Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 7 (17.2.1921)
- Date
- 1921-02-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Grire 6 Nr. 7 »rr ASraetk 17 Februar 1921 zur Mitarbeit auf und laden sie zu einer groß?» Konferenz ein. Es handelt sich, wie es in dem Aufrufe heißt, darum, jüdische Seelen zu retten und sie vor dem geistigen Verderben zu schützen.. Hoffen wir, daß die Gegenmaßnahmen von Erfolg sein werden. Spanten. Madrid, 3. Febr. Hier fand eine Versammlung führender Persönlichkeiten der sefarbischen Judenheit statt, in der Absicht eine Weltorganisation der spaniolischen Juden hauptsächlich zur Förderung ihrer wirtschaftlichen Wohlfahrt, zu gründen. Die größeren sefardischen Gemeinden in Spanien, Amerika und Marokko haben ihre Zustimmung erteilt. Amerika. vie nblehnuns Ssr ameriftaniMien ElnroanSerunosbid. 6. Febr. Die Senatskommission hat den Antrag, die Einwanderung nach Amerika für zwei Jahre zu sperren, der vom Repräsentantenhaus angenommen, erfreulicherweise verworfen. Es ist zu hoffen, daß hiermit die Gefahr einer vollkommenen Schließung der amerikanischen Häfen für die europäische Einwanderung beseitigt ist. Indessen wird es den Gegnern der Einwanderung wohl gelingen, eine Erschwerung der Jmmtgrationsvorschriften durchzusetzen. Vorgeschlagen ist, eine Prozentnorm für die Einwanderung etnzusühren, wonach auf jedes Land eine seinem Bevölkerunqsteil in den Vereinigten Staaten entsprechende Quote entfallen wird. Es könnten dann beispielsweise aus England ungefähr 125000 Personen, aus dem ehemaligen Rußland etwa 80000 und ebensoviel aus dem Gebiete des alten Oesterreich-Ungarn in einem Jahre emwandern. Da die Arbeitslosigkeit noch immer nicht abnimmi, finden die E'mwanderungsgegner starke Stützpunkte im Volk. Personalien. Königshofen, 12. Febr. Zu den selbstlosen Persönlichkeiten, die ihre Kräfte vollkommen in den Dienst anderer stellen, gehörte auch die tm Krankenhause zu Würzburg verstorbene Jette p ö b. Ein Kind noch, versah sie schon den Haushalt in einer verwandten Samilie und pflegte 15 Jahre lang die erblindete ausfrau bis zu deren Lebensende. Von vielen Familien in den verschiedensten Gemeinden war die Verblichene als Krankenpflegerin hochgeschätzt und geliebt ob ihrer Pflichttreue. Auch im frauenlosen Hause, wo sie zuletzt bereitwilligst die Führung des Hauswesens und die Miterziehung des Kindes übernahm, entfaltete sie ihre vielen guten Eigenschaften. Religiosität, Fleiß, -Herzensgüte, waren ihre Leitsterne durch das Leben. n^in. Crainfeld (Oberb.) 7. Febr. Hier starb im Alter von 91 Jahren, Frau Wme. Jratchen Sommer, die älteste Einwohnerin unseres OrteS. Die Verblichene, welche bis in ihr hohes Alter bei voller körperlicher und geistiger Kraft blieb, zeigte neben wahrer Frömmigkeit stets regstes Verständnis und innige Anteilnahme für sämtliche Vorkommnisse. Im Trauerhause schilderte Herr Lehrer Stern das bewegte Leben der Verstorbenen, das von vielen Schicksalsscklägcn des öfteren begleitet war. Bor 40 Jahren verlor sie ihren Gatten; vor und während des Krieges mehrere Kinder und Kindeskinder. Sie fand Halt und Trost im unerschütterlichen Gottvertrauem Möge ihr der Lohn der zuteil werden. Königsberg in Pr., 8. Febr. Herr Lehrer Wolkowski ist nach 13 jährigex Bertretungszeit im Schuldienst der Stadt Königsberg als Boikssch ullehrer vom 1. Oktober 1920 ab, endgültig angestellt worden. Wrefchen (Prov. Posen), 10. Febr. Unter überaus großer Beteiligung sei lens der Mitglieder unserer Gemeinde, fand eine Absch'edsseier für das Abraham und Bertha Lnbrainczyksche Ehepaar vor seiner Uebersiedlung nach Berlin statt. Die Vorsitzende des israelitischen Fraueuvereins, Frau Joseph Gans, eröffnet« den Reigen der Ansprachen. Rednerin feierte Frau Lubrainczyk als unübertreffliches, rühriges Mitglied des Vorstandes. Namens der Gemeinde überbrachte Herr Michaelis Haa sie Abschiedsgrüße. Große Spenden sind von den Scheidenden für die Gemeinde und ihre wohltätigen Institutionen gemacht worden. Zamiliennachnchten. Geburten. Einen Sohn: Levt Kahn und Frau, geb. Rtndscerg, Gemünden a. M. Irieskasten. Lazar Sillar. Ihre Adrrffe ist unleserlich, sodaß der Wohnort nicht zu entziffern und die Beantwortung Ihres Schreibens nicht möglich ist. In den Ariadne-Lichtspielen, Bilbelergaffe 4—6, hat man diese Woche Gelegenheit, „Urtel Akosta" von Karl Gutzkow zu sehen. Der Film gehört nach Urteil von Sachkennern mit zum Vollendetsten, was die Filmlechn.'k bisher hcrvorgebracht. Keiner sollte es versäumen, sich dieses prachtvolle Stück in den Lichtbildern des Ariadne-Theaters an- Zusehen. Frankfurter Berichte. Kduard Ietst Ein harter Verlust iras die Judenheit unserer Stadt mit dem Hinscheiden Eduard Feists. Eduard Feist gehörte zu den edlen Naturen, die »zahlen mit dem, was sie sind". So mannigfach und vielfältig sein Wirken war — auf allen Gebieten, auf denen er sich betätigte, war er Meister, und was er leistete, war ganze Arbeit, ohne Fehl und ohne Lücke. Ob wir ihn bet seiner unermüdlichen, keine Rast noch Ruhe kennenden geschäftlichen Betätigung sahen, ob wir seinem vollendeten, unübertroffenen korrekten Leienen lauschten, ob wir Gelegenheit halten, von seiner stillen Wohltätigkeit, die freilich nur Wenigen zu Ohren kam, zu erfahren, seine väterliche Fürsorge für das ihm unterstellte Personal und all feine Schutzbefohlenen zu beobachten, immer war es die Ganzheit, die Vollständigkeit seines Tuns, das Herz und die Seele, die sich dabei offenbarten, was wir so sehr bewundern mußten. Offenheit des Wesens, unerschöpfliche Arbeitskraft, unversiegbare Opserfreude, das sind einige hervorstechendeCharakterzüge Eduard Jeist's. Immer gesund, immer strahlend und strotzend, aufrecht und lebenbejahend, daseinsfroh und hilfsbereit, so sahen wir ihn fierS vor uns; drum können wir seinen Heimgang gar nicht fasien. Biel der schmerzlichen Klage wird aber nickt laut; denn im Stillen weinen Familien um ihren h-lfcstcher, Freund, um ihren geheimen Ernährer. „Was Eduard Feist tat, tat er ganz." An vier Jahrzehnte gehörte sein Hauptintereffe, seine restlose Arbeitskraft der Firma Beer, Sondhetmer & Co. und er machte ihren Aufschwung mit, selbst „wachsend mit den großen Zwecken" des Hauses; dabei hat sich an seinem jüdischen Wesen, an der Grobheit und Schlichtheit seiner Art nichts geändert. Ja, innerlich wuchs mit dem rnalettelleri Aufstieg auch der Jude in ihm. 35 Jahre lang fungierte er als Balkare und gelegentlicher Vorbeter in derNiederhosheimschenSchul und cs dürste kaum einen in Frankfurt geben, der sich in den Frankfurter Eigenheiten auf dem Gebiete des Gottesdienstes, wie auch sonst im Ritual- und Kalenderwejen besser auSkannte wie er. Hört man doch, daß sich in seinem Nachlasse ein druckfertiges Manuskript über die Einteilung der Abschnitte in den Wochensidros nach Frankfurter altem Brauch befindet, das hoffentlich bald der Veröffentlichung zugeführr wird. Eine neue Auflage des Frankfurter Minhagbuches ptJK pjvv war einer seiner sehnlichsten Wünsche, die anszusühren, ihm leider nicht mehr vergönnt war. Eduard Jeist wurde nur 62 Jahre alt. Zusammen mit seinem unvergeßlichen Bruder, dem nachmaligen! Kommerzienrat Louis Jeist hSt und einer Schwester genoß er unter kleinen Verhältnissen eine jüdisch-frohe Jugend, getragen von Thoragetst und allen jüdischen Idealen. Zu Füßen des großen Meisters Samson Raphael Hirsch b"$t saß er dann zusammen mit seinem Bruder, und die Eindrücke in der Nähe des Geistesheroen verließen ihn sein Leben nicht, wiewohl er in der Austritisfrage nicht in seinen Spuren wandelte. Die Schriften von Rabbiner Hirsch bedeuteten bis zuletzt feine Liebliuaslektüre, aus der er Erbauung und Erhebung und auch die großen Prinzipien für die Erziehung seiner Kinder schöpfte. Abhold jedem äußeren Prunk, suchte und fand er sein Glück im Innern seines Hauses und er schöpfte aus seinem reichen Innern, um mit vollen Händen Andern zu spenden. Biele weinen um Eduard Feist. Nicht zuletzt die Vereine, in denen er trotz seiner angestrengten beruflichen Tätigkeit in feiner unermüdlichen Art stets wirksam blieb, denen er mehr tote einmal seine Nachtruhe widmete. Im Verein „Gegenseitigkeit" hatte er das Amt des Schatzmeisters lange Zeit inne, ebenso in der Mädchenanstalt Bad EmS. Er war hervorragendes Mitglied der Kippe, und in der Verwaltung der Rothschtldschen Stiftungen, tu der Verwaltungskommission der Israelischen Volksschule, wie in vielen anderen Vereinen und Institutionen wird man den Rat und die Arbeitsfreude Eduard Feist'- schmerzlich missen. r Die Bestattung fand am Freitag früh um 1- Uhunter ganz außergewöhnlicher Beteiligung vom Hause aus statt. Die Halle konnte die Menge nicht fassen Zuerst sprach Herr Rabbiner Dr. Nobel, nicht einpn Hesped in seiner Eigenschaft als Rabbiner, sonder« nur im Aufträge der Rttualkommissiou herzliche Worte des Dankes, alsdann Herr Rabbiner Dr. Jakob Horovitz warm und eindrucksvoll in Anknüpfung an die Geldspenden tm Wochenabschnitt im Name« mehrerer Institutionen. Herr Leo Wreschner »ah« innig Abschied im Namen deS Hauses Beer, Sond» heimer u. Co.;im Namen des gesamten Personals der Firma sprach Herr Be st hoff. Ergreifend war es, als der Emser Rabbiner, Herr Dr. Weingarten, für die Liebe dankte, die Eduard Feist seinem kürzlich verstorbenen Sohne .(Hugo Weingarten) in den Jahren seiner Tätigkeit bei der Firma erwies. Er dankte auch im Nam.n der Mä >chenwaisenanstalt. Es sprachen noch Vertreter der »Frankfurt Loge" und der „Israelitischen Frauenkrankenkaffe". Es war bereits um die Mittagszeit, als wir vom Friedhof schieden mit dem brennenden Schmerz im Herzen, einen ganzen Mann und ganzen Jehudt hier geiaffen zu haben, der uns in einer Zeit, da des Lebens Not überall feine schwarzen Schatten um sich wirft, noch so unentbehrlich schien. Möge den Trauernden Trost spenden. MkchLüße. Der Mädchenabteilung der Israelitischen Waisenanstalt wurden von der Dairy-Cattle Co. in Amerika zwei Milchkühe zugewiesen. Oerreraiversummluug der Agudas Alsrsek- Hrtsgruppe Der im Spätherbst gewählte Borstand der Ortsgruppe der Agudas Jisroel hatte ein Programm über die Idee deS Agudismus und über den Ausgabenkreis der Ortsgruppe seinen Mitgliedern zugehen lasse». In einer am Sonntag stattgefundenen Versammlung, die gut besucht war, stand der Entwurf zur Beratung. Herr Leo Wreschner, der die Versammlung eröffnete, leitete die Diskussion mit einem Referate über die „Ziele des AgudismuS" ein. Die Aussprache, an der sich insbesondere die Herren Dr. I. Feuchtwanger, Prof. Dr. Weyl, Prof. Dr. Fink. Paul Aron, Siegfried Jeidel beteiligten, zog sich bis gegen Mitternacht hin. Auf Antrag aus der Mitte der Versammlung wurde beschlossen, eine neue Mitgliederversammlung baldigst elnzubermen, in der zunächst ein Referat über den „Agudismus" gehalten werden soll. Akumen und Hunger Bei freudigen Anlässen jeglicher Art ist die Vlumenablösung der Jüdischen Frauen- Vereinigung e. V., Frankfurt a. M., zu Gunsten unterernährter Kinder zu benutzen. Direkte Zusendung der künstlerisch ausgcführten Kärtchen an den Empfänger auf schriftlichen oder telephonischen Auftrag erfolgt durch das Büro Schwanenstr. 22,2. St. Telefon H. 282». Ablösungsbeträge können mit der Bemerkung für Blumenablösung auf unser Postscheckkonto Nr. 42288 beim Postscheckamt Frankfurt a. M. etngezahlt werden. Mittetstandsküche. Schon vor dem Kriege ist cs vielfach schmerzlich empfunden worden, daß in Frankfurt a. M. kein jüdisches Heim vorhanden war, das den jüngeren Kaufleuten und Akademikern, die keine Familie am Platze haben, eine behagliche Stätte bieten konnte. Dieser Notstand ist seit der Kriegszeit noch viel dringender geworden. Die Preise in den Gasthäusern haben für den Durchschnitt der jungen Kaufleute und Akademiker eine fast unerschwingliche Höheerreicht. Der schon an sich nicht gerade erfreuliche regelmäßige Besuch der Casös stellt sich heute als ein überaus kostspieliger Luxus dar. Die Gründung eines jüdischen Heims ist daher eine nicht mehr abrveisbare Nct- Wendigkeit geworden. Dem Zusammenarbeiten einer Reihe von Einzel- Persönlichkeiten und Organisationen ist es gelungen, geeignete Räume in der Rechncigrabenftraße 6 für diesen Zweck zu erhalten, welche anfangs nächster Woche bezogen werden können. Durch die dann gegebene Möglichkeit etwa 150 Besucher aufzunehlnen Graß-Frankfurf am Eschenheimer Turm Spezialitäten- TBieatei* Zillertal und Bierkabarett Kamnöffnung 6% Uhr, Anfang 7ff, Uhr abevrft! Weinklause Eingang nur StSffstraBe 82