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Der Israelit · 1921-01-13 · Heft 2 (13.1.1921) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 2 (13.1.1921)
Date
1921-01-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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18. Aaxuar 1921 Der Israelit. No. 3 Seite 5 mäßen, in seiner Notwendigkeit bis tief in die liberalen Rethen hinein anerkannten Gedanken der jüdischen Volksschule verhalte sich der Berliner Gemeindevorstand nach wie vor, ablehnend. Er müffe den Ruhm aufbauenden Handelns der Adaß Jisroel-Gemetnde überlassen, die vor kurzem eine eigene Volksschule mit bereits stattlicher SchKlerzahl ins Leben gerufen habe. Die Unterrichtskurse skr Religionslehrerinnen lasse die Gemeinde so einseitig leiten, daß das religiöse Gefühl der jungen Lehrerinnen in die Brüche gehen müsse. Der Vorsitzende, Geheimrat Minden erwiderte u. a., die jüdische Jugend brauche bloß zu guten Deutschen erzogen zu werden, dann seien die so Erzogenen auch gute Juden. Auf die Zahl der Mitglieder des Schulvorstandes komme es nicht an, denn Gegensätze der Weltanschauung könnten nicht durch Abstimmung beseitigt werden. Die Sitzung schloß mit einem Antrag der Konservativen, eine gemischte Kommission zwecks Errichtung jüdischer Volksschulen in Berlin einzusetzen. Lin fllarmruf in iefcfer Stunde! Dortmund, 7. Januar. Herr Rabbiner Dr. Jacob schreibt uns: Am 23. Jauuar soll in Berlin ein Gemeindetag des „Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes" ßattfinden, auf dem endgültig eine Verfassung für einen zu bildenden „Reichsverband der jüdischen Gemeinden Deutschlands" beschlossen werden soll. Es handelt sich also um einen Schritt, der für die Zukunft des deutschen Judentums entscheidende Bedeutung haben kann. Dementsprechend ist denn auch von den Leitern des ganzen Unternehmens alles sorgsam und geschickt vorbereitet, um einen Erfolg in ihrem Sinne sicherzustellen.' Erstens ist den Gemeinden ein Formular zugeschickt worden, laut welchem sie dem ihnen vorgelegten Entwurf zustimmen, sodann ein Formular, nach dem sie irgend eine namhaft zu machende Person ermächtigen und ausdrücklich verpflichten, als Delegierter nur diesem Entwurf zuzustimmen. Wir wollen uns jetzt nicht mit der Frage beschäftigen, ob die jüdischen Gemeinden augenblicklich nicht dringendere Aufgaben haben, z. B. die materielle Not der Rabbiner und der Kultusbeamten, die selbst in größeren Gemeinden, deren Mitglieder doch vielfach selbst zu Reichtum gekommen sind, zum Himmel schreit. Wir stellen auch alle sonstigen Bedenken zurück, die sich gegen den Entwurf, mit tem sich die Gemeinden weder eingehend noch lange genug beschäftigt haben, erheben. Sondern wir wollen den Finger nur auf einen, allerdings den wichtigsten Punkt legen und in letzter Stunde einen Alarmruf erheben. Als der Zweck des Reichsverbandes wird in § 1 angegeben: Die Zusammenfassung aller Kräfte des deutschen Judentums zur Pflege seiner Interessen. Dieser absichtlich vieldeutige Ausdruck ist nichts anderes als ein nach schwierigen Verhandlungen zustandegekommenes Zugeständnis and ie Zionisten, die sonst ihre Mitarbeit verweigerten. Man weiß worauf der politische Zionismus hinauswill: auf die Umwandlung des Judentums von einer Religionsgemeinschaft in eine Volksgemeinschaft, der Gemeinden von Religionsgemeinden zu „Volksgemetnden", auf eine politische jüdische Internationale, der Sache nach auf die Wiederherstellung des Ghettos mit hebräischer oder jiddischer Umgangssprache usw. Die Religion hat, wenn sie überhaupt noch geduldet wird, hierbei gar nicht mitzusprechen. Es muß — wie ein Berliner Wahlflugblatt sagte, —'der Legende ein Ende gemacht werden, daß das jüdische Volk nur eine religiöse Gemeinschaft sei. Diesen Bestrebungen öffnet jener § 1 Tor und Tür und soll es Lewußtermaßen Lun. Daran ändert nichts, daß es weiterhin heißt: zu seinen Aufgaben gehört insbesondere:^ die Förderung allgemeiner religiöser und religiös-sozialer Angelegenheiten usw. Noch sind die jüdischen Gemeinden nicht „insbesondere", sondern ganz ausschließlich Reltgtonsgemeinden, und es ist der Wille der überwältigenden Mehrheit der eingesessenen deutschen Judenheit, daß sie es bleiben sollen. Dann aber richten wir an sie die dringende .Mahnung, ihre in gutem Glauben abgegebenen Zustimmungserklärungen und Bevollmächtigten sofort zurückzuziehen, um von der deutschen Judenheit ein Unheil abzuwenden, das durch alle etwaigen Vorteile der geplanten Verfassung nicht ausgewogen würde. Die Rguöas Jisroel in Men. Wien, 7. Januar. Die Wiener jüdische Bevölkerung hatte nun Gelegenheit, zwei prominente Verteter der Aguda, Herrn Rabbiner Dr. P. Kohn und Dr. Nathan Birnbaum kennen zu lernen, die hierher gekommen sind, um in Ausführung des Preßburger- Beschluffes in W!en einen Zentralrat der orthodoxen Weltorganisation und ein Emtgrationsbüro zu schaffen. Die ersten Referate, die die beiden Herren hielten, hinterließen tiefen Eindruck. Herr Rabbiner Dr. Kohn sprach über das Thema: „Agudas Jisroel als Weltorganisation". Herr Dr. Birnbaum sprach acht Tage später vor einem nach vielen Hunderten zählenden Publikum über das Thema „Wisse, was Du Dir selbst zu erwidern hast", in Variierung des Mischnawortes v'NIp'Äu'? na jnv Cr richtete auch einen warmen Appell an die Jugend, sich mit ganzer Jugendkraft an der jüdischen Arbeit, besonders in und für Palästina zu beteiligen. Es ist hier überall frisches, frohes jüdisches Leben zu verzeichnen. Molen. Die Juden im Rigaer Sriedensnertrag- Warschau, 2. Januar. Wie jetzt bekannt wird, enthält der polnischrussische Frtedensvertrag, der in Riga abgeschlossen wurde, keinerlei Schutzmaßnahmen für die jüdische Minderheit in den weiten an Polen fallenden russischen Gebieten. Angeblich hat sich jedoch der russische Friedensdelegierte dahin geäußert, daß das Volks-Kommissartat des Auswärtigen durchaus geneigt sei, für die Rechte der Juden etnzutreten. Dies ist umso nötiger, als die polnischjuristische Kommission, der auch ein getaufter Jude, Simon Rundstetu, angehört, bereits damit beschäftigt ist, den Juden der neuen Gebiete durch allerlei schikanöse Bestimmungen (Nachweis ununterbrochenen Aufenthaltes eines Vorfahren auf polnischem Gebiete) den Erwerb der Staatsbürgerschaft zu erschweren. Lemberg, 10. Januar. Der Lemberger Stadrat ist höflich, er faßte folgende Resolution: Tausende jüdische Familien fanden Schutz vor Raub, Mord und Gewalt auf russischer Erde. Die Flüchtlinge wollen nach Amerika, stoßen jedoch auf Schwierigkeiten, die ihnen Amerika in öen Weg legt. Polen hat den Unglücklichen gern Gastfreundschaft geboten, ist aber wirtschaftlich zu sehr ausgeschöpft, um diese Bürde weiter allein zu tragen. Darum ergeht der heiße Wunsch an die Regierung, bei der Regierung der Union dafür zu wirken, daß den Emigranten der Weg nach Amerika offen bleibt. Die Petliurafruppen. ßzenstocharr, 6. Januar. Wie bereits mitgeteilt, befindet sich der Stab der Pogromarmeen Petljuras zurzeit in Czenstocha u. Wie wenig man in der Stadt von diesen ungebetenen Gästen erbaut ist, zeigt eine Eingabe der vereinigten Fraktionen im Stadtrate, die mit dem Hinweis auf die Beunruhigung und die Teuerung, die die fremden Soldaten in die Stadt gebracht haben, deren sofortige Entfernung dringend verlangt. „Für die jüdische Bevölkerung", heißt es in der Interpellation, „hat die Sache überdies noch eine moralische Bedeutung. Ist doch für den jüdischen Bürger Petljura und jeder seiner Soldaten ein Zeuge unschuldig vergossenen jüdischen Blutes, von Raub- und Schandtaten, die die Judenheit in der Ukraine fast verwüstet haben. Wie könnten die Juden ruhig zusehen, daß die Mörder ihrer Brüder und Schwestern in der Stadt herumspazieren und sich hier in Schwelgereien gütlich tun!" Der Präsident des Stadtrates, der sich erst weigerte, die Interpellationen im Wortlaute vorzulesen, sie aber nachher auf Wunsch der Mehrheit doch verlesen mußte, teilte mit, daß bereits in dieser Sache an höhere-: Stelle Schritte eingeleitet wurden, die aber bisher keinen Erfolg gezeitigt hätten. Im Ganzen befinden sich in der Stadt etwa 2300 Ukrainer. Nach längerer Debatte wurde die Dringlichkeit der Vorschläge angenommen. 0er BJitoaer Landtag. Wilna, 6. Januar. Bekanntlich hat General Zelegowski auf eigene Faust ein Zentrallitauen mit der Hauptstadt Wilna proklamiert, für welches er nun Landtagswahlen ausgeschrieben hat. Auf die Aufforderung sich an den Wahlen zu beteiligen, haben diejüdtschenOrganisationen einen ablehnende Antwort erteilt. „Die Grundlage der Wahlen", so heißt es in dieser Antwort, „sowie Zeitpunkt und Bedingungen derselben lassen es als ausgeschlossen erscheinen, daß der Landtag die wahre Stellung der Bevölkerung und ihre Wünsche widerspiegeln würde. Aus diesem Grunde ist die Wilnaer jüdische Kehillah gezwungen, sich der Beteiligung an den Wahlen zu enthalten." Die Erklärung ist unterschrieben vom Vorstande der jüdischen Gemeinde in Wilna, den Vorsitzenden der Zionistischen Organisation in Litauen, der Jüdisch-Demokratischen Partei, des Verbandes der jüdischen Kaufleute und Handwerker, der Volksvereinigung und der „Zeiret Zion in Litauen". Marren. Sie jüdifctie Lage in Litauen. Kowno, 28. Dezember. Auf der Sitzung des Nationalrates referierte der Minister für jüdische Angelegenheiten Dr. M. Solowettschtk über die Arbeiten der Delegation, die im Aufträge des Landtages die Hauptstädte Europas bereiste, um die öffentliche Meinung über Litauen aufzuklären. Besonders hervorzuheben sei drs wohlwollende Verständnis, das man in dem jüdischen Kreisen in London, Paris und Rom der litauischen Sache entgegenbrtngt. In letzterer Stadt ist die Delegation vom Verbände der jüdischen Genreinden in feierlicher Weise begrüßt worden. Für die Lage der litauischen Juden und ihre politische Autonomie zeige man in Westeuropa auch in nichtjüdischen Kreisen größtes' Interesse. In dieser Sitzung wurde auch das Schreiben des Ministerpräsidenten und der Parteiführer in Litauen an den Jüdischen Nationalrat verlesen, in dem sie sich mit der Pariser Deklaration vom ö. August 1919 über die Rechte der Juden einverstanden erklären und das Versprechen geben, sich für die Durchführung der Rechte mit aller Kraft einzusetzen. @tt0lcmör* Die Propaganda der Raudas Jisroel in England. London, 29. Dezember. Nach dem erfolgreichen Massenmeeting von voriger Woche fanden in den letzten Tagen eine Reihe von wetteren Versammlungen in den SYnogogen und Bothe Midroschim der verschiedenen Stadtteile statt. Als Redner traten die Herren Dr. Nathan Birnbaum, Rabb. Jos. Lew aus

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