Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 7 (17.2.1921)
- Date
- 1921-02-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2450138-2450145--68739-2525868- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
ll Ktzbruar lWI Pr. 7 des. peinigenden Judenproblems durch die technischen Mittel. des Politischen Zionismus erfüllt worden ist, inwieweit nicht. Anders stellt sich -jedoch die Verteilung von Licht und Schatten dar, sobald^ man die Maßstäbe des historischen, des orthodoxen Judentums mit seinem durchaus eigenartigen Palästina-Ideal anlegt. Man wird dabet vielleicht nicht zu einer so optimistischen Auffassung kommen, wie sie dem verehrten Verfasser des weiter unten in der heutigen Nummer veröffentlichten Aufsatzes eigen ist, aber immerhin zu wesentlich anderen Ergebnissen wie der englisch-jüdifche Kritiker. Tochenmndschaii. Das Wan-ersturm-problem. Der Bericht etnxs in Liverpool bestehenden Durchwanderer-Komitees, dessen Vertreter die belgischen und holländischen Häfen besucht haben, lenkt die Aufmerksamkeit wieder einmal auf die unhaltbaren Zustände, die sich infolge der überstürzten Auswanderung, insbesondere aus Polen, entwickeln. Diejenigen insbesondere, die in Amerika oder in Kanada nicht zur Einwanderung zugelassen werden, geraten auch dann, wenn sie im glürltchen Falle von der Unmöglichkeit ihrer Landung in Amerika bereits in eu r op ä i sch e n H ä f en Kenntnis erlangen, in eine verzweifelte Lage. In Antwerpen, Amsterdam und Rotterdam sieht man sich außerstande, aus eigenen Mitteln alle diese Menschen wochen- und monatelang ausreichend zu ernähren. Eine Rückkehr nach der Heimat ist in vielen Fällen nicht, mehr möglich. Die Unglücklichen schw-ben also gleichsam in der Luft und wissen nicht, wo sie ihr Haupt nicderlegen sollen. Die Hauptursache des Uebelstandes ist der Mangel ausreichender Information an Ort und Stelle, d. h. in Polen selbst. Es handelt sich zumeist um Leute, die immerhin Über einige Geldmittel verfügen und die, wenn man sie rechtzeitig über die Aussichtslosigkeit der Auswanderung unterrichtet hätte, mit Hilfe dieser Geldmittel eher imstande gewesen wären, eine kümmerliche wirtschaftliche Existenz zu fristen, als jetzt, da .sie den letzten Sparpfenntg den Eisenbahnen und Dampfergesellschaften, wenn nicht unterwegs noch gewerbsmäßigen Ausbeutern und Schwindlern ausliefern. Es wäre dringend zu wünschen, daß die von der Wiener EmigrationSzenirale der Agudas Jisroel vor längerer Zeit ausgearbeiteten Pläne, die sich auf das Vorhandensein einer ausgebreiteten Landesorganisation in Polen stützten, mit Hilfe dieser letzteren endlich zur Ausführung gebracht würden. Z«-eni>l«chk jwllliker Aus Bahner « geht uns zu den in den letzten Nummern behandelten religiös-politischen Fragen die von jugendlichem Feuer getragene Aeußerung eines Lesers zu, der aus seiner Jugend kein Hehl macht, trotzdem aber dem „Alter" gehörig die Leviten liest. Es heißt da: Lautes Rufen im Kampfe der Meinungen erschallt. Für und gegen erheben die Alten ihre Stimmen — Wohlgemerkt die Alten! Sie haben Stellung zu den bald stattfinden Gemeindebundwahlen genommen, find Wahlbündnisse eingegangenhaben Kompromifie mit Gegnern und Freunden geschlossen und wollen jetzt sogar die aus der gegenwärtigen politischen Konstellation ^entstandenen Bindungen zu festen, diese Lage überdauernden Gebilden, Parteien, ausbauen. — Wohlgemerkt die Alten 1 — Eins haben ste aber in ihren allzuklugen Berechnungen vergessen, einen wichtigen Faktor um den sonst so lebhaft geworben wird, nicht beachtet — die Jugend. Sie haben vergessen, daß diese Jugend einst ihre Richter bilden, bah sie mit den Alten rechten wird, ob ste richtig oder falsch gehandelt, daß sie Rechenschaft über die Ideen und Gesichtspunkte fordert, die ste bei diesem Vorgehen gelenkt. Diese Jugend hat sich eine Meinung über die herrschende Lage gebildet, eine Ansicht, die fest in ihr verwurzelt sein, die die Richtschnur ihres Verhaltens den Alten gegenüber öarstellen wird- — Wir Jungen lasten uns von keinen praktischen Erwägungen leiten, sie können unsere Handlungen nicht richtunggebend beeinflusten. Unsere Ideale, unsere Prinzipien find die Zeichen unseres Weges. Und diese fordern die Unbedingthelt unserer Hingabe, daß wir alles vom Standpunkt der Tauroh betrachten, jede Regung, jede Anschauung von ihrem Geiste durchleuchten lassen, bevor wir zur zielsetzenden Tat schreiten. ~ Das haben die Alten nicht bedachtste haben vergesten, daß wir unS nicht in ihren schwankenden, kompromtßsuchenden Gedankengängen bewegen, sondern fest unserem gesetzten Ziel zustreden. Wir verargen es ihnen, daß sie unseren Lehrern, die uns diese Ideale vorleblen, nicht gefolgt find, daß ste es versäumt haben auf deren Rat hin einen selb» ständigen orthodoxen Verband zu gründen, in dem alle die sich sammeln, die positiv — nicht auf vage Ideen gegründet —, das Judentum ausbauen, verwirklichen wollen; wir verargen es ihnen, daß sie nicht selbständig, ohne jede Anlehnung an andere Gruppen, in den Wahlkampf — selbst auf Kosten einiger Mandate — gezogen; wir rechten mit ihnen darob, daß ste sich jetzt gegenseitig ob ihrer Wahlbündnisse bekämpfen und entzweien; wir rechten mit ihnen, daß fie dieses Zusammengehen aus prinzipiellen Erwägungen begründen und nicht die Tatsachen sprechen lasten, die zeugen, daß hier praktische, wahltaktische U Verlegungen Ausschlag gebend waren. Wir rechten mit ihnen, daß fie durch ihre Politik der Gelegenheiten die Entwicklung der gesetzestreuen Bewegung in Deutschland zurückgeworfen haben, daß fie uns verlassen, unS nicht betstehen, wenn wir den erneuernden Weg suchen, daß ste durch ihre widersprechenden Handlungen uns zurückgestoßen. Wir werden unS aber nicht beirren lasten, mit verstärkter Kraft an der Vollendung unserer Ideale zu arbeiten, dem einzigen für unS gangbaren Weg nachzuiorschen. Wir werden unS um die Führer scharen, die Ihr verlassenwir werden unseren GeisteShelden folgen, die uns unser Ziel gezeigt. S. R. Hirsch und irte Träger feiner Lehre sind unser Ideal, in ihren Wegen werden wir wandeln, von ihrem Standpunkt werden wtr eure Politik bekämpfen und.verwerfen — Hildesheimer zur halachischen Entscheidung in der AuStrittsängelegenheit einnahm, ist jedoch charakteristisch für. das glühende Interesse, mit dem der große Mann das Ringen der deutschen Orthodoxie um ihre Unabhängigkeit verfolgte. Das Schreiben lautet: Eisenstadt, 29. Dezember 1871. Herrn Baruch Wormser, Wohlgeboren, Karlsruhe. Erlauben Sie, hochverehrter Freund, daß ich unter f (im werthen Firma den Gefühlen meiner großen reude einen Ausdruck gebe, welche ich und viele lausende mit mir einer Anzahl mir persönlich unbekannter wackerer Glaubensbrüder verdanken, zu denen Sie aber nicht nur gehören, sondern unter denen Sie sicherlich eine gewisse Führerschaft übernommen. Die heute in meine Hände gelangte Nr. 51 des „JAraelit" machte mich in ihrem ersten leitenden Artikel mit traurigen höchst schmerzlichen Zuständen in Ihrer Gemeinde bekannt, wodurch dieser so friedliche höchst mustergültige Gemeindeverband durch Bestrebungen der jüdischen (?) Weltverbesserer in zwei Hälften getheilt -3U werden bedroht, zwischen denen ein Friede unmöglich ist. Solche sich noch immer rvi derholende Wahngebilde müssen jeden Israeliten mit großem Kummer und Leid erfüllen. Dieser Kummer wird aber sehr gemildert, ja verwandelt sich inFreude, wenn man sieht, wie die gesinnungstüchtige orthodoxe Partbei kräftigst den Kampf aufnimmt, der nun einmal heraufoefchworen, wie diejenigen, denen dieWebetriemen noch nicht zu unästhetisch für den Gottesdienst find, und die selbst wenn dies wäre, die Aesthettk und nicht den. ächten Gottesdienst fahren ließen, wie diese sich wie ein Mann um die swige Fahne der Nim schaar»«, und klar und wahr Juden und- Rlchtjuden über die Wahrheit atrfklären. Solch eine herrliche Antworl^der Orthodoxen halten wtr die hohe Freude in genanntem Blatte zu lesen, das Herz jedes wahrhaften Jehudi fühlt sich höchgehoben durch dieselbe und gratuliere ich Ihnen und der ganzen wackeren Parthet herzlichst zu dem großen dadurch bewirkten VVN VNp. Möge die Parthet stark und kräftigst für ihr Recht ihre Wahrheit für xnjtöi min kämpfen, der Sieg kann ebensowenig zweifelhaft fein, wie die Dankbarkeit aller Jehudtm, welche den Entwickelungen solcher Kämpft allüberall so aufmerksam und teilnahmsvoll folgen Genehmigen Ste das Geständnis vorzüglichster Hochachtung und Verehrung mit der ich die Ehre habe, mich zu zeichnen Ihr und der ganzen gefinnungstüchtigen Parthet ganz ergebener Dr. Hildesheimer Rabbiner. Sadbat-Anfans und Ausgang. niscn rot*- HR Ti Anfang Datum «US WrlMin. 10911 5681 Uhr jK, s j; I i 18. IV.Adar l-! Arankfrrrt«. M. 20 Febr. 6 I 46 Berlin .... 20 6 07 München 5 30 0 22 Gtraübnrr . . — — —. - Stuttgart... — — - - Vown .... — -- ~ Nürnberg. . . Ü 20 e 21 Hamb«»» . . . 8 30 6 2* I das laßt euch, ihr Alten, sagen, die ihr uns schmählich ' allein znrllckgelafftri. Wir bekennen, daß uu§ der etwas anmaßende Tan dieser Abkanzelung gar nicht gefallen will, und wir möchten nicht unausgesprochen lassen, daß Ehrfurcht vor Männern, die denn doch ein Leben voll unverkennbarer Verdienste um die orthodoxe Sache hinter sich haben, einer von jüdischem Grifte erfüllten Jugend selbstverständlich sein sollte. Aber des guten Kernes entschlossenen Be kenne ns zur Wahrheit, der aus den Ausführungen des jungen Gesinnungsgenossen spricht, wollen wir uns doch freuen und aus ihm Zukunftshoffnung und Trost für die Gegenwart schöpfen. Die ,Aote Kahne" weiß e» nicht - -. „Wir wissen nicht, ob in den jüdischen Reltgionssch riften das Geb otderNächstenltebe enthalten ist ..." So schreibt die in Berlinerscheinende „Rote Fahne" in ihrer Nummer vom 10. Februar. Der Anlaß, aus dem sich die „Rote Fahne" so frei und stolz zur absoluten Unwissenheit bekennt, ist wichtig genug. Das Dienstmädchen oder ite Stütze in einem Berliner Rabbinerhause, hat sich bei der Redaktion über schlechte Behandlung, schlechte Verpflegung usw. beklagt. Also weiß die „Rote Fahne" nicht, ob usw . . . Wir halten es für möglich, daß irgendwo „bet Rabbiners", sicher auch irgendwo „bet Pfarrers" oder sonst in einem Hause — so was pflegte ln den besten Familien vorzukommen — irgend einem Mädchen die Behandlung nicht gefällt. Unrecht genug, wenn die Herrschaft dazu Grund gibt. Will aber das rote Blatt allen Dtenstbotenklatsch zum Anlaß von Artikeln nehmen, so dürften alle „roten" und „weißen" Fahnen nicht dazu ausreichen. Das freie Bekenntnis: „JgnoramuS!" ehrt den Mann — aber nur allfolange er keine positiven Schlußfolgerungen aus diesem Nichtwissen zieht. Oder hat am Ende der Redakteur der „Roten Fahne" — die Gegensätze berühren sich nur allzuoft — seine Reiigions- und KonfirmationSstunden bei Dr. Di nt er genossen? E r weiß es nämlich auch nicht ... Ser englische Mandatentwnrs für Palästina. Von Dr. Moses Auerbach in Eölri. Aus dem Entwurf, wie ihn die Blätter nach dem „Jewtsh Chronicte" wtedergeben, sind als besonders wichtig folgende Punkte hervorzuheben: die historischen Rechte des jüdischen Volkes an Palästina wurden ausdrücklich anerkannt. Die jüdische Einwanderung soll erleichtert werden. Zur Anlage geschloffener jüdischer Siedlungen auf dem Lande wird ermutigt. Eine angemessene jüdische Vertretung soll als öffentliche Körperschaft anerkannt werden, um der Mandatarmacht in solchen wirtschaftlichen und sozialen Angelegenheiten Rat und Mitarbeit zu gewähren, welche die Errichtung der jüdischen nationalen Heimstätte und die Interessen der jüdischen Bevölkerung betreffen.- Solange die Zionistische Organisation nach der Meinung des Mandatars ihrer Organisation und Verfassung nach angemessen ist, soll sie als solche jüdische Vertretung anerkannt werden. Sie soll im Einvernehmen um die A?ita?beit a?ler Ju^en zu sichern, die gewillt sind bei Errichtung der jüdischen nationalen Heimstätte zu helfen. Zweifellos ist der Entwurf, der im wesentlichen wohl sicher die Sanktion des Völkerbundes finden wird, ein historisches Dokument ersten Ranges. Wir sehen, daß der Mandatar deS Völkerbundes in aller Form die Rechte des jüdischen Volkes an Erez Jisroel anerkennen will. Nachdem uns unser Land vor bald 1900 Jahren von den Römern geraubt wurde, erklären die Völker, die wohl als Rechtsnachfolger des römischen Imperiums anzüsehen sinddas Land soll wieder jüdisches Nativnalhrim fein. Bas ist ein HretgnlS für das