Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 3 (20.1.1921)
- Date
- 1921-01-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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ft Aanuerr 1921 xxi S«ra,tt». Nr. 3 Sette 7 Werden die sieben in dem Vorträge gesreck en Ziele erreicht, dann blüht üppig und segensvoll der Geist der n-gri und rnn' in der jüdischen Schule. Die sich anschließende Diskussion sprach für das Interesse, das der Referent bervorgerufen harre. Schnell enteilten die Stunden und man schied mit dem Bewußtsein, mit reichen Anregungen für das Berufsleven ausgerüstet, in die heimatlichen Gestade zurirckzukehren. Mit dem Wunsche auf Wiedersehen und mit DankeSworten für die erfolgte Wiederwahl des GesamworstandeS^ schloß Herr GanS die Versammlung. Berlin, 12. Jan. Der Verband Groß-Berliner Ortsgruppen des Zeniralvercins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hatte am Donnerstag, den 13. d. Mts., eine große Zahl führender Persönlich. Leiten aus allen Lagern, besonders Lehrer, Geistliche, Universitätsprosessoren nach der Philharmonie geladen, um die im engen Kreise begonnenen Aussprachen über Punkte der Judenfrage diesmal vor der großen Oeffentlicükeit fortzusetzen. Justtzrat Brodnitz, der erste Vorsitzende des Zenlralvereins, eröffnet« die stark besuchte Versammlung. Hierauf erhielt Lic. theolog. Voul Fiebig, Leipzig, das Wort zu dem einleitenden Referate: „Jüdische Gehetmgesetze". Der Redner ging besonders auf drei Talmud- und drei Schulchan- Aruchstcllen ein, auf die sich Dinter und Fritsch beriefen, wenn sie die Genehmigung für Ehebruch und Betrug von Juden an Nichtjuden beweisen wollen. Er wies in eingehender Vergleichung der Diuterschen Zitate mit dem Urtexte nach, wie durch ungenaue Uebersetzung und aus den Zusammenhang gerissen der Sinn der Stellen entstellt, teilweise sogar ins Gegenteil gedeutet werde. Das Wort ergreift nun Dr. Arthur. Dinter: Er möchte feine Gesinnungsgenossen zu bedenken buten, daß sie heute Gäste des ZemralvereinSseien. Auch sie wollten die Wahrheit finden und sie werden nicht ruhen, bis eine gesetzlich eingesetzte Kom. Mission die Uebertragung vornimmt. Kritik an den sachlichen Ausführungen des Herrn Referenten könne er nicht üben; denn „wir alle, auch ich selbst, sind talmudische Laien. Ich verstehe kein Heb rä t sch". Das sei aber auch garntcht nötig. (Zwischenrufe). Solange diese Schriften uns, weil sie hebräisch geschrieben sind, unzugänglich sind, müsse man sie als Geheimgesetze betrachten, die unS beunruhigen. Er und seine Freunde möchten sich mit den Juden gerne verständigen. Die Zetten des Radauantisemitismus seien vorbei. Die deutschoölkischen Führer täten alles, die Pogrombewegung, die manchmal durchzubrechen droht, in Schranken zu halten. Dinter erzählt, wie er seine politische Tätigkeit bei der freisinnigen Volkspartei begönnen habe, in seinem späteren beruflichen Wirken durch schlimme Erfahrungen durch Juden zum Antisemitismus geworden sei, trotzdem aber heule noch einige Juden zu seinen ehrlichen Freunden zähle. Sustizrat Brodnitz betonte, daß der Wunsch des orredners nach Uebersetzung der jüdischen Gesetzes, bücher vonseiten seiner Freunde nach allen Kräften unterstützt werde. Die Diskussion, die teilweise sehr stürmische Form annahm, brachte Ansichten von hüben und drüben. Bemerkenswert war die Aeußerung des Herrn MissionSdirektor Schaeffer, der betonte, daß der Geist und die Ethik des Talmuds zu Befürchtungen niemals Anlaß geben könne. Herr Kaplan Fahsel ries der Versammlung zu: Wollen Sie die Juden bekämpfen, dann suchen Sie sich richtige Waffen, die alten sind stumpfl Im Verlaufe der Debatte sprachen noch Prediger Lehmann, Dr. Jsmar Freund, Landgericktsrat Jen ne und Rabbiner Dr. Löwenthal. In seinem Schlußwort konnte der Versammlungs. leiter mit Befriedigung als'Ergebnis des Abends seftstellen, daß die erste Aussprache von Mann zu Mann mancherlei Anknüpfungspunkte ergeben hätte, mit denen sich weiter arbeiten laste. Er hoffe bald bei ähnlicher Gelegenheit, Freund und Gegner wiederzusehen. Walbeck, 9. Jan. In feierlicher Weise wurde kürzlich hier eine Ehren- und Gedenktafel zum Gedächtüis der im großen Weltkriege gefallenen neun israelitischen Krieger in der Synagoge angebracht. Der Entwurf stammt vom Diplom-Jngenteur Schlieher, die Ausführung hatte die Firma Bauch u. Kleine übernommen. Als Vertreter des Eisenberger Kreises wohnte Landrat Klapp der stimmungsvollen Feier bei. Bresla«, 9. Jan. Einen zahlreich besuchten Elternabend veranstaltete heute nachmittag der hiesige I e f ch u r u n (Esra). Nach einleitenden Worten des Führerschaftsletters ergriff der Referent cand. med. Marcus Freund aus Posen, das Wort. Redner wies auf die Bedeutung des Jeschurun hin und forderte von allen Eltern neben materieller, auch geistige Mitarbeit. Eine von drei Mädchen einstudierte Kindersymphonie, sowie zwei Orchesterstücke, die von der Musikgruppe des Jeschuruns aufgeführt wurden, trugen sehr zur Verschönerung des Abends bei. Treuchtlingen, 10. Jan. Die hiesige Kultusgemeinde hat zum Nachfolger des kürzlich verstorbenen «mV, pn Max Oppenheimer, einstimmig dessen Sohn, Zögling des Würzburger Seminars, erwählt. Neuenahr, 17. Dezember. Der „Jüdische Jugendbund Neuenahr-Ahrweiler" feierte am 11. ds. sein diesjähriges Chanukafest im Hotel „Stern" in Neuenahr. DaS Fest leitete der Schüler E. Gottschalk mit Entzünden der Shanukalichter sehr feierlich ein. Daran schloß sich die Begrüßung der Gäste in einem gut vorgetragenen, von Krl. Joh. Gottschalk verfaßten Prolog, der die Bedeutung deS Abends in finnigen Worten schilderte. Alsdann folgten Klavier- und Violinvorträge, die von den Herren M. Lichtendorf und W. Dresel meisterhaft ausgeführt wurden. Hierauf wechselten in bunter Reihenfolge humoristische Vorträge ab. DaS Fest war sehr gut arrangiert und gebührt dem Vorstand, besonders den Damen Frl. Joh. Gottschalk und Irl. M. NooS für ihre Mühe viel Dank. Von Neuenahr und auswärtigen Freunden war das Fest sehr zahlreich besucht und dürfte eS als ein gut gelungeS bezeichnet werden. . Grostwardein, 20. Dez. Obberrabbiner Juchs hat hier ein jüdisches Lehrltngsheim errichte», wo jdie Handels» und Gewerbelehrlinge am Sabbat und Sonntag geistige Anregung im traditionellen Sinne finden. Sprechsaal. Reformgemeinde und Sonutagsgemeinde. Herr Rabbiner Dr. Daniel Fink übersendet uns ein umfangreiches Manuskript, worin die gegen ihn gerichteten Bemerkungen oeS, Herrn M. A Loeb in Nr. 1 des „Israelit", in sehr ausführlicher Weile durch Mitteilungen aus der Geschichte des „Vereins zur Erhaltung des überlieferten Judentums" in Berlin widerlegt worden. Wir bedauern außerordentlich, daß es uns, nachdem die Diskussion mit Rücksicht aus die genügend erprobte Geduld unserer Leier geschlossen wurde, vorläufig nicht möglich ist, daS Schriftstück ubzudrucken. Einzelne Mitteilungen, die über den persönlichen Kampf hinaus ein fachliches Jnteresie haben, behalten wir uns vor, demnächst an anderer Stelle dieses Blattes zu veröffentlichen. (Die Redaktion). Frankfurter Berichte. Aröettsgemeirrschaft jüdischer SLudiererrder. Seit Beginn dieses Semesters besteht an der hiesigen Universität eine „Arbeitsgemeinschaft jüdischer Studierender", die ihre Hauptaufgabe in der po litt sch en Vertretung der jüdischen Studentenschaft nach außen erblickt, außerdem aber die jüdischen Studierenden zur Vertiefung in jüdische Wissenschaft und jüdische KuUur anregeu und soziale Hülfsarbeit treiben will. Der „Arbeirsgemeinschaft" gehören alle Gruppen verschiedener Weltanschauung, an u. a. auch die gesetzestreue „Bereinigung jüdischer Akademiker". Do verständlich und dankenswert dieses Zusammenwirken der bewußt thoraneuen akademischen Jugend mit ihren Kommilitonen von der liberalen Fakultät in politischen und sozialen Dingen erscheint, so wenig können wir die Ausdehnung der Arbeitsgemeinschaft aus daS geistlg-religiöse Gebiet begreifen und billigen. Die B. I. A. hat seiner Zeit aus berechtigten religiösen Bedenken die Mitwirkung an der Gründung der „Freien jüdischen Hochschule" abgelehnt und leiht nunmehr ihre Unterschrift einem Rundschreiben, daS für religtonswissenschaftliche Vorlesungen der „ersten Lehrer alter jüdischen Richtungen" und für das an der hiesigen Universität bestehende Lektorat für jüdische Wissenschaft Propaganda macht. Aufklärung über dre Beweggründe dieses Stellungswechsels wäre erwünscht. Jüdisch-soziale Ararrerraröeit. Aus der Feder von Bertha Pappen heim veröffentlichen die von der bekannten Vorkämpferin jüdisch-sozialer Frauenarbeit geleiteten Vereine einen gemeinsamen Rückblick über ihre Tätigkeit. Der Bericht giebt ein fesselndes Bild von der reichen und fruchtbaren Fürsorgetätigkeit hiesiger jüdischer Frauen aus den Gebieten der Arbeitsbeschaffung, Berufsberatung, Wohnuugshygiene, des Ktnderfchutzes, der Krankenpflege und anderer Zweige der sozialen Arbeit. Er gipfelt in der Feststellung, daß es den Frauen gelungen sei, in der Frankfurter Israelitischen Gemeinde das aktive und passive Wahlrecht zu erlangen „dank der fördernden Stellungnahme des orthodoxen Rabbiners." Wekeidigurrg am Wahltage. Zu einem am Wahllokal Mainwarte am 6. Juni v. Js. stehenden Schüler, der Wahlzettel der deutschnationalen BolkSpartei verteilte, sagte, wie seinerzeit berichtet wurde, Frau Dr. Offergeld beim Verlosten des Lokals inbezug auf einen bei dem Wahlbüro tätigen Kaufmann, der im gleichen HauS wie Frau Dr. O. wohnte: „Das ist ein alter Stinkjude"! DaS Schöffengericht unter Vorsitz des Geh. Justizrats Dr. Rückert hatte Frau Dr. O. wegen Beleidigung zu 20 Mk. Geldstrafe verurteilt. Gegen das Urteil wurde Berufung eingelegt und der Fall kam vor der Strafkammer zur Verhandlung. Die Beschuldigte erklärte wie früher, daß sie lediglich gesagt habe: „Da sitzt ja auch unser alter erster Stockjude". Der 15 Jahre alte Zettelverteiler, der eine höhere Schule besucht, behauptete bestimmt, daß das Wort „Stinkjude" gefallen sei. Eine bei der Beklagten beschäftigte Frau bekundete, daß Frau Dr. O. am Tag nach der Wahl zu ihr gesagt habe: „Unser erster Stockjude war auch da". Die Frau Doktor habe immer so gelungene Ausdrücke an sich. Rechtsanwalt Dr. Rudolf Löwenthal führte als- Vertreter de» Kläger» tt. >. aus, daß er es für seine Pflicht halte, an dem Urteil erster Instanz schärfste Kritik zu üben, da der Borderrichter von den sonst üblichen Gewohnheiten abgewichen sei, indem er der Angeklagten und nicht dem Zeugen Glauben geschenkt habe. Das sei mit ein Grund gewesen, daß gegen das Urteil Berufung eingelegt wurde. Wenn es in unserem Staate heute noch möglich sei, daß eine Dame, die sich zu den gebildeten Kreisen rechne, gegen einen seine staatsbürgerlichen Pflichten erfüllenden Mann auf einen wildfremden Jungen so verhetzend etnzuwirken suche und dann so gering bestraft werde, so muffe man den Kopf schütreln. Als Ersatzstrnse für je 10 Mk. habe der Vorderrichter nicht, wie sonst allgemein üblich, einen Taq Gefängnis, sondern einen Tag Haft anaesetzt. Das Urteil sei ein Tendenzurteil. Ohne Zweifel muffe auf Publikattonsbefugnis erkannt werden, denn es handle sich um eine öffentliche Be'eidigung. Er beantrage, die Beklagte in eine wesentlich höhere Strafe zu verurteilen und auf Publikationsbesugnis in zwei Zeitungen zu erkennen. Demgegenüber machte der Verteidiger der Beklagten, Rechtsanwalt Dr. Kocks geltend, daß eS sich um eine ganz gewöhnliche Beleidigungsklage handele. Eine öffernltche Beleidigung liege nicht vor, Das Gericht gelangte zur Ueberzeugung, daß der Ausdruck „Stinkjude" gebraucht worden sei. Es liege aber ke>ne öffentliche Beleidigung vor, da sie nur von dem Jungen gehört wurde. Strafschärfend fiel ins Gewicht, daß die Angeklagte in keiner Weise von dem Kläger gereizt worden war, und der Bildungsgrad der Angeklagten. Andererseits war zu berücksichtigen, daß es sich um einen Vorgang während des Wahlkampfs bandelte, bei dem eine gereizte Stimmung Vorgelegen haben mag. Das Urteil lautete auf vier- Hunde rrMarkGeld st rase, eventuell für je zehn Mark einen Tag Gefängnis. Verein zur Assege jüdischen Wissens. In der am 15. dss. obgehaltenen Generalversammlung des Vereins Tifereth-Bachurim wurde an Stelle des ausscheidenden Herrn I. Bickhardt, Herr Rechtsanwalt Horovitz in den Vorstand gewählt. Kutstehurrg und Lehre des Knsari. Ueber dieses Thema spricht Herr Redakteur S. Schachnowitz, Sonniag abend um 6Uhr, im Mekor Chajim. Lanaestraße 18, im Zusammenhänge mit der Lebensgeschichte von R. Jehuda Halevi. Personalien. Herr Max Altheim er, Mitinhaber der Firma Althetmer. Speier u. Cie., ist zum Stellvertretend en Handelsrichter ernannt worden. SereMalerider. Verein Mekor Chajim. Freitag abend, nach Schluß der Synagoge: „Mikro"; Herr Louis Kahn. SamStag vorm., nach Schluß der Synagoge: „Dinim"; Herr Rektor B. Falk. — JahrzeitSstiftungSlernen: Elise Hechi, geb. Schloß.Stiftung. — Mittags 12 Uhr, im Hörsaal Friedverger Anlage: „Melochim"; Herr Prof. Weyl. — Nachm. 3*/„ Uhr: „En Jakauf"; Herr Redakteur Schachnowitz. Sonntag vorm. 9% Uhr und DienStag abend 7 Uhr: „Gemoro"; Herr R. A. Posen. Sonntag nachm., 6 Uhr: Vortrag des Herrn Redakteur Schachnowitz über „Rabbi Jehuda Halevi und Entstehung und Lehre deS Kusari". Montagfrüh: Jahrzettssttstungslernen; Lina Sänger, geb. Sänger-Stiftung. — Profeffor Michael Altmann-Stiftung. Montag und Mittwoch abend? Uhr: „Gemoro"; Herr Dr. Jos. Breuer. Mittwoch: JahrzeitsstiftungSlernen; Bertha Rosen- Ihal-Siistung. Donnerstag: Jahrzeitsstistungsleruen; Joseph Hermann Jülich-Stiftung. Donnerstag abend, 7 Uhr: „Mischna"; Herr Rektor Falk. Allabendlich 8*/< Uhr: „Gemoro"; Herr H. Halpern. Jeden Morgen Misch na lernen. Agudas Jisroel-Jugendgruppe. Sonntag vorm. 8 Uhr: „Chumisch mit Rasche Herr Leopold Oppenheimer. — Nachm. 3*/4Uhr: „Tefillim";HerrHerm.Frankenthal. — Abends 9 Uhr:„Hebräische Sprache") Herr Lehrer I. Je len. Herren und Damen. Montag abend 9 Uhr: „Gemoro") Herr Zahnarzt Ehrmann. DienStag abend 8 Uhr: „Tefilloh") Herr Oberlehrer Kaufmann. — 8'/4 Uhr: „Gemoro"; Herr Dr. Hofmann. Mittwoch abend 83/4 Uhr: „Newiim"; Herr Lehrer Unna, Kleine Obermainstr. 30. — S Uhr: „Gemoro"; Herr Zahnarzt Ehrmann. Freitag abend nach Schul: „Gemoro" für Anfänger; Herr Leop. Oppenheimer. — 8 Uhr: Gemütliche Zusammenkunft. SamStag vorm., */,10 Uhr: „Gemoro"; Herr Dr. I. Posen, Tiergarten 43. — 11'/. Uhr: