." Vor allem gilt das für Sir Alfred Mond, der Samstags mit einem Auto durch Jerusalem fährt. Rabbiner Meir beklagte sich darüber, daß die zionistische Organisation kein Land kauft, daß die „arbeitsfreudigen Chaluztm" unter solchen schweren und bitteren Umständen leben müffen, daß der Unterricht, der die Grundlage des Lebens sei, so schlecht vorwärts gehe, daß das Hilfswerk aufzuhören drohe, daß die Araber wieder bedrohlich werden, daß Kinder nach ihm mit Steinen geworfen haben. Es sind noch mehr Gelegenheiten dagewesen. Da war eine Versammlung des Bolksrats mit Weizmann und Mond. Darin haben die drei schwerbezahlten Propagandisten des Mtsrachi das Wort geführt: Flschmann, Redler-Feldmann und Zwebner. Aber selbstverständlich über die Küchen, die Sabbatentweihung, oder die Hintansetzung des orthodoxen Unterrichts wurde kein Wort gesprochen. Weizmann hat sein Versprechen, daß er der Amsterdamer Orthodoxie gab, nicht gehalten,

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