Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 7 (17.2.1921)
- Date
- 1921-02-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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yi. Februar 1821__ der New-Aorker „Zeit" gewährt haben und in dem Eure Exzellenz erklärt haben sollen, „ein broeutender Jude, Rabbiner Perlmutter, ist überzeugt, daß die Judenfrage in Polen vollkommen nett ist." 'a ich der einzige Rabbiner dieses Namens in Warschau bin und alS Landtagsdeputierter im öffentlichen Leben stehe, so kann sich diese Aeußerung nur auf meine Person beziehen. Ich erkläre aber, daß ich diese oder ähnliche Worte niemals ausgesprochen habe, und ich bitte Eure Exzellenz, diese meine Alrrßerung in der „Zeit" zur Veröffentlichung zu bringen." -- Die Konfiifution- Warschau, 6. Februar. Als Resultat der wochenlangen Beratungen im Landtag sind nun sämtliche Anträge ohne die Zusatz- und Berbefferungsvorschläge. angenommen worden. Nicht weniger als 60 Artikel der Bersaffung sind an einem Tage in größter Eile mit Stimmenmehrheit durchgebracht worden. Die Hauptkosten dieser überstürzten Schtußarbeit tragen natürlich die Juden. Der Antrag Grünbaums, schnellstens ein Gesetzprojekt über die Abschaffung aller von früher her noch obwalieneen rechtlichen Begrenzungen der religiösen Minderheiten einzubringen, wurde abgelehnt. Angenommen dagegen Zusätze zu den Artikeln 40—43, dien. a. bestimmen, daß Präsident des Landtages nur ein katholischer Pole werden kann und zwar mit 189 gegen 134 Stimmen. Der jüdische Zusatzantrag zu Artikel 100 mit dem Wortlaute: „Nationalität oder religiöses Bekenntnis darf kein Hindernis bilden, beim Genüsse der bürgerlichen Rechte und bei Erlangung einer Staats- oder Komrnunalsteüe", blieb unberücksichtigt. Die Einführung derTodcsstrafe wurde dagegen trotz Einspruch aller linken Pnrteren beschlossen. Der ganze Verlauf der Schlußsitzung war wenig erhebend und eröffnet gerade keine freudige Perspektive für die politische Zukunft der Juden in Polen. km kmigranlenlieim. Warschau, 7. Februar. Endlich wurde auch in Warschau, etwas spät ein Heim für Emigranten eröffnet. Damit wird eine Schmach von der größten Gemeinde Europas abgewendet, mit deren Gastfreundschaft es in letzter Zeit nicht mehr am besten bestellt war. Freilich muß man den hiesigen Juden zu Gute halten, daß bei dem gewaltigen Zustrom von Flüchtlingen aus allen Seiten das Gefühl etwas ybstumpften und die Opserkraft etwas erlahmen mußte. Umso nötiger aber war die Schaffung eines Heimes, das die private Wohltätigkeit entlastet und in dem die Emigranten bis zu ihrer Weiterfahrt oder ihrer Ansäsflgmachung in der Stadt, Unterkunft, Rat und Hilfe finden. Das Emigrantenheim ist aus der Elektoralstraße eröffnet und aus das zweckmäßigste eingerichtet. Der MrSer DalaäwwiM. Warschau, 8. Februar. Hauptmann Lichaschew hat nur zehn Tage mit General Bulak Balachowitsch zusammengearbettet. Nachdem er sich von seinem Generale getrennt hat, weil er dessen Vlutmarfch nicht mehr Mitmachen wollte, läßt er nun eine Broschüre unter dem Titel: „Ich klage an!" erscheinen, in der er u. a. auch folgende Kleinigkeiten erzählt: Am 11. August war L'chatschew Zeuge, wie Balachowitsch mit eigener Hand auf der Station, Malkoh einen Bahningenieur erschoffen hat, weil dieser erklärt hat, die von ihm geforderte Reparatur. an der Maschine nicht in zwei Stunden ausführen zu können. Am 30. August erschoß B. aus der Station Werjetze den Maschinenmeister der Wasserleitung, weil das Reservoir infolge eines Defektes nicht genügend Wasser hatte. Am 16. August wurde in Radonowo die zwei jüdischen Häuser des Dorfes vollkommen ^usgeplündert. Als die beiden Juden, Simha Der yxadtt____ Lutkow und Jsaac Muljar den General kniefällig um Hilfe baten, ließ er sie durch seinen Burschen vor seinen Augen erschießen. Am 18. August erschoß B. mit eigener Hand den 79 jährigen Juden Wolf Nadelmann, der es wagte, für sein Enkelkind, ein 14 jähriges Mädchen, das von den Soldaten gepeinigt wurde, um Hilfe zu Bitten. Am 20. August erschoß B. mit eigener Hand den Unteroffizier A. Koppelmann, weil er es wagte, aus die progromierenden Soldaten im Dorfe Slogjan hinzuweisen und um Einschreiten zu bitten. — Das sind nur einige wenige Auszüge aus einer Mordstatistik von nur 16 Tagen. Und diese Angaben berühren nicht die eigentlichen Pogrome unter dem Kommando des Generals Balachowitsch. Aus Ser öemelnöe Loö?. Lodz, 2. gebruar. In der Plenarsitzung der Gemeindeverwaltung berichtete der Präsident, Herr Schwarzmann, über seine Verhandlungen im Ministerium in Warschau bezüglich des Teiletats der Jüdischen Gemeinde. Das Budget wurde von der Regierung genehmigt. Es balanziert für 1921 mit einer Ziffer von neun Millionen Mark. In der Versammlung wurde u. a. auch die Frage der Emigranter.srauen, die zu ihren Männern nach Amerika reisen wollen, verhandelt. Die Erlangung der nötigen Papiere zur Ausreise soll ihnen möglichst erleichtert werden. 6’n anfifemlfifcfier Sfaöfrst Lodz, 5. Februar. Der Lobzer Stadtrat hatte Geschworene zu ernennen. Der jüdische Stadtrat Hel mann stellte den Antrag, die Ernennung nach dem Bevölkerungsstand vorzunehmen, also zwei Fünftel Juden zu wählen, da die Juden in Lodz 40 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Der Stadrat lehnte diesen Antrag ab und beschloß, Juden als Geschworene überhaupt nicht zu wählen. Dieser Beschluß hatte zur Folge, daß die jüdischen Stadlräte als Zeichen des Protestes erklärten, bis aus weiteres an den Arbeiten des Stadtrates keinen Anteil mehr zu nehmen. Nunmehr leitete der Vorsitzende Remuszewskt Verhandlungen ein, um eine Aenderrung des Beschlusses des Stadtrates zu ermöglichen. Die Beratungen blieben aber bisher ergebnislos. Doch bemühen sich der Stadtprasiden- Remuszewski und die sozialdemokratischen Mandatare zu einem raoäns vivsnäi zu gelangen. KrrManv, Brief aus Riga. Httga, 27. Januar. WoU hat Riga infolge des Krieges viel gelitten, der größte Teil der jüdischen Intelligenz hatverlassen und ist bis jetzt noch nicht zurückgekehrt. Wir hatten auch den Tod namhafter Männer wie Dr. Scherhey und Jacob Raschal ^"21 zu beklagen Dennoch hat die Stadt im Ganzen ihr altes jüdisches Gepräge behalten. Jüdisches Leben ist hier überall zu sehen. Auch die Aguda hat hier Wurzel geschlagen, fast in jeder Stadt Lettlands sind Vereine gegründet, die für die Interessen des überlieferten Judentums wirken. Hier in Riga ist dank der Energie des Oberraöbtners eine Jeschiwah mit einer Vorbereitungsabteilung für ganz Lettland ins Leben gerufen worden, wo die Lernenden ihrrn vollen Unterhalt bekommen, was bei der jetzigen Teuerung viel heißen will. Zur Zeit ist geplant, neben der Zentraljeschiwah für ganz Lettland, noch drei kleine Provinzialjeschiwos für Kurland, Lifland und Lettland zu gründen, die unter der Oberleitung unseres Herrn Oberrabbiners stehen sollten. Auch im öffentlichen Leben ist die Aguda hier gut vertreten, in der Gemeinde hat sie eine relative Mehrheit, auch hat sie Vertreter bei der Stadt- _ R». 7 ®ettc 8 Verwaltung sowie einen Sitz in der Gründungs- Versammlung, der „Constituante". Es wird gewiß auch in Deutschland interessieren, daß vor kurzem eine ganze christliche Familie namens Rosenstetn aus der Tulochenfchen Gegend (Mann, Frau, vier Söhne und 3 Töchter) zum Judentum übergetreten sind. Der Familienvater ist 37 Jahre alt, und schon vor mehreren Jahren hatte er sich darum bemüht, er hatte schon längst Talith und Tefillin, aß seit mehreren Jahren keine mehr usw. Vom hiesigen Rabbinat mehrmals abgewiesen, mußte er doch endlich ausgenommen werden, nachdem die lautere Ueberzeugung nicht mehr angezweifelt werden konnte. Die Familie gedenkt nach Palästina auszuwandern, wo sie die Kinder mehr im jüdischen Geiste erziehen zu können hofft. trofflofes aus Lowjel-RußlanS. Kelstngfors, 31. Januar. Wie aus Moskau berichtet wird, wurde nunmehr durch öffentliche gerichtliche Entscheidung das Schicksal der jüdischen Chederschulen besiegelt. Die Verhandlungen dauerten fünf Tage und das Urteil bestätigt endgültig die Liquidation aller Chedarim inSowjet- Rußland. Im Gouvernement Ho mel, das bislang von Pogromen verschont geblieben ist, kommen nun häufig schwere Ausschreitungen vor. JnGroß- Kraßnapol wurden 72 Häuser verbrannt und an 30 Juden getötet. Das bolschewistische Organ „Jswestie" bestreitet die Pogrome nicht, sondern sucht sie in langen Artikeln zu erklären. Litauen. Die llfauifdie Anleihe unö Oie 3u0en. Wew-Hsork, 20. Januar. Die litauische Regierung hat um 5 Millionen Dollar Schayschemeriach Amerika hinübergeschtckt, um sie unter den litauischen Bürgern abzusetzen. Ein Komitee der litauischen Juden in Philadelphia hat einen Aufruf an die in Amerika lebenden litauischen Juden gerichtet, aus Dankbarkeit zur Regierung und zum Volk Litauens für die gute Behandlung der dortigen Juden, die sich sämtlicher bürgerlicher und nationaler Rechte erfreuen, die litauische Anleihe zu unterstützen und die Schatzscheine zu kaufen. Krhrvei;. Zürich, 11. Febr. Die „Schweizerische Landesorganij atton der Agudas Jisroe l" erläßt einen Aufruf, um größere Beiträge zwecks Versorgung notleidender jüdischer Familien in Wien mit Mazzos. Die schweizerische Aguda hat bekanntlich auch in den Vorjahren Erhebliches zur Linderung der Mazzosnot in Wien betgetragen. England. Segen Jüdifchen Seelenfang. London, 3. Februar. In einem ergreifenden Aufruf des Rabbinerkomttees in London (unterzeichnet von den Herren Dr. Jung, Präsident, Rabbiner S. I. Bloch, Vizepräsident, Rabbiner M. Schwarz, Sekretär, Rabbiner H. Jesber, Zimmermann und Leisowitsch) wird von 8000 jüdischen Kindern, Knaben und Mädchen, gesprochen, die von einem Reform- Geistlichen namens Henry kuez in seiner Synagoge Unterricht in liberaler Weltanschauung erhalten. Henrykuez ist bekannt als Apostel der radikalsten Reform, dessen Einfluß insofern noch schlimmer ist, als der eines Missionars, als er sich noch als Jude gibt und angeblich jüdische Lehren verbreitet, die aber de facto allen jüdischen Anschauungen Hohn sprechen. Unter den Kindern sollen sich, wie sich der liberale Apostel rühmt, viele Kinder aus guten orthodoxen Häusern des Ostend befinden. Die Rabbiner fordern all diejenigen, die es ernst mit der Thora meinen,