Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1921-01-27 · Heft 4 (27.1.1921) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 4 (27.1.1921)
Date
1921-01-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2446951-2450138-2450142--68694-2525820
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Der Israel WLM 62 Jahrgang) Sranhfurt a M-. 3en 27. Januar 1921 M » «Sonnement pro Vierteljahr r Deutschlandvei den Postämtern sowie bei direkt.Bestellung n. Rechnungserteil, durch d.Verlag SK. 7.20 viertelj. f. Lehrer u. Knltusbeamte (n. direkt)'M-3.60 vierteljährlich, Deutsch-Oesterreich Kr.50.— vierteljährlich: Tschecho-Slowakei Kr. 12.— Ungarn Kr. 50.— vierteljährlich, Polen (nur in deutscher ReichSmk.) M. 10. Vierteljahr!., Rnmünien 10 Lei. Holland fl.1, Skandinav. Kr. 2, Schweizfs.1.50,Frankreich u.Belgien Fr.2.50, England 1 sh. 6 p„ Amerika 0.60 Doll, vierteljährl. Einzelnummer 60 Pfg. Durch den Buchhandel wie Seim Verlag. Der Israelit erscheint jede« Donnerstag Inserate: Mk. 2.— für die sechsgespaltene Eolonel-Zeile einschl. TeueruugSzuschl.;AuSland-Jns.Mk.4.—pro Zeile Raö. nach Tarif Bei laufenden Jnferatauftr. tarifm. Preiserhöhung jederz. vorveh. Jnferatenannahme durch den Verlag des Israelit G. m. b H., Frankfurt a. M., Gr. Eschenheimerstr. 23 Del. 884», Amt Hansa, sowie sämtl. Annoncen-Exped. des In- und Auslands. PladvorfchrMr« ohne NrrdindttchkeU. Zahlungen außer direkt an den Verlag — Postscheckkonto Frankfurt a. M. No. 1880« - erfolgen an: Postsparkaffe Wien No. 78«" - Poftsparkaffenamt Budapest Ro. 184-4 Postscheckamt Zürich Sfr. TIII 7*54 Postscheckamt Amsterdam No. *4809 Böhmische UnionSank in Prag Banca Barmarosch Blank & Co. in Baeareit Filiale des Wiener Bankvereins in Agram. ver lksckSruck Ser »Mel unö llorrefponSenzen Ses „Israelit“!ff nur unter genauer Quellenangabe, unS. soweit es [ich um größere QukfSöe klsnöelt. nur nsck voröerlger öenekmlgung gelisttel. Irrhaltsübevsrcht. 1. Leitartikel: Diimmerstiinmurg. — 2. Homilct i k: Don Gottes „Höhe" und „Größe". - 3. Kleines F e u i l l et o n: Josef Jakobsen: Derthoorn. — (Wichtige neue Ausgrabungen in Palästina.) — 4. Wochen rundschau: Die Juden und der Völkerbund. - Die „talmudischen Laien". — 5. Aufsätze: Maffrnflucht der Juden aus der ukrainischen Hölle. — 6. Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin, (Der Gemeindetag des „Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes"). — Berlin, (Hilfe für die Emigranten). - Berlin, (Die Finanznot der Groszgemeind n). — Wim, (Oslfudendebatte im Wiener Landtag). — Bratislava, (Nationalisten und Orthodoxe in der Slotvakai). — Warschau, (Die Gcmeindewahlcn). — Warschau, (Ein orthodoxer Frauenveretn). — Wilna, (Der Wilnaer Landtag). — Riga, (Beinah ein Blutmärchen). — London, (Die Propaganda der Agudas Jisroel in England.) — London, (Dr. Feiilowitsch in Abbesinien). — Kischinelv. — NewDork. — 7. Personalien. — 8. Vermischtes. - 9. Sprechsaal. — 10. Frankfurter Berichte: Israelitische Gemeinde. — Arbeitsgemeinschaft jüdischer Studenten. — Jüdische Bibliothek und Lesehalle. — Familiennachrichten. — Gebetzeiten. — Vereinskalender. — 12. Feuilleton SBe 1tage: Im FrülMge noch Krrlin. 13. Kinderecke: König Holomo und der Grrvrr. — Heinrich Einstädter: Am achrigsten Geburtslage. Sämmer-Stimmvng. Wenn man die Berichte, die aus Erez Jisroel zum Teil unmittelbar, zum Teil durch die Presse in die Diaspora gelangen, aus sich wirken läßt, so erhält man den Eindruck einer seltsamen, aus Licht und Finsternis gewobenen Dämmerjtimmung. Die Herzen schlagen höher, wenn der jüdische Vizc-König von Palästina, über dessen gesellschaftliches Tun und Lassen tägliche Bltlletins ausgegeben werden, beim synagogalen Gottesdienste erscheint oder die Huldigungen der arabischen, jüdischen und christlichen Bevölkerung entgegennimmt; in die finstre Golusnacht der Entrechtung und des durch Jahrhunderte geschleppten politischen Helotentums fällt ein Strahl halbvergessener nationaler Würde, als wolle der Morgen aufgehn, den die Propheten ihrem Volke verheißen. Und dennoch entzieht sich heute kaum noch ein palästinensischer Jude von halbwegs gereiftem Verstände der Erkenntnis, daß es sich bet btefen angenehmen Stimmungen vielleicht nur um holde Träume handelt, die „wie die Morgenwolke" über die Seele hinwegzirhen und in der Welt der taghellen politischen Wirklichkeit nur sehr schwache Wurzeln aufweisen. Die Anerkennung der hebräischen Sprache als dritte Landessprache, die zwei Buchstaben ""k, die von den Palästina-Briefmarken das jüdische Auge grüßen und erfreuen — es sind doch, wie der jüdische High-Commissioner selbst, im Grunde unverbindltcke Kundgebungen des Respektes vor der historischen Würde der unverjiihrbaren Ansprüche des Bibelvolkes ans das heilige Land, Kundgebungen, die des realpolitischen Gewichtes entbehren, gar leicht aber eines Tages als vollwertige Einlösung der Balfour-Dektaration hingestellt werden könnten. Die von jedem Zufall abhängige Gebrechlichkeit politischer Errungenschafrcn wird grade in diesem Augenblicke durch die merkwürdige Tatsache illustriert, daß urplötzlich die Kontrolle der englischen Mandate einschließlich P a l ä sti n a s dem Foreign Office entzogen und dem Kolonialamte übertragen wird, an dessen Spitze Herr Wtnston Churchill steht, ein Mann, der die abenteuerlichsten Dinge über „jüdische Welt-Verschwörungen" geschrieben und verbreitet hat. Man braucht keineswegs dem Radikalismus der Herren Nord au und Ga st er zu huldigen, um in dem p o l i t t s ch e n Ergebnis der zionistischen Verhandlungen mit der Mandatarmacht eine taube Nuß zu erblicken, Genn es sind im Endresultat nichts anderes als nationale Minderheitsrechte, die man der jüdischen Siedlung im englischarabischen Palästina zugesteht, und die ohne nationale Kraftanstrengung und ohne die für die Diaspora unleugbar gefahrvolle Vortäuschung eines nahenden „Judenstaates" als selbstverständliche Folge der Neuordnung in jedem Falle hätten in die Erscheinung treten müssen. Steht ja heute — nach den Veröffentlichungen des Ministers Barnes — dokumentarisch fest, daß die Zusage eines nationalen Heimes i n Palästina in der ausgesprochenen Absicht erfolgte, durch die Wahl dieser Formulierung die Bereitstellung Palästinas als jüdische Heimstätte auszuschließen, und die ganze Gestaltung der Agrargesetzgebung ist in logischer Konsequenz dieses politischen Grundgedankens darauf berechnet, den arabischen Besitz zu schützen und zu stabilisieren. So sehr diese Politik im Interesse einer ruhigen Entwicklung der jüdisch-arabischen Bezieüungen und daher im individuell-jüdischen Interesse liegt, so wenig eignet sie sich dazu, den gequälten jüdischen Massen Ersatz zu bieten für die alten messianischen Hoffnungen, auf die der politische Zionismus so lange mit der? souveränen Verachtung des — Automobilfahrers für den „Eselreiter" herabgeblickt hat. Nicht minder widerspruchsvoll, ins Dämmerlicht aufkeimender Hoffnung und müder Resignation getaucht, zeigt sich die wirtschaftliche Lage Erez Jtsroels. Hier ist an und für sich nach unserer Ueberzeugung ein kräftiger Optimismus durchaus angebracht — denn es ist nicht einzusehen, warum es einer erfahrenen Kolonialmacht wie England nicht gelingen sollte, das Wirtschafts, leben Palästinas in Gang zu bringen und zu befruchten. Ob es den Zionisten vergönnt ist, ihren „Keren Hajessod" zu einer Ftnanzmacht auszugestalten oder nicht, das mag für die künftige Stellung der zionistischen Partei in Erez Jisroel von großer Wichtigkeit werden, wirtschaftlich kann es nicht von entscheidender Bedeutung sein. Die Sehnsucht nach Jschuw Erez Jisroel im Sinne des ewigen Gottesgesetzes wird unter allen Umständen die treuen Söhne des jüdischen Volkes immer wieder in solchen Massen und mit solcher Intensität in daS Wirtschaftsleben des Landes hinetnführen, daß ein aufblühendes Palästina unbedingt zugleich auch die wirtschaftliche Vorherrschaft der Juden bringen, ja zur Voraussetzung haben wird. Allerdings muß man dabet auf den Traum verztchtey, Erez Jisroel zu einem Bersuchsland für sozialpolitische Experimente zu machen, für die jede wirtschaftliche Vorbedingung fehlt und für die man sich beileibe nicht auf die jüdische Gotteslehre berufen wolle. Die sozialpolitischen Grundsätze des jüdischen Rechtes sind untrennbar mit dem lebendigen Organismus der ganzen Thora verknüpft: T^IV 1PT3C 'VQVIS, und es ist ein lächerliches Unterfangen, wenn dieselben Leute, denen die ganze religiöse Ueberlieferung Hekuba ist, nun einige Institutionen des biblischrabbinischen Bodenrechtes oder der Arbeitergesetzgebung herausgreifen, um darauf sozialistische oder gar kommunistisch-bolschewistische Progra-i mforderungen für die palästinensische Siedlung zu stützen. Die größte wirtschaftliche Gefahr, die dem heiligen Boden und daher der „Mizwas

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.