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Der Israelit · 1921-01-27 · Heft 4 (27.1.1921) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 4 (27.1.1921)
Date
1921-01-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 4 No. 4 Der JSraeltt. 27. Januar 19Bi warten nur auf Geld und Papiere von ihren amerikanischen Verwandten, um dann ihre Reife nach Amerik", beziehungsweise nach Palästina fortsetzen zu können. Sehr viele mittellose Flüchtlinge, die keine Verwandten in Amerika haben, werden auf Rechnung ihrer reichen amerikanischen Landsleute dorthin befördert. Unter den Flüchtlingen befinden sich auch einige hundert Chaluzim, für welche der oftgalizifche Merkas chaluzim in aufopferungsvoller Weise sorgt. Die galtztschen Juden tun also nach Möglichkeit ihre Pflicht gegenüber ihren ukrainischen Brüdern, 4rber trotzdem ist es klar, daß bei einer so großen Zahl der Heimlofen das ganze Elend nicht so leicht gelindert-werden kann. Sorresponbenzen und Aa-richleu. Dorrt?rhes Kerri/. ver SenwinSetsg des „Deuffch-Jsraelififdien öemeindebundes" Merlin, 24. Jan. Der 15. Deutsch-Israelitische Gemeindetag, der am Sonntag stattfand, hatte seine besondere Bedeutung dadurch erhalten, daß ihm die Schaffung einer „Gesamtorganisation des deutschen Judentums" überantwortet war. Die Tagung war beschickt von fast allen dem D. I. G. B. angehörenden Gemeinden, sowie von elngeladenen Vertretern des „Bundes gesetzestreuer Gemeinden Deutschlands." Dem Gemeindetag lag der bekannte, von Dr. Jsmar Freund verfaßte „Entwurf einer Verfassung für eine Gesamtorganisation des deutschen Judentums" vor, dessen Akzeptierung die Umwandlung des D. I. G. B. selbst in eine öffentlich-rechtliche Körperschaft im Sinne des Art 137 der Reichsverfassung bedeuten und so zum ersten Mal eine offiziell anerkannte Organisation zahlreicher Gemeinden als „Religtonsgesellschaft" schaffen sollte. Der Entwurf wünschte nach den Absichten der Verfasser, allen „Richtungen" im deutschen Judentum, Orthodoxen, Liberalen und Zionisten, Rabbinern, Lehrern und Gemeinden gerecht zu werden, und sie alle „auf dem Boden des jüd. Religionsgesetzes" in der Gesamtorganisation zu vereinen, was Dr. Freund des öfteren in der Befürwortung seines Entwurfes betonte. Die Stimmung, die aus der General-Debatte sprach, welche nach der Eröffnung durch den Vorsitzenden Herrn Prof. Dr. Kalifcher und im Anschluß an das Referat des Herrn Dr. Freund einsetzte, ließ mit Bestimmtheit darauf schließen, daß die Tagung harmonisch verlaufen und enden würde. Die Redner aller vertretenen Richtungen betonten einmütig die Notwendigkeit der Schaffung einer G.-O. und erklärten sich bereit, Opfer zugunsten der Gesamtheit zu bringen. Im Namen des „Bundes gefetzestreuer Gemeinden" gab Herr Rabbiner Dr. Ptnchas Koh n- Ansbach die Erklärung ab, daß der Bund bereit sei, um in besonderen Fällen nach außen hin die Einigkeit, die aber eine Einheit nicht zur Voraussetzung habe, zu dokumentieren, in einer gemeinsamen Delegation des B. g. G. und der neuen Organisation zu arbeiten. Die Ansichten für die Schaffung einer tatsächlichen Gesamtorganisation des deutschen Judentums verschlechterten sich sofort nach dem Einsetzen der Speztaldebatte. In der Behandlung der einzelnen Paragraphen des Verfaffungsentwurfes, die größtenteils abgeändert wurden, kamen die tiefen Meinungsverschiedenheiten zum Ausdruck und wenngleich sie in der Ausländerfrage u. a. zu einer Einigung führten, scheiterte doch de erstrebte Einmütigkeit an der Ablehnung der orthodoxen Anträge (Frauenwahlrecht, Kulturkommission), auf denen die Gefetzestreuen aus religiösen Gründen bestehen mußten. Vonfeiten des „Bundes gefetzestreuer Gemeinden" wurde darauf htngewiesen, daß die Annahme der orthodoxen Anträge, trotzdem sie gewiß den Anschluß orthodoxer Gemeinden an die Gesamtorganisation zur Folge haben würde, die Selbständigkeit des Haiberstädter Bundes natürlich nicht berühre, der vielmehr im Hinblick auf seine besondere Struktur selbständig bleiben müsse. Obwohl die Anträge der Orthodoxie auch von anderer Seite warme Fürsprecher fanden und darauf htngewiesen wurdc, daß im Falle der Ablehnung, den Gemetndetag schwere Verantwortung treffe, wurden die Orthodoxen von der „liberalen" Majorität niedergestimmt. Die großen Gemeinden ließen ihre Stimmen nur durch den Stimmführer abgeben. So kam es, daß Berlin beispielsweise fünfzig Stimmen gegen die orthodoxen Anträge in d.e Wagschale werfen konnte, obwohl natürlich unter den Berliner Delegierten auch eine ganze Anzahl konservativer und zionistischer Freunde dieser Anträge sich befanden. Als dann am Schluß der Tagung über die Verfassung abgestimmt wurde, fand sie zwar Annahme, aber keine einstimmige, und von orthodoxer Seite gab Herr Seckbach-Halberstadt die Erklärung ab, daß bei der Abstimmung eine große Anzahl gefetzestreuer Delegierter sich der Stimme enthalten haben, daß sie sich an die von ihnen am Beginn der Tagung abgegebene Erklärung nicht mehr gebunden fühlen und sich volle Bewegungsfreiheit Vorbehalten. kiffe für die Emigranten- Merlin, 20. Januar. Das Jüdische Arbeitsamt hat im Einvernehmen mit der jüdischen Frauenvereinigung im Schlesischen Bahnhof eine Hiifsstation gegründet, mit dem Zwecke, die Durchwanderer zu empfangen und ihnen mit Informationen und anderer tätiger Hilfe an die Hand zu gehen. Die Sinan?nöfe der örotjgemeinflen- Merlin, 21. Januar. In den von den Angestellten und Arbeitern der Jüdischen Gemeinde Berlin herausgegebenen „Blättern" werden elne Reihe von Vorschlägen zur Äufrechterhaltung des Betriebes des Jüdischen Krankenhauses gemacht, die auch für andere Großgemeinden von Interesse sein dürften. Es heißt da: 1. „Der Gemeindevorstand und die Repräsentantenversannnlung haben sich mit einer Reihe wohlhabender Gemeindemitglleder in Verbindung zu setzen und sie zu veranlassen, vorerst für eine beschränkte Zeit, sagen wir etwa für fünf Jahre, einen namhaften Betrag für das Krankenhaus zu zeichnen. Diese Beträge werden zu einem Fonds vereinigt, aus dem der Zuschuß für Das Krankenhaus geleistet, wird. Die Spender haben das Recht, aus ihrer Mitte mehrere Delegierte in den Vorstand des Krankenhauses abzuordnen,"bic Namen der Spender sind im Gemeindeblatt zu veröffentlichen und von den Kanzeln der Synagogen ehrend zu nenne», wobei-zur Nacheiferung angespornt werden kann. 2. Ehemalige reiche Patienten des Krankenhauses, welche in diesem Heilung von ihren Leiden gefunden haben, sind zu veranlassen, Mittel zu Zimmerstistungen zur Verfügung zu stellen. Das Kapital für eine solche mutz auf wenigstens 50 000 Mark erhöht werden. 3. Da nicht nur das Krankenhaus unserer Gemeinde, sondern auch die g'.eichen Anstalten der änderen Groß« zemeinden Deutschlands unter der gleichen Not leiden, st die Gründung eines internationalen Komitees in die in die Wege zu leiten, das aus hervorragenden Juden aller Länder, vor allem aber Amerikas und Englands, gebildet wird und das die Mittel für die Krankenanstalten der jüdischen Grotzgemeinden auszubringen hat. Es ist daher ein Aufruf in allen großen Zeitungen (TageSpresse und jüdische Zeitungen) der in Betracht konrmeudeu Länder zu erlassen, in welchem die Not der Anstalten geschildert und um Hilfe gebeten wird. Dem internationalen Koniitee sollen auch Mitglieder der Gemeindevorstünde der Grotzgemeinden Deutschlands angehörcn. 4. Die Stadt Berlin ist außerdem zur Beitrags« leistung für die Unterhaltungskosten des Krankenhauses zu veranlassen." Die Gemeinde muß neuerdings zur Deckung des KrankenhauS'F hlbeirag jährlich 2 Millionen Mark ausbrtngen. Vesterrelrtz. vikiuSen-vebslten Im wiener lESlsg. Wlen, 20, Jan. Die Ausweisung der Ostjuden aus Wien hat auf Antrag des Abgeordneten Kuntschak den Landtag wieder einmal beschäftigt. Zwar sieht der Antrag selbst nur die Ausweisung derjenigen Ostjuden vor, die wegen Preistreiberei und Schiebertum gesetzlich bestraft worden sind; aber es wäre natürlich im Falle der Verwirklichung der christlich-sozialen Wünsche unvermeidlich, daß bei derartigen Aktionen gerade die Unschuldigen den Verfolgungen der Polizei zum Opfer fielen, während die Schieber jeglicher Konfessionen rs schon verstehen würden, der Gerechtigkeit zu entgehen. In der Debatte traten die Herren Dr. Ehrlich und Dr. Plaschkes den Antisemiten mit großer Schärfe entgegen und riefen dadurch Entrüstungsftürme bet den Christlich-sozialen hervor. Der Landeshauptmann verwies in seinen Ausführungen wiederholt darauf hin, daß nicht nur Ostjuden, sondern auch Arier vm Schiebertum beteiligt seien und daß die Regierung keinerlei Unterschied in ihrem Vorgehen zwischen ostjüdischen und sonstigen unlauteren Elementen machen werde. T? cheLho-Slonrakei. nationaiiffen und Orthodoxe in der Sioroahei- Mratistava, 15. Jan. Das bemerkenswerteste Ergebnis der hier stattgehabten Delegierten-Tagung der nationalistischen „Vereinigten' jüdischen Partei" ist der erneute Beschluß, mit der orthodoxen Landeskanzlei in Verhandlungen über ein Zusammenwirken in wirtschaftlichen und sozialen Angelegenheiten zu treten. Man scheint den Volksverband überhaupt aus den Bahnen des nationalen Ra.'ikalisrrms in diejenigen einer maßvollen, ausschließlich auf praktische Zwecks gerichteten Politik lenken zu wollen. Aus diesem Grunds soll auch die Redaktion deß Preßorgans „Jüdische Volkszeitung" umgestaltet und dem Blatte ein mehr neutraler Charakter verliehen werden. Es bleibt abzuwarten, wie die orthodoren Kreise sich zu der Anregung der Volkspartei stellen werden. Molen. Sie öemeinderoahlen- Warschair, 15. Januar. Die Wahlen in die jüdische Gemeinde, welche so lange hin ausgezögert wurden, sollen nun endlich in ungefähr sechs bis acht Wochen stattfinden. Das polnische Kultusministerium hat das neue Wahlstatut für die jüdische Gemeinde bestätigt. Danach werden die Wahlen nach dem Muster der Wahlordnung zum polnischen Sejm allgemein, direkt und proportional sein Aktives Wahlrecht haben alle in Warschau wohnhaften Juden männlichen Geschlechtes, welche das 25. Lebensjahr erreicht haben, das Massive Wahlrecht ist an die Erlangung des 30. Lebensjahres gebunden. Zensus, Kurie und dergleichen sind im neuen Wahlstatut nicht mehr vorgesehen. Ein orthodoxer Srauenoerein. Warschau, 19. Januar. Unter dem Titel „BetH Jacob" wurde hier ein Frauenverein gegründet, der die Aufgabe hat, alle jüdischen Frauen und Mädchen, die treu zur Thora und zur jüdischen Traditionen halten, zu

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