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Der Israelit · 1921-01-27 · Heft 4 (27.1.1921) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 4 (27.1.1921)
Date
1921-01-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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33. Ja«ienc ISA »er Israelit. No. 4 Sette b »ereinigen. Das veröffentlichte Programm hrnruen Vereins eröffnet die schönsten Aussichten rmd erweckt die berechtigte Hoffnung, daß nunmehr auch aus dem Gebiete der jüdischen Mädchenerziehung, auf dem in Polen bis dahin ungeheuer viel versäumt wurde, eine ersprießliche Tätigkeit einfetzen wird. Die polmlck-Wllcke Yerfldndigung. Warschau, 22. Jan. Mit dem Rücktritt des Vizepräsidenten des Ministeriums Das ch ins kt sind die Verständigungsverhandlungen, wie die Regierung mitleilt, nicht abgebrochen. Das Kabinett Wittost wird die Verhandlungen auf Verständigung zwischen den Juden und den Polen weiter fortsetzen. Marren. 0er Mlnaer Landtag Wilna, 15. Januar. Wie aus Wilna berichtet wird, hat der Beschluß der jüdischen Gemeinde, sich der Beteiligung an den Wahlen zu enthalten, große Erbitterung bei den Polen hervorgerusen. Eine Gegenbewegung hat eingesetzt, um die jüdischen Bürger für die Wahlen zu interessieren. Es ist vorauszusehen, daß sich viele Juden an den offiziellen Beschluß der Gemeinde und der Organisationen nicht gebunden fühlen werden. Lettland. öeinsff ein ölulmSrltten. Viga, 30. Jan. * Am 18. Dezember verschwand hier ein christliches Mädchen auf unerklärliche Weise, und sofort fanden sich Leute, die gesehen haben, wie das Mädchen ein jüdisches Geschäft betrat, aus dem sie nicht mehr herausgekommen wäre. Leider ließ sich die lettische Polizei vom Pöbel dazu bewegen, bei dem beschuldigten Juden Haussuchung abzuhalten. Man fand auch bei dem Juden ein blutbeflecktes Säckchen, das die Familie zum Fleischholen gebrauchte, und nun war der Rttualmord „festgestellt". Zum Glücke kam, da die Hetze schon ziemlich hoch ging, die Mutter mit der Mitteilung, daß sich die Tochter wieder eingestellt hätte. Man sieht daraus, wie auch in Lettland bei allem guten Willen der Regierenden die Ruhe und Sicherheit oft nur an einem Haare hängt. Gnstand. Die Propaganda Ser Igudas Jisroel in England. London, 14. Januar. Die von der Delegation der Agudas Jisroel ms Werk gesetzte Propaganda entwickelt sich in rrfreultcher Weise, obgleich namentlich von mtscachistischer Seite alles aufgeboten wird, um die Kewinnung der Massen für die Organisation der iDrthodoZkie zu erschweren oder zu verhindern. Ane ganze Anzahl von Synagogen und Bothe Ntdrasch haben sich der Londoner Aguda crrgeschlosserr. Neue Ortsgruppen sind in en abgelaufenen beiden Wochen in Manchester, Klasgow, Sunderland und Middels- > o r o u g h gegründet worden. „Jewish Guardia" »eröffentlicht ein Jnterniew mit Dr. Nathan Sirnbaum, dessen geistvolle Vorträge namentich den intellektuellen Teil des Publikums anziehen und für den Agudagedanken gewinnen. 0r. keillowitkck in fMesinien. London, 15. Jan. Der bekannte Falaschas-Forscher Dr. Feitowitsch ist im Aufträge des amerikanischen Zoint nach Abbesinien gereift, um den dortigen Zuden Hilfe zu bringen. Er hat reichlich Medikamente mitgebracht und mit Hilfe eines aus krez Jisroel berufenen Arztes eine Klinik einerichtel. Auch hebräische Literatur ist unter en Falaschas verteilt worden. I London, 20. Jan. Englische Zeitungen berichten über die Aufnahme des Oberrabbiners Ar. Hertz in Südafrika, wo er jetzt die jüdischen Gemeinden besucht. Auf einem großen Bankett in Johannisburg hielten der Ministerpräsident von Südafrika Smuts, der Oberbürgermeister der Stadt und viele andere hochgestellte Persönlichkeiten herzliche Begrüßungsansprachen. Dr. Hertz wies in seiner Erwiderung auf das unbedingte Vertrauen, das die englische Judenheit und die Judenheit der Welt auf England setzt und auf die Bestrebungen innerhalb der englischen Judenheit, das religiöse Leben zu stärken und zu fördern. Rumänien. Kifchirrew, 15. Januar. Höchst erfreulich sind die Mitteilungen des Herrn Rabbiner Z i re l sohn, über die Bewegung zu Gunsten der Sabbatwahrung unter den Juden in den alten und neuen Provinzen Rumäniens. Die Kaufleute in Jassy haben sogar zu diesem Zwecke einen Verein gegründet, der folgenden Beschluß bekanntgibt: „Wir Unterzeichneten verpflichten uns, von heute ab den Sabbat mit der ganzen Strenge des Reltgionsgesetzes zu beobachten, und zwar in der Weise, ^aß wir jeden Freitag eine halbe Stunde vor Eoabbateingang unsere Geschäfte schließen und bis zum Sabbatausgang nichts kaufen noch verkaufen noch sonst irgendwelche Geschäfte treiben. Am Sabbat darf keiner von uns Waren herausgeben, auch nicht wenn sie vor Sabbat gekauft sind." Es folgen 56 Unterschriften der größten Firmen der Stadt. An dieses schlichte, treujüdische Dokument anknüpfend, richtet Rabbiner Zirelsohn einen warmen Appell an die gesamte jüdische Welt, das teuerste Gut, den Sabbat, in die sich vorbereitende neue Zeit hinüberzuretten. Amerika. Aew-Bsrk, 10. Januar. Der neue polnische Gesandte, Graf Pulaski, erklärte in einem Interview, die polnisch-jüdischen Beziehungen hätten sich so gebessert, daß von einer Judenfrage in Polen nicht mehr die Rede sein könne. (Es ist unbegreiflich, wie der verantwortliche Vertreter eines Staates, der noch dazu eben erst aus seiner Heimat kommt, also informiert sein sollte, eine derartige Behauptung aufstellen kann. Red.) Personalien. Fulda, 34. Januar. Mit Rudi Goldschmidt, geb. Seelig, die am 11. Tevelh in Fulda verschied und am Freitag 'N'i doriseibst zur Ruhe kam, ist eine Frau mit seltenen Eigenschaften und Vorzügen heim gegangen, deren Lebensbild als nachahmungswürdig festgehalten zu werden verdient. Einer echt jüdischen Familie in Mannheim entstammend — ihre Mutter war die erst vor Jahresfrist verstorbene, hier rühmlichst bekannte Frau Regine Seelig n"y — selbst voll glühender Begeisterung für 'NVNp.n «min, dabei hervorragend ausgezeichnet durch Gaden des Geistes und Gemüts erwarb ie sich, als sie durch Umsiedlung der Familie nach Frankfurt hierherkam, gar bald die Freundschaft und Verehrung eines großen Gesinnungskretses. In diesem Verkehr reifte die Persönlichkeit, die durch ihre harmonische Ausgeglichenheit all denen, die sie kannten, ein musterhaftes Vorbild jüdischer Pflichttreue wurde. Es war wohl die glücklichste Stunde von Rudi Seelig, als sie in Karl Goldschmidt den gleichgesinnten, als wackeren Jehudt bekannten Ehegatten fand. Nur eine kaum neunjährige, aber selten harmonische Ehe war ihr an der Seite ihres Gatten beschieden. In diese Zeit fiel der unglückselige Weltkrieg, der Karl Goldschmidt in Feindesland rief, und sie veranlaßte, ihren Hausstand ln Frankfurt aufzugeben. Geradezu erhebend war es ür diejenigen, die auch in dieser Zeit Gelegenheit Hallen, den Lebensfaden von Rudi Seelig zu verfolgen, Zeuge zu sein, wie ihr unerschütterliches Gottvertrauen ie keinen Augenblick im Stiche ließ. Es war ihr vor i!napp einem Jahre vergönnt, in Fulda ein neues Heim zu gründen und überglücklich war sie, in erner von regem jüdischem Leben erfüllten Kehilloh ihr Haus, vereint mit ihrem Gatten, wieder aufbauen zu können. Da raffte nach Gottes unerforschlichem Ratschlüsse eine tückische Krankheit in wenigen Tagen dieses blühende Menschenleben dahin. Gemeinsam mit Gatten, Kindern und Verwandten trauern um diesen herben Verlust der große Freundes, und Bekanntenkreis, der mit Rudi Goldschmtdt näher bekannt war. Herr Rabbiner.Dr. Lahn gab am ersten Tage der bem Schurerze der Gemeinde in einem ergreifendem iCDn Ausdruck. Doch nur was irdisch ist, ist vergänglich. Das Wirken dieser seltenen Frau wird unvergeßlich bleiben und ihr Andenken bei all denen, die sie näher kannten, fortleben. WieSloch (Baden), 33. Jan. Der Religionslehrer und Kantor der hiesigen Gemeinde, Daniel Ackermann, welcher 43 Jahre lang hier wirkte und, seit 1913 im Ruhestand lebte, wurde hier letzten Mittwoch unter starker Beteiligung zu Grabe getragen. An seinem Grabe sprach Herr Stadtrabbiner Dr. Dppenheim von Mannheim und zeichnete in trefflichen Worten ein herrliches Lebensbild des Entschlafenen, der in wahrer Standhaftigkeit stets ein Hin* gewesen und mit seinem ganzen Herzen an den Worten unserer min hing, aber auch nicht minder im öffentlichen Leben sich einen großen Kreis von Freunden zu erwerben verstand. Herr Lehrer Hahn, Walldorf, widmete dem Freund and Kollegen im Namen des Landesvereins israelitischer Religionslehrer und Kantoren Badens, wie noch des Naftalt.Epstein-Verkins, dessen Mitbegründer der Verstorbene war, warme Abschtedsworte und dankte für das liebevolle Jntereffe, welches er während seiner Lebzeiten diesen Vereinen entgegenbrachte. Der Verewigte hatte das hohe Alter von 80 Jahren erreicht; es blieben ihm mancherlei Schickungen nicht erspart, doch hielt ihn sein unerschütterliches Vertrauen zu 'n ausrecht. Sein Andenken wird unter uns fortleben. n"3:sn. Vermischtes. Berlin, 24. Jan. Der israelitische FortbtldungSverein „Montefiore" versendet eme Einladung zu dem am Dienstag, 1. Februar präcis 7aL Uhr abends im Oberlichtsaal der P h t l h a r m o n i e, Bernburgerstr 32/23 stattsindenden Vortrag über das Thema: Jüdische Sexualethik, ein Weg zur Renaissance des Judentums, von Herrn Regierungsrat Hans Goslar, Pressechef der Preußischen Staatsregierung. Gäste, auch Damen herzsichst willkommen. Köln, 27. Dez. Vor der 1. Strafkammer des Landger.lII war der Kaufmann Arthur Zucker wegen „schwerer Körperverletzung mit einer Waffe" angeklagt. Am Abend deS 13. August v. IS. stand am Briefkasten bet dem allen Caf6 des Westens eine große Menschenmenge, ein Zeilungshändler rief eine Nummer des „Deutschen Wochenblatted" mit einem antisemitischen Artikel aus und neben ihm hielt ein Mann eine Stange mit einer Tafel, die die Inschrift „Juden raus", trug. Zucker trat nun an den Zeitungshändler heran und sagte: „Schämen Sie sich nicht, solche Blätter hier zu verkaufen"? Der Händler erwiderte: „Lassen Sie mich zufrieden l Das ist mein Broterwerb". Gleich drang die Menge auf Zucker ein, warf ihn zu Boden und mißhandel,e ihn schwer. Zucker, der als Angestellter beim Reichsverwertungsamt, einen Revolver besah, gab zwei Schreckschüße ab, von denen einer den jetzt bet der Sichertzeitswehr tätigen Franz Milleck traf. Auch Zucker erhielt einen Beinschuß. Schließlich wurde er von Polizeibeamten befreit und nach der Charit^ gebracht, wo er drei Monate zubringen mußte. Zucker hat dauernden Schaden an seiner Gesundheit erlitten, der Schuß in den Oberschenkel hatte eine Verkürzung des Beines im Gefolge. Die Zeugenvernehmung über die Frage, ob der Angeklagte in der Notwehr.gehandelt, zeitigte vielfache Wid-rsprüche. Der Staatsanwalt beantragte wegen fahrlässiger Körperverletzung 300 Mk. Geldstrafe. Der Verteidiger Dr. Klee hob hervor, daß der Angeklagte, der als Jude vom ersten Tage des Krieges als Freiwilliger sich dem Vaterlande zur Verfügung gestellt habe, zweimal verwundet und verschüttet worden sei und das Eiserne Kreuz und das österreichische. Ehrenzeichen erhalten habe, mit Recht empört gewesen sei über die antisemitischen Plakate und die von dem Zeitungshändler angeprtesene Zeitung. Der Angeklagte habe sich vom Mob so bedrängt gesehen, daß er sich tn Lebensgefahr befunden und in der Notwehr gehandelt habe. Das Gericht schloß sich dieser Auffassung an und sprach Zucker auf Kosten der Staatskasse frei. Fulda, 30. Jan. Die hier längere Zeit schlummernde Agudabewegung ist zu neuem Leben erwacht und zeigt kräftige Pulsschläge. Jugend- und Ortsgruppe entfalten einen edlen Wetteifer in Nim mvh und es ist eine Freude wahrzunehmen, wie die Schar der Lernenden sich vermehrt. Die Rettung der Ortsgruppe liegt in den bewährten Händen des für unsere p"nm begeisterten Herrn Sanitütsrats Dr. Stern. Wir hatten die Freude, vor einigen Wochen Herrn Rabbiner Dr. W o ls aus Köln zu hören, der in fesselnder Welse „kulturhistorische Ptnselstrtche" vor einem zahlreichen Auditorium zeichnete, und in dieser Woche einem Vortrage des Herrn Dr. Auerbach aus Köln zu lauschen, der. ein Bild von der Lage in '"u vor dichtbesetztem Hause entrollte, das Begeisterung und langanhaltenden Beifall auslöste. Der Leiter der Versammlung, Herr Lehrer Spiro, stellv. Vorsitzender der Aguda, dankte in hebräischer Sprache dem verehrten Herrn Redner und bat, von einer Diskussion, die leicht die weihevolle Stimmung trüben könnte, ad.

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