Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 5 (3.2.1921)
- Date
- 1921-02-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Grit« 3 Nr. 5 vmb fingwird daL dreimal heilige Grauenstinlmrecht zum Feldteschrei unserer^ liberalen und nationalen LssivmanLen. Auch wenn kein konservativer Rabbiner den Liberalen zu Hülfe gekommen und der Orthodoxie in den Rücken gefallen wäre, hätte man sicherlich den Anträgen der innerhalb des D- I. G. B. von jeher schwach vertretenen orthodoxen Gruppe keine Rechnung een. Nicht mehr Glück hatte die orthodoxe »heit mit ihrem Versuche, die besonders provokatorische Vertretuug der „theologischen" Lehranstalten im „Rate" des Bundes zu beseillgtii; man kann es dem radikalen Liberalismus schließlich nicht verübeln, wenn er an diesem Punkte wenigstens die Würde seiner Weltanschauung wahren und dieser Weltanschauung, mag sie so unjüdisch sein wie nur immer, die Anerkennung als gleichberechtigtes Judentum ertrotzen will. Wir'hoffen zuversichtlich, daß das orthodoxe Rabbinerseminar den Sinn dieser liberalen Geste gebührend würdigen und es dankend ablehnen wird, neben „Hochschule" und „BreSlau" als „auch eine Richtung" die im Rate der vereinigten Judentümer zu repräsentieren. Ob die beim Grmeindetag anwesenden gesetzeStreuen Gemeindevertreter mit ihren Anträgen wirklich durchzudringen gehofft hatten, wtffcn wir nichtjedenfalls hat ihnen der Verlauf der Debatte und der Abstimmung gezeigt, welcher Geist die auch in dem neuen Bunde maßgebenden Großgemeinden beherrscht, und wie lebensnotwendig die kraftvolle Verkörperung des historischen, gesetzestreuen Judentums durch eine selbständige, die Würde einer öffentlich-rechtlichen Religionsgesellfchaft besitzenden Körperschaft ist. 'Diese Körperschaft, der „Bund gesetzestreuer jüdischer Gemeinden Deutschlands", hat auf der Tagung selbst seine Be- -rettfchaft erklären lasten, unbeschadet feiner Unabhängigkeit, mit dem D. I. G. B. dem Staate gegenüber, insbesondere in finanziellen und steuerlichen Fragen, zusammenzuwirken, und er hat dadurch wesentlich dazu beigetragen, daß das so oft gescheiterte Werk diesmal zustande kam. Heute darf man es aussprechen: die Opposition der Orthodoxie war doch das Ferment, das in dem Kampfe gegen die Entwürfe von R o s i n und M a ch o l die zionistische und rabbinische Gegnerschaft erst zur vollen Wirksamkeit gebracht hat. Auch diesmal wäre dem D. I. G. B. der leichte Triumph über den «Verband der deutschen Juden", über manche starken Widerstände im großgemeindlichen, zionistischen, rabbinischen und pädagogischen Lager njicht beschteden gewesen, hätte nicht aus l Kleines Feuilleton, i Renibran-t und das Judentum. Aus einem Vortrag von Dr. Erwin Panofsky. Seit dem 18. Jahrhundert wurden die sogenanruen Marannen, die entflohenen spanischen und portugiesischen Juden, in Holland aus intellektuellen, politischen, religiösen und ästhetischen Sympathien heraus mit offenen Armen ausgenommen. Besonders die Künstler zog es zu ihnen, deren Typus die Patriarchen wieder lebendig zu machen schien. Nembrandt wurde der Erwecker einer religiösen Malerei, weil nur er imstande war, den historischen Stoff mit individuellem Leben zu erfüllen und auch die greifbarste Wirklichkeit in das Menschlich-Edle hinaufzuläutern. Gerade dies Bestreben aber führte ihn zur genauen Beobachtung der Juden. So zählte er auch den Amsterdamer Oberrabbtner zu seinen Freunden und verfertigte Radierungen znr Illustrierung eines seiner Bücher — ja, das berühmte Blatt Rembrandts, das fälschlich als „Alchymlst" bezeichnet wird, stellt jedenfalls eine kabbalistische Vertiefung dar, deren Verständnis it,m jener Manaffe Ben Israel vermittelt hatte. Nembrandt, der von Anfang an nur ein gewissermaßen äußerliches Interesse an den Juden genommen hatte, vertiefte dies allmählich in hohem Matze In seiner ersten Periode interessierte ihn vor allem dreierlei: der Charaktertypns, die starke Ausdrucksbewegnng und das Malerisrh-Phantastische. Ein jüdischer Bettler, der berühmte Rabbiner des Herzogs von r Devonshire und der Belsazar zeigen, wie stark ihm! __Der JSraelij. _ wohlerwogenen sachlichen Gründen die organisierte Orthodoxie die leitenden Kreise des D. I. G. B. durch den bewußten Verzicht auf jede systematische Gegeuagitation wirksam unterstützt. Dennoch istdasAngekor des gesetzestreuenBundes zur Zusammenarbeit weder auf dem Gemeindetag, noch sonstwie in der Oeflentltchkeit bisher beantwortet worden) es sei denn, daß man die wiederholte Aufforderung Dr. Freunds zum korporativen Anschluß an den D. I. G. B., der für die Orthodoxie aus religiösen Gründen unannehmbar ist, als ablehnende Antwort auffoffku wollte. Im Interesse einer friedlichen Entwicklung, die ja schließlich auch dem D. I. G. B. am Herzen liegt, wollen wir jedoch hoffen, daß diese Hypothek falsch ist, und daß D. I. G. B. und Bund den Weg zur paritätischen Zusammenarbeit finden werden. * * * Unser Berichterstatter schreibt uns hierzu noch Folgendes: Dir Berichterstattung über den fünfzehnten deutschisraelitischen Gemeindetag, wir sie im Hamburger «Israelitischen Famittenblatt" und in der „Jüdischen Bolkszeitung" (BreSlau) zu lesen ist, entspricht so wenig den tatsächlichen Vorgängen der Tagung, daß eine Berichtigung geboten erscheint. Der unbefangene Leser muß nach der Lektüre der Berichte den Eindruck gewinnen, daß der Entwurf ohne oder säst ohne Widerspruch angenommen worden sei, und daß auch die Anträge der Orthodoxie fast durchweg die Zustimmung der Versammlung gefunden hätten. Ob hier absichtliche Irreführung oder vielfache Miß. Verständnisse vorltegen, bleibe dahingestellt. — Auf jeden Fall dürfte es wichtig sein, den Verlauf der Tagung, soweit sie die Stellungnahme der Orthodoxie betrifft, in aller Kürze nochmas zu schildern. Von vornherein schon hatte man den bestimmten Eindruck, daß der Entwurf eine Annahme finden werde, um so mehr, als ja d*e Großgemeinden, deren wenige Stimmführer Hunderte von Stimmen vereinigten, in der Lage waren, jede gegnerische Meinung zu major ist eren. Die Anregung des «Bundes gesetzeSIreuer Gemeinden", eine gemeinsame Delegation beider Verbände zu schaffen, wurde weder von den Leitern der Versammlung noch von dem Vertreter desEntwurses erwähnt. Man wollte scheinbar garnicht den Eindruck erwecken, a!S ob die Notwendigkeit eines Zusammenarbeitens mit der Orthodoxie vorläge. Nachdem bei der Generaldebatte Rabbiner Dr. PinchaS Kohn die Erklärung abgegeben hatte, daß der „Bund gesetzestreuer Gemeinden", unter Wahrung seiner Selbständigkeit, zu einer Zusammenarbeit mit dem Verbände in besonderen Fällen bereit sei, eine Erklärung, die dankend acceptiert wurde, brachte eine Anzahl gesctzeslreuer Delegierten der Tagung (nicht etwa der „Bund gesetze?1reuer Gemeinden") mehrere Anträge ein, deren Annahme es auch orthodoxen Gemeinden ermöglichen sollte, sich dem neuenBerbande onzuschlietzen. Die Anträge verlangten u. a.: die Abänderung des ß 10 deS Entwurfes, welcher allen volljährigen Gemeindemitgliedern beiderlei Geschlechts das aktive und passive Wahlrecht verleiht, indem er es lediglich auf alle volljährigen männlichen Gemeindemitglieder zu beschränken wünschte, ferner die Streichung des zweiten h?re die iüdischen Typen entgegenkamen. Nembrandt karn es daraus an, das seelische Leben des einzelnen festzulegen, feinen Charakter bis ins einzelne hinein durch seine Kunst zu verdeutlichen. In seiner zweiten Periode dagegen geht er über dies Bestreben hinaus: er gibt Menschen, die uns sttmmungsmäßig vertraut erscheinen, ohne daß wir etwas über ihren Charakter auszusagen vermöchten. So tritt auch beim Juden, den er porträtiert — etwa dem Ephraim Bonne —, das spezifisch Aeußerltch- Jüdische zurück hinter dem allgemein Menschlichen und der besonderen innerlichen Art, in der der Jude eben dies Menschliche repräsentiert. Die Gestikulation, die in der erster, Periode etwas Dramatisches hat, wird in der zweiten fast völlig unbestimmtsie verzichtet gewissermaßen darauf, bestimmte Gefühle auszudiücken. So gewinnt auch erst der mittlere Nembrandt eine Beziehung zum Familienleben der Juden, das er z. B. ergreifend in den beiden Eltern des Tobias darstellt, die durch das Gefühl langen, ergebenen Wartens miteinander unlöslich verbunden, ruhig in ihren, Srübchen sitzenin ihrem gerade im Gegensatz zur ersten Periode völlig undramalischen Leiden ein um so menschlich rührenderes Bild. In der letzten Periode endlich wird der Psychologe Nembrandt zum Metaphysiker. Er erfaßt in seinen Menschen etwas, was nicht mehr definierbar, ja nicht einmal mehr erfahrrar ist: die „Stimmung" der mittleren Periode weicht einem Zustand, bei dem das Individuell-Bestimmbare in einer höheren Einheit aufgegangen ist. Die Menschen, die Nembrandt nun malt, sind nicht mehr typisch oder individuell-stimmungsmätzig aufgesaßt, sondern sind Wesen, deren empirisches Einzelbewußlsern nur der „Modus" einer allumfassenden metaphysischen Substanz ist. Jetzt erst fand Nembrandt in den Juden die Zeitlosigkeit des Orients und die 8. Februar 1931 Absatzes des Z 39, welcher die Entsendung je eines Mitgliedes des Breslauer Seminars, der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums und des Rabbiner- Seminars in den Rat vorschreibt. Außerdem wünschte der orthodoxe Antrag, daß bei den Ausschüssen des Verbandes, neben denjenigen für Kultus und Unterricht, auch solche wissenschaftlicher Natur geschaffen werden, deren Mitglieder der für den Ausschuß maßgebenden religiösen Richtung angehören müssen - daß bet den Wahlen zu diesen Ausschüssen nur Angehörige der betreffenden Richtung Stimmrecht haben, und daß schließlich für diese Ausschüsse, soweit sie konservativer Richtung sind, den Frauen ein Wahlrecht utcht zusteht. Zu § 27, der das Ve,hältnis der Ausschüsse dem Rate unv den Gemeinden gegenüber regelt, erklärt der orthodoxe Antrag, daß die religiöse Autonomie der Gemeinden und Rabbiner durch die Ausschüsse in keiner Weise angetastet werde dürfe. Diese Anträge wurden sämtlich avgelehilt, wobei jedoch bei Ablehnung deS Antrages hinsichtlich der Seminarien eine Minorität von über 300 gegen 637 Stimmen vorhanden war, ein Beweis dafür, daß eine große Anzahl nicht-orthodoxer Delegierter sich der Bedeutung der Annahme dieser Anträge nicht ver- Ichloffen harten. Die MachLder Großgemeinden allein hatte die Anträge zu Fall gebracht-. Vor der Abstimmung versuchte in letzter Stunde Rkgierungsrat Hans Goslar die Versammlung dazu zu bewegen, den § 32 — Verfassungsänderungen — zu streichen. Der Redner erklärt, daß die Beratung des Entwurfes in solcher Uebereilung von statten gegangen sei, daß die Bersamwlungsteitrehmer eine Verantwortung für ihre Beschlüsse nicht übernehmen könnten. Der gut gemeinte Rat wird jedoch von der Majorität verworfen und der Entwurf, zur Abstimmung gebracht. Fast sämtliche Delegierte erhoben sich von ihren Plätzen und vom Vorstandstisch wurde fei,gestellt, daß der Antrag fast einstimmig angenommen worden sei. Hierauf erklärte Herr Seckbach-Halberstädt, daß bei der Abstimmung eine große Anzahl Delegierter sich der Stimme enthalten habe, daß fie sich au die von ihm zu Beginn der Tagung abgegebene Erklärung — eine große Zahl orthodoxer Gemeinden würde sich nach Annahme der orthodoxen Anträge dem Verband anschliehen — nicht mehr gebunden fühlten und sich volle Dewegungssreiheit Vorbehalten. Mit dieser Erklärung war somit klar zum Ausdruck gebracht, daß die Orthodoxie durch ihre Vertreter den Entwurf abgelehnt habe, eine Feststelluug, die hiermit in aller Form wiederhvltwird. Nach alldem ist es unbegreiflich, wie das „Israelitische Familienblatt" am Ende seines Berichtes im Hinblick auf die Anträge der Orthodoxie erklären kann: „die Anträge werden angenom m en", und es nicht für nötig hält, die bedeutsame Erklärung seitens der orthodoxen Delegierten zu erwähnen. Ein gleiches trifft für die „Jüdische Volkszeituug" in Breslau zu, welche zu den orthodoxen Anträgen bemerkt: „Nach diesen Erklärungen beschloß man, um des großen Zieles willen, eine wirkliche Einheit des deutschen Judentums zusammen zu bringen, der Orthodoxie emgegcn zu kommen, zunral man ihre Forderungen als nicht gar zu folgenschwer erachtete, und nahm ihre Anträge an." Der Jubel über die Annahme des Entwurfes hätte die Berichterstatter der genannten Blätter nicht veranlaffen dürfen, eine Einigkeit in der Annahme des Entwurfes festzustellen, die durch die intolerante Stellungnahme eines großen Teiles der Delegierten tatsächlich unmöglich gemacht worden war. Beriieflheit einer uralten Rasse. Er malt sie nnr noch als Kopse und diese Köpfe eigentlich nur noch als Augenaber aus diesen spricht mehr, als was in diesem einen Menschen vorgchen kanndie Juden werden ihm zu bevorzugten Repräsentanten eines seelischen Verhallens jenseits alles nur Individuellen. E,r vertieft den Menschen bis zu seinem Aufgehen in Gott, umgekehrt ausgedrückt: er findet Gott im Menschen. Jetzt verschwinden „sud specie aeternitatis" auch die Gegensätze von Gut und Böse, sie lösen sich auf in der Stimmung seelischer Gemeinschaft. Während der Saul auf dem früheren Bilde, das ihn mir dem harfenspielenden David zusammen zeigt, noch ganz Grimm und Haß ist, verbindet ihn aus dem Spätvild mit seinem jungen Gegner eine Gemeinsamkeit der Stimmung, die sich ln seinem lautlosen Weinen beim Spiel Davids äußert. Am stärksten ti ttt diese Auffassung in einem seiner letzten Bilder, der Abführung Hamans zum Tode, hervor, wo es sich vielmehr um einen unwiederbringlichen Abschied eines Verlorenen aus der Mitte seiner Freunde, alS um die Strafe für einen hartgesottenen Bösewicht zu handeln scheine Me erste Kahne. Von H. F. Und wißt ihr, wer bet Lagarde in der Schlacht Die erste Fahne heimgebracht? Die erste Fahne beim ersten Siege, Die erste Fahne im ganzen Kriege? Der Jude Fische! ist es gewesen. So stand es in den Blättern zu lefeir.