Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 8 (24.2.1921)
- Date
- 1921-02-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Wochenrundschau: Zu den Preußenwahlen. — D)er .Kckajvn" in Bayern. — Bolksverband und Orthodoxie in der Slowakei. — 5. A u f s ä tz e: Zehrrrelend. - «.Karre sv an den zenünd Nachrichten: Wir», (Der Streik der iüd. Religionslehrer). — Warichau, (Die Forderungen derJuden in Polen). — Warschau, iDie Pogromoffiziere vor Gericht) — Warschau. — Pr>g, (Die Bolkszählung in der Lsa echo-Slowak i) — Antwerpen, (Tue jüdischen Emigranten in Antwerpen). — Pari-, (Polnische Versprechungen) — Pari-. (RechrSanwalt Schloßberg und das Komitee der Jüdischen Delegation). — New Aork, (Ein Konntee zum Schutze der MmderheitSrechte). — New-Aork. (Eine Rabbtnerkonferenz m Amerika). — New-Aork, (Bon der jüdischen Emigration). — NewAork, (Borvereilungen für ein n jüdischen Kongreß). — Jerusalem, (Im neuen Jerusalem). — Jeru alem, (Die jüdische Einwanderung). - 7. Personalien.. — 8. Vermischtes. — 9. Sprechsaal. — 10. Frankfurter Berichte. — Bereinskvl nd r. — Gebetzettei^— Famtliennachrichien. — 11. Feuilleton V e t tage: Des Kaiser» Ki&olnu» letzte Kaudfatzrt. - (HerrnfeldS „letzte Ehre^). — lL. Kinderecke: Die SchabbrSlampe und der Glühstrumpf. — nm Auflösung der Rätsel in Nr. 5 und 6. Eine Zeschiwo für Deutschland. Bon Dr. Moses Auerbach in Köln. Ein Zug zur Thauro geht durch die deutsche Judrnheit, ganz besonders bet unserer Jugend. Immer mehr kommt man wieder zur Erkenntnis, daß der Bestand des jüdischen Volkes von Thaurokenntnts bedingt ist. Die Thauro ist die Seele de- Gotte-volkes, und seiner Seele muß es sich bewußt sein, wenn es leben, nicht nur vegetieren will. AlS Ul fache deS furchtbaren Rückgangs der deutschen Judenheit im 19. Jahrhundert wird mehr und mehr die Vernachlässigung des Lernens erkannt. Hier lag die Wurzel des Uebels. Unkenntnis der Thauro brachte zu ihrer Vernachlässigung und dann weiter zu ihrer Nichtachtung. In weiten Kreisen Deutschlands war man soweit gekommen, das Thauroirrnen alS ein Fachstudium von Rabbinen oder als Liebhaberei Einzelner zu betrachten. Die Thauro, der V"N fv, der Baum de- Leben-, der L"n Q'V *npb, oer Born des lebenden Wasser-, ein Fachstuomm, eine Auge« legen heit der Gelehrten! Das war — so schmerzlich uuS da- Eingeständnis, so unfaßbar uns das Beiständnts hierfür heu e ist — die landläufige Ansicht derüberwiegenden Mehrheit der deutschen Juden und — in gewisskm Sinne auch weiter Kreise der — noch Gesetzestreuen. Wir betonen dieses noch. Nur zu oft konnte man es hören: er ist noch sehr religiös. Unbewußt lag hierin die Auffassung, daß die Religiosität eben noch war, ein, vielleicht erfreuliches, Erbteil früherer Zetten. Und wie nahe lag solch ein Gedankengang! Sahen wir doch in fast allen Gemeinden, in fast allen Familien ein Htnabgleiten. Noch war man sehr religiös, aber allmählich wird da- Ueberkommen? aufgezehrt, auf eigen Erarbeiteterechnete man kaum. Wqher auch die Kraft hierzu nehmen? Die Geisteskräfte, die man besaß, wurden doch völlig absorbiert durch den Kampf um das tägliche Brot bei den einen, durch das Studium der Fachwissenschaft bet anderen. Höchstens verstand man es, drß der zukünftige Rabbiner neben seinen Universitätsstudten auch jüdische Wissenschaften studiertedaS gehörte schließlich auch zu seinem Fache. Wie wett der angehende und gewordene Rabbiner in seinen Kenntnissen der Thauro gekommen war, dafür interessierte sich die O.ffrntirchkeit sehr wenig. Es war eigi'ne Angelegenheit der Rvbbtnerbiloungsanstalt festzustrüen, ob er die Rabbtnatsautorisatton bekommen konnte. Hatte er diese einmal, so war er rito abgestempeir. Für die Wahl ihres geist-gen Führers genügte den meisten, auch gesetzestreuen Gemeinden, in der Regel diese Tatsache. Selbständig prüfte man aber umsomehr dte Rednergabe, zuweilen auch die Eignung für den Unterricht. Und die Folge hiervon war ein ständiges -Äbnehmen des LernenS unter den Führern, ein noch größes Dahinschw nden von Kenntnis und Verständnis für Thauro bei den meisten Gemeindemitgliedern. So sah eS vor zwanzig I hren in nur zu vielen jüdischen Gemeinden Deutschlands auS. — G. s. d., es ist besser geworden! Man ist im letzten Augenblick vor dem Abgrund zurückgeschrrckt. Man empfindet die Leere, und man will sich selbst wieder Inhalt geben. Auch in Deutschland ist Thauro nicht mehr Fachstudium, nicht mehr Li'bhaberet. Auch bei uns erkennt man wieder "pa' "pKl "pn K\T 'I daß Tbauro unser Lebensinhalt ist, daß auf ihr unser Fortbestand beruht. Der Wille zur Thauro ist G. s. d. wieder da in Deutschland. Den Weg zu ihr suchen wir. Mehr und mehr erkennt man, daß die ein bis zwei — im Höchstfälle drei — Stunden täglich, dte unsere Schüler dem Lernen widmen können, nicht genügen, ihnen eine gründliche ThaurokenntniS zu vermitteln. Die Forderung die vrr zwanzig Jahren in Deutschland noch als Utopie betrachtet wurde: jeder junge Mann, der es irgendwie ermöglichen kann, ist verpflichtet, vor Eintritt in das Berufsleben oder in die Universität rrrtrrdesterrein Jahr ganz dem Thaurostudtum zu widmen, heute hat sie in weiten Kreisen Anerkennung und Verwirklichung gefunden. Dte Jugend ist gewillt, eine kostbare LebenSspanne ganz der Thauro zu weihen. Das bedeutet für unS die ernste Aufgabe und heilige Pflicht, dafür zuforgen, daß dteseZeit zum denkbar besten ausgenutzt werde. Mit hoffnung-froher Freude sehen wir in den versch ebensten Gegenden Deutschlands Thaurostätten hervorblühen. Neben Berlin und Frankfurt seien Köln und Nürnberg, Leipzig und Halberstadt genannt, ohne daß wir eine erschöpfende Aufzählung geben wollen. So erfreulich dieselebendige Zeichen neu erwachenden Thauroge>steS ist, es genügt noch nicht. Die Gründung von J'schtwos in den Großstädten hat allerdings den Vorteil, daß es einer verhältnismäßig großen Zahl von ortsansässigen jungen Leuten leicht wird, die Jeschiwo zu besuchenandrerseits hat aber dte Großstadt wesentliche Nachteile in den vielen Ablenkungen, denen dte hier Lernenden unterworfen sind. Dte Unruhe der Großstadt, dte wetten Wege, das Vereinswesen, Versammlungen, all dieses kostet viel Zeit und stört im ruhigen Lernen. Für Auswärtige kommt noch daS teure Leben als großes Hindernis hinzu. Nicht zu unterschätzen sind auch die Störungen, denen die Lehrer der Jesch wo in den Großstädten auSgesetzt sind. Das öffentliche Leben stellt hier an führende Persönlichkeiten Anforderungen, denen sie sich schwer entziehen können, dte aber der strengen Konzentration des Geistes sehr hinderlich sind. All diese Nachteile würden in einer Kleinstadt Wegfällen. Wir möchten deshalb Vorschlägen, in einer passenden Kleinstadt eine Zentraljeschtwo für Deutschland zu gründen. Besonderer Wert ist dabet auf gesunde Lage und billige Lebensverhältnisse zu legen. Wir glauben, hier könnte mit Gotte- Hilfe eine Stätte der Thauro geschaffen werden, btev den besten Anstalten Ost*