Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 6 (10.2.1921)
- Date
- 1921-02-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1«. Februar 1921 Der JSraeltt. No. 4 Sette 5 ff« für eine ausreichende Besoldung -er Rabbiner, Kehrer und Beamten sorgen, und diesen eine unabhängige Stellung eingeräumt wird, wie sie der Wich- Mkeit ihre- Amtes entspricht. ». Die Jüdische Volksvartei verlangt, daß die Bchen Gemeinden und der Gemeindeverband alle chen Angelegenheiten in ihren Wirkungskreis ein- Yen und an der Lösung der Aufgaben der Gefaältjüdenheit (Ostjudenfrage, Palältinafrage usw.> tätigen Anteil nehmen. Die soziale Arbeit (Armenpflege, Fürsorgeiätigkeit, Berufsberatung und -Umschichtung, Arbeitsnachweis und anderes mehr), sowie die Verteidigung der jüdischen Ehre gegen Angriffe »,n außen ist Sache der Gemeinde und des Verbandes. 9. Die Jüdische Volkspartei fordert, daß die Vertretung jüdischer Angelegenheiten, insbesondere alle Ehrenämter in den jüdischen Gemeinden nur solchen Personen übertragen werden, die dem Judentum und seinem Foribestehen ein lebendiges Interesse entgen« bringen. Titel und Reichtum geben keine genügende Eignung für jüdische Ehrenstellen. Jüdische Volkspartei in Bayern für da^ vorbereitende Komitee: Siegmund Fraenkel-München, Dr^ EliaS Straus- RSnchen, Jakob Reich-München, Dr. David Grünbaum- RLrnberg, Dr. I Bamberger-Nürnberg, H.Messinger- RLrnberg, Dr. Nürnberg-Würzburg, Leop. Birnbaumf^ürth, Matt. Löwenrhal-Aschaffenburp, Rudolf Oppen- Heim-Schweinfurt, Kantor M. Engei-Bayreuth, Dr. Bawberger-Kronach, Dr. med. I. Bamberger-Kissingen, Dt». Rothschild-Gunzenhausen, Dr. Weiner-Rcgensburg. svas obige Programm wird demnächst mit zahlreichen wetteren Unterschriften aus dem g anzen Lande als Flugblatt erscheinen.) Hierzu seren Ihrem Korrespondenten folgende Anmerkungen gchatter: j. Die staatliche Gemeinschaft bedient sich in ihrem Existenzkämpfe der Politik Die Kultusgemeinde, die im wahrhaft jüdischen Sinne sich als eine rein theokratische Institution darstellt, darf sich, so „klug" es auch manchmal scheinen mag, nicht skrupellos der Regeln oben erwähnter Slaalskunst bedienen. Dem ersten, wenn auch nicht gerne ausgesprochenen, Grundsätze der Politik „der Zweck heiligt die Mittel" steht hier entgegen das Verbot von rra» xan roste H. Der letzte Beweis, daß eine jüdische Sache rein vertreten wird — und anders ist sie nicht atrpriö — ist immer noch der, daß im Kampfe um sie. kein Ttielchen der min preisgegeben wird. (Siehe ähnlich n» d"3ö*k das Kennzeichen des lp» K»3J). Noch so sein gespitzte politische Klugheit mutz an diesem unbeweglichen, felserhaften iheokratischen Grundsätze stumpf werden. Ich mützte denn an Stelle der gött lchen KratvS (Obergewalt) irgend eine „weitsichtige" menschliche Kratos auf den Thron heben. H. Das Judentum iit eine durch „das Gesetz" gefügte Einheit. (Profanes und religiöses Gesetz sind hier untrennbar durchmischt). Jeder andere Ktttungsversuch ist unzulänglicher Ersatz und bedeutet als Gefahr einen Verrat an der jüdischen Einheit. Das der Geburt nach und vor Gott ewig und unabänderlich zum Juden gestempelte Individuum hat es durch tätige Anerkennung dieses Gesetzes in seiner Gewalt zu beweisen, ob es sich und seinen Mitbrüdern gegenüber dieser Einheit angehören will. Bei bewußter und vorsätzlicher Ablehnung des Gesetzes kann jedes andere Bekenntnis zur Einheit nicht anders denn nur als lügenhafte Phrase bezeich« «et werden. (Bewußter rQV-Berächter kann als Bolksverrärer nie Sitz und Stimme tu der jüdischen Einheit beanspruchen.) kV. Selbk die mit starker Werbekraft begabte, „demokratische Elle" darf nicht angelegt werden wo die theokratische Norm nur gilt. Mancherlei Verschiebungen kommen da zustande, die vielleicht undemokratlsch scheinen, dafür aber umso theokratifcher sind. So darf z. B. nicht verwechselt werden vox popult ~ voxd ei mit Tn», B’Sia n&n — a':ni (denn im letzten Falle ist nur die Rede von einem Gerichtshof, dessen Angehörige alle die gleichen Grundlagen an „jüdischen" Qualitäten mttbringen). Hie Demokralle! — Hie Theokratie! V. Die so grundlegenden Verschiedenheiten zwischen Kultusgemeinde und Staat mögen begreiflicherweise grade politisch Kampfgeübten entgehen. Es mag aber daran erinnert werden anläßlich des Programm es der I. B. P. i. B. Ein jüdisches Kultusgemeindeprogramm kann unjüdisch lein, selbst wenn es in, Ganzen dem einer staatlichen Partei gut nachgeüildet ist. Gut human ist gut, aber noch lange nicht ausreichend fürgut jüdisch. Das oben erwähnte Programm müßle in diesem Sinne sich an einzelnen Stellen kleine Korrekturen gefallen lasten, will es in Wahrheit dem konservativen Gerste und den kous e r v a r ‘rv c « Wählern gerecht wer den. Betrachten wir die eruzelucu §§ des Programms, das bald in, Besitze aller bayrischen Wähler sein dürste. ad § 2; Das passive Wahlrecht darf nicht jedem zugestanden werden. Das in § 1 erwähnte „jüdische Bewußtsein" kann nur den zum Träger haben, der sich im Sinne unserer Vorbemerkungen Punkt IH als Jude bekennt. Nur ein solcher ist wählbar, ad tz 7: Statt der „Selbstachtung der Gemeinde", die eine bestere Besoldung der Rabbiner, Lehrer usw. „gebietet", heißt es besser: „Gebot der Achtung des p"e» stehe n'‘n »jh"; da erwiesenermaßen es Gemeinden giebt, die zu Gunsten - ihres Geldbeutels gerne aus jede Selbst- Achtung verzichten. sä § 9: „Dem Judentum und seinem Fortbestehen" bringen nur Juden im Sinne der Vorbemerkungen Punkt III „lebendes Interesse" entgegen. Wie das Programm heute aussieht, scheint es deutlich ein Rock, der auf zwei ganz verschiedene Leiber geschnitten ist und darum keinem recht paßt. Das - wäre zu vermeiden gewesen durch einen zwar weniger „politischen", aber dafür umsomehr jüdischen und sauberen Gruppierungsmodus in: Neolog — Orthodox. Gesteweirh. Wie«, 1. Februar. In der gestrigen öffentlichen Sitzung des Kultusvorstandes wurden die Anträge auf Vorbereitung einer Wahlreform durch Einsetzung eines neungliederigen Ausschusses angenommen. Eine andere Kommission wurde ernannt, um die Reform des Steuer-Systems einzuleiten. Der Versuch einen Antrag zum Beschlüsse zu erheben, wonach die Sitzungen des Kultusvorstandes durchaus öffentlich sein sollten, wurde durch Verweisung an eine Kommission zum Scheitern gebracht. Der Streik der Religionslehrer dauert an. Ungarn. Die flusroeifuns 9er 6ali?ier. Budapest, 3. Februar. Dieser Tage sprach, nach Mitteilung der Jüdischen Korrespondenz aus Ungarn, die Budapests Direktion des Amerikanischen Hilfsausschusses beim Ministerpräsidenten Grafen Paul Teleki vor, um dessen Aufmerksamkeit auf die unhaltbare Lage der internierten Galizier zu lenken. Hofrat Franz Szekely führte bet dieser Gelegenheit im Namen der Pester Jsr. Religionsgemeinde alle Magen der in den Jnterniertenlagern gehaltenen Galizier an und erbat dringende, rasche Abstellung der Mißställde. Die Mitglieder der Deputation verwiesen bei dieser Gelegenheit auch aus die maßlosen Uebertreibungen der antisemitischen Presse, die von 90000—1000000 sich in Ungarn aushaitenden Galizianern spricht, In Wirklichkeit konnten die Behörden selbst bei der strengsten Durchführung der Ausweisungsverordnung im ganzen Lande nur einige hundert jüdische Familien austreiben, auf die die Verordnung Anwendung finden konnte. Der Ministerpräsident erklärte in seiner Erwiderung, daß er keine Kenntnis von den geschilderten Zuständen im Jnterniertenlager Ptltsesaba gehabt habe, sich jedoch Bericht erstatten lassen und Wandel schaffen werde. Er anerkenne, daß die Internierung keinen Strafcharakter besitzen dürfe, da sie ausschließlich eine durch die große Wohnungsnot in Budapest hervorgeruftne Verfügung wäre. Wenn im Jnterniertenlager die Juden übermäßig strenge behandelt wurden, so könne dies nur eine Folge des Mißverständnisses des Geistes der betreffenden Verordnung sein. Der Ministerpräsident erklärte mit aller Entschiedenheit, daß eine Internierung nur jenen ausländischen Juden gegenüber Platz greifen könne, die nach dem 1. Januar 1914 nach Ungarn eingewandert sind und es gebe keinerlei geheimeVerordnung, die-auf die Ausweisung der vor 1914 angesiedelten Juden angewendet werden könnte. vsr neuen ZuSen3l!5weisung6N m Ungarn Budapest, 29. Januar. \ kää! sä:»“ "Rk emem JournalMen, o^ß sich das Mnnsienum; ' «ü6r, w; cwv,t gegenwärtig wieder mit .ver energischen Ansj DistrMs.abbiuer?Dr."M. lieiu&etgTNeummkt (Ober- Weisung der Galtzraner beschäftigte uno sarmllMS ' pfulz). PolizetbezirkShauptmannschaften angewiesen habe, die Konskribierung der unbequemen Fremden mit größter Strenge zu Ende zu führen. Rumänien. Ztukarest, 1. Februar. In der zeitweiligen „Verordnung für die jüdischen Gemeinden" in den neuen rumänischen Provinzen ist es den jüdischen Verwaltungen und Schulen verboten, eine andere als die rumänische Sprache als Verhandlungs- und Unterrichtssprache zu gebrauchen. Juden, die keine rumänische Staatsbürger sind, sind wenn sie auch im Lande ihren Wohnsitz haben, keine Mitglieder der Kehilla und haben kein Wahlrecht. Voten. Die jüOifchen Schulen im IDarfchauer Sfaöfraf. Warschau, 5. Februar. Die Montagssitzung des Stadt rate s beschäftigte sich mit der Frage des Schulzwanges, wobei von jüdischer Sette städtische Mittel für die jüdischen Schulen und die Bildung eines speziell jüdischen Schulrates verlangt wurden. Die sozialistischen Gruppen unterstützten die Anträge. Ratmau L t b i tz k i protestiert gegen die üdtsche Schule und den Jargon als Unterrtchtsprache. Professor K o l in o w s ki hält das Zweiprachensystem vom pädagogischen Standpunkt aus ,'ür schädlich und tritt für die Gründung besonderer Schulen für die Sprachminderheiten ein. Bon jüdischer Seite sprachen Grünbaum und andere. Die Debatte ist in dieser Sitzung, obwohl sie bis in die Mitternacht dauerte, nicht zum Abschluß gekommen. In Sen lnlernierurigLlsgern. Warschau, 28. Januar. Eine Interpellation des Abgeordneten Dr. Osias Thon an den polnischen Minister des Innern enthält geradezu erschütternde Angaben über die Behandlung von Juden in den Internierungslagern. Es heißt dort unter anderem: „In die Konzentrationslager, welche die Deutschen und Oesterreicher während der Okkupation Polens gegründet hatten, kommen nebst feindlichen Militärgefangenen auch Zivilpersonen, aber nicht fremde, SMat-Anfans und Ausgang. 0 R Ti Anfang | Datn« Ausgang Wr lMin.tL9Sl! S«81 Mr Ma. 11. ' 4. Adar I. 1 I Frankfurt«. M 5 10 1 Jebr. «1 I 25 Berlin .... 5 05 i 5! 1 54 München . . - 5 15 j 6 11 Mrafrvnrs - - — — — Stuttgart. . . — — - — Pvfe« ... -- -- — - Nürnders. 5 10 0 10 5! 15 1 i 6 | 13 Pesackwaren. Die Firma I. Anton-Alexander, Berlin, N. 31, Oranienburgerstraße 3, empfiehlt sich zur Lieferung von freien und bezugscheinpflichtigen Pesachwaren. Stehe Inserat in der heutigen Nummer. Die von der Chem Pharmaeentifche Fabrik „Britania", Frankfurt a. M., Schäfergaffe 3, hergestellte Nasiercreme „Rasolin" rasiert ohne Messer, ist einfach, bequem, hygienisch und bst-'ig. 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