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Der Israelit · 1921-02-24 · Heft 8 (24.2.1921) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 8 (24.2.1921)
Date
1921-02-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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«Me 4 *«. Dev JSraeM. »4 «eS«rkr1M «leichberechtistung vergewaltigen, besonders die gegen die Juden gerichteten versrdnungen de- KriegSministertumösollen abgeschaft werden; der Boykott jüdischer Aaufieuie und Handwerker bei RraierungSiieferungen «nd derqletchen mutz aushören; die jüdische Bevölkerung mutz bei der Zusammenstellung der Steue'kommissionen und dergleichen, bei -er Auflage von Steuern wie auch bei der Bestätigung der Statuten von Aktiengesell. schäften usw. gehörig berücksichtigt werden; die Juden find zu den Stellen ln Staats- und Kommunalinstitu. tionen zuzulasien; jene Beamten, welche sich ungehöriger Behandlung von Staatsbürgern infolge ihrer Nationalität und Religion schuldig machen, sind zu bestrafen, die ZwanaSliqutdation jüdischer Kultur-, Gewerkschaft-, und öffentlicher Institutionen durch Requisition ihrer Lvkalr ist abzusteUen; die Bexationen gegenüber der jiddischen Sprache müssen aufhönn. 4. Die Frage der sogenannten „Fremden" ist im Einklang mit dem wahren Sinne der betreffenden Bestimmringen deS Versailler Vertrages zu regeln. 5. Reatlsterung des Traktats über die Rechte der nationalen Minderheiten: Die jüdische Gemeinde mus reformiert werden und ausreichende Kompetenz nu'! dem Gebiete der Bildung und sozialen Hilfe erhalten; es ist ein Zentralorgan der jüdischen Autonomie zu schossen; die auf die Rechte der nationalen Minderheilen bezüglichen Bestimmungen sind in die Verfassung aufzunehmen. 6. Der jüdischen Bevölkerung muh die gebührende Bert'ktung tn den gesetzgebenden Körperschaften gesichert werden, zu di» fem Zwecke sind die nötigen Bestimmungen i» die Wahlordnung einzufügen. Inzwischen ist, wie der „TempS" meldet, folgende Erklärung des Präsidenten Pilsudskt an die Vertreter der „Alliance Jsraelite Universelle" erfolgt: „Polen hat vor allem dafür gesorgt, daß seine Verfassung sich mit den Prinzipten der Weltmächte in Einklang befinde. Die Juden haben jetzt an allen bürgerlichen Rechten teil. Wenn der frühere Zustand M ßverstänbn ffe zwischen verschiedenen Religionen und nationalen Gruppen hervorrief, so wird die Regierung mit gutem Willen sich bemühen, daß sie verschwinden,' und die Entwicklung der demokratischen Ideen wird allmählich die nationale Vereinigung verwirklichen, welche wir alle wünschen, um den politischen, sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt Polenzu sichern." — Man kann nicht behaupten, daß diese Erklärung sehr befriedigend klingt. Die Poßromoffijiere vor Gericht- Jpatftfau, 18. FeSr. In Beantwortung der Interpellation der Mischen Deputierten betreffend die Auslieferung der pogromschuldigen Balachowiez-Leute, erklärte der Krtegsmintster, daß die diesbezüglichen Erhebungen gegenwärtig durch die In-' ternierung der Balachowiez-Abtetlungen erleichtert seien. Jedermann, der erkannt wird und dem strafbare Handlungen nachgewtesen wurden, wird zur gesetzlichen Verantwortung gezogen werden. Marschau, 10. Februar. Der Generaldirektor deS „Jotnt" Dr. Bogen erstattete vor seiner Abreise nach Paris einen Rechenschaftsbericht über die Tätigkeit seiner Organisation, der die großzügigen Maßnahmen der Organisation im besten Lichte zeigt. Die Aktion erstreckt sich auf Wtederaufbauarbeit, medizinische Hilfe, Watsenfürsorge, Hilfe für Heimatlose, kulturelle Hilfe, und Beih lfe zur Beschaffung von Mazzaus. So ist beschlossen worden, zehntausend Sack Mehl K"" :reitung von Mazzaus für die notleidende Bevölkerung in Polen zur Verfügung zu stellen. Für die Heimatlosen ist ein Fonds von 5 Millionen Dollar bestimmt, aus dem die Wtederaufbauarbetten bestritten werden sollen. Für die Errichtung von Waisenhäuser usw. wird dle Agitation in Amerika m't größter Energie durchgeführt. Die einzelnen Beiträge zu diesem betragen in der Regel hundert Dollar, und eS ist zu hoffen, daß dabet etwas Ersprießliches für die Pogromwatsen herauskommt. Dr. Bogen drückt zum Schluß wärmsten Dank all denen in Warschau aus, die ihm durch ihre Mitarbeit die Aufgabe erleichtert haben. Ti cheLho-Stowakei. Die volköMlung in der Cfdiecho-Storoahei- Krag» 20. Febr. In der tschechoslowakischen Republik wird die erste Volkszählung vorqenommen, was natürlich den nationalen Minderheiten Gelegenheit gibt, für den Schutz ihrer Rechte etnzutreten. Die Sprachenfrage steht wieder im Mittelpunkt der Diskussion. Die Belehrung zur Volkszählung sagt: „Unter Rationalität ist die Stammr-zuge« Hörigkeit zu verstehen, deren äußeres Hauptmerkmal in der Regel die Muttersprache ist. Juden können die jüdische Nationalität anführen. Der Zählkommissär darf die Angabe über die Nationalität nur dann ändern, wenn sie offensichtlich unrichtig ist oder wenn zwei oder mehrere Nationalitäten eingetragen sind. Die Ausübung eine- Druckes und jedwede auf unrichtige Angabe der Nationalität abzielende Einwirkung ist bei dem Strafausmaße nach § 4 des Volkszählungsgesetzes als erschwerender Umstand anzusehen." Kelgien. 0>e IliSWen Emigranten In Mtoerpen. Antwerpen, 20. Febr. In letzterer Zeit ergießt sich der jüdische Wanderstrom tn der Hauptsache über Antwerpen. Durchschnittlich schiffen sich in Antwerpen 2—3000 jüdische Emigranten tn der Woche ein. Der Verein „Esru", der das Vertrauen der belgischen Regierung wie der Schiffsgesellschaft genießt und von der Pariser „Jka" die nötigen Gelmittel erhält, stcht den Emigranten mit Rat und Tat tapfer zur Seite. Es versteht sich aber von selbst, daß die „Esra" nur den Emigranten helfen kann, die alle Reisepapiere in Ordnung haben. In den letzten Wochen verweigern aber die amerikanischen Konsulate tn Belgien auf Anordnung von Washington den Auswanderern aus Polen, rttauen und der Ukraine das Btsmy) dieses sei jetzt nur im Heimatlande der Auswanderer zu besorgen. Auswanderer, die mit einer m'lderen Handhabung der Reisegesrtzr rechnen, erleben bittere Enttäuschungen. Erst tn den letzten Tagen gelangten zweihundert junge Leute aus Kanada nach Antwerpen zurück, weil sie die zur Landung vorgeschrtebene Summe nicht ganz beisammen hatten. granhreiäy. Peinliche Versprechungen- &atis, 10. Febr. Präsident Priludski aus Warschau empfing am 4. Februar eine Abordnung der All ance Jsraelite Universelle, bestehend aus den Herren Stlvatn Levy, Grand Rabbi Dr. Netter, Reinach und Bkpart. Pilsudskt äußerte sich natürlich sehr judenfreundlich und erklärte, Polen habe den ernsten Wunsch, ln Harmonie mit den West- Staaten zu leben. Dre Regierung wünsche allen Beschwerden der Juden abzuheifen, insb sondere gebe er zu, daß eS absolut unmoralisch sei, denjenigen Teil der Bevölkerung, der den Sabbat beobachte, dazu zu zwingen, zwei Tage in der Woche zu feiern. Die parlamentarische Mehrheit sei z. Zt. bemüht, Mittel zu finden, um das Sonntagsruhe-Gesetz in dieser Hinsicht zu verbessern, ohne die Empfindlichkeit der religiös gesinnten polnischen Bevölkerung zu verletzen. Rechfsanmalt Sthlnßberg und das Komitee der Jüdildien Delegation* Saris, 20. Februar. Der bekannte Petersburger Rechtsanwalt Schloßberg ist aus dem Komitee der Jüdischen Delegation „aus Gewiffensgründen" ausgetreten. In seinem an den Vorsitzenden, Rach um Sokolow in Pari-, gerichteten Schreiben sogt er u. A., daß er nach halbjähriger Mitarbeit in den Delegationen zur Einsicht gekommen sei, daß er kein moralisches Recht für diese Betätigt ung habe. Ohne jede Vollmacht trete da- Komitee im Namen von 12 Millionen oder gar des gesamten Judentums auf. Er, Schlotzberg, möchte sich nicht fälschlich den Namen eines Volksvertreters beimeffen, nachdem das Komitee nur eine begrenzte auf der Basis eines Parteiprogramms vereinigte Anzahl von Menschen vertritt und sich zudem in seinen Arbeiten von nationalen, speziell zionistischen Anschauungen leiten läßt, die er, Schloßberg, nicht teilen kann. Das Komitee verfolgt eine Politik, die gar keine Rücksicht kennt auf andere Parteirichtungen im Judentum und auf die Meinungen bet kompakten Massen in Rußland, Westeuropa und Amerika usw. — ES hätte eigentlich keiner halbjährigen Mitarbeit bedurft, um zu dieser Erkenntnis zu gelangen. Amerika. Ein Komitee rum Schufte SertninSerhelfsredite Aerv-Vorü/ 28. Januar. Ein auS den hervorragendsten Vertretern der Politik, der Gelehrten weh und den Führern -er einzelnen Konfessionen bestehendes Komitee hat den Zweck, für dle durch die FriedenSverträge gesicherten Rechte der religiösen und nationalen Minderheiten eine nachdrückliche Kampagne zu führen. In dem Aufrufe deS Komitees wird zunächst festgestellt, daß der Krieg die Raffenfeindschäften aufs höchste an gefeuert hat und daß diese Feindseligkeit der Raffen gegeneinander auch nach dem Kriege nichtzur Ruhe kommen will. Selbst tn England und Amerika, wo bisher religiöser oder Rassenhaß unbekannte Begriffe waren, seien geheime und offene Kräfte am Werke, gerade die nationalen Minderheiten zu unterdrücken und zu verfolgen. Daß eS sich hierbei, ganz besonders bet der Propaganda gegen das Judentum, um eine weitverzweigte Organisation handelt, gehe schon aus der Großzügigkeit der Berfolgungs- und BedrückungSaktton hervor. Aber der Umstand, daß auck England und Amerika in der letzten Zeit der Schauplatz einer systematischen, raffinierten und rücksichtslosen Juden Hetze geworden ist, müsse zu denken geben und jeden gutgesinnten Menschen, welcher Nation und welcher Religion er immer an gehören mag, geradezu verpflchten, dieser Unterwühlung der menschlichen Kultur und des menschlichen Fortschrittes mit allen zu Gebote stehenden geistigen und materiellen Mitteln entgegenzuarbeiten. Der Aufruf zählt dann alle die unbegründeten Vorwürfe gegen die Juden auf, und schließt mit der dringlichen Einladung an alle Amerkaner, denen die Zukunft der Menschheit am Herzen liegt, daS Komitee in seinem Kampfe gegen religiösen und Rossenhaß zu unterstützen. Unter den Unterschriften des Aufrufebefinden sich Namen, wie William I. Bry an, Charles W. Elliot, William Howard Taft, Kardinal Gibbons, Reverend Lauritz-Larsen, Robert Lanstng, ElkuS, Louis Marshal, Hemy Morgenthau,OSkar StrauS, Stephen Wtse u. a. w. klne Rabbinerhonferenj in Rmerlha. New Bork, 1. Februar. Ende Schewat fand hier eine große Rabbinerkonferenz statt, au. der 70 Rabbiner aus Amerika und Kanada teilnahmen. Unter den Gästen sah man auch den Kownoer Oberrabiner, Rabbi Schapiro, der die Konferenz im Namen der Rabbiner Litauens begrüßte. Hauptpunkt der Beratung war der Kampf gegen eine neu« antireligiöse Bewegung in Amerika, an deren Spitze ein Professor vom Theologischen Seminar steht und die mit neuen Richtlinien für ein liberale- Judentum hervortrttt» Alle Redner waren sich darüber einig, daß man gegen diese geistigen Zerstörer nicht scharf genug Vorgehen kann und wurde.ein Komitee von angesehenen Rabbinern l ewählt, daS mit der Abwehrarbett betraut wurde.! ks wurde auch beschloffen, den Plan zur Schaffung

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