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Der Israelit · 1921-03-03 · Heft 9 (3.3.1921) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 9 (3.3.1921)
Date
1921-03-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Bein 3 »-•' —i. ■■ 9li. Der JSrseRi. und zwar -en beiden Sachverständigen im Ministerium fiir Wissenschaft, Kunst und Volksbildung. Diese jüdischen Gachvrrständtgen sind ein Vertrauensmann, -er von der Preten Bereinigung für die Interessen des onhodoxen Judentums" und dem „Bund gefetze-treuer Gemeinden" präsentiert wurde, und ein Bert'auenSmann de- „Verbandes der deutschen Juden". Die Erörterungen Hallen dis Ergebnis, daß die Regie, ung die Bcwillls-ung von Smolszuscl üsscn an d'e Bedingung geknüpft hat. zunächst alle leistungs» fähigen Eynagogr,'gemeinden Preußens nach K'äsren eine angemessene Eratsumme durch Sleuernmiage behufs Unterstützung der leistungsschwachen Gemeinden ausbringen. Soutc hiermit der Bedarf der leistungsschwachen Gemeinden noch nicht gedeckt sein, so ist die Berc-Ustelluug von Mitteln in dem Finanzetat, allerdings nur bis zu einer gewisserl Höhe, in Aussicht genommen. Ein fester Beschluß liegt auch hierüber noch nicht vor. Ist nun etwa zur Feststellung und Durchführung der LcistUttgSsumme der l?tstungssch.'.'achen Gemeinden eine einh-Itl'che Gesamtor^an!sarion der Jndenheit von der Regierung ousbedungen worden? Tie Regierung stellt eine solche Bedingung nicht. Die Regierung v r« langt nichts mehr als 1. die Feststellung drS Bedarfs der lrtstungSschwachrn Gemeinden, 2. die Festsetzung und Einziehung einer Quote als Zuschuß der irtstung». fähigen Gemeinden, um dann die Unterlage zu finden für dir Höhe eines staatlichen Zuschusses. — Für die Regierung ist k» einerlei, welche Mittel und Wege die Synagogengerneinden ausfindig machen, um die von ihr gestellten Bedingung zu e.-iütten. Die Regierung legt insbesondere gar keinen Wert daraus, daß eine einheitliche Organisation derSyi'agogengeweinden errichtet wird. D^e Errichtung einer Grsamtorgaunaliott der Judknheit Preußens oder ^nr des gauren Reiches ist für die Frage des Zuschusses von Staatsmitteln also ganz und ga'rnichr Bedingung. Dieser Zuschuß ist!n gleicher Weis e un d mit gleichen Rechten und in gleicher Höhe siir a kle!e!stu ng sschwach:n Gem einven gej sichert, tueitn zwei Bünde nebeneinander! bestehen und die einzelnen Gemeinden nach freier Wahl dem einen oder dem anderen Bund sich anschlietzen. Aus G.und des Artikels 137 der Reichsverfassung »erließt der „Bund gesetzesrreuer Gemeinden" gleichen Anspruch aus Anerkennung als öffentlich - rechtliche ReiigionSgesellschüft wir die geplante neue Organisation des D. I. G. B. Der „Bund gesetzrStrcu.'r Gerneinden" hat übrigens kraft freiwilliger Leistungen trotz der kurzen'Zeit seines Bestehens, iur letzten Jahre, allein eine ungleich höhere Gesamtsumme und weit größere Einzeiberträg; an leistungsschwache Gemeinden bewilligt als der D. I. G. B. in vielen Jahren. Die Anträge der Gemeinden — und deren war eine sehr hohe Zahl — konnten in bester Weise befriedigt werden. Der Buüd wird auch in Zukunft daS Gleiche und m. G. H. noch Größeres vermögen. Keine leistungsschwache Gemeinde, die dem „Bund gesetzeStrSurr Gemeinden" angehörk, verliert ein Reckt und Anspruch auf Zuschuß zum Erat auS Staatsmitteln durch Nichtzugehöiigkeit zu der anderen Organisation. Welche Entschließung erheischt die Selbsterhaltun .spsticht von den gesitzestreuen Synagogerrremeinden? Nur ein starker, selbständiger und unabhängiger orthodoxer Gemeindrbund rettet die einzelnen gesetzeS. treuen Gemeinden vor den nach menschlicher Erfahrung und Berechnung unabwendbaren Gefahren einer ein« heitlichen Großorgsnisarion. Selten ist diese Lehre klarer und erschreckender hervorgetreten als bei der Abstimmung über dje von gesetzeStreuer Seite gestellten Anträge bei der entscheidenden Tagung de- „D- I. ®.35." Diejenigen gesetzestreuen Gemeinden, die brS dahin dem D. I. Ä. B. angehörien und darum gern auch in die neue Organisation mitelngeireten wären, haben, um zur Ermöglichung dieser Zugehörigkeit ein Aercherles zu tun, die wichtigsten Mindebf. rderungen zu Ant ügen formuliert. Sie mußten erleben, daß ihre sämtlichen Anträge nirdergestimmt oder nicht einmal zur Abstimmung gebracht wurden. Schon hat ein Teil dieser schwer enttäuschten Ge. meinden die Lehre aus dem niederschmetiernden Erlebnis gezogen und die ausschließliche Zugehörigkeit zum Bunde gesetzeSirever Gemeinden beschlossen. An alle gesrtzeStreuen Gemeinden ergeht daher > der Nus: 1. Bleibet der geplanten Besam torgan i s a t i o n fern und machet E u ch nicht durch Beitritt zu derselben mitschuldig an der Gefährdung desgesetzeStreue n Juden tu:ns. 2. Tretet sofort dem „Brrnde gesetzts. t r e u e r Gemeinden" bei und s ö r d e r t d u r ch die ausschließliche Zugehörigkeit zu diesem Bunde ein geschlossenes Arbeiten für die kräftige Erhaltung deS orrhodoxenIudent u m SI Vermochten schon bisher die Orthodoxen, obwohl nur eine Minderheit, die Forderungen der heiligen Urbrrlieseiung im Frieden und im Kriege vor Re. gtrrungen, Heeresverwaltung und Parlamenten mit gulem Erfolg durch Go tes Hilfe zu vertreten, so kann in Zukur ft ein friedliches Neben- und Mtteinanderwlrken der beiden Gemeindenverbände ^nr Sicherung von StaatSmitleln für leistungSunfähigeGemeinden und zur Lölung aller gemeinschaftlichen Ausgaben der deutschen Juden sich anbahuen. Die drr-tsche Inden heit steht vor einem Weudeffunkt! Gesetzestreue Gr meinden! Gedenkt der frommen Ahnen! Gedenkt unserer Kinder! Bund grsttzeslreuer jüdischer Gemeinden Deutschlands. Rabbiner Dr. I. Auerbach, Vorsitzender. Wir möchten vor allem an die gefttzestreue" Rabb inen und Lehrer den dringenden Aufruf richten, ihren ganzen Einfluß aufzubieten, damit eine möglichst große Zahl von Gemeinden durch sofortigen Beitritt zum gesetzestreuen Gemetndebund Farbe bekennen und dadurch in einen entscheidungsschwcren Augenblicke wahrhaft MT3 L'VV LV ttHpö sei. WaS fesselt die kleineren und mittleren Gemeinde» an den neuen D. I. G. B.? Nicht mit Unrecht sind grade aus Lrhrerkreisen die stärksten krtttschen Brd'mkm gegen die neue Berliner Organisation geäußert worden und eine gewiß sachverständige Persönlichkeit wie Herr Steinhardt prophezeit auch in finanzieller Hinsicht ein völliges Versagen der von den Großgemeinden knapp gehaltenen BundeS-Organisation. Mag auch mit der Zeit durch die Mittel einer starken Propaganda die Opfer- MenschhMstüWg. Zum Sabbat Von Rabbiner Dr. M. Lewin in Hamburg. nrrlHSO pa*»o ttk i»m Wenn der Monat Adar beginnt, mehre man die Freude. Das ist die goldne Inschrift auf der Pforte, durch die unö unser Juden, tum an der Wende de- Winters leitet. Durch Jahrhunderte eilen unsere Gedanken zurück zu den rühm, gekrönten Tagen des Mordechai und der Esther, da Israel aus dem Dunkel zum Lichte schritt und die fröhlichsten Erinnerungen steigen in unS auf an alle die zahlreichen Erlösungen, deren wir gewürdigt wurden. Da wird auch die Gegenwart, so trüb und düster sie auch sein mag, von den Strahlen dieser Freude verklärt und Herz und Seele weiten sich für die Hoffnungen auf einen dauernden Lenz im Leben Israels und der Menschheit. Wie alljährlich immer von neuem beim Scheiden des Winters Freude und Hoffnung des Menschen Brust erfüllt, so gehl auch Israels Kindern Jahr für Jahr ein Ahnen von Menschheitsfrühling aus, wenn die »irr großen Sabbate - die beiden Erlösungsfeste — Purim und Peffach — an. * kündigen und die hrrzerhebende Kunde bringen: Der | da allmächtig und allweise als Erhabener im Himmel thront und „den Wechsel der Jahreszeiten herbeiführt" den Menschen zur Lust und zur Beseliguna, ist auch als der AMiebende und Heilige am Webestuhle der Geschichte wirksam, um durch alle Stürme hindurch die Menschheit zum FrühlingSerwachrn zu führen unb sie von allen Banden und Fesseln zu erlösen. Solchen Glauben in uns zu festiget», diese Hoffnungen in einem jeden jüdischen Herzen zu weckrn und lebendig zu erhalten, auf daß vor dem Lenze in der Natur der Frühling in uns, in unserer Brust er. wache, das ist der vier großen Sabbate Ziel und Bestimmung. Die vier Abschnitte, die wir da aus je einer eigens zu diesem Zwecke ausgehobenen Thorarolle lesen, sollen jenen Wandel in uns auslösen, daß dann auch wirklich die rechte und wahre Seelenfceude sich unser bemächtige. Sabbat Schekclim brirrgt uns die Lehre vom halben Schekel kündet uns: o*mpM *?y •owite wp nr "121. Das sollen sie geben, jeder der zu den Gezählten htnübergehi, einen halben Schekel im Gewichte des Heiligtums .... "121 .121' *6 nnwi. Der Reiche soll nicht mehr und der Arme nicht weniger als die Hälfte eines Schekels spenden, damit die Gotteshebe zu geben, um für eure Seelen Sühne zu vollziehen. Als Krone und Zierde der Schöpfung soll der Mensch sich seiner Abhängigkeit von seinem Schöpfer bewußt, sich ihm mir'allem seinem Sein und Leisten verpflichtet fühlen, so wird jede seiner Leistungen „ein Sühnegeld für seine Seele" und der Ansporn zu immer neuem Ringen und Streben im Dienste des Heiligen werden. Bei solcher Stimmung nnd Gefühlsrichtung, die den Menschen nur dann zählen läßt, wenn «r schaffet and leistet, geht uns das Bewußtsein r? März \m Willigkeit der großgemetndttcherr Kreise zu gunsten der kleinen Gemeinden uvd der Beamten ge« steigert werden können — das beste Mittel hierzu wird doch der moralische Wettbewerb einer ebenbürtigen, starken und unabhängigen gesetzeStreuen Organisation sein. Die Orthodoxie ist gewohnt, Opfer zu bringen — sie wird auch jetzt nicht versagen und durch Kombination des Prinzips der Freiwilligkeit und des Steuerzwanges Ihr Gemeindsleben, vor allem die Existenz der Ge- ' mrindebeamtcn auf gesicherte Grundlagen zu stellen verstehen. Dazu aber bedarf es einer festen, in sich geschlossenen Organisation, wie ste der gesrtzektreue Gemetndebund io erben Im Begriffe iststeht diese Organisation festgefügt und behördlich anerkannt da, dann werden die Herren in Berlin, die jetzt so unhöflich, aber vielsagend zu schweigen, verstehn, die Sprache wieder erhaben, und die Grundlage für eine zwar nicht einheitliche, aber alle umfassende Organisierung der Wischen Gemeinden ist dann geschaffen. Mchenmii-schaii. »Lehrmlend-. j Im Anschluß an eine Skizze des Herrn? Brückheimer-Marktöreit erschien in Nr. 8 dieses ' Blattes rin Artikel unter dem Titel „Lehrerelend", der mit der Doppelfrage schließt: „Wo bleibt das vielgepriesene jüdische Rachmonus, wo das Eingreifen der Gewerkschaft der jüdischen Lehrertzerbände?" Dazu erhalten wtr eine Zuschrift von der „Gewerkschaftskommission israelitischer Lehrer Bayerns" (unterzeichnet Nathan Ehrenreich-Forchhrim), die sich zunächst gegen den Apsttll an das „RachmonuS" verwahrt, denn mit „Rechmonus" werde man dte Zustände nicht aus der Welt schaffen können. Dann heißt es in der Zuschrift weiter: „Seit Jahrzehnten kämpfen wir jüdische Religionslehrer um dir gerechte Würdigung unserer Arbeit. Sie ist uns bis heute versagt geblieben . Wir sind der recht loseste Stand, dte Parias aller geistig Arbeitenden geworden. Wohl waren wtr nie mit Glücksgütern gesegnet, das Verbrechen aber, da8 h-ute an uns begangen wird, schreit zum Himmel empor. Niemand darf den Mut besitzen und sagen: unsere Hände find rein von dieser Schuld. All die jüdischen Gemeinden sind schuld an dieser fürchrerlichen Not, die vielfach in jüdischen Lehrerhäusern herrscht. Viel zu spät tritt der Verband jüdischer Gemeinden in Aktion, um durch Zusammenfchluß noch zu retten, was zu retten ist. Für uns Lehrer konnte angesichts dieser fürchterlichen Tatsachen ke-n Zweifel mehr sein, weichen Weg wir zu wählen hatten. Seit denr Umsturz im Noveurber 1918 hat der Gedanke der Selbsthilfe auch in jüdischen Lehrerkreisen unserer Unzulängllchkeit auf, die Erkenntnis, daß auch die größte Leistung nur einen „halben Schekel" wiegt, den erst die Mitarbeit eweS zweiten zu einem ganzen und vollen zu ergänzen vermag. So wächst aber die Harmonie und Eintracht unter den Menschen, sie wirken und schaffen nicht gegeneinander-, suchen nicht einer den andern niederzuringcn, als ob nicht Recht und nicht Wahrheit ihren Thron auf Erden hätten, sondern arbeiten m i t einander, im Bunde der Liebe und Treue, Gottes Erde zu einem Paradies der Schönheit und Glückseligkeit zu wandeln. Da erschrint es dann nicht mehr wie eine Umwertung der Werte, was da der Schekclabschnitt fordert: „Der Reiche nicht mehr und der Arme nicht weniger". Auch der Reiche k a n n nur einen „halben Schekel" bieten — und dsS Ariden Leistung hat diesen gleichen Wert, wenn ste auf die Waze des Heiligen gelegt wjrd. „Eine Feuermünze", so heißt es bei unseren Lehrern, „zeigte der Herr Mose und bedeutete ihm: So mit dem Feuer der Begeisterung — sollen sie geben". Für^uns bedeutet das, daß auch wir uns mit Begeisterung für die Durchsetzung drr Schekelsatzung einfetzen sollen, daß wtr in Wort und Beispiel die Idee, dte der halbe Schekel versinnbildlicht, zur Anerkennung zu bringen suchen. Alle Menschen sind aufeinander angewiesen, dieses Bewußtsein, das da unsere Lehrer in eindringlichen Worten, tu uns zu erwecken'suchen, müßte G^neingut der Menschen werden, dann würde, was ihrer Besten und Edelsten Sehnen und Wünschen erfüllt, schnell zur Wirklichkeit reifen und Gestalt und Lehen gewinnen. Das Glück kann nicht gezimmert werden ans Erden, wenn man mit Macht und Selbstsucht das Szepter führt, statt mit der Liebe und Milde zu regieren und allen in -gleicher Weise das Recht und die Freiheit einzurämnen. S» sprießt aber auch nicht da die Zu-

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