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Der Israelit · 1921-02-10 · Heft 6 (10.2.1921) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 6 (10.2.1921)
Date
1921-02-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Sette 6 Nr. 6 sondern eigene Staatsbürger. Die Internierten müssen in diesen Lagern, wohin sie oft ohne jegliches Verschulden, nur auf Grund eines leisen Verdachtes, verleumderischer Denunziation oder durch Schikanen eines feindseligen Stadtoaters oder lokaler Beamten gebracht werden, monatelang verbringen. Kälte, Hunger, Mangel jeglicher Hygiene, Schläge durch die Aufsichtspersonen, Beschimpfungen, ja Sittlichkeitsvergehen seitens der Wächter gegen die Internierten sind an der Tagesordnung". Aus 'der Interpellation wird auch die Tatsache bekannt, daß in gewissenJnternierungslagern die Juden, einerlei, welcher politischen oder kriminellen Vergehen sie beschuldigt werden, in besonderen Gruppen uh tergebracht sind. Ihnen wird die ärgste Behandlung zu teil. Besonders zeichnen sich die Konzentrationslager in Donrbte und Strzalkow aus. Die Interpellation berichtet auf Grund unparteiischer Aussagen von Augenzeugen, die weder Juden noch Kommunisten sind, daß die Juden in den Lagern Dombie und Stralkow aller Begünstigungen beraubt sind, die anderen Internierten zustehen. In Dom bie sind die Baracken, in welchen Juden untergebracht sind, durch einen Zaun von den übrigen Baracken getrennt, die Insassen dürfen weder einnoch ausgehen. Sie erhalten schlechte Beileidung und müssen zumeist barfuß gehen, während die anderen Internierten Schuhe erhalten. In Strzalkow wurde in alle Baracken Licht eingrleitet, nur in die der Juden und Kommunisten nicht. Lebensmittel, welche für internierte Juden gesendet werden, werden ihnen nicht ausgefolgt. Dies geschah in Dombie, ebenso in Strzalkow. Jüdische Frauen werden mit Prostituierten zusammen in einer Baracke untergebracht und oft in grausamer Weise mißhandelt, während die Prostituierten allerlei Begünstigungen genießen. Aufklärung darüber, warum die Internierung erfolgte, erhalten die internierten Juden trotz aller Bitten nicht. Ein gewisser Benjamin Epstein, welcher aus Aegypten nach Polen kam und englischer Untertan ist, befindet sich seit seiner in Grodno plötzlich erfolgten Verhaftung bereits seit mehr als einem halben Jahre in Dombie, ohne einen Grund hierfür zu erfahren. 1 Die Interpellation Dr. Thons führte eine! Reihe von Tatsachen an, aus denen nur die vorstehenden herausgehoben wurden. Es ist bezeichnend, daß in' Kalisz, wo sich ebenfalls ein Internierungslager befindet, neben Juden und Kommunisten auch die eniwaffneteu Balachowicz- Banditen interniert sind. Sie dürfen in der Stadt frei umhergehen und bilden durch ihr wüstes Treiben den Schrecken der Stadtbevölkerung. Die übrigen Internierten sind jeder freien Be-' wegung beraubt. Das Balachowiez - Gesinde! erhält ausreichende Kost, während die anderen Internierten hungern. Die jüöiidien Kleinhändler- Warschau, 24. Januar. Finanzmmifter Steckowski lud die jüdischen Kleinhändler zu einer Konferenz ein, um sich über ihre Lage zu informieren. Die erschienenen jüdischen Vertreter erklärten, daß ihre wirtschaftliche Lage nur im engen Zusammenhang mit einer radikalen Lösung der Judenfrage in Polen verbessert werden kann. Die Deputation forderte die Abänderung des Sonntagsruhegesetzes, damit die jüdischen Kleinhändler nicht gezwungen werden, zwei Tage in der Woche zu feiern, sowie die Zulassung von Vertretern der jüdischen Kleinhändler in sämtlichen Sreuerkommissionen. eiSeLverweigemng gm Ssbdst. Warschau, 2. Februar. Am letzten Samstag waren vom Präsidenten des HLndeiögerichtes die Gewählten Handelsrichter einberufen sind sollten vereidigt werden. Unter den Gewählten befinden sich aber sechs Juden, j die die Ablegung des Eides am Sabbat, welche 1 noch außerdem mit Namensnutcrschnfi verbunden J ist, verweigerten. Ratmarm Wischlitzki erklärte, ß man könne nicht gut die Ablegung eines religiösen j Eides verlangen und gleichzeitig den Vereidigten j zu einer Relkgionsverletzung zwingen. Der f »ei Zrrsru- 1» Februar 1931 Präsident gab nach und verlegte die Vereidigung auf Dienstag. Warschau, 5. Februar. In Warschauer Zeitungen wird eine Liste von Pogromopfern in Beßarabien veröffentlicht. 89 Namen, Männer, Frauen, Greise und Kinder führt diese traurigste aller Verlustlisten aus einem einzigen Städtchen, (Fiter, Gouvernement Kiew) an. Wikna, 3. Februar. Die polnische Regierung veranlaßte General Zeltgowski, die Landtagswahlen auf unbestimmte Zelt zu verlegen. Als Grund wird angegeben, daß sich zur Zeit nicht die gesamte Bevölkerung an den Wahlen beteiligen könnte. — Besonders im Interesse der Juden, die noch keine klare Stellung zuden Berhältntffen nehmen konnten, ist diese Verlegung sehr zu begrüßen. Personalien. Berlin, 5. Jebr. Mit dem Berliner Professor Dr. Wilhelm Förster, der im 89 Lebensjahre verstorben ist, ging ein ausrechter und aufrichtiger Freund des Rechtes, ein rapferer Verteidiger des Judentums von dannen. Förster war seinerzeit Mitbegründer des Abwehrvereins und blieb bis zuletzt in diesem Verein für jüdisches Recht und jüdische Ehre tätig. Für seine Kenntnis des Judentums spricht seine Schrift „Die internationale Wirksamkeit des Judentums in Vergangenheit und Zukunft", in der er in großzügiger Weise die Verdienste des jüdischen Wesens um die internationale Kultur unter der Vorherrschaft der babylonischen und persischen Macht, sowie namentlich in der atexandrinischen Zeit schildert und eingehend darlegt, daß cs gerade dem Judentum beschteden gewesen ist, in seinen Lehrhäusern, zumal in Syrien, die von den vorangegangenen Jahrhunderten begründeten Wissenschaften hochzuhallen. Heubach v. d. Rhön, 30. Jan. Nach langer segensreicher Tätigkeit an der hiesigen öffentlichen Volksschule und in der Gemeinde, tritt unser Lehrer Herr I. Rothschild in den Ruhestand. Er verlegt seinen Wohnsitz nach Zwiugenberg a. d. Bergstraße. Mit Bedauern sieht die Gemeinde diesen Mann aus seinem Dienste scheiden. Herr Rothschild erfreute sich großer Beliebtheit nicht nur in jüdischen Kreisen. Möge ihm in seiner neuen Heimat ein glücklicher Lebensabend beschieden sein. Heldenbergen, 3. Februar. Einen unersetzlichen Verlust hat unsere Gemeinde erlitten. Unser allverehrle Lehrer Leopold Werthetmer, der Altmeister und die Zierde der Lehrerschaft, ist nicht mehr.' Ein begeisterter und begeisternder Lehrer, ein Kollege, der mit der ganzen Kraft seiner Persönlichkeit mannhaft eiiitrat für das Wohl der ganzen Lehrerschaft — war r er doch der Begründer einer ganzen Reihe von Lehreri vereinen — ein großer, edeldenkender Mensch, der keinen i Unterschied des Standes, keinen der Konfession kannte, dem als höchstes galt, das Menschliche im Menschen, ein Vater, dessen ganzen Streben es war, trotz aller Fährnisse des Lebens, die ihn betroffen, seine Kinder zu guten, tüchtigen Menschen heranzubilden, ein Führer, der mir seiner 56 jährigen Tätigkeit in hiesiger Gemeinde voll und ganz verwachsen war, und der seine Gemeinde hinanführte zu allem Guten und Edlen, hat uns auf immer verlassen. Wie sein Leben, so war auch sein Heimgang ein Kämpfen und Ringen bis zum letzten Atemzug. Hunderte von Menschen gaben ihrem Lehrer, Führer und Freund trotz fürchterlichen Unwetters das letzte Geleite. Am Grabe betlagte Herr Provinzialrabbiner Dr. Hirsch selb in dem Tode des Verstorbenen den Verlust eines aufopferungsfähigen Lehrers und geistigen Führers. Herr Lehrer Bader schilderte sein Leben als Vater, Lehrer, Kollege, Freund, Jude und Mensch. Ergreifende AbschiedSworte eines treuen Freundes widmete ihm Herr Reallehrer a. D. Salomon Im Namen des Lehrerverbandes und Hess. Lehreroereins sprach Herr Lehrer Simon. Außerdem sprachen nochVertreter der politischenGemeknde und der Lehrerichaft. Im Trauerhause zeichnete Herr Lehrer Bader den Vorstorbenen als Familienvater und am letzte« Samstag als Führer und Stütze der Gemeinde. Zur ewigen Erinnerung an den Verstorbenen wurde von dessen Schülern und Schülerinnen eine Lehrer Leopold Wertheimer'sche Stiftung gegründet, deren Zinsen alljährlich atu Jahrzeitslage an arme, kranke und bedürftige Heldenberger Juden verteilt werden sollen. Gschlveiler, 4. Februar. Am 20. Februar feiert Herr Lehrer Sch ö mann, hier, sein 25 jähriges Drtsjubiläum als Lehrer und Vorbeter. Herr Schömann hat sich während dieser Zeit die Achtung und Liebe seiner Schüler und der Gemeinde erworben. Die Gemeinde und seine Schüler werden ihre Liebe durch einen feierlichen Festakt zum Ausdruck bringen- Vermischtes. Halberstadt, 3 Febr. Der geschäftsführende Ausschuß des Kriegswaisenfonds der Agudas Jisroel r sucht für fünf Zöglinge des Malischer WaisenhaHeS, sehr begabte Knaben mit guten hebräischen KenntyUe« und geordneter Volksschulbtidung, im Alter von ti Jahren, zwecks ihrer Berufsbildung Lehrstelle« i« Deutschland. Streng fromme Interessenten werden aus das Inserat in der heuttgxn Nummer verwiesen. Sprechsaal. Za den Wahlen in Bayern. Nürnberg, 6. Februar. Zur Zeit wird es in jüdischen Kreisen in unserem Lande wieder etwas lebendig, da zum erstenmal Wahlen für die neue Schöpfung, den „Verband der jüdischen Gemeinden" im März stattsinden sollen. Wie immer, versucht das liberale (das Richtlinien-Judentums unter der Maske, man solle Kampf vermeiden, Komprsmisse zu schließen, um so sicherer sich in Zukunft die Vorherrschaft im Verband zu sichern. An sich ist das menschlich und polllisch zu begreifen, nicht zu begreife» ist aber, daß sich orthodoxe Rabbiner und Lehrer finden, die ein solches Wahiabkommen treffen und ihre Gemeinden dem zuführen. Wie ein jüdisch fühlender Mann oder eine solche Frau, eine Wahlliste abgebe« kann und der Sraatsregierung, Männer und Frauen als Vertreter der bayerischen Judenheit präsentieren kann, die das Religionsgesetz aus Prinzip unverbindlich erklären, ist uns ein Rätsel. Man beliebt gern stch etnzulullen mit den Gedanken, die ganze Orgarüfation ist nur eine Finanzimiitution, das wäre der gröbste Irrtum, der je gemacht wurde, denn nach der Trennung, von Staat und Kirche ist die Organisation, die einzige Repräsentant!« der Judenheit und nach unseren la»gjährigen Erfahrungen wird nach Tisch eine ganz andere Sprache gesprochen. Nunmehr hat auch das bayerische liberale Judentum eine Art Wahlaufruf erlassen, worin der Kaurps gegen die jüdische Volksschule in den Vordergrund gesteLt wird. Den Herren Lehrern die auf diese Organisation als eine Art Erlösung schauten und einem KompromG mit der liberalen Vereinigung das Wort redeten, wird nun auch, wenn auch langsam, ein Licht aufgehen. Die Katholiken gründen ihre Konfeisionsschulen, die sogenannten Simultanschulen nehmen ihren christlichen Charakter an und stellen kraft der gesitzlichenBestimmung, keinen jüdischen Lehrer an, „das liberale Judentum kämpft gegen die jüdische Volksschule" ein tragikomisches Schauspiel, „es kämpft für Ausnahmegesetze gegen autzerdeutsche Juden", obzwar sie gleiche Pflichten haben, sollen ihre Rechte verkürzt bleiben, „für Ausgestaltung des Gottesdienstes in religiösem Sinnes, wir kennen diese Phrase der Nevlogie, vielleicht ist darunter gemeint, daß neben der Orgel etnige Posaunenbläser funktionieren sollen. Gegen eine solche Tätigkeit der Neologie, — denn das Wort liberal dafür zu gebrauchen, war immer rin Mißgriff in Anbetracht der Gewaltherrschaft der Grotzgemeinden gegenüber Minvriläten, — mühten alle Wähler, die noch Sinn haben für die Erhaltung des jüdischen Prinzips, Front machen. In der Jüdischen Volkspartei sind Männer zusammengetreten, die erklären, das Programm für Erhaltung aller althergebrachten jüdischen Einrichtungen durchzufi hren und dafür zu kämpfen, die im jüdischen Geist die Jugend erzogen wissen will, die keine Ausnahmegesetze gegen jüdische Brüder zulätzt und welche die Erhaltung der Klein- und Mitlelgemeiuden mit ihren Beamten Ernst nimmt. Es kann kein Paktieren mir den Richtlinien-Neologie geben. Wir hoffen, daß unsere bayerischen Juden stch nicht irresühren lassen und wie bei früheren Gelegenheiten selbständig handeln, indem sie der jüdische« Volksparrei ihre Stimme geben. (Das wohlbegründete Plaidoyer des geschätzten Herrn Einsenders gegen die Liberalen hätte wesentlich mehr Gewicht, wenn sich nicht daran die Empfehlung der — Jüdischen Bolkspartei schlöffe, die im Prinzip genau so wenig orthodox ist wie die ncologe Partei. Ist etwa Vorsorge gecrossen, daß dir Bolkspartei nur solchen Persönlichkeiten das Recht der Wählbarkeit zugesteht, die das „Reliaronsgesetz als verbindlich" anerkennen? Siehe im übrigen unseren heutigen Leitartikel. Redaktion). Grofl-Frankfiirt am Eschenheimer Turm Spezialitäten- Tii©@i@s* ZiilsrtaS und Biepkabapeff Rassenöffnung 6l/s Uhr, Anfang 71/* Uhr abends lein k Sause Eingang nus« SfifistraBe 32

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