Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 7 (17.2.1921)
- Date
- 1921-02-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Veite 4 No. 7 Der AFSraelÜ. schastlicheu Äerten Aer geschaffen wird, ist Lat sächlich Kulturbesitz der ganzen Judenheit 1«K ÖK min PK nbp1 Nur wenn wir der kulturellen Entwicklung eine gesunde wirtschaftliche Atmosphäre schaffen, können wir auf eine gesunde Entfaltung hoffen. Die Vorbedingungen für Schaffung dieser Wirtschaftsbasis sind jetzt gegeben, unsere Aufgabe ist, sie auszunutzen. Auch dieses ist ein Ziel, dem sich das thoratreue Judentum nicht entziehen darf. Trotz mancher Enttäuschungen, die die Agudas Jisroel in Verhandlungen mit der Z. O. erlebt hat, so möchten wir auch jetzt wieder empfehlen, wenn irgend möglich, Hand in Hand mit der Z. O. an der wirtschaftlichen Erschließung dtzs Landes zu arbeiten, nicht in organisatorischer Vereinigung, aber in enger Arbeitsgemeinschaft. Die Voraussetzung für diese Möglichkeit ist die Sicherheit, daß auf dem gemeinsamen Arbeitsgebiet die Heiligkeit des jüdischen Gesetzes gewährleistet ist. Wir wollen die Hoffnnng nicht aufgeben, daß sich ein Weg zu gemeinsamer Arbeit finden läßt. Unabhängig hiervon muß unser Bestreben dahin gehen, Siedlungen anzulegen, deren ganzes Leben aus dem Thoragebot beruht, von diesem geregelt wird. Hier ist Gelegenheit geboten zur Schaffung jüdischer Gemeinwesen r>^nt6 bv Doch bei aller Bewertung der wirtschaftlichen Erschließung Erez Jisroels dürfen wir das Wesentlichste nicht außer Augen lassen, die Erhaltung und Schaffung wahrhaft jüdischer Kulturstätten, In erster Linie denken wir hierbei an das Er. ziehungswerk. Mehr und mehr sehen auch zionistische Kreise ein, daß die zionistische Organisation nicht die geeignete Stelle sein kann, von der aus das Erziehungswerk in geleitet werden darf. Für uns war dies immer selbstverständlich. Ein jüdisches Erziehungswerk zur Heranbildung eines bewußt thoratreuen Geschlechtes kann nur durch eine thoratreue Organisation gesichert werden, wie es die Agudo ist. Das Hauptziel der Aguda in '"K mutz heute Erhaltung und Ausbau des unabhängigen thoratreuen Schulwerkes sein. Zur Mitarbeit hierzu in und mit der Aguda fordern wir alle auf, deren Sehnen es ist, die Thauro und Erez Jisroel dem jüdischen Volke zu retten. Niemand darf sich dieser Aufgabe entziehen. Es gilt Erez Jisroel, es gilt die Thauro, es gilt das jüdische Volk! jüdische Volk und für die Welt. Wir betrachten es als einen Fortschritt im Rechtsempsindeu der Völkerfamilie, der uns für die Zukunft der Menschheit hoffen läßt. Und für uns Juden! Eine nationale Heimstätte! Gehetzt von Land zu Land, in den Geburtsländern vielfach mit Mord und Plünderung bedroht, von anderen Ländern durch nur allzustrenge Abwehrmaßregeln zurückgestoßen, wird ihm hier in der alten Heimat, dem heiligen Lande, ein Heim in Aussicht gestellt. Ein Lichtblick in fürchterlichster Not! Aus vollem Herzen wollen wir sagen: DTO rWJö. 7H3, Und all denen, die hier mirgearbeiter haben, wollen wir Dank wissen, auch denen, mit denen wir aus manchen Gründen in vielem nicht einverstanden find. Bei aller Betonung unseres tiefgehenden prinzipiellen Gegensatzes zur Zionistischen Organisation erkennen wir an, daß es zum großen Teil ihre politische Tätigkeit war, die den großen moralischen, politischen Erfolg gezeitigt hat. Wir sind uns aber einig mit den meisten jüdischen Politikern, wenn wir auch jetzt nachdrücklichst betonen, daß die Voraussetzung für den politischen Erfolg die jahrhundertelange Palästinaarbeit gerade der religiösen Kreise war. Wir verstehen, daß die englische Regierung fürs erste die Zionistische Organisation als die jüdische Organisation anerkennt, mit der sie zur wirtschaftlichen Hebung des Landes Zusammenarbeiten will. Wir halten es aber für notwendig, daß die Agudas Jisroel gleich von Anfang an als gleichberechtigter Faktor betrachtet wird, nachdem die veränderten politischen Verhältnisse ihr die ungehemmte Arbeit in Palästina und der Diaspora wieder ermöglichen. Je freudiger wir den Mandatsentwurf im Prinzip begrüßen, um so mehr sind wir verpflichtet, seinen Wert richtig einzuschätzrn. Wir wollen nicht in den Fehler eines großen Teils der jüdischen Presse verfallen, die nach der Balfourschen Deklaration kritiklos jubelten und Hoffnungen, erweckten, auf deren Verwirklichung nicht zu rechnen war. Was bietet der Entwurf uns positiv? Die politische Möglichkeit einer jüdischen Einwanderung und die Schaffung eines nationalen Heims. Das ist moralisch sehr viel. Die Wirtschaftliche Auswertung hängt" natürlich von Wtrtschaftsmomenten ab, über die wir uns klar sein müssen. Nach vorsichtiger Schätzung rechnete man früher auf eine jährliche Einwanderungsmöglichkeit von 30000 Juden tu den ersten Jahren, durch allmähliche Steigerung bis auf etwa insgesamt eine Million in 25 Jahren. Wir wären sehr froh, wenn diese Ziffern erreicht würden. Aber auch unter dieser Voraussetzung bedeutet Erez Jisroel für die nächsten 25 Jahre keine Lösung der wirtschaftlichen Judenfrage. Das dürfen wir auch bei aller Freude über das Erreichte nicht vergessen, wenn wir uns der großen Verantwortung gegenüber dem jüdischen Volke bewußt find. Unsere Wertung Erez Jisroels ist aber nicht von der Wirtschaftsfrage bedingt. Erez Jisroel ist fiir uns das heilige Land, dessen Besiedlung religiöse Pflicht ist, das Land, in welchem die jüdische Volksseele ihre Entfaltung wieder erwartet. Deshalb ist nach wie vor die Hauptbedeutung Erez Jisroels, das Kulturzentrum des jüdischen Volkes zu werden. Noch wollen wir den großen moralischen Faktor des jüdischen Nationalheims nicht unterschätzen. Und wenn auch, wie bereits gesagt, die wirtschaftliche Notlage des jüdischen Volkes durch Erez Jisrol z. Zt. nicht behoben werden kann, so ist unser Land doch für einen wertvollen wesentlichen Teil deS Volkes auch wirtschaftlich von Bedeutung. Aber hierüber wett htnausgehend, ist es von größtem Werte, daß unser künftiges Kulturzentrum in Erez Jisroel auf gesunder ökonomischer Basis' beruht. Deshalb ist die intenfivste Arbeit auch für die wirtschaftliche Erschließung des Landes nicht nur eine Pflicht von und fit die palästinensischen Juden, sondern für lie Grsamtjudenhett. Was an Wirt- Lorresponoenzen and Aachrlchle». Deutle» Reich. Verein für Sie Mücken Jnfereffen Rhelnlanö*. göltt, 1. Febr. Am 26. Januar fand in Anwesenheit von mehreren hundert Mitgliedern aus allen Teilen des Rheinlandes die elfte ordentliche Mitgliederversammlung deS verdienstvollen Rheinland- Vereins statt. Nach Begrüßung des neuen Bezirksrabbiners, Dr. Weyl, erstattete der Rendant des Vereines Herr Grünsfeld den Kassenbericht, der Ausgaben und Einnahmen von rund 30,000 Mark aiflwetst. Herr Rabbiner Dr. Wolf wies vor allem auf die erfreuliche Tatsache hin, daß der Verein nach 18 jährigem Bestehen nunmehr habe daran gehen können, durch die Errichtung eines zweiten Rabbinates in Düffeldorf seine Wirksamkeit auf eine breitere Basis zu stellen. Der Berichterstatter beklagt, daß aus finanziellen Gründen der „Bottsfreund" nicht mehr weiter als Beilage zum Israelit erscheinen kann, und daß auch die so beliebt gewordene „Bibliothek deSVolkSfreundes", , 15. tzebruar E die tatsächlich, namentlich in ihrem halachtscheu Teile, für das große Publikum unentbehrlich wäre/ angesichts der ungeheuren Herstellungskosten nicht mehr fortgesetzt werden konnte. Es sei beschämend, daß für geistige Arbeit ernster Richtung im Kreise bes orthodoxen Judentums nicht die nötigen Mittel vorhanden feien, während der Zeitschriften- und Büchermarkt täglich überschwemmt wird von Erscheinungen fragwürdigen Wertes. Der Bericht streift die mit dem Verein im Personalunion stehenden Kölner Institutionen, insbesondere die Talmud Thauro und den Jawne und verbreitet sich über die beim Lernen anzuwendende Methode. Dem Bund gesetzestreuer Gemeinden spricht der Verein besondere Dankbarkeit aus. Die Leistungen des Bundes seien heute schon bedeutender, als alles, was der D. I. G. B. jemals für die Gemeinden der Rheinprovinz geleistet hat. In der anschließenden Diskussion wurden eine Reche wertvoller Anregungen für die BereinStätigkeit gegeben. Der Mitgliedsbeitrag wird auf Mark IQ festgesetzt. Aus Ostpreußen KttettsteiU) 8. Februar. Man schreibt uns: Das mustergültige ftiedliche Einvernehmen der Glaubensgemeinschaften unserer Provinz wird in einer gegen die Juden gerichteten Hetze aufs stärkste bedroht. Der Verband der Shnagsgengemetnden Ostpreußens, der heute in Allenstein zu seiner Generalversammlung zusammengetreten ist, legt dagegen als berufene Vertretung der ostpreußischen Juden scharfe Verwahrung ein. Er brandmarktReligionsstreit und Rassenkamp f, die den Wiederaufbau des Vaterlandes auf schwerste schädigen, und appelliert an den Gerechtigkeitssinn aller Bürger. Oesterreich. Sie 0st!uöenkrsse vor vem VMsrbunv. Me«, 7. Februar. Wie die Preß-Zentrale erfährt, hat der Völkerbundrat in Genf beschlossen, in Angelegenheit der ostjüdtschen Frage in O est er r ei ch die Wiener Regierung aufzufordern, einen Delegierten nach Gens zu entsenden und Aufklärungen über diese Frage zu erteilen. Wie«, 13. Febr. Die unter Führung deS greijen Vorsitzenden der Wiener Aguda, Herrn Wolf Pappenheim, nach Erez Jisroel entsandte Delegation der Agudas Jisroel, an der sich eine ganze Reihe wirtschaftlicher Sachverständiger aus Oesterreich, Ungarn und der Tsrhecho-Slowaket beteiligt haben, ist nach telegraphischer Meldung wohlbehalten im heiligen Lande eingetroffen und hat ihre wirtschaftlichen und organisatorischen Arbeiten bereits in Angriff genommen. In etwa 14 Tagen wird als Vertreter der deutschen Palästina-Zentrale der Agudas Jtsroel Herr Fabrikant Grünbaum aus Nürnberg der Delegation-sich anschtießen. Voten, kl» Brief des Rabbi Perlmutter. Warschau, 6. Februar. Wie bereits berichtet, hat der polnische Konsul in New-Kork in einem Interview die Behauptung aufgestellt, es gäbe in Polen keine Judenfrage mehr, und er berief sich dabei auf Rabbiner Perlmutter, der die Lage der Juden in Polen als geradezu ideal geschildert haben sollte. Diese Aeußerungen gaben natürlich den Feinden des gesetzestreuen Judentums in Polen Anlaß, in gehässigster Weise über den genannten Rabbiner gerzufallen. Nun lesen wir im Warschauer „Jud" ein Schreiben des Rabbiner Perlmutter an das polnische Konsulat in New-Aork, das wie folgt lautet: „In der hiesigen polnischen Preffe ist ein Interview abgedruckt, das «ke einem Vertreter