Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 4 (27.1.1921)
- Date
- 1921-01-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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27. Harmar 192t Drr ASrssM. Nr. i Sette 3 Sie „talmudischen Laien" Dr. Arthur Dinter, einer der größten Judenfresser der Zeit, der, ein würdiger Epigone Pfefferkorns und Eisenmengers und ein kongenialer Partcibruder Fritsches, es besonders auf die jüdischen Quellenschriften abgesehen hat und seine Lebensaufgabe darin findet, deren unsittlichen und gegen die Andersgläubigen unduldsamen Inhalt darzutun, erklärte jüngsthin in einer Versammlung des Zentral Vereins offen und ehrlich: „Wir alle, auch ich, sind talmudische Laien/ ich verstehe kein hebräisch!" Aber gerade darum, weil er diese Schriften nicht versteht, führte er weiter aus, müsse er sie als Geheimgesetze betrachten, die ihn beunruhigen. Herr Dinter wittert also hinter allem, was er nicht versteht, Geheimtuerei. Da muß ihm aber die Wett wahrlich voller Geheimnisse sein. Wer weiß, ob Herrn Dinter nicht auch die spanische oder italienische und irgend eine andere uns näher gelegene Literatur als Geheimlehre beunruhigt! . . . Das Geständnis ist immerhin interessant und äußerst bezeichnend für diese ganze Fukultät. Schade nur, daß den Herren der hebräische Text des „Sefer Chassidim" als Geheimlehre unzugänglich ist. Sie würden darin lesen, daß „Vertrauen zu unbekannten Dingen und Menschen aus der eigenen inneren Aufrichtigkeit heraus geschöpft werden müsse," und daß man „jeden für gut und ehrlich halte, so lange man keine Beweise für das Gegenteil in Händen hat." Herr Dinter und Konsorten bezichtigen aber die jüdische Religion und das jüdische Schrifttum als Quellen alles Nebels — weil sie sie nicht kennen und sie die jüdischen Schriftzeichen, als Rätsel und Wunder anmuten. Noch selten haben sich Ignoranz und Arroganz so harmonisch gefunden, wie in den Führern des geistigen Antisemitismus. Maffenflucht der Men auder ukrainischen Me. Aus Lemberg wird der „Wiener Morgenzeitung" geschrieben: Das größte und ehemals auch kulturell stärkste jüdische Zentrum Osteuropas, das ukrainische Judentum, ist in seinen Grundfesten untergraben. I -Hragbrtang 4MWNimninn<i Was Generationen mit schwerer Mühe durch Jahrhunderte gebaut, wird durch Verbrecher¬ und Mörderhände zerstört und es findet sich keiner, der dem an den ukrainischen Juden verübten Massenmord Einhalt tut, es findet sich kein Erlöser, der das bluttriefende Schlachtmeffer den Händeu der Mörder entrisse und die Feuerfackel der Brandstifter löschte. Mehre jüdische Gemeinden, darunter Krassilow, Woloczyska, Ljubar, Ostropol, Starokonstantinow und Polone, schickten in letzter Zeit solche herzzerreißende Jammerbriefe in die Welt hinaus und schilderten ihre Leiden in solch schauerlichen Bildern, daß man überhaupt jede Hoffnung aufgeben muß, noch jemals die drei Millionen ukrainischer Juden aufrichten upd auf die Beine stellen zu können. In den letzten Wochen schienen die.Unglücklichen die Unmöglichkeit eingesehen zu haben, ihre zerstörten Siedlungen wieder aufzubauen und ruhig ihrem Leben nachzugehen, und panikartig ergreifen Tausende die Flucht, um nur das nackte Leben zu retten. Ihres Vermögens vollständig beraubt, obdachlos, in ewiger Furcht, was der nächste Tag ihnen bringt, achten sie nicht auf Schwierigkeiten, überwinden alle Hindernisse und verlassen in Massen die ukrainische Hölle. Räuberbanden überfallen unterwegs die Flüchtlinge und nehmen ihnen all das weg, was sie aus unzähligen Pogromen und Plünderungen noch zu retten vermochten, ja es kamen Fälle vor, wo die Entfliehenden in halbnacktem Zustand zur Grenze eilten. Die Grenzbahnhöfe sind der Schauplatz verzweifelter Szenen, da jeder so schnell als möglich dem Lande des jüdischen Elends entkommen möchte. Kein Hindernis ist imstande, die Maffenemigration aufzuhalten. In vielen Orten sind die Bahnlinien zerstört, es fehlen Lokomotiven, die Waggons sind zerbrochen, eS mangelt sogar an Fuhrwerken, da sowohl die Bolschewiken als auch die „Erlöser"banden Petljuras alles requiriert haben, aber die Unglücklichen lassen sich durch nichts abschrecken und laufen, ohnmächtig und ausgehungert, mit ihren Frauen und Kindern zu Fuß und sind glücklich, wenn sie nach langer, mühevoller Wanderung den Staub der Ukraine von sich abschütteln können. Diese neuartige jüdische Maffenemigration nahm die größten Dimensionen an, als die letzten Ueberreste der Banden Petljuras unter dem Drucke der bolschewiktschen Armee sich zurückzogen und raubend, plündernd und mordend sich über die polnische Grenze hinüberretteten. Diese allgemeine Anarchie benützten ungefähr hunderttausend Juden, um dem Lande den Rücken zu kehren. Der größte Teil dieser Flüchtlinge nahm den Weg über Wolhynien gegen Warschau, etwa dre!ßigtausend kamen über den Zbrucz nach Galizien und halten sich gegenwärtig in den Städten und Städtchen des Tarnopoler Kreises auf. Auch jetzt noch, da bereits die Bolschewiken die Herren der Ukraine-sind, flüchten tagtäglich tausende Juden über die Grenze und scheinen sich nicht allzu sehr nach dem „Paradies auf Erden" zu sehnen. Schrecklich ist die Lage der Flüchtlinge. Biele sind verseucht und müssen isoliert werden. Die meisten sind mittellos und auf die Hilfe der hiesigen Juden angewiesen. Die amerikanischen Hilfs- und Rettungskomitees waren auf eine derartige Maffenflucht überhaupt nicht vorbereitet und verfügten nicht über die nötigen Mittel. Die Hilfe, die von der Warschauer Zentrale des Joint Distribution Committee verlangt und auch bald geschickt wurde, steht in gar keinem Verhältnis zum ungeheuren Elend der Flüchtlinge, so daß die galtzischen Juden sich bald genötigt sahen, allein größere Aktionen einzuleiten, um ihren Brüdern zu Hilfe zu kommen. In Tarnopol entstand ein Hilfskomitee, welches von allen jüdischen Parteien gestützt wird und für die Flüchtlinge nach Möglichkeit sorgt. In Lemberg sind mehrere Aktionen im Gange, die den Zweck verfolgen, die Heimloseu mit dem Notwendigsten zu versorgen. Die hiesigen jüdischen Gewerkschaften, die in der Poale-Zion- Partei organisiert sind, haben Sammlungen großen Stils veranstaltet und mehrere Fachgenossenschasten haben bei ihren Mitgliedern eine Art Selbstbesteuerung eingeführt. Die Restaurant- und Kaffeehausbesitzer bestimmten ein Prozent von einem Monatserlös ihrer Unternehmungen, die jüdischen Friseure und die jüdischen Kellner verpflichten sich, einen gewissen Teil ihres Monatsverdienstes für die Flüchtlinge aus der Ukraine zu geben. Als ein sehr interessantes Charakteristikum möge bei dieser Gelegenheit erwähnt werden, daß die christlichen Kellner es als eine Beleidigung hielten, daß sie von dieser Selbstbesteuerung befreit wurden, und erklärten sich bereit, zusammen mit ihren jüdischen Kollegen in gleicher Weise zur Linderung der Not der Unglücklichen beizutragen. Auch die Lern« berger Orthodoxie hrt sich in den letzten Tagen endlich zur Tat aufgerafft und in einem warmen Appell die jüdische Bevölkerung zu einer ansgiebigen Hilfeleistung ausgefordert. In mehreren großen Synagogen und Bethäusern sind Sammelsektionen errichtet, wo Spenden an Geld, Nahrungsmitteln und Wäsche entgegengenommen werden. Fast alle Flüchtlinge betrachten thren jetztgen Aufenthalt als einen nur zeitweilig;«,' denn sie ledermann hatte genügend Gelegenheit, das Leben und die Werke des Meisters, der in aller. Welt als der Größte im Reiche der Tonkunst gilt, in den letzten Wochen kennen zu lernen. Unerreicht in seinen erhabenen Schöpfungen, unerreicht auch in der Fülle seiner kühnen musikalischen Gedanken, die ihren Flug hinauf zu den Sternen nehmen, steht das Bild Beethovens vor uns als das eines Gottbegnadeten, der uns die Worte abringt: eni ipn1? uicsnö fiw jra. Zu dem großen Künstler tritt bei ihm der edle Mensch, der wie kein anderer die Gesetze der Tugend und Menschenwürde hochhielt, der in felsenfestem Gottvertrauen den schweren Kampf mit dem Schicksal siegreich ausgekämpft hatte,- er war taub und dennoch schenkte er der Welt seine gewaltigen Tondichtungen, die bis jetzt unübertroffen dastehen. Und wer könnte mit ihm in die Schranken treten, der die Sprache der beseelten Natur so deutlich wie kein anderer Tondichter verstanden hat, der uns die schönste musikalische Dentung des Psalmwortes: „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre", gegeben hat. Dem Judentum und seinem göttlichen Bekenntnis hat Beethoven nie feindlich oder fremd gegenübergestanden. Oft in seinem schicksalschweren Leben kam er in freundschaftlichen und fruchtbringenden Verkehr mit Juden. Freundschaft verband ihn mit dem berühmten Klavierspieler Ignaz Moscheles. Ganz besonders erwies sich Moscheles kurz vor des Meisters Tode als treuer und stets dienstbereiter Genosse und Berater. Ihm wurde im Jahre 1814 der ehrenvolle Auftrag zuteil, Zeinen Klavierauszug zum „Fidelio" anzufertigen, der ihm zu Beethovens Zufriedenheit gelang. Im Beethovenjahrbuch I, Seite 61, teilt Hans Volkmann Einzelheiten über einen „unausgeführt gebliebenen Plan Beethovens" mit, -er von uns bemerkt zu werden verdient. „Das Projekt legt Zeugnis ab von einem toleranten, von jeder konfessionellen Engherzigkeit freien Sinn: Beethoven erwog im Jahre 1825 die Komposition einer Festkantate zurlEinwethung eines Judentempels in Wien". Es handelte sich um die neuerbaule Hauptsynagoge an der Seitenstettengasse, die an Stelle des alten bescheidenen Beisaals, der sich seit 1811 im Dempfinger Hof befand, treten sollte. Beethoven hatte den zur Jestkantaie bestimmten Text geprüft und mag dessen musikalische Bearbeitung wohl auch versprochen und erwogen haben. Später jedoch hat er die Arbeit aus heute nicht mehr bekannten Gründen abgelehnt, vermutlich weil der Text ihm nicht gefiel, vielleicht auch, weil er sich nicht an eine bestimmte Zeit, in der bas Werk beendet werden sollte, binden wollte. Wir hören nichts mehr davonauch die Konversationsheste, deren Beethoven sich wegen seiner Taubheit im Verkehr mit den Menschen bediente und die uns auch die einzigen spärlichen Nachrichten über den Plan überliefern, geben keine weiteren Anhaltspunkte. Mag auch Bolkmann in seinem Aufsatz die „Aufgabe des Planes, eine Gelegenheit? musik zu schreiben", als eine glückliche Wendung bezeichnen, die dem Meister die Zeit freigab für die Schöpfung der bedeutenden letzten Quartette, so bedauern wir Juden immerhin die Tatsache, daß nun der Welt ein Werk aus Beethovens Feder fehlt, das in unserem Sinnn ein von «mp geworden wäre. Denn etwas künstlerisch Vollendetes hätten wir erwarten dürfen von dem gewaltigen Musiker, dessen Leben und Werke Zeugnis ablegen von dem göttlichen Funken, der ihn beseelte und ihn emportrug in die Reihe der größten Führer der Menschheit. (Wichtige neue Ausgrabungen in Palästina.) Professor SluSz hat bei Liberias die Reste -er alten Synagoge von Chamath ausgedeckt, in der Rabbi Meir seine öffentlichen Thora-Vorträge hielt. Die Bersuchsbohrung an der betreffenden Stelle ließ einstweilen auf die Mauern des Gebäudes stoßen und Slusz hofft, bis zu den Fundamenten Vordringen zu können. Bereits sind zahlreiche Gegenstände, Münzen aus herodlanischer Zeit, Glasgeräte rc. gefunden worden. Die Belege dafür, daß es sich tatsächlich um die genannte Synagoge handelt, sollen nach den Angaben des Forschers absolut beweiskräftig sein, insbesondere kommen in dieser Hinsicht die Marmorbestandteile mit den Bildern der Menorah und des SchafarS in Betracht, sowie der Charakter der Säulen ans dem 3. oder 4. Jahrhundert. Sabdat-Ansang und Ausgang. ■nrv’ rop- 0 R Ti Anfang Datum AnSgang UbrlMin. ie»i| 568i W Min. Frankfurt a. M. Berlin .... München < . . Straüvnrs - Stuttgart. > . Pose« . . Nürnberg. . Hamburg. . 4 4 6 4 4 60 45 §0 60 28. Jan. lO.Scheb. 6 6 5 6 5 05 81 SO 48 48