Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1921-01-20 · Heft 3 (20.1.1921) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 3 (20.1.1921)
Date
1921-01-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2450138-2450141--68686-2525811
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

Sette 8 Nr. 8 Der ASraeltr ZS Januar ISA. einer Besprechung in den Regierungspalast gebeten. Die Angelegenheit nimmt, wie man hört, eine günstige Entwicklung. Die Araber an den öberhommiflar. Jerusalem, 3. Jan. Eine in Haifa tagende Versammlung von Delegierten arabischer Verbindungen richtete ein Schreiben §an den Oberkommisiar, in dem sie sich die offizielle und legale Vertretung des arabischen Volkes in Palästina nennt und unter Berufung auf die Früdensverträge und ..des Völkerrechts Protest etnlegt gegen die Zusammensetzung der Verwaltung Palästinas. Die Versammlung hält der derzeitigen Regierung vor, daß sie Gesetze erläßt, ohne vorhergehende Beratung mit den gewählten Vertretern der Bevölkerung, ,daß sie die Delegiertenversammlung der Zionisten als offizielle Institution anerkennt, überhaupt durch Freigabe der Einwanderung die zionistischen Ideale unterstützt. Es wird ferner dagegen protestiert, daß die Zionisten Hobe Stellungen in der Regierung etnnehmen, ungeachtet dessen, daß Palästina auch der christlichen und islamitischen Welt geheiligt sei. Es wird der Regierung auch vorgeworfen, daß mit der Schaffung und Anerkennung der Delegiertenversammlung in der Welt nur der Schein erweckt werde, als stände der Regierung eine beratende Körperschaft zur Seite. Die Antwort des Oberkommissars auf dieses Schreiben wird in der hebräischen Tagespreise jetzt veröffentlicht. Sie ist von den Sekretären unterschrieben und erklärt kurz und bündig, daß die Versammlung sich zu Unrecht offizielle Vertretung des arabischen Volkes in Palästina nsnnt, nachdem.die Versammelten nur kleine Gruppen vertreten. Bevor das Oberkommiffariat auf die Sache etngehen kann, müßte ihm zunächst bekannt gegeben werden, welche Bewandtnis es mit den arabischen Verbindungen hat, die die Teilnehmer der Konferenz delegiert haben, wieviel Mitglieder eine jede dieser Gruppen hat und wie da die Wahlen vorgenommen wurden. Nach Ansicht des „Doar Hajaum" stehen hinter diesen jüngsten Machenschaften der Araber nur einige nationale Hetzer, nicht aber das Gros des arabischen Volkes. kinwanöerung. Jerusalem/ 3. Jan. Aus Bagdad wird hierher berichtet, daß dort täglich jüdische Durchwanderer aus dem Kaukasus anlangen, deren Reiseziel Palästina ist. Die Lage der Emigranten ist mehr als kritisch. Zum Teil machten sie den Weg über die Berge zu Fuß. Die jüdische Jugend in Bagdad errichtete ein Emigrationsbureau, um den Palästinawanderern die Reise zu erleichtern. Smlickgewlesene kinwanSerer. Jaffa, 1. Jan. Am Freitag war man hier am Hafen, nach dem „Doar Hajom", Zeuge eines Schauspieles, das der Einwanderungsorganisation nicht viel Ehre macht. Die Sache trug sich folgendermaßen zu: Vor kurzem brachte ein Schiff aus Konstanttnopel 600 Emigranten. 1b jungen Leuten aus Rumänien wurde die Landung versagt, sie wurden zurück nach Port Said geschickt. Ihrer drei, deren einzige Schuld war, daß ihre Visa nicht in Ordnung waren, kamen Freitag wieder hierher, wurden aber von den Hafenbeamten wieder angehalten und sollten abermals zurückgeschickt werden. Einer der jungen Leute versuchte sich aus Verzweiflung in die Fluten zu werfen. Alle Verwendungen von verschiedenen Setten waren nutzlos. Die Einwanderer wurden zurück nach Konstanttnopel geschickt. Der Fall diene all denen zur dringenden Warnung, die ohne Paß und Visum in Ordnung zu haben, die Reise nach Palästina wagen. Die firbeiferftüdien in Paläifina. Berlin» 14. Januar. . In der Sitzung des Landesvorstandes der Zionistischen Vereinigung für Deutschland wurde anläßlich der in wetten Kreisen Aergernis erregenden nicht rituellen" Führung palästinensischer Küchen, die aus zionistischen Mitteln gegründet oder unterstützt werden, folgende Resolution angenommen: „Die zionistische Exekutive wird ersucht, dafür Sorge zu tragen, daß entsprechend den schon zu Herzls Zetten gefaßten Beschlüssen in den von ihr begründeten und unterstützten öffentlichen Institutionen unser nationale- Religtonsgesetz nicht verletzt wird." (Wenn mit dieser Resolution ernst gemacht werden sollte, so müßte vor allen Dingen dem Waad hachinuch sämtliche zionistischen Gelder entzogen werden, denn eS ist klar, daß der Unterricht in den meisten vom „Waad hachinuch" erhaltenen Schulen dem nationalen Religionsgefttz nicht entspricht. Red.) Rabbiner Dr. Lazar Münz Ansbach, 7. Jan. Ein Meister und Lehrer in Israel, ein Fürst der jüdischen Wissenschaft, ist aus unserer Mine geschieden. Am Montag nn’ts 22, bcttt 3. Januar 1921, har Herr Rabbiner Dr. Lazar Münz im 84. Lebensjahre unerwartet seine reine Seele ausgehauchi. Als Nachkomme hervorragender jüdischer Gelehrrer, npn sve> (Schemen Rokeachj und ruro mr, hat er den Hohen Geist dieser berühmten Männer in sich ausgenommen und durch sein Leben in Wort und Schrift, zum voll« | endeten Ausdruck gebracht. Schon mit 17 Jahren 8 besaß er ein so umfassendes, tiefgründiges ralmudisches I» Wissen, daß er von einigen der hervorragendsten Autoritäten jener Zeit, den Oberrabbinern in Krakau und in Leipnik die nmin mnn erhielt. Nach elfjähriger Tätigkeit als KretSrabbtner in Oswiecim wurde er von der bedeutenden Gemeinde in Kempen in Polen, die damals 3010 Juden zählte und wo Malbim flewirkt hatte, als Rabbiner berufen. In 32 jähriger Tätigkeit hat er eS mit Hingabe seiner ganzen Kraft vernanden, das fromme arte Leben der Gemeinde ungestört zu erhalten. Während in allen Gemeinden der Umgegend die Entweihung des SabbatS immer mehr um sich griff, blieben in Kempen die zahlreichen jüdischen Geschäfte ohne Ausnahme am 712V geschloffen. Nach seiner.Pensionierung lebte er einige Jahre iw Kreise seiner Kinder in Nürnberg und wählte nachher das ruhige, nahe gelegene Ansbach zu seinem Nuhmsttz, wo er ungestört an der Vollendung seiner Werke in bewunderungswerter geistiger Irische bis zum letzten Augenblicke unermüdlich arbeitete. Vor allem sei hier zweier umfangreicher Werke gedacht. Ein großes hebräisches Werk. pas niöz>, das diese überaus schwierige Materie systematisch behandelt. Dieses Werk ist bereits von hervorragenden jüdischen Gelehrten aufs Glänzendste begutachtet worden, die es als überaus notwendiges Handbuch auf diesem Gebiete begrüßen. Sodann ein umsaffender Kommentar zu nsrr der unter Heranziehung und Deutung analoger hagadischer Stellen den eigentlichen Sin» der Sprüche der Väter ermitteln will. Bon den bereits veröffentlichten Werken und Abhandlungen seien besonders hervorgehoben: 1. Religiöse Zeitfragen. 2. Drei Reden politischer Tendenz. 3. Schemen Rokeach. 4. D’tw min, ein Buch über Heilighaltung der Ehegesetze, das bereits in 3. Auflage erschienen ist. Wie seine Schritten, so war auch sein ganzes Leben dem Dienste des Judentums geweihtsein ganzes Leben war eine einzige heilige Handlung, dem Thorastudium und der Betätigung frommer Werke gewidmet. Aus dieser wahren Gottesfurcht strömte echte Menschenliebe, eine Milde und eine Sanftmut, wie sie nur einem wahren Weifen eigen ist. Die Beerdigung des Dahingeschtedenen, welche am Donnerstag (6. Januar 1921) in Ansbach stattfand, hatte eine große Anzahl seiner Freunde und Verehrer herangezogen. An der Bahre würdigte als erster Redner der Ortsrabbiner Dr. Brader in formvollendeter und vom Herzen kommender Rede die überragende Persönlichkeit des Verblichenen und deffen Verdienste um die Gemeinden, in denen er gewirkt und um das gesamte Judentum. Hierauf gab der älteste Sohn, Herr Dr. I. Münz, früher Rabbiner in Berent, jetzt in Berlin wohnhaft, dem tiefem Schmerze der Familie ergreifenden Ausdruck. Sodann widmete Herr Rabbiner Dr. A. Klein, Nürnberg, der Schwiegersohn des Verklärten, schmerzerfüllt Worte der Liebe und Verehrung dem Heimgegangenen Lehrer und Meister. Im Namen des gesetzeStreuen Rabbinerverbandes schilderte sodann Herr DistriktSrabbiner Dr. Man es, Schwabach, in ergreifender Weise die Verdienste des Entschlafenen. Zum Schluffe beklagte Herr A. Grün bäum als Vertreter der IW Nürnberg, den schweren Verlust. ES war der sehnlichste Wunsch des Entschlafene», daß seine noch nicht gedruckten Werke der Oeffentlichkeit übergeben werden und Verbreitung finden, et« Wunsch, der wohl bald in Erfüllung gehen rmrd. Möge so das Andenken des Entschlafenen für alle Zeiten erhallen bleiben! nysb pm -St Frankfurt a. M., 16. Jan. Der Sekretär des Londoner Mtsrachi, Herr Leo B os, sucht sich gegen den von uns in Nr. 52 erhobenen Vorwurf der Indiskretion in einer Zuschrift an das Frankfurter Israelitische Familienblatt damit zu verteidigen, daß er diesen Vorwurf erheiternder Weise der Aguda zurückgibt und behauptet, diese habe im Januar 192», einer getroffenen Abmachung? zuwider, im „JSraeltt" Mitteilungen über die damals in Amsteroam gevflogenen Verhandlungen veröffentlicht. Herr Bos scheint zu träumen; seine Behauptung ist völlig aus der Luft gegriffen. Von misrachistischer Seite erschien damals im Frankfurter Familrenbtatt ein noch dazu unkorrekter Bericht über die streng vertraulichen Verhandlungen, die in Amsterdam zwischen den Pektdim und den Mtsrachisten geführt worden waren, und erst acht Tage später sah sich infolge dieser überraschenden Veröffentlichung die Deutsch- Holländische Palästina-Verwaltung gezwungen, eine Berichtigung im „Israelit" erscheinen zu laffen. Dies war übrigens bereits die zweite schlimme Erfahrung, die man bei Verhandlungen mit dem „Miörachi" gemacht hatte. Schon ein Jahr vorher wardieKopenhagener zionistische Korrespondenz in gleicher Weife vorgegangen, als in Berlin Verhandlungen stattgehabt hatten. Damals entschuldigte sich der Vorsitzende des Mtsrachi in aller Form wegen der vorgekommene» Indiskretion, für die er persönlich nicht verantwortlich war. Was die Vorgänge in London betrifft, so bestreitet aus unsere Anfrage Herr Max Jung i» London entschieden, in der telephonischen Unterhaltung mit Herrn VoS, wie dieser behauptet, ein Wort davo» gehört zu haben, daß der „Misrachi" sich eine Beröffenllichung jetzt Vorbehalte. Er würde sonst sofort eneraisch widersprochen haben, denn cs ist ja klar, daß die Londoner Delegierten keinerlei Recht und keinerlei Vollmacht hatten, irgendwelche Anregungen des „Mtsrachi" anzunehmen oder endgültig abzulehnen. Wir müffen also den Vorwurf der Indiskretion objektiv aufrecht erhalten, wollen aber nach der Erklärung des Herrn Bos gerne zugeben, daß es sich um ein Mißverständnis gehandelt haben kann. Wir sieben ferner loyaler Weise fest, daß nach der stenographischen Aufzeichnung des Herrn BoS, Stuart . Samuel kn seiner Eröffnungsrede bei dem Massen'Meeting nicht gesagt hat, er gehöre der Aguda bisher nicht an, sondern „er gehöre der Aguda nicht an". Herr Bos kann sich in unserer Redaktion jederzeit davon überzeugen, daß das Wort, „bisher" in dem uns von unserem Londoner Berichterstatter zugegangenen — allerdings nicht stenographischen — Bericht gestanden hat, der liebenswürdige Verdacht, alsUhandle es sich um eine Erfindung deS bösen „Israelit", also jedenfalls unberechtigt ist. Auf die unsinnigen gramm..jisch.philosophiscken Spekulationen einzugehen, die die Berliner „Jüdische Preffe" an Herbert Samuels Brief anknüpft, lohnt nicht der Mühe. Fulda, 5. Jan. Am 27. Dezember v. I. fand hier die Generalversammlung des „Jeschurun" statt, die trotz der ungünstigen Verkehrsverhältniffe von einer stattlichen Anzahl Mitglieder besucht war. Der Vorsitzende, Herr Lehrer Gans, Niederaula, eröffnete die Versammlung und entbot den AmtSbrüdern, sowie dem erschienenen Herrn Provinzialrabbiner Dr C a h n, herzlichen Willkommgrutz. Herr Gans warf eine» Rückblick auf die seit der letzten Tagung des Jeschurun verfloffenen Zeit, die für die jüdische Lehrerwelt reich an Geschickesschlägen und schmerzlichen Enttäuschungen gewesen, die ihre Schatten auf die Zukunftsgestaltung des dramenvollen Lehrberufs werfen. Nur Begeisterung für unsere B"mn könne heute den Jüngling noch bestimmen, sich diesem Berufe zu widmen. Dann gedachte Herr GanS der dem Vereine durch den Tod entrtffenen Mitglieder und beklagte in erschütternder Weise den Heimgang des unvergeßlichen Gönners und Förderers des Vereins, des Herrn Provinzialrabbiners Dr. Cahn Die nach Form und Inhalt gleich ausgezeichneten Worte fanden einen Resonanzboden in der Hörer Brust. Noch unter dem Banne des Eindruas stehend, den die Klage des Vorsitzenden geweckt, nahm Herr Provinzialrabbiner Dr. Leo Cahn Veranlassung,' seines großen Vaters Wirken in scharfumriffenen Linien zu zeichnen und gelobte, dem Jeschurun ein Freund zu werden, wie der edle Verklärte es gewesen. Die kernigen, von tiefer Ergriffenheit zeugenden Worte lösten frohe Empfindungen auS, die der Vorsitzende dankerfüllt zum Ausdruck brachte. Nach Erstattung des Kaffenbertchts durch Herrn Bßnkdirektor Birkenrut, der einen warmherzigen Appell an die Mitglieder richtete, durch außerordentliche Beiträge, durch Werbung von Ehrenmitgliedern die stark in Anspruch genommene Kaffe zu stärken, erhielt Herr Lehrer Schuster, Eirerfeld, das Wort zu seinem Referate; „Ausbau des Unterrichts und deS LernenS in der Schule". Mit großer Spannung lauschte die Versammlung de» treffliche» Ausführungen de» Referenten.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.