Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 3 (20.1.1921)
- Date
- 1921-01-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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29, Jamrar 1821 _ ' sonen recht vielen jüdischen Lehrern eine einst, wellige Anstellung zu verschaffen in der Lage sein wird. RuslSnSer im linksrklelnWen 6eb!et. ZS erlitt, 12. Januar. Vom „Arbeitsfürsorgeamt der jüdischen Organisationen Deutschlands" wird Uns geschrieben: In der letzten Zeit sind Flüchtlinge aus dem Osten häufig in das linksrheinische Gebiet gefahren, ohne sich vorher zu vergewissern, ob sie dort mit ihren Personalausweisen usw. sich aufhalten dürfen. Die Verhältnisse im linksrheinischen Gebiet liegen ähnlich^vie in Öberschlesien. Flüchtlinge, die nicht im Besitz von Heimatspässen sind, werden auf Grund des § 5 der Rheinlandordonnanz der Allierten Kommission aus diesem Gebiet wieder ausgewiesen, sodaß in jedem Falle vyr dem Zuzug dorthin zu warnen ist. Der im übrigen preußischen Gebiet geltende Personalausweis wird linksrheinisch nicht als genügendes Legitimationspapier anerkannt. ZSerkin, 15. Januar. Der Hauptausschuß des Reichstages setzte heute, Samstag, seine Beratungen über den Haushalt des Ministeriums des Innern fort, wobei Frau Wurm (U. S.P.) den preußischen Erlaß vom 17. Nov. der die Unterbringung ostjüdischer Einwanderer in Konzentrationslagern verfügt, kritisiert. Der Erlaß mache die Arbeitseinstellung von Auswanderern unmöglich, da ausländische Arbeiter nicht eingestellt werden dürsten, bevor nicht alle einheimischen Arbeitskräfte in Arbeit gebracht seien. Rkichsminister des Innern Ko ch erklärte, die Behandlung der Frage im einzelnen sei lediglich eine Sache Preußens. Es handle sich nicht um Antisemitismus, sondern um Gleichmäßigkeit in der Behandlung aller Ausländer. Ausnahmemaßnahmen zu Gunsten der Oftjuden ließen sich nicht aufrechterhalten, schon um deswillen nicht, weil die Auswanderung der deutschen Arbeiter erschreckende Formen angenommen habe. Das Berliner Wohnungsamt, ebenso die Landesarbeitsämter hätten geklagt, daß die einrvandernden Ostjuden den deutschen Arbeitern die Arbeitsstellen wegnebmen. Die Regierung sei nicht in der Lage, die ergriffenen Maßnahmen zu ändern. Dr. V. Delbrück (D.-N.) bemängelt die behördlichen Organisationen, die er für diesen Zweck nicht für geeignet hält. — Aög. Mumm (D.-N.) fordert, daß der Einwanderung der Oftjuden gewehrt und Internierungslager geschaffen werden. Abg. Hoch (Soz.) gibt zu, daß energisch gehandelt werde müffe, doch warnt er vor Uebertretbung nach der einen oder anderen Seite hin. Abg. Wulle (D. N.) wendet sich gegen die von Wurm (N) ausgesprochene Ansicht, daß gerechterwrise bei Behandlung der Frage drr ausländischen Einwanderung Balten und Ostjuden gleich zu behandeln seien. Natürlich plädiert er für ein Gesetz, das jede Ostjudeneinwanderung verbiete und die nach 1919 zugewanderten Östjuden aus weise. — Der Ausschuß geht über diese Wünsche zur Tagesordnung über. 3ur Abstimmung in Oberlcblelien. Wreskau, 16. Januar. Die „Zentralstelle für die technische Durchführung der oberschlesischen Abstimmung, Breslau", beabsichtigt in dem Bestreben, allen abstimmungsberechtigten Oberschlesiern die Teilnahme an der Abstimmung zu ermöglichen, für die jüdischen Abstimmungsberechtigten auf der Reise und während des Aufenthaltes im Abstimmungsgebiet auf Wunsch rituelle Verpflegung zu beschaffen. Die geschieht von ihr in Gemeinschaft mit der „Freien, Verewigung für die Interessen des ort hodoxen Judentums", die auch während des Weltkrieges die jüdischen Soldaten und Kriegsgefangenen in vorbildlicher Weise mit ritueller Verpflegung versorgt hat. Um ein Bild zu gewinnen über die Anzahl der Abstimmung?- berechtigten, dt e auf rituelle Verpflegung reflektieren, we^en solche Abstimmungsberechtigte Der JSraeltt. gebeten, baldigst ihre Adreffe und ihren Abstimmungsort der Zentralstelle Breslau, Kaiser Wilhelm-Platz, Tel. Ring 10223 oder der genannten VereintgungF rankfurta. M., Schützenstraße 14, oder einem der beiden Vorsitzenden der Schlesischen Abteilung dieser Bereinigung, Kaufmann Aron Kober, Breslau, Königsplatz 5 und Bankier Loewy, Breslau, Goethestraße 36 zu melden. Gestenreich. Streift der islraelttifdien Religionslehrer- Wien. 1». Jan. Die israelitischen Religionslehrer Wiens sind a« 3. Januar infolge Ablehnung ihrer Forderung nach Gleichstellung ihrer Lehrerbezüge mit den Bezügen der städtischen Lehrer in den Streik getreten. Molen. Die Wilnaer WahlengßiCna, 10. Jan. Entgegen dem hier mitgeteilten Beschlüße der Wilnaer Kehilloh, hat sich eine Reihe jüdischer Demokraten entschlossen, sich an den von Zellgowski ausgeschriebenen Landtagswahlen dennoch zu beteiligen. An der Spitze der Gruppe stehen Dr. Schabad und Schapiro. Rumänien. ein erlsß der rumänifdien Regierung. Bukarest, 12. Januar. Die rumänische Regierung hat auf Veranlassung der beßarabis hen „Agudas Jisroel" erklärt, daß aus der Maßnahme, alle Flüchtlinge in Konzentrationslagern unterzubringen, die aus der Ukraine auf beßarabischen Boden geflüchteten Juden auszunehmen seien. Mit einem Erlaß wurde der Polizei Anweisung gegeben, diesen! Emigranten die Welterfahrt nach Palästina oder Amerika zu erlauben und zu erleichtern. Diejenigen Emigranten, die die nötigen Papiere nicht gleich in Ordnung bringen können, erhalten eine Aufenthaitfrist von drei Monaten, die nach Bedarf und bei guter Führung noch verlängert werden kann. Auch wiro ihre Bewegungsfreiheit im Lande innerhalb der ihnen gewährten Aufenthaltsfrist wesentlich erweitert. Es mutet etwas tragikomisch an, diese Gnade, das Recht, das Land tu der kürzesten Frist verlassen zu dürfen usw. Aber man muß unter den gegeoenen Umständen, da das Damoklesschwert der Internierung über Dru Köpfen der vor der Mordaxt Denikins und Petljuras Geflohenen beständig schwebte, auch dafür dankbar fem. Schweiz. Neue Lrkckwerung Ser Sthärhfens. Masel, 11. Januar. Das schweizerische Volkswirtschaftsdepartement hat auf eine vom Zentralpräsidenten der deutschschweizerischen Tierschutz vereine betr. die Schachtung von Schweizervirh in Badisch-Rheinselden an ihn gerichtete Eingabe geantwortet, daß das mit der Handhabung des Ausfuhrverbotes für Rindvieh betraute eidgenössische Ernährungsamt sich aus eigenem Antrieb heraus, in Würdigung des gegenwärtigen Zustandes der Fleischverjorgung entschlossen hatte,vom 1. Januar 1921 an keine Bewilligung mehr für die Ausfuhr von zum Schächten bestimmtem Schlachtvieh zu verabfolgen. — Die Tierschutzvereine sehen in diesem Beschlüsse einen Erfolg ihrer Bestrebungen. Hoffentlich geht er nicht auf Kosten der Juden und — der Gerechtigkeit. Frankreich. VIe iliaifdie Emigration un3 Ser MkerbunS. Marfs, 10. Januar. DaS „Komitee der jüdischen Delegationen" wandte sich an die in Permanenz arbeitende Kommission des Völkerbundes in Sachen der __ No. 3 Seite S jüdischen Emigration. In der Denkschrift wird auf die unvergleichliche Tragödie der jüdischen Bevölkerung in Südrußland und in der Ukraine hingewiesen und als ein Verbrechen an dem Gedanken der Menschlichkeit dahingestellt, gerade jetzt den unglücklichen Flüchtlingen, die ihr nacktes Leben aus der Hölle retten, in den Einwanderungsländern die Pforten zu schließen. Die Delegation bittet den Völkerbund, auf die Regierungen der überseeischen Länder einzuwirken, daß wenigstens ein Teil der Unglücklichen dort eine Heimat finden könne. .zEs wird in der Denkschrift dem Völkerbunde nicht zugemutet, das jüdische Emigrationsproblem in seiner Gesamtheit mit einem Schlage zu lösen. Dazu würde eine große Reihe von Vorarbeiten nötig sein, die die jüdischen Organisationen zu leisten gewillt sind. Im Momente handele es sich darum, daß den vor Not und Tod Fliehenden nicht der letzte Rettungsanker und die letzte Hoffnung genommen werden. (föttglanfr. Der neue öijefcönig von Indien- London, 7. Jan. Die englische Regierung hat das Vizekönigtum von Indien, wie bereits kurz gemeldet, dem jetzigen Justizminifter Lord Readtngs übertragen, der 61 Jahre alt ist. Er heißt eigentlich Rufus Isaak. In seiner Jugend wirkte er erst als S ch i ffs j un g e an Bord eines Dampfers und wurde dann nach Deutschland geschickt. Nach England zurückgekehrt, widmete er sich teils den Finanzen, teils dem Gerichtswesen, und hat auf diesem Gebiet eine große Autorität erlangt. Während des Krieges wurde er mit einer außerordentlichen Mission nach den Vereinigten Staaten geschickt. Seine hervorragenden Eigenschaften als Diplomat ließen ihn für den Posten eines Vizekönigs in Indien geeignet erscheinen. Der gegenwärtige Staatssekretär für Indien Lord Montagu, wird Schatzruintster. Mon-> tagu ist der Chef der Großbank Samuel Montaqu, die besonders den Handel mit Indien pflegt. _ London, 15. Jan. In Bagdad starb im Alter von 55 Jahren Rabbi Jacob ben Joseph Chatm, oer Grandrabbin von Mesopotamien. Der Verstorbene zählte zu den Größten der Großen im Oriente und war allgemein als Hüter und Wahrer des Thoralebens in Mesopotamien hochgeschätzt. Auch in der jüdischen Politlk trat Rabbi Jacob in den letzten Uebergangsjahren des öfteren segensvoll hervor. $mßvika. Die lifauifdien luden in Rmerifta- Merv-Bork, 3. Jan. Bei Anwesenheit von 300 Delegierten aus allen Teilen der Union hielten hier die in einer Organisation vereinigten litauischen und baltischen Juden eine Konferenz ab, die auch vom litauischen Gesandten und mehreren Konsuien besucht war. Es wurden wichtige Beschlüsse gefaßt bezüglich der vom Verbände gesammelten Gelder für die. Notleidenden in Litauen und den baltischen Ländern. NcrliiMrra. Die jüdische Gerichtsbarkeit in Palästina. Jerusalem, 3. Jan. Schon gleich nach Ankunft des Oberkommissars haben die Rabbiner Jerusalems bet ihm Schritte unternommen, daß von Seiten der Regierung die jüdisch-religiösen Gerichte anerkannt werden und ihnen die ganze Gerichtsbarkeit, sofern sie Juden und jüdische Dinge betrifft, übertragen werde. Da von anderen Konfessionen ähnliche Wünsche an den Oberkommissar ergingen, so wurden die berufenen Vertreter zu