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Der Israelit · 1921-02-24 · Heft 8 (24.2.1921) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 8 (24.2.1921)
Date
1921-02-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Ärttr 9 «* . S -- — - - europas glekchrverEurib kn manches Hinsicht überlegen wäre. Die Hauptzeit ist natürlich dem Lalmudstudium zu widmen, doch darf Ehumesch uno das übrige L'nach nicht vernachlässigt werden. Auch den übrigen Disziplinen, wie Grammatik, Geschichte und Reltgionsphilosophie ist Zeitzu widmen. Doch das Wesentlichste ist der Talmud. In einem kleinen Orte wäre die ganze Atmosphäre von Thaurogetst durchdrungen, daS innigste Zusammensein von Lehrern und Schülern wird zu einer Gemeinschaft in rmstfl min führen, die die Zöglinge ihr ganzes künftiges Leben adelt und heiligt. Zweck der Jeschiwo soll nicht nur Ausbildung von Lehrern und Rabbinen sein, sondern tn erster Linie Ausbildung von '7»V2, dann auch für min die rmnim tn*n sind, unter diesen sollen sich auch künftige Lehrer und Rabbiner befinden. Doch soll die Jeschiwo ihnen nicht Fachausbildung geben. Wir denken, daß die längste Dauer des Besuches etwa 4 Jahre ist. Wer in dieser Zeit wirklich mit Ausdauer lernt, wird m. G. $. ein miro wa sein. Auch nach zweijährigem Besuche werden die Zöglinge ein jüdisches Wiffen haben, daS den Kenntnissen, die auf heutigen Lehrerseminaren erworben werden können, weit überlegen ist. Der künftige Raw wird bei Absolvierung der Jeschiwo, tn der er 4 Jahre hindurch ohne Geisteszersplitterung gelernt hat, das Durchschnittswiffen eines heutigen Rabbiners überragen. Die Fachkenntnisse des Lehrers und Rabbiners in Pädagogik und nichttalmudischen jüdischen Wissenschaften bleibe den besonderen Bildungsstätten der Lehrer und Rabbiner überlassen. Aber das Fundament an ,mm gibt auch ihnen die Jeschiwo. Sie sei die Stätte, an der die künftigen min 'dna Deutschlands hrranrßifen, einerlei welchem bürgerlichen Berufe sie sich später zuwenden.— Absicht der Jeschiwo ist Aufbauen, nicht Niederreißen. Die uns vorschwedende Jeschiwo soll und kann nicht die be.stehenden Thaurostätten ersetzen. Aus manchen Gründen werden viele Eltern ihre Söhne lieber am HeimatSorte oder in seiner Nahe lernen lassen. Auch für das in vielen Großstädten G. s. D. schön aufblühende jüdische Leben ist die Ortsjeschtwo von unersetzlichem Werte. Sie gibt ferner in Universitätsstädten unseren Studenten die Möglichkeit zu intensivem Lernen neben dem Studium. Außerdem ist die Bedeutung jeder einzelnen Tbaurostätte für die ganze Gegend nicht gering zu achten. Vianz von selbst strahlt sie Thaurogetst und -Kege sterung tn weitem Umkreis aus. An je mehr Orten gelernt wird, um so mehr wird gelernt. Aber gerade all die einzelnen Jischiwaus sollen Mn der Zsntraljefchtwo befruchtet.und gefördertwerden. In ihren höheren Kursen werden die besten Zöglinge der EinzeljeschtwauS ihre Weiterbildung finden, die ihnen nicht geboten werden kann. Die Jeschiwo für Deutschland wird allen Thaurolehrern und -lernenden ein Mittelpunkt fein zum Gedankenaustausch und zur Weiterbildung. Nicht' Kräfte absorbierend, Kräfte schaffend wird sie sein, Wahrzeichen und Stätte des neu aufiebenden Thaurogetftes. Sie sei die Werkst Lite, in der die deutsche Judenheit sich ihre Zukunft sichert. Das ist das Ziel. Wir werden es m. G. H. erreichen, wenn wir wollen. (Wir stellen den hier entwickelten bedeutsamen Gedanken gerne zur öffentlichen Diskussion. Red.) Wochenrundschan. Zn den -reo-enwahlen. Wir haben zum Ausgange der Wahlen am letzten Sonntag kaum noch etwas zu sagen, was nicht unsere Leser aus den Berichten der Tageszeitungen schon längst wüßten. Nur das Eine undUnerfreulichste sei noch hervorgehoben: de rverhältnismäßige Sieg der Deutschnationalen im ganzen Lande. Wir wären die letzten, die ihnen diesen Sieg mißgönnten, wenn er nicht gar zu sehr auf unsere Kosten ginge. Die unglückselige Synthese: „Umsturz und Judentum" mußte wieder herhalten wie noch niedie Judenhetze trieb im Laufe der Wahlkampagne Blüten, die zeigten, daß auch die sogenannte bessere konservative Presse nunmehr von allen guten Geistern früherer Zotten verlassen ist. Mit dem zügellosesten A nt ts e mit tsmu8 als Vorspann konnte nun die Deutschnattonale Partei wieder eine ansehnliche Strecke weiter kommen in den preußischen Landen. Wird nun die Partei, nachdem sie ihre Wahlbeute unter Dach gebracht, sich wieder darauf besinnen, daß sie außer der beständigen Aufstachelung und Aufhetzung der leidenden Massen gegen die Juden noch andere Pflichten und Aufgaben,noch andere,mehrstaatsrrhaLtendr, Traditionen hat? * Die „Kreuzzeitung" hat seit dem Wahlsonntag ihre alte Fahne: „Mit Gott für König und Vaterland" wieder aufgezogen. Das ist ih r e Sache, wie es ihre Sache war, beim ersten Alarmschuß der Revolution diese ihre alte Devise in ihres Herzens feuersicherem Schrein zu verstecken. Uns will indes fast bedünken, als datierte von dem Momente an der Eintritt dieses »And das Licht scheint ln der Finsternis... Ei» Verspiel aus alten Schriften. Sin Dörfler von hinter den Bergen, kenntntSari und weltfremd, sah einmal tn der Stadt tn der Aut läge eines Geschäftshauses eine Laterne ausgestellt. »Was ist das und wozu dient eS"?, fragte er. »Zum Leuchten", gab der Kaufmann AuSkunf »Nimmt man die Laterne in die Hand, so kann ma damit nachts in den Keller hinunter und in bie Bodev kammer hinauf, sie leuchtet. . »Gut", sagte der Bergbewohner erfreut, »ein solche Leuchte kann ich brauchen". Und er kaufte die Laterne. Nach wenigen Tagen kam er aber wieder in di Stadt. Cr hinkte an einem Beine und hatte ze; schundeneS Gesicht. »Betrug"!, schrie er in der Laden. »Ich habe bi Laterne, wie' du gesagt, in finsterer Nachtstunde ge 4# » braucht. Es blieb aber finster und ich fiel die Leiter hinunter. Hier die Wunden ..." „Hast du ein Licht in die Laterne gestellt" 9, fragte der Kaufmann. »Ein Licht"? staunte der Biedere, »daran dachte ich freilich nicht. Du sagtest auch nichts davon ..." Der Landmann kaufte fich ein Licht und stellte es tn die Laterne. Aber leuchten wollte fle immer noch nicht und er klagte wieder über Betrug und schnöde Irreführung. „Hast du auch das Licht entzündet"?, fragte der Kaufmann. Nein, daran batte er auch nicht gedacht. Nun entzündete der Mann das Licht. Und stehe, die Laterne erstrahlte im hellen Flammenglanze und leuchtete dem Besitzer durch HauS und Hof. Der Körper ist das Gehäuse, tn dem der Geist wie daS Licht in der Laterne sitzt. Aber Viele denken an dieses Licht garnicht — und wundern sich, wenn ihnen in des Lebens Nächten alle Wege so finster bleiben, daß sie stolpern und fallen... Andere wiederum kennen das Licht — unterlassen es aber, eS zu entzünden. Sie halten, was geboten und erfüllen, was vorgeschrieben, ohne Liebe und Wärme und die Flamme der Begeisterung. Auch s o leuchtet die Laterne nicht durch das Dunkel. Entzünden müssen wir das Licht, immer von neuem — durch Liebe und Eifer und Freude an der Tat. Dann „führt sie uns, wenn wir gehen, behütet uns, wenn wir uns niederlegen und grüßt uns, wenn wir erwachen . . ' ü fsßfsr noch ettttAkMaßen vornehmen, an? grMr. Ton haltenden Blattes in den Kreis der Radaubrüder vom Schlage eines Fritzsche und Knutze. Kein Wunder: Wer sich selbst verleugnen muß, gerät auf Abwege. Die ängstlich eingezogene Fahne mußte durch eine andere, möglichst grellfarbige, ersetzt werden. „Juden raus!" hieß; nunmehr die Parole. Nun ist das führende konservative Blatt zur alten Devise zurückgekehrt. Wenn es sich damit/ zu seiner alten eigentlichen Lebensaufgabe: zur Verbreitung royalistischer Gesinnung tn seinem Leserkreise, ohne Hetze und ohne Radau, wiederfindet, soll eS uns recht sein. Der »Klkalon- In Satzera. Herr Kommerzienrat Siegmund Fr linkel in München schreibt uns mit Bezug auf unsre Ausführungen gegen die in Bayern gegründete nationalistisch-orthodoxe „Volkspartet", daß es sich bet dieser Gründung um einen modernen „Klkajon" handele, der wie des Propheten Jona denkwürdige Pflanze 12K mv? )21 N'N n*?* Ü ein EintagSdasetn führen und so f o rt na ch d er W ah l wieder ins Nichts zurückkehren werde. Die gleiche Berstcherung giebt uns auch Herr Fabrikant Grünbau m in Nürnberg, der ebenfalls ein warmer Befürworter des nationalorthodoxen Blocks ist und daS Bündnis mit den Liberalen als unjüdtsch verÄtrft. Wir nehmen von diesen Erklärungen mit dem gebührenden Respekt Kenntnis, bezweifeln aber bis auf weiteres stark, ob sämtliche Unterzeichner des Programmentwurfs der »Jüdischen Volkspartei" vor Erscheinen unsres Leitartikels ebenso gedacht haben wie die beiden orthodoxen Führer. Soweit unsre Kenntnis des politischen Lebens tn den modernen Verfassungsstaaten reicht, ist uns jedenfalls kein Fall bekannt, tn dem man eine einheitliche Partei gegründet hätte, hinter der sich weiter nichts als ein Wahlblock zweier getrennter Parteiorganisationen verborgen hätte. Eine derartige Neuschüpfung wirkt jedenfalls — so unschuldig sie auch gemeint gewesen sein möge — in hohem Grade irreführend und ist umso bedenklicher, wenn nicht politische Bekenntnisftagen, sondern solche des religiösen Bewußtseins auf dem Spiele stehen. Wir hoffen, daß es der Autorität der Herren Fränkel und Grünbaum in der Tat gelingt, ihrem Kikajon am Morgen nach der Gemeindewahl das Lebenslicht so gründlich auszublasen, wir sie es beabsichtigen. Aoch einmal »Schmitvowimtat. Herr Rabbiner Dr. Felix Kanter, Zwittau, schreibt unS: In seinem mit ö*S2HP überschriebenen Artikel in Nr. 6 deS „Israelit", führt Herr Rabbiner Dr. Bamberger, Schönlavke, verschiedene Gründe an für daS Fasten an jedem Donnerstag in einem Schalt» jahre. Bei aller Würdigung, dieser Gründe dürft« vie^eicht folgende Bemerkung nicht unintereffant sein. Im Talmud (Sanhedrin 13 a und 13 d) wird vom König ChtSkyahu berichtet, daß er einen Schaltmonat (Weadar, vergl. Raichi s. o. sv2) einfügte, weshalb »er zu Gott flehte, baß er ihm diese Sünde verzeihe" (fr.torffl'r pyn). Die Sünde bestand darin, daß durch Einfügung des Monars Weadar das Pessachfest verschoben wurde. Diese Befürchtung, das Pessachfest vielleicht unnötiger bezw. unbegründeter Weise verschoben zu haben, besteht ja in tedem' Schaltjahre, zumal im Talmud (Sanhedrin 10 b bis 13 ü) die Bedingungen genau angegeben werden, wann und durch wen ein Jahr als Schaltjahr erklärt werden könne. Aus diesem Grunde beten wir 'auch im Schaltjahre i?pd und dies dürfte auch der Grund sein für das Fasten des D'as'ir. Für diese Erklärung habe ich keine andere Autorität anzuführen, als die Tatsache, daß sie at’ijs ist. Und deshalb bitte ich Sie um gefällige Veröffentlichung in Ihrem Blatte.

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