Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1921-01-27 · Heft 4 (27.1.1921) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 4 (27.1.1921)
Date
1921-01-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2450138-2450142--68695-2525821
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Sette 9 fh. 4 Der Israelis. 27. Januar 1931 tzschuw Erez JiS roel" in dieser Stunde droht, sind die sozialistischen WirtschafLstheorten und die darauf sich gründende revolutionäre W irtscha ftsg esi nnun g derj ü d ischeu Arb e'iter, auf der sich keine Kolontalwtrtschaft aufbauen läßt. Das Land braucht das individuelle K a p i t a l, die freie individuellen niernehmungslust, die Intelligenz und den Spürsinn des erwerbstätigen jüdischen Kaufmanns und Industriellen, die auch die Möglichkeiten zu immer umfassenderen Bodenkäufen erheblich werden vermehren können. Hundert europäische Einwanderer mit größerem Vermögen, reicher geschäftlicher Erfahrung und dabei gutjüdischer Gesinnung dürften heute den wahren jüdischen' Interessen in Erez Jisroel sicherlich mehr Nutzen bringen als einige Millionen Keren Hajesfod- Gelder, die praktisch neben einer großzügigen englisch-palästinensischen Landesanleihe doch nicht sehr ins Gewicht fallen und nur die einseitige Parteiherrschaft der zionistischen Machthaber zu stärken geeignet sind. Einstweilen steht Erez Jisroel unter dem Zeichen einer schweren ökonomischen Krisis, die zu gleicher Zeit hohe Lebensmittelpreise, starkes Angebot unverkäuflicher Importwaren, Mangel an flüssigem Geld und Arbeitslosigkeit hohen Grades als charakteristische Züge aufweist. Aber in das Düster der Krisenstimmung leuchten die Aussichten auf eine Fülle großer wirtschaftlicher Unternehmungen hinein: Eisenbahn-und Straßen bauten, die Nutzbarmachung des Jordan für die Gewinnung elektrischer Kraft u. a. m. und lassen die Hoffnung nicht wanken, daß wir uns in der Morgendämmerung befinden. Richten wik unsere Aufmerksamkeit auf das religiöse und kulturelle Leben überhaupt, so läßt sich zwar auch auf diesem Gebiete nicht verkennen, daß Licht und Finsternis mit einander ringen — aber das Dunkel überwiegt für den Augenblick noch, wenn man den beobachtenden Blick nicht durch die künstliche Beleuchtung einer etwas weltfremden „Philosophie der nationalen Erlösung" blenden lassen will. Die jungjüdtsch-nattonalistische „Kultur", deren Wesenszüge die hebräische Sprache, die bewußte Abwerfung des „Joches der Gottesherrschaft" und die formale Anpassung des „einseitigen" jüdischen Geisteslebens an dasjenige Westeuropas sind, beherrscht das neue Palästina noch immer mit der Kraft des amerikanischen Dollars. Welche Demoralisation dieser amerikanische Dollar dem geistigen Leben Erez Jisroels gebracht, wie er die bis dahin im Großen doch gewahrte Solidarität der palästtnensischenOrthodoxie zerfetzt und zerrissen, die Autorität der Rabbinen in Frage gestellt und schließlich fast die ganze Jugenderziehung vergiftet hat, das zu schildern, erforderte eine gesonderte Darstellung. Sie würde als Schluß dieser ganzen Entwicklung die Angliederung des „Misracht" an die wohlgefüllte Kaffe des „Waad hachinuch" und damit die Vernichtung der letzten Aussicht auf die Wiederherstellung einer orthodoxen Einheitsfront auf diesem wichtigsten Gebiete zu verzeichnen haben. Der Sttmmungsumsckwung in Amerika, der zunächst eine wahre Panik in den Kreisen der palästinensischen Kulturpolitiker hervorgerufen hat, darf von dem wahrhaft jüdisch empfindenden Beobachter als erstes Zeichen einer Morgendämmerung begrüßt werden. Das zionistische Amerika will nichts nrchr von der palästinensischen Schul- und Kulturpolitik wissen und schnürt dafür den Beutel zu. Man will wirtschaftlich helfen, esdenBewohnern des Landes überlassend, ihre eigene Schulpolitik auf eigene Kosten zu machen und ihre eigene Kultur nach den natürlichen Gesetzen geistigen Wachstums zu entwickeln. Wenn auf diese Weise die Macht der gegenwärtigen Kultur-Diktatoren innerhalb und außerhalb des „Wrad hachinuch" gebrochen werden sollte, so wäre der Weg vielleicht frei für einen Zusammenschluß derOrthodoxie der ganzen Welt, um durch einheitliches Zusammenwirken die Erhaltung des Gottesbodens für die Thora, insbesondere die Erziehung der Jugend zum altjüdischen Lernen und Neben, die Erhaltung und den Ausbau der Talmud-Thoraschulen und Jeschiwos, frei von allem unjüdtschen administrativen Einfluß, zu sichern. Denn die ehrlichen Jehud.m alten Schlages, ob sie in Amerika oder in Europa wohnen, werden die Pflege der Thora und des Chinuch in Erez Jisroel, niemals als eine palästinensische Landesangelegenheit betrachten. Freilich lauern auch hier wieder schwarze Schatten — wird es möglich sein, das furchtbare Feuer der Zwietracht zu löschen, das, wie in den dunkelsten Zeiten der Vergangenheit, heute in Jerusalem die führenden Geister der rabbinischen Welt von einander trennt? Der sachlichen Meinungsverschiedenheiten, die dem Kampfe zwischen den Parteien Kuck und Sonnenseld-Dtskin zu Grunde liegen, braucht sich die Orthodoxie nicht zu schämensie werden immer vorhanden sein, solange die Dinge der Welt in verschiedenen seelischen Individualitäten verschieden sich spiegelnaber daß heute schon sehr bedenkliche persönliche Gegensätze, sicherlich zumeist von DWS 2'7>2N!2 ö^tDp geschürt, den Geisteskampf vergiften, das ist's, was die ganze Diaspora mit tiefer Trauer und Beschämung erfüllt und die Besten ob des lötf mn zur Erde niederzwtngt. Auf die Dauer kann der Geist der P"mn in Erez Jisroel nur zum Siege gelangen, wenn die Orthodoxie sich auch dort geschlossen organisiert und ihre Grundsätze jim geistigen und politischen Ringen zur Geltung bringtsie kann sich aber erfolgreich nur organisieren, sobald die maßgebenden rabbinischen Größen einig sind und den Gegnern nicht die Möglichkeit bieten, zu „spalten und zu herrschen". Wenn es einflußreichen Führern der Diaspora durch persönliches Eingreifen gelänge, Frieden zu stiften und Einheit zu schaffen in der „Stadt des Friedens" unter denen, die doch wahrlich einem Gotte dienen wollen, so dürfte man hoffen, daß die Nebelschleier der Dämmerung, die da^ Land der Väter Heute decken, gar bald beut Lichte froher, erfolggekrönter Arbeit für Gott und sein Gesetz Platz machen, wie fern oder wie nah auch die Sonne der endlichen Erlösung uns fein möge: Tan jrae b'v tmn mn? mn& nstti Wochenmndschau. Me Men und der Mterdnnd. Ter bekannte englisch-jüdische Politiker Lueicn Wolf hat vorige Woche einen bemerkenswerten Vortrag über den Völkerbund gehalten, der nach einer geschichtlichen Darstellung der Entwicklung des pazifistischen Gedankens und der Aussichten der gegenwärtigen „Liga der Nationen", die Juden Englands zur größtmöglichen Förderung des Völkerbund-Gedankens aufrtef. Wir möchten aus diesem Anlaß darauf Hinweisen, daß schon auf der Züricher Konferenz der orthodoxen Organisationen von einer Seite die Gründung einer „jüdisch en Liga für den Völkerbund" angeregt und mit guten Gründen als zeitgemäßes Unternehmen erwiesen worden war. Leider hat man nichts davon gehört, ob die Befürworter jener Idee etwas Praktisches zu ihrer Verwirklichung unternommen haben. Es wäre noch heute der Mühe wert, ihr nachzugehen und einflußreiche jüdische Kreise, Männer der Wissenschaft, der Politik, des praktischen Lebens dafür zu gewinnen. Grade die Orthodoxie als die berufene Fortträgerin der uralten jüdischen Traditionen von Menschheitsverbrüderung und dem Sieg des Rechtes über die waffenstarrende Gewalt sollte hier mit starker Initiative vorangehen. Von Gottes „Höhe" und „Größe". nmfo VLMM« Zum Wochenabschuitt. Jthro bekennt, nachdem ihm Moses über all die Vorgänge von der Stunde des Auszuges an berichtet hat, voller Verehrung und Bewunderung: 'n bnr '3 WH'rmy B'ptotfT b2v. „Nun weiß ich, daß Gott groß ist unter all den Mächten usw." (Satz 11, Kap. 18). M alb im sieht in diesem Bekenntnis des früheren midjanitischen Götzenpriesters zum bnr, den Schwerpunkt seiner ganzen Bekehrung. Denn bn: als Attribut für den Weltlenker besage ganz was anderes als etwa Bv (erhaben) und bezeichne neben der Größe Gottes auch noch sein Verhältnis zu den Staubgeborenen,:die Grenzen „seines Bereiches in unserer Mitte".' Was bi „hocherhaben" ist', thront iw ferner Höhe über uns, wird von unserem Blicke nicht erreicht und wir werden von ihm nicht erfaßt.- ' - Was aber -NZ „groß" ist, erhebt sich vor unseren Augen, sichtbar und greifbar für uns bis zu dein - Punkt, wo es über uns Hinaus- und hinaufragt zu der! Höhe, wohin das Menschenauge nicht mehr reicht, s Alle Völker der Erde ahnten oder wußten sogar ' um die Existenz des obersten Weltenlenkers. Aber er war und blieb für sie eben „oberste" Instanz. Er war für sie der Bi, der hoch über den Wolken thronend, sich um Kleines und Einzelnes nicht kümmern konnte und daher einen ganzen Troß von Refsortgöttern zur Seite haben mußte. So entstand bei grundsätzlicher Anerkennung des Allgewaltigen und Allmögenden die Vielgötterei, die später im Glauben der Völker noch weiteren Raum einnimmt, als der „Höchste" selbst/ dieser schiemihnen eben zu hoch, um für die Not des Tages angerufen und ob der kleinen Sünde der Stunde gefürchtet zu werden. Für uns ist Gott in erster Reihe ^nr..Groß und mächtig erhebt er sich vor uns und über uns hinaus, aber sichtbar bis zum gewisien Grade und erreichbar für eines Jeden Blick und Wunsch. Wir bedürfen keiner Mittlung, da uns der „große" Gott nahe ist, mit offenem Auge und Ohr für unserer Seele Not und unseres Herzens Hilferuf. Vielleicht ist dies auch der liefere Sinn des Psalmwortes a'oyn bs bv sn an pnp 'x „Groß" (unmittelbar und allerreichbar) ist Gott in Zion (in Israels Mitte, wo seine Einzigeintgkeil erfaßt wurde), aber „hocherhaben" nur ist er bei allen Völkern (die darum die Unmittelbarkeit und Einzigeinigkeit des Gottesbrgrisses nicht erkannt und der Vielgötterei verfielen), V Auch im ersten Hallelabschnitt kommt dieses deutlich genug zum Ausdrück: .iSar? mm „Pom Aufgange der Sonne bis zu deren Untergang wird der Name Lottes gepriesen". Aber leider nur der Name (in .r Grundidee), denn B'ii *?3 bi, er scheint den Völkern zu hoch im Himmel thronend, um auch für diese Erde ein Auge zu haben (}>K ri'32 ami awinm vtim). Wie anders aber bei uns. wpito '*« 'd Wir wissend: „Auch wenn er hoch thront ('n'Bjöfi ravb), so sieht er doch tief hinab (nw6 »totMsrt) bis in Hütte und Herz des Aermsten der Armen ('nBl ’ö'po) und so fort bis zu Ende des Psalms. Nun zu unserem Stdrasatze zurück: Jthro hatte allen Götzen der Welt Opfer und Huldigung dargebracht, ohne darüber des wahren Gottes zu vergessen, der aber für ihn ein Bi nur war ohne irgendwelcher unmittelbaren Beziehung zu ihm, dem Menschen zu stehen. Nun aber, da er sieht und hört, was Gott mit eigener Hand alles an einem geknechteten Volke getan, erkennt und bekennt er voller Bewunderung: WH' nm>: Jetzt erkenne ich den Irrtum meines Lebens, ich weiß endlich, was Ihr schon immer gewußt, H '3, daß Gott nicht nur „hocherhaben", sondern wahrhaft „groß", einztgeinig und alletnherrschend auf Himmel und Erden ist. Mit dem Bekenntnis zum schwor Jthro allen Neben- und Zwischengöttern endgiltig ab. kleines Femllelvn. Beethoven. Von Josef Jakobsen, cand. mus. aus München. Am 17. Dezember 1920 feierte die musikalische Welt den 150. Geburtstag Ludwig von Beethovens und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.