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Der Israelit · 1921-02-03 · Heft 5 (3.2.1921) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 5 (3.2.1921)
Date
1921-02-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Hetle 6 Nr. 5 k-y ,ifV; Mi if: *V ( ■ :.t' >R / II: Ui' t: Nach den Kapiteln des R. Elieser. LlHcrarU^tWärfe Die -avdala und die jüdische Frau (Schluß.) Die Feier der Ergebung ist die Havdala. R. Elieser und seine Schüler erklären uns die Gebräuche der Havdala aus den ganz menschlichen Gefühlen, die am ersten Sabbatausgang der Erste Mensch erlebt hat — aus den Worten, die er, — dem Berichte der Thora zwischen den Zeilen herausgefühlt — gesprochen haben muß. Wie der Prophet Jirmijahu ausruft: „Gebet Wein dem Verderbenden, Berauschendes denen, die bitteren Herzens sind", so haben wahrscheinlich die Weisen auch den Wein als Teil der Havdalafeter bestimmt. Es wird des näheren überliefert, daß später, in einer Zeit der Verfolgung, des Elends und der Armut die Havdala im Hause dem Volke erlassen und ihre Erwähnung im Achtzehngebete als ausreichend angesehen wurde. Sobald aber Verfolgung und Not nachließen, kehrte man zum angestammten Brauche zurück. Das scheint, wenn nicht in Anlehnung, so doch im Geiste unseres Kapitels gedacht zu sein, denn N. Mana erklärt die Havdala für so wichtig, daß sie auch beim Fehlen von Wein, ja selbst von Licht, nicht unterbleiben darf. Ein „Stein aus der Erde" genügt nach ihm nötigenfalls als Symbol des sonst durch Feuer symbolisierten Menschenherrschens über die Erde, seit dessen Beginn das Ewigkeitsstreben des Menschen so eng begrenzt ist. Daß der Wein im Sinne obigen Prophetenwortes gedacht ist, daran erinnert R. Eliesers zürn Brauch in ganz Israel gewordene Forderung: Das Streichen des Wasseraus dem Havdalabecher über die Augen, gleich als wollte man die Tränen über den Abschied vom Sabbat damit fortspülen, mit dem „Reste der heiligen Tat". Heutzutage ntirrmt man zu diesem Brauche den Wein selber, nachdem zuvor auch das Licht damit gelöscht ist, gleich als sollte selbst die im Feuerlichte symbolisierte Erdentätigkeit, selbst der menschlichste Stolz und der menschlichste Schmerz im Reste, im Dämmern des Sabbat versenkt werden. Ob R. Elieser den Brauch der Gewürze nicht mehr oder noch nicht gekannt hat, ist nicht mehr oder noch nicht erwiesen und noch weniger von Bedeutung für diese Gedankenreihe. Wir dürfen annehmen, daß anch dieser Gebrauch, gleich dem Weine, einen Abschiedsgruß an den lieben Sabbat darstellt da es aber ein ewiger Freund ist, dem wir dami huldigen, so nehmen wir als Beßamim nicht die vergänglichen Düfte frischen Blumen, sondern die weniger veränderlichen der Speisewürze. R. Sadoks Abhängigmachung des „Auserwähliseins" von der Havdala gibt uns einen Begriff davon, für wie heilsam unsere Welsen es halten, daß der Mensch sich die Havdala, den Abstand selbst seines heiligsten Strebens vom Ideale gewärtig hältder Sabbat selbst hat sein Ende. Um so eigenartiger berührt uns der Brauch, daß Frauen und Mädchen vom Havdalawein nicht trinken. Es gibt viele Erklärungen dafür, aber keine reicht aus. Das Weintrinken, sagt eine davon, in Gegenwart von Männern widerspricht dem Zerriuthdann bleibt aber unverständlich, weshalb Frauen für sich selber die Havdala mit Wein nicht machen wollen. Dazu hat man gesagt, bei Kiddusch komme dies nicht in Frage, weil das im Gegensätze zu Havdala, ein Mizwa sei. Das ist aber die Havdala auch,' und außerdem gibt es keine Mizwa, die auf Kosten der Zeniuth ausgeführt wird. Also muß auch bet Havdala der Grund ein anderer j Der FSraeUr sein.*) Mein Vater hat mir einen Erklärer gezeigt, der die Havdala, weil das Wort H. „Trennung" bedeutet, als ominös für den Hausfrieden und daher als ungeeignet für die Frau bezeichnet. Das trifft nun freilich nur für Frauen zu und rechtfertigt nicht das Verbot für die Ledigen. Außerdem würde auch die Havdala ohne Wein dazukommen,' diese aber wird nirgends von den Frauen abgelehnt, ebensowenig wie Licht und Würze. Aber letztere Erklärung leuchtet dennoch näher ein. Die Würze der Abschiedsfeier und das Einweihungsfeuer des irdischen Menschenstrebens stehen am Beginne des Alltagswerkes auch den Frauen anauch sie sollen Gott für den Wechsel der heiligen und unheiligen Zeiten ergeben preisen'. Unnötig aber ist es, ihnen Len Kelch des Weines zu reichen, der dem „Verderbenden", dem Sinkenden, dem Verlierenden zukommt. Es ist nicht Aufgabe des ManneS, stets im heiligenden Kreise seines Hauses zu wirken, des jüdischen Hauses das stets ein Tempel des Sabbatgedankens ist auch in den Tagen der Wochedraußen im feindlichen Leben geht sein Weg. Der Frau aber ist dieje „Trennung" vom Sabbatheiligtum ersparte Weshalb also einen kos roal, einen Verschmerzungstrunk für sie? Vom Ueberschätzen menschlichen Heiligkeitsstrebens, wie es ein gedankenloses Hineinleöen aus dem Sabsat in die Woche darftellen würde, hält sie nicht erst die Havdala fern, nicht so ausschließlich die Havdala, daß auch der Wein sie daran erinnern müßte. Hat sie nicht außerdem die Aufgabe, ezer kenegdo, dem mühsamen Streben des Gatten den idealistischen Aufschwung zu ermöglichen, eine Aufgabe, die der Sabbat auch hat? Wie sollte also sie, den Sabbatgedanken stets zu verkörpern berufen, dem Sabbattag Abschied zutrinken? Daß man dieses Minderbedürfnis nicht durch Verzicht auf einen der anderen Teile der Havdala, auf Beßamim oder Licht geäußert hat, zu dieser Tatsache mag der obengenannte Zeuiuthgrnnd den Ausschlag gegeben haben. - Und jo fließen meines Erachtens in dieser Erklärung alle vorigen zusammen. Der Mensch geht ins Gihonlandals Gott ihm nach mutig ertragener Buße Versöhnung verkündet, sorgt er dafür, daß er, aller Ausgrabungs- und Vergötterungs-Gefahr fern, ein Grab findet. Das ist die Demut, die kein Eifern kennt als das gegen das Vergöttern des Erreichten und Geschafften, der „Persönlichkeit", die Demut, die die Vergänglichkeit selbst des Edelsten und Heiligsten im Menschen einsieht und aus dieser Einsicht weiteren Trieb zum Emporftreben schöpft und Preist Gott, der scheidet zwischen Heilig und Ungeheiltgt, hammawdil ben kodesch lehol. Wcher-esprechungen. Zeitfragen im Lichte jüdischer Lebensanschauung. Von Dr. I. Heinemann. Frankfurt a. M. 1921. Verlag I, Kauffmann. 142 Seiten. Preis 9,50 Mk., 50 % Verlagsteuerungszuschlag. Die im Jahre 1919 an der jüdischen Volkshochschule iu Breslau gehaltenen fünf Borträge machen den dankenswerten Versuch, aus den Quellen des biblischen, zumeist des prophetischen Judentums zu den wichtigsten Zeltfragen Stellung zu gewinnen. Es werden nacheinander in formschönen und gehaltvollen Darlegungen die Probleme des Pazifismus, des Königtums, des Sozialismus, der Frauenemarrztpation und der Erziehungsreform behandelt. Der Verfasser sucht dabei eine grundlegende Idee, die der sorgsam ausgletchenden Rechtszumessung an Individuum und Gesamtheit, als maßgebend für die Stellung des Judentums zu den einzelnen Problemen zu erweisen, sodatz tatsächlich in jedem Falle eine Entscheidung aus d e r mittleren Linie erfolge. Es bedürfte sehr weitgretfender wissenschaftlicher Untersuchungen, wie sie dem populär gehaltenen Buche natürlich fernltegen, um die Richtigkeit dieses Endergebnisses ^überzeugend zu erhärtendabei wären zunächst methodische Auseinandersetzungen über die Heranziehung der Bibel, des Talmuds, der Mtdraschliteratur unerläßlich. Anfechtbar ist die doch etwas zu bequeme Art, mit der die Frage, ob t a l m u d i s ch e Studien für Mädchen *) Der Kuriosität halber zitiere ich eine Erklärung, nach der Frauen bloß am Sabbat Wein trinken sollen, der ist aber zur Havdalazeit schon zuende; daher sei eS nur beim Kiddisch erlaubt! 3. Februar 1921 zulässig seien, unter Berufung ' auf,Dr. Kanter und Dr. Lauer, bejaht wird. Ganz abgesehen davon, daß die genannten Autoren sich wohl selber nicht zur Enb scheidung berufen fühlen, hat der erstere die Frage tm Endergebnis geradezu v er n ei nt, und Lauer beschränkt sich auf die Anführung einiger bekannter Ausnahmesälle im Laufe einer tausendjährigen Geschichte, die für die Halacha nichts beweisen. Uns ist auch kein orthodoxes Rabbinerseminar bekannt, „an dem Frauen studieren"- von nicht orthodoxen sollten in diesen Dingen keine Beweise gebracht werden. Im ganzen bildet das Büchlein eine überaus anregende und belehrende Lektüre, und es verdient weite Verbreitung. Schtvilim. Hebräische Lese- und Unterrichtsbücher, Hrsg, vom Jüdischen Schulverein, Berlin. Jüdischer Verlag, Berlin. Es liegen uns von den bisher erschienenen Nummern dieser neuen hebräischen Bücherei drei Hefte vor. Bon diesen ist Heft H, David Frischmann in jeder Beziehung das wertvollste. Die durch lebhaften und anschaulichen Stil fesselnden Erzählungen geben interessante Illustrationen zu Gesetzen und Vorschriften der Thauro und sind in wundervollem Hebräisch geschrieben. Heft III, I. D. Berkowitz enthält Skizzen aus dem Leben der Qstjuöen, die teilweise sehr stimmungsvoll sind und wohl nachhaltigen Eindruck beim Leser hinterlosfen können. Heft IV, M. S. Feierberg bringt kleine Aufsätze, deren Tendenz man nicht kritiklos hinnehmen kann, weil sie unberechtigte Borwürfe gegen die alte Tradition der Ostjuden erhebt. Im großen und ganzen ist das Unternehmen sehr freudig zu begrüßen, denn dem in der Kenntnis der hebräischen Sprache Fortgeschrittenen, wird dadurch die hebräische Literatur erschlossen. Bei den jetzigen Schwierigkeiten im Buchverlag ist die Herausgabe solch preiswerter kleiner Hefte eine besonders dankenswerte Leistung. In sprachlicher Hinsicht ist die Auswahl sehr gut getroffen, doch wünschen wir für unsere Leser eine Lektüre, die ihnen anch stofflich einen Genuß bietet und Kritik und Zweifel hintanhält. Vermischtes. Homburg, 24. Jan. Im Jüdischen Jugendbnnd zu Bad Homburg fand am Sonntag abend unter Leitung des Herrn Rabbiner Dr. Winter, eine wohlgelungene Chamischo osor be fchwat-Feier statt. Eingeleilet wurde dieselbe durch einen stimmungsvollen Bortrag von Frau Edwin Jeist, die über ihre Er lebniffe in Erez Jisroel in feffelnder und ergreifender Weise berichtete. An den Bortrag schloffen sich neben den üblichen Fruchressen gesangliche, musikalische und deklamatorische Borträge an. Mit einer Sammlung g für die Waisenkinder in Palästina wurde der Abend beschlossen. Sprechsaal. Reformaemeiirde und Sonntagsgemeinde. *) Geehrte Redaktion! Meine rein sachlich gehaltenen Ausführungen in Nr. 51 des „Israelit" vorigen Jahres begegnetHerry Moritz A. Löb mit einem in höhnender Form gehaltenen Ausfälle aus meine persönliche Ehre. Ich will nun den Leser mit einer Schilderung der Gefühle, die ich bei dieser Auseinandersetzung habe, nicht behelligen, überlaste vielmehr nach der Richtung hin meinem Gegner den freiesten Spielraum. Ebenso widerstehe ich der Versuchung auf die Frage einzugehen, worin meine Leistungen für den „Verein zur Erhaltung des überlieferten Judentums" hier in der Zeit von 1997—1917 beständen. Das ist eine Herausforderung, die nach Gebühr zurückzuweisen, hier nicht der Ort ist. Er möge mir die Frage in der Generalversammlung tellen und die Antwort wird nicht ausbleiben. Herr Löb hilft sich über die Tatsachen leicht hinweg, indem er einesteils Behauptungen, wie, ich hätte mich anheischig gemacht, die hiesige Gemeinde zu einer Muster gemeinöe zu machen, einfach aus der Luft griff, anderseits wieder Tatsachen, die ihm unbequem sind, wie die Existenz eines Rabbtnates der üblichen Gemeinde schlankweg leugnet, gar noch soweit geht, dies als „Fundamentalirrtum" seiner Gegner auszusp^elen. Es wird wohl genügen, wenn ich demgegenüber auf die Erklärung ebendesselben Rabbtnates, dessen. Existenz so hartnäckig bestritten wird, vom 9. 6. 07 (Allgemeine Zeitung des Judentums vorn 14. 6. 07) verweise, tn welcher gleichzeitig bekundet wird, daß die rituellen Institutionen der jüdischen Gemeinde in dessen Aufträge (d. h. im Aufträge des Dr. Kellermann und Genossen) geführt werden. Null weiß man, was es zu bedeuten hat, wenn Herr M *) Trotzdem wir im Interesse unserer Leser die Diskussion über den genugsam erörterten Gegenstand geschlossen hatten, müssen wir nochmals Herrn Rabbiner Dr. Fink zu einer kurzen Replik das Wort geben, weil Herr Dr. Fink sich durch die Ausführungen d.'S Herrn Moritz Löb persönlich beleidigt fühlte und ein Schiedsgericht die Berechtigung feines Verlangens nach Ausnahme einer Erwiderung anerkannt hat. M,

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