Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 2 (13.1.1921)
- Date
- 1921-01-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 6 Nr. 2 Ser Mraettt 1<*. Januar 1981 Warschau. RaöL. Ferber und Abrahamson aus London auf. In der Philpot-Synagogue sprach Dr. Birnbaum vor großem Publikum mit glänzendem Erfolgeein Gegner, der wiederum Störungen verursachen wollte, wurde von dem entrüsteten Publikum zur Ruhe verwiesen. Birnbaum verstand es diesmal meisterhaft, seine gegen die populäre Palästina-Oberflächlichkeit gerichtete tiefe Erez Jisroel-Liebe zu rednerischem Ausdruck zu bringen und den Kampf gegen das „Batlanus" der Orthodoxie als Hauptaufgabe der Aguda zu kennzeichnen. eine intereffanfe KarrefponSenj- London, 1. Januar. Die Blätter berichten über den Briefwechsel zwischen Lucien Wolf als Vertreter des Joint, des Board und anderer Organisationen und. den Delegierten der polnischen Negierung am Völkerbunde in Genf, Paderewski und Aschkenasy ausführlich. Der Brief Wolfs ist in höflichen Formen gehalten, er klagt die polnische Regierung. keiner Beteckigurg an Pogromen an, aber wohl einersttllschweigendenDuldung der wilden Agitation gegen die Juden, die zu den wilden Ausschreitungen in Stadt und Land führen. „Die von mir vertretenen Organisationen", sagt Wolf, „fühlten sich wohl verpflichtet/ den Völkerbund über die Vorgänge in Polen auszuklären, sehen aber davon ab, mit Rücksicht daraus, daß die polnische Republik zurzeit große Schwierigkeiten zu überwinden hat und ihre Lage von uns aus nicht erschwert werden dürfe". Es wird aber im Briefe der dringende Wunsch zum Ausdruck gebracht, die polnische Regierung möge alle Mittel zum Schutze der Juden energisch in die Hand nehmen. Das in verbindlichster Form gehaltene Antwortschreiben der Delegierten ist dem Sinne nach in> unserer jüngsten Nummer wiedergegeben worden. Die Not sei keine jüdische, sondern eine allgemeine und rühre zum Teil auch von der schlechten Ernte her. Vorgekommene Grausamkeiten erklären sich durch den Kriegszustand , in dem sich Polen zur Zeit noch befindet. Im übrigen tue die polnische Regierung alles, was sie kann und verspricht, in dieser Richtung noch mehr zu tun, um den Frieden und die Eintracht im Lande und das Vertrauen auch der Juden zu der Regierung herzustellen. Im Ganzen wird der Brief der polnischen Delegierten günstig beurteilt. Die jüöisclie flftfion beim völkerbunö- «London, 24. Dez. Die Alliance Jsraelile, das Joint Foreign Komitee und das Komitee der jüdischen Delegationen haben der Bölkerbundsversammlung in Genf Denkschriften überreicht, in denen Material über die osteuropäischen Pogrome unterbreitet jund außerdem bestimmte Forderungen hinsichtlich der Verwirklichung der jüdischen Minder- Heitsrechte in Finnland, Danzig und Wien gestellt werden. Die letzteren Forderungen werden natürlich mit besonderem Nachdruck von dem Zionistisch orientierten Komitee der jüdischen Delegationen vertreten. Tie Denkschnften sind gedruckt worden und rourden. den sämtlichen Mitgliedern des Völkerbundes zugestellt. kin äuge viMönkg orm InSlen- Laudon, 6. Januar. Lord Reading, der derzeitige Oberrichter von England, soll zum Vizekönig von Indien ernannt werden, hat aber mit Rücksicht auf seine und seiner Gattin Gesundheit noch nicht endgültig angenommen. Lord Reading ist 61 Jahre alt, der zweite Sohn des Londoners Joseph M. Jsaacs und Neffe des ehemaligen Lord-Mayors von London, Sir Henry Jsaacs. (Inzwischen ist die Ernennung erfolgt. Red.) NcriitstirrLr. ©ne Baupffunaaose an 8er well-Msuer. Jerusalem, 20. Dezember. Es ist hier eine starke Bewegung im Hange, eine neue Zentralsynagoge in der heiligen Stadt und zwar an der'West-Mauer zu errichten, hie sämtliche Kehilaus und Kolalim in sich vereinigen soll. Die Initiative geht von Ehacham Baschl Elia sch er aus. Der Oberkommissar Samuel verhält sich sehr sympathisch zudem Projekte, verlangt jedoch eine schriftliche Eingabe mit den Unterschriften der Rabbiner aller Gemeinden in Jerusalem. Arnevika» Her Mellkongreß unö die smmkamlcbe ZuSenkeit. New Kork, 25. Dezember. Die scharfe Stellungnahme des „Israelit" gegen den von verschiedenen Seiten propagierten Gedanken eines allgemeinen jüdischenWeltkongreffes in der Form, wie er von der zionistischen Jahreskonferenz in London empfohlen wurde, hat auch in Amerika kräftigen Widerhall gefunden. So veröffentlicht der hiesige „Hebrew Standard" eine Aeußerung des angesehenen Rabbiners Dr. Beruh. Drachman n zu der Frage, die sich zum Teil mit den in Ihrem Leitartikel dargestellten Gesichtspunkten deckt. Drachmann erklärte bet einem jüngst abgehaltenen Meeting, worin für die Kongreß-Idee Stimmung gemacht werden sollte, daß er entschieden einem jüdischen Weltkongreß widerspreche, der zur Etablierung eines internationalen jüdischen Machtfaktors führen könne. Eine solche Politik würde nur Wasser auf die Mühle der Antisemiten leiten. Wenn die Juden sich über ihre religiöse Zusammengehörigkeit hinaus die äußeren Zubehöre des modernen Nationalismus umhängen, so spielen sie mit dem Feuer. Drachmanns Anschauungen fanden natürlich in der Versammlung scharfe Gegnerschaft aus nationalistischer Seite. Allein der „Hebrew Standard" selbst nimmt sein Partei. „Dr. Drachmann ~ so schreibt er — als orthodoxer Rabbiner, war von jeher ein entschiedener und konsequenter Förderer jeder jüdischen Sache. Wenn er daher diese neue jüdische Kongreßbewegung im Hause ihrer Freunde verurteilt, so werden alle vorurteilslosen Glieder der Gemeinschaft seine nützliche Aktion nur aufs tiefste würdigen. Ein jüdischer Kongreß, der, sei es unmittelbar oder mittelbar, jüdische nationalistische Ideale und Bestrebungen zu fördern sucht, ist ein außerordentlich gefährliches Instrument in den Händen der Juden, die i t dieser Hinsicht kein Mandat von den Volkskreisen empfangen haben, die sie vocgeben zu vertreten." Argentinien. Lmwanösrung nach Argentinientißatfäau, 26. Dez. Nus Paris wird Warschauer Blättern gemeldet, daß der 0öerra 13biner von Argentinien in Europa eingetroffen sei und die Na-chricht bringe, daß die argentinische Regierung gewillt sei, die jüdische Einwanderung kräftig zn begünstigen. Der Präsident der argentinischen Republik hat dem Oberrabbiner vor seiner Abreise entsprechende Zusicherungen gegeben und ihm den ausdrücklichen Auftrag erteilt, sich um die Ablenkung des Emigrationsstromes nach Argentinien KU bemühen. Personalien. Rabbiner Dr. Lazar Münz y'xi Ansbach, 7. Jan. In Ansbach starb im Alter von 81 Jahren der allbekannte frühere KempenerRabbinerDr. Lazar Münz. Ein Leben reichen und segensvollen Wirkens für die Ideale von min und fli’iöK wurde beschlossen. Eine eingehende Würdigung folgt in nächster Rümmer. Fulda, 2. Jan. Am Abend des IS. Teweth versammelten sich im Hause unseres Raw die Freunde von Nah und Fern — soweit sie nicht durch dringende Amtsgeschäfte verhindert waren —, um den Sium auf &KX) in ernster Feier zu veranstalten. ES galt, den ersten Jahrzeitstag unseres Führers und Vaters, des Provinzialrabbiners Dr. Michael Cahn tyiitt in Würdiger, sein Andenken ehrender Weise zu begehen. Ein Denkmal der Liebe haben die Söhne, Schule. und Freunde ihrem Meister gesetzt, da sie zur Ber berrlkchung seines - Andenkens sich zu einem edle» Bunde vereinigten und gemeinsam die gesamte mündliche Lehre von iwnpn umn während eines Jahres durcharbeiteten. Eine dem Geiste des Berkiärten adäquatere.Form des Dankes hätte die Schar seiner Jünger und Getreuen rvahckich nicht finden können. Diesem Gedanken gab der Sohn beredten Ausdruck, da er auf die glühende Liebe des BaterS zur UV? minn hinwies. Voll tiefer Ergriffenheit lauschten die Zuhörer der schlichten Erzählung, wie der zehnjährige Knabe seine Eltern bewogen hatte, ihn nach Mainz zu geben, wie er dort zu den Füßen von Rabbiner Lehmann und R. Schemuel Bondi saß und unermüdlich lernte, wie er «achlS um 1 Uhr aufstand, trotz der kalten Winternacht in die Vorstadt rvanderte, um bet einem hervorragenden Lamdon bis früh 6 Uhr zu lernen, weil der Lhaurolehrer am Tage keine Zeit mehr für ihn frei hatte. So handelte der Knabe, der fern vom Elternhause lebte, getrieben und durchdrungen von einer Hingabe und Glut zum GotteSworte, die ihm seine frommen guten Eltern durch ihr VS2n niDv in die junge Seele gehaucht hatten. DeS Jünglings brennende Gehnsucht ward im Manne zur nan^iP, zu jener Go<teSflamme, die in alle Herzen schlug und den Götterfunken zu hellem Feuer entfachte; die noch den Greis so urgewaliig durchlohte, daß der Zauber seiner Rede vor den Mächtigen der Erde, über JSroel drohendes Unbeil verscheuchte. Er empfand eS als eine wundervolle '*ar, an der Stätte, di? durch das Wirke« von Rabbi Mair Schiff zu höchstem Ansehen in '»nun gelängt war, als jnpn m»»o new zu stehen. Als krönenden Abschluß seines Lebenswerkes betrachtete er die Wiedererrichtung des Yetz-Hamidrasch, dsS Diesen Bau lastet unS aufrichten, schloß der Redner — möge ein jeder in seinem Kreise zur Förderung dieses Zieles beitragen. Unser erstevornehmstes Streben sei, daS in diesem Jahre begonnene Lernen in den kommenden Jahren fortzusetzen. Dann lebt der Geist deS uns weiter in einem BriS schel ahavoh einend, in unS und unseren Nachkommen fort immerdar zum Segen. — Es folgte« noch viele Reden, deren Inhalt Thauroworte des Verklärten waren und aus der Erinnerung stieg sein Bild herauf, gab der Versammlung Weihe und Erhebung. Am Morgen nach rmnrr» begaben sich trotz deS tiefen Gchnees und eisigen WindeS die Mitglieder der Gemeinde und die Freunde zur N22L>n-Feter auf das D”rn JYa. Gemeinsam mit den Söhnen sprachen alle die Gebete an dem mp des pnst Der Stein stand bereits. Die Inschrift verlas und interpretierte der Raw. Der älresie Sohn dankte der Gemeinde für die Steinsetzung und sprach anknüpfend an die Stelle bm miap naaro wniap by nax» apj» asn. Hinweisend auf den sinnigen Midrasch, daß jeder der Jakobssöhne einen Stein gebracht und sie alle Steine aufeinander getürmt, sodatz ein Sleinblock entstand, erinnerte er a« das Wort des "»«n, man stelle den D'p'nS keine Steine, ihre Worte, ihre Edettaten seien ihr Denkmal. Auch unserem Lehrer Mose ist keine naLv gestellt. Dein Denkmal ist nbia niinn ba. Sie erfüllen -!p nn'jnn» nsiD heißt unseres Lehrers Andenken feiern. So möge der Stein uns nichts anderes sein als das Sinnbild, daß wir gemeinsam einen festen JelSblock bilden, gleich den geeinten Jakobssöhnen, um unseres VaterS heiliges Vermächtnis — die Erfüllung der p"nn ni2£23 ttt allen Lagen des Lebens festzuhalten, jeder erneute Anblick dieses nsrat btt> {na? gebe uns bie Straft, dem edlen Rabbi gleich zu leben und zu streben, gebe uns die Mahnung, in den tiefen Schacht unserer min einzudringen, gemeinsam zu forschen und zu kämpfen, dann wird, wenn der Stein nicht mehr zu reden vermag, des verklärten Vaters Andenken in Israel als ein Edelstein von herrlichstem Glanze erstrahlen. Nach nrttö hielt der Sohn und Nachfolger in Schul einen groß angelegten Hesped, in dem er den p-ttt als Fürsten und Retter Jsroels, als Vater und Berater seiner Gemeinden, als Lehrer und Führer der Jugend, als Wohltäter der Menschheit in der fast unübersehbaren Mannigfaltigkeit seines an Segen und Erfolgen so überreichen Schaffens feierte. Herr Lehrer Möller sang dann den vom Raw verfaßten „El Mole Rachamim" mit solcher Innigkeit, daß alle Herzen von Wehmut ergriffen wurden. Mit dem Vortrag dieses Gebetes, das der Allgütige erhören möge, schloß die würdige Feier. Berlin, 28. Dez. Vor einigen Wochen erhielt das Eiserne Kreuz H. Klaffnachträglich Herr Ernst Daniel G o l d s ch m i d t, Student der klassischen Philologie. Herr Goldschmidt, ist ein Sohn des Rabbiners Dr. Goldschmidt in Königshütte. Herr Goldschmidt ist Mitglied der Vereinigung Jüdischer Akademiker zu Berlin und zur Zeit als Reorganisator in der Bibliothek des hiesigen Rabbinerseminars tätig. BMigheim, 4. Jan. Unsere Gemeinde erlitt einen schweren Verlust durch das Ableben unseres Lehrers und VorbeterS Abraham Schlösfinger. Der Verstorbene, der am vorigen Pesach seinen achtzigste« Geburtstag feierte, waltete nahezu »0 Jahre in unserer Gemeinde. All«, die ihn kannten, werden ihm ein dauerndes Andenken bewahren.