Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 2 (13.1.1921)
- Date
- 1921-01-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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18. Kannar 1921 . semitismus, von dem die jüdisch-liberale Presse doch nun einmal fast ausschließlich lebt. Den Kampf gegen die anders gesinnte Minderheit nennt - der liberale Arttkelfchreiber aber „mannhaft." Daß endlich die Lehrersreundlichkeit.der Liberalen dadurch bewiesen werden soll, daß sie die Gründung neuer Schulen mit ihrem großen Etat in Hinblick auf die Notlage der Lehrerschaft — ablehnen, verdient als Witz der großen Oeffentlichkeit mitgetetlt zu werden. Ein solches Unterfangen ist zwar nicht klug, aber es ist „mannhaft" —. Wir sollten von der Otthovorie lernen."' Der Herausgeber des jetzt in Jerusalem erscheinenden hebräischen „Haschiloach", Dr. Josef Klausner, sagte jüngsthin in einem Referate über, die Bedeutung der hebräischen Sprache ungefähr folgendes: „Die orthodoxe Judenheit Jerusalems versteht - sich vortrefflich auf den Berteidigungskampf für das Religionsgesetz. Mit welcher Hingabe setzt sie sich für die Erhaltung des Sabbat ein, wie energisch weiß sie gegen jedwede Entweihung der alten ihr heiligen Vorschriften aufzutreten und treulich über ihre religiösen Güter zu wachen. Warum verstehen wir nicht, mit gleicher Energie und gleicher aufopfernder Hingabe unser Heiligstes, die hebräische Sprache, zu verteidigen? Warum sind wir nicht ebenso zum Kampfe gerüstet gegen die Entweihung des Hebräischen auf der Straße und im Hause, wie die Orthodoxie gegen diejenigen, die öffentlich den Sabbat entweihen und die Speisevorschrtften übertreten? Warum hat keiner von uns den Mut, am Sabbat auf offener Straße eine Zigarre zu rauchen, wohl aber die Kühnheit, auf der Straße eine andere Sprache als die hebräische zu sprechen?" In diesem Tone geht es weiter. Die hebräische Sprache ist nach Klausner keine heilige Sprache im religiösen Sinne, sondern müffe uns als Sprache der Straße in Haus, Geschäft und -Schule heilig fein. 'Wir werden des uns ob unserer Energie und Hingabe gemachten Kompliments wenig froh, wenn wir bedenken, in welcher Absicht und zu welchen Zwecken es hier geschieht. Das jüdische Herz krampst sich schmerzvoll zusammen bei dem Gedanken, daß iw der heiligen Stadt der Väter" aus Jüdischem Munde die opferfreudige Hingabe, die unsere Väter seit altersher für Thauro und Emunoh betätigen, für die Schale nur, in der uns die jüdische Gedankenwelt gereicht ist, unter völliger Preisgabe des heiligen Inhaltes selbst, beansprucht wird. „Die hebräische Sprache", so sagen alte Schriften, „gehört zum jüdischen Geverpflanzen. Die Fremde ist immer kalt, besonders für Kinder des Landes, denen die Sonne wärmere Blicke zusendet. Im Warteraum der Agudas Jisroel zu Wien gruppieren sie sich ungewollt wie ein lebendes Bild, das Flüchtltngslos darsteüt. Der innig-fromme Zug im Gesichte ist ihnen allen gemeinsam und macht sie als Kinder des Bodens kenntlich, auf welchem die Blume des Glaubens am besten gedeiht. Ein wehmütiger Gedanke durchzieht wohl ihren Sinn. Laut preist sich in diesem großen jüdischen Zentrum die Liebe zu Zion. Aber sie, die echten Kinder Zions finden bet uns, wo die Liebe zu Erez Israel sich weniger lärmend ankündigt, den herzlichsten Empfang. Draußen pulsiert das Leben, in lautlosen Autos schnurren reiche Kaufleute, reichgekletdete Frauen, Brüder und Schwestern dieser Armen in vornehnten Straßen, in welchen auf glänzenden Schildern zahllose jüdische Namen als Träger jüdischer Macht sich bemerkbar zu machen suchen. . . Wir sind froh, wenn wir aus dieser Fülle mit rastloser Mühe das Nötigste für diese wahren Helden unseres Volkes zusammentragen können, für diese armen Zugvögel, denen unser rauhes Klima. . . jawohl. . . rauhes Klima, die Sehnsucht wach dem Süden, nach blauerem Himmel, nach grüneren Bäumen weckt . . . Denn hier ist alles verblaßter . . . Himmel und Erde und alles was darauf ist. Ihre dankbare Erinnerung wird den Jereim von Wien gelten und sich besonders an den Namen des- Rabbiners R. Josef Baumgarten knüpfen, an dessen Seite Herr Josef Brody Bewunderungswertcs geleistet hat. Sie müssen es verzeihen, wenn wir ihnen, gegen .ihren Willen hier, öffentlichen Dank sagen,: ihnen und ihren Mitarbeitern, den Herren Sandor und Ludwig Adler, dann der Jugend- und Mädchen- MsM, deren Korpsgeist genug entwickelt ist, daß man ._»er ASrarlu._ danken, tote der Docht zur Flamme." Was soll aber der tote, kalte Docht, wenn die Flamme gewaltsam erstickt und zum Erlöschen gebracht w.trd! Es sind alte Wahrheiten. Aber so lange uns die neuen unjüdischen Unwahrheiten aus diesem Kreise immer und immer wieder entgegentönen, wird man ihnen diese alte Wahrheit immer und immer von Neuem verkünden müffen. Auch »!e Turnerschasten. Nach den Burschenschaften die Turn erschüft en. Konform der Eisenacher Beschlüsse der Burschenschaften — siehe Wochenrundschauartikel „Die Farbigen" in Nr. 51 — haben nun auch die schlagenden Turnerschasten an deutschen Hochschulen auf ihrer Marburger Tagung ein politisches Glaubensbekenntnis abgelegt, das mit seinen völkischen KrafiaüSdrücken wohl den schlagenden Charakter der Verbindung zum Ausdruck bringen soll. „Die Turnerschasten des P. C. kämpfen für den,völligen Sieg des völkischen Gedankens. Sie bekennen sich zu schärfstem unerbittlichen Kampf gegen alle international gerichteten Strömungen und gegen die Machtgelüste des volksfremden Judentums, sowie zu einem nie verlöschenden Haß gegen unsere Feinde, der nicht auf Unversöhnlichkeit beruht, sondern auf dem Bewußtsein seiner geschichtlichen Notwendigkeit!" Solche und ähnliche Wendungen bilden den Tenor der Beschlüsse, die in ihrer Gesamtheit einen Ausfluß von Haß darstellen, der nicht mehr gut übertroffen werden kann. Eines sei aber gesagt: Die Beschlüsse von Eisenach und Marburg bedeuten auch eine ernste außenpolitische Gefahr. Deutschlands Wiederaufbau ist ohne ehrlich gewollte und loyal durchgeführte Verständigung mit unserem ehemaligen Gegner nicht möglich. Voraussetzung aber zu solcher Verständigung ist das Entstehen eines Vertrauensverhältnisses, das Veranlaffung geben kann, auf machtpolitische und völkerrechtliche Zwangsmittel zu verzichten. Wenn durch solche Beschlüsse aber immer wieder der Eindruck entsteht, daß die Heranwachsende akademische Jugend Deutschlands in dem Geiste des Raffen- und Völkerhasses erzogen wird, daß die Beamtenschaft, die geistigen Arbeiter und die akademisch gebildeten Führer des deutschen Wirtschaftslebens aus ein Bekenntnis zum Haffe eingeschworen sind, so wird dieses Deutschlands Ansehen und Kredit in der Welt kaum nützen. Darum sind solche Beschlüsse bei Deutschlands gegenwärtiger Lage schlechthin als politische Verbrechen zu bezeichnen. Nr. 2 Sette8 -3aa^- Sie Seele des jüdischen Ostens. Für unzählige junge deutsche Juden hat die Berührung mit den Brüdern im Osten, wie sie durch den Feldzug und die Okkupation in den Jahren des Krieges herbeigeführt wurde, tiefe ^seelische Wirkungen zur Folge gehabt. Mochten die Leichtsinnigen und Oberflächlichen, die bloß „Zivilisierten" und die Löwen des Salons auch höchlich „degouttert" sein von vielem, was sie da zu sehen bekamen, mochten auch Tteferblickende manchen Schatten auf dem Bilde eines lebendigen jüdischen Volkslebens nicht übersehen — im großen Ganzen hat doch eine Schaar ernster, strebender junger Juden unter der feldgrauen Uniform plötzlich in ungeahnter Wucht ihr jüdisches Herz pochen gefühlt, als sie sich dem ringenden, leidenden, von Gott und seinem Geseke allein lebendig erhaltenen jüdischen Osten gegenübersahen. Es ist dar herrliche Vorrecht des Künstlers, in Wort und Farbe, Ton und Stein zum Leben zu gestalten, was in den Herzen Vieler, halb nur begriffen, kaum geahnt, nach Ausdruck ringt, ohne ihn zu sinden. Diese Vielen alle, die aus der Fremde des Ostens heimgekehrt sind in die wenig erquickliche heimische Gegenwart, werden es den Männern danken, die das Erlebnis des Krieges zu dauerndem geistigen Besitz gestaltet haben. Eine schöne Frucht solchen Schaffens ist zunächst der uns vorliegende Band: Das ostjüdische Antlitz?) Struck und Zweig, der Künstler des Stiftes und des Wortes, haben sich zu einer glücklichen Einheit in diesem Buche zusammengefunden. Struck hat die Tage seiner Tätigkeit im okkupierten Litauen dazu benutzt, um wahre Kostbarkeiten der jüdischen Seele, die er sozusagen von der Srtaße auflas, in meisterlichen Zügen auf den Stein zu bannen. Man kann sich nicht satt sehen an diesen Stirnen und Augen, diesen tiefgeschnittenen, sprechenden Furchen des Antlitzes, aus denen der Erbbesitz der Seele einer tausendjährigen adligen Vergangenheit und dazu die Schule eines mit beispielloser Zähigkeit ertragenen Menschenleides spricht. Greis oder Mann, Matrone oder Jüngling, Kind und Mädchen—sie spiegeln eine Fülle von Individualität und gleichen sich dennoch und locken das Wort vom 2'NN 22N auf die Lippen: 11? 11 niöll D,Tö12nö im der Seelen-Einheit und äußerste Individualisierung in kaum faßbarer Synthese aus dem Antlitz dieser Menschen leuchten läßt. Arnold Zweig, der DaS^o stjüdische Antlitz? Bon 'Ärnow Sw e i g. Zu fünfzig Steinzeichnungen von Hermann truck. Berlin 1930. Welt-Verlag. nur die Bravour der ganzen Gruppe heroorzuheben hat. Nebst den Spenden der Aguda-Mitglieder hat auch Oberrabbiner Dr. Chajes, der Joint, die israelitische Allianz, Jischow Erez JSroel und der HtlfSverein des 20. Bezirkes Erhebliches zum guten Werke: beigetragen. Der Flüchtlinge Unstern tat auch hier das Seinige. Als der Transport sich nach wochenlangen Mühen endlich auf dem Bahnhofe befand, kam. die Hiobspost, daß ein Etsenbahnerstreik auSgebrochen wäre. Nun hieß es neuerdings Obdach und Verpflegung suchen. Endlich schlägt die Stunde der Heimkehr. Der Zug setzt sich in Bewegung. Schalom, tönt es hin und wieder, die Mädchengruppe waltet noch ihres Amtes und händigt den erfreuten Kindern kleine Pakete mit Liebesgaben ein . . . Nicht das frohe Stufenlied der Heimkehr ist es, was ihnen durch die Seele zieht. Tränen in den Augen der Scheidenden ... auch oft in den der Bleibenden . . . Mögen aber, die mit Tränen säen, mit Jubel ernten... (Eine neue Thora und ein neuer Sinai!) Wir lesen in der Wiener „Jüd. Presse": Wie die Londoner zionistische „Die Zeit" in ihrer Nummer vom 29. Dezember zu berichten weiß, hat Nahum Sokolow am 19. Dezember in der Baseler großen Synagoge „während die Extase der Baseler Juden die höchste Stufe erreicht hatte" von der Stelle herab, von der man bisher von der alten Thora und dem allen Sinai zu hören gewöhnt war, in Gegenwart des Gemeindepräsidenten und des englischen Konsuls das Basler Programm als zionistische Thora und Basel als Symbol jüdischer Renaissance zum Berg Sinai ausgerufen. — Was mag sich wähl der englische Konsul gedacht haben? - r : (Das Chanukalicht in der Mischnah). Von verschiedenen Setten werden wir darauf aufmerksam gemacht, daß entgegen der Angabe in unserem zu Chanukah gebrachten Leitartikel „Licht und Schwert" das Wort N2NN mehrmals in verschiedenen Teilen der Mischnah wiederkehrt. Wir danken den Einsendern Iür ihre Mitteilungen, doch sei zur Aufklärung des Mißverständnisses bemerkt, daß der Autor des erwähnten Artikels nicht,-i2vn, sondern die Synthese n2un i j vor Augen hatte, die nur in der Mtschnah von N22 KBp zu lesen ist. Freilich IJft bei der Korrektur aus dem einmal ein „dreimal" geworden, was zu den weiteren Jrrtümern geführt hat. Sadvat-Ansang und Ausgang. «2 rat?- Datum Ausgang OH Tl Uhr >Mtn. S.Gchebat Fraukfrrrt a. M. Berlin . . . München . . Strattburg . Stuttgart. . Bosen . . Nürnbera . Hamburg . LssJjSiü!_I