Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 1 (6.1.1921)
- Date
- 1921-01-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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6. Januar l»2l ____ den öffentlichen Volksschulen gleichberechtigt anerkannt ist, 3. ein Lehrer (Lehrerin) an einer von einer Synagögengemeinde unterhaltenen jüdischen Religionsschule beschäftigt gewesen ist." Dem entsprechend „kann bei Versetzung in den Ruhestand mit Genehmigung des Unterrichtsministers auch die Zeit angerechnet werden, während welcher ein Lehrer an den unter 2a und 3 genannten Schulen tätig war." Diese Beschlüsse haben durch Annahme des Entwurfes im Plenum Gesetzeskraft erlangt. Berlin, 28. Dezember. Der „Verband jüdischer Lehreroereine" hat folgende Beschlüsse gefaßt: I. Zur Frage der Gesamtorganisation: Der Geschäftsführende Ausschuß des Verbandes der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche beschloß in seiner Sitzung in Kaffel am 27. Dezember 1920, die Mitwirkung der jüdischen Lehrerschaft an der vom D. I. G. B. geplanten Gesamtorganisation der deutschen Juden von folgenden Bedingungen abhängig zu machen: 1. Bewilligung einer Vertretung der jüdischen Lehrerschaft im großen Rat des neuen Gcmeindelmndes,' 2. Regelung der Anstellung, Besoldung und Versorgung der jüdischen Gemeindelehrer und Kultusbeamten durch die Bundesverfassung. — Der Gesckäftssnhrende Ausschuß des Lehrerverbandes hält ferner zu einer einigermaßen ausreichenden Unterstützung der leistungsschwachen Gemeinden eine Bundessteuer von mindestens 5M der Gemeindeiennabmen für erforderlich. II. Zur Besoldungsfrage: Der Geschäft-führende Ausschuß des Lehrerverbandes hat mit größtem Bedauern feftgestellt, daß eine große Anzahl jüdischer Gemeinden der bedrängten wirtschaftlichen Lage ihrer Lehrer und Kultusbeamten nicht die nötige Beachtung geschenkt und eine Besserung der Beamtenverhältnisse noch nicht hrrbeigeführt hat. Der Geschäftsführende Ausschuß appelliert nochmals dringend an die rückständigen Gemeinden, daß sie schon im Interesse des Ansehens des Judentums dessen Trägern und Vertretern, den jüdischen Lehrern, eine würdige Stellung mit zeitgemäßer, auskömmlicher Besoldung gewähren. Die Rüchhehr 9er Deutfchen nach Palästina, Berlin, 23. Dez. Durch die Rückkehr sämtlicher im Kriege ausgewiesenen Deutschen nach Haifa ist die Stadt, wie die Jerusalemer jüdische Tageszeitung „Haarez" meldet, um eine Reihe guter Handwerker bereichert worden. Auch der deutsche Arzt Dr. Hoffmann ist zurückgekehrt. Die deutsche Schule ist wieder eröffnet, und neue Lehrkräfte sind angestellt worden. Die Schule steht unter Leitung des Philipp Wurst, des ehemaligen Dozenten am Lehrerseminar des Hilfsvereins der deutschen Juden in Jerusalem. Ein Mitglied der deutschen Kolonie in Haifa, das im Bauwesen große Erfahrungen besitzt, wurde von der palästinensischen Regierung zunl Leiter der Erweiterungsbauten an der Hasenmole bestimmt. Man erwartet, daß diese Arbeit in zwei bis drei Monaten vollendet sein wird. Oer Rampk um 9!e jüdifcfie Schule. Mreslau, 25. Dez. Wie an anderen Orten des Tatschen Reiches sind auch hier seit längerer Zeit Bestrebungen im Gange, dem gefahrdrohenden Niedergang des religiösen Bewußtseins durch Gründung einer jüdischen Schule entgegenzuwirken. Den Mittelpunkt dieser Bestrebungen bilden eine Gruppe gesetzestreuer Herren, denen zionistische Persönlichkeiten helfend zur Seite stehen. Während man aber anderwärts von einer aktiven Gegnerschaft der liberalen Kreise gegen Der JSraeltt. diese positive Aufbauarbeit innerhalb des deutschen Judentums nichts gehört hat, berühren sich unsere Breslauer liberalen Kämpen auch auf diesem Gebiete als streitbare Vorposten des Assimilantenlmns. Ist einer Propaganda-Versammlung^ die der Vereinzur F ordern n g der jüdischen Schule am 20. ds. Mts. unter Vorsitz des Rabbiners Dr. Simonsohn veranstaltete, wurde ein Schreiben des Vorstandes verlesen, worin dieser offiziell erklärt, daß die Gemeindebehörden die Ausgestaltung oer in der Unterstufe bereits er öffneten j üdis chen S ch ule mit Entschiedenheit a b l e h n e n. Es ist natürlich^ daß die Verlesung dieses Briefes nach dem eindrucksvollen Referate der Herren Dr. Heinemann und Rabbiner Tr. Carlebach ans Lübeck einen Entrüst,ungssturm in der Versammlung auslöste. In der Debatte trat n. a. auch Kreisschulinspektor Tr. Hämmerte vom katholischen Standpunkte aus für die jüdische Schule ein. Wie die „Jüdische Volkszeitung" berichtet, hat die Versammlung neue einmalige Beiträge in Höhe von 40.000 Mk. und Jahresbeiträge in Höhe vorc 60.000 Mk. für das Schul werk gesichert. Tie Breslauer Gem eindeoerwalnn g lutrö ' wohl schneller, als sie es selbst sglaubt, den Bankerott ihrer zur Auslösung der Judenheit führenden wahnsinnigere Politik selbst in dem „liberalen" Breslau erleben. HaturaHiafion Oer luden in Danjig. Danzig, 3. Januar. Das Komitee der jüdischen Delegationen in Parts überreichte dem Rate des Völkerbundes eine Denkschrift über die Frage der Einbürgerung von Juden, die ans Osteuropa stammen und zurzeit in Danzig wohnen. Es soll für diese Fremden das Recht erwirkt werden, sich im Freistaate Danzig als Bürger einzutragen. Srtz«reis. flgu9a un9?!oMWe Organifation- Zürich, 29. Dez. Gelegentlich der Anwesenheit Nachum Solo low s in der Schweiz, wibe' die schweizerischen Zionisten Herrn Sokolow ungefähr si feierten, als handle es sich um eine Kaiserbegrüßung in Byzanz, fand sich bei dein zionistischen Führer auch eine Vertretung der schweizerischen Landesorganisation des Misrachi ein. um Sokolow zu einer Aeußernng über die Beteiligung der Orthodoxie an der Aufbauarbeit in Palästina Gelegenheit zu geben. Sokolow äußerte über die bekanntlich an dem eigenartigen Verhalten des zionistischen Bureaus gescheiterten Bemühungen der „Agndas Jisroel" zur Herbeiführung einer Zusammenarbeit uns wirtschaftlichem und politischem Gebiete, er. habe nie behauptet, den Präsidenten der „Agndas Jisroel", Herrn Oberrabbiner Tr. Lewenstein, in Paris nicht gesehen oder empfangen zu haben. Es sei augenscheinlich ein Mißverständnis!, wenn von zionistischer Seite diese Antwort gegeben worden fei. Es handle sich um Jrrtümcr iu einer Bnreaukorrespondenz, wie sie Vorkommen könnteit. Er erinnere sich der beiderseitig^ liebenswürdigen und interessanten Unterhaltung sehr wohl, nicht aber, daß ihm nach oer Unterredung irgend ein Schriftstück in Händen geblieben ser. Prinzipiell sei er der Ansicht, daß die Agudas Jisroel wie jede andere jüdische Organisation zur Mitarbeit berufen sei, und er beoaure das entstandene Mißverständnis. Alsdann brachte der Misrachi seine eigenen Beschwerden über die Bevorzugungen antireligiöser Chaluzim in Palästina und über die Zurücksetzung oer Orthodoxie ans dem Gebiete des Schulwesens,in Erez Jisroel zu Sprache. Sokolow erbat sich über diese Angelegenheiten eine ausführliche Denkschrift. (Wenn es sich bei oein negativen Verhalten der zionistischen Organisation gegenüber den konkreten Forderungen des Aguda-Bureaus wirklich nur um „Mißverständnisse" gehandelt hat, — _3lo. 1 Seite 5 warum ist nach erneuter Zusendung des betreffenden Schriftstückes, dessen persönlicher Uebergabe Herr Sokolow sich nicht mehr erinnerte, auf dem Postwege niemals irgend lein meritorischer Bescheid eingetrosfen- Ist auch dies aus das Konto der Zionistischen Büro-. Jrrtümer zu setzen? U. A. w. g.! Redaktion des „Israelit".) Oesterdeichs, ver Religionslehrer-Streih. Wien, 28. Dez. Tie Religionslehrer der Wiener Kultusgemettlde haben einstimmig beschlossen, im Falle der Ablehnung ihrer Gehaltsfordernngen am 3. Jan. in den Streik zu treten. Ter Verband der städtischen Angestellten der Gemeinde Wien unterstützt die Forderung der Religionslehrer, die z. Zt. bcbentcub schlechter gestellt sind, als alle übrigen Berufskollegen der verschiedensten Kategorien. Damit wiederholt sich der gleiche Vorgang, wie vor »Zt Jahren, trotzdem der Kultusvorstand sich sagen müßte, daß er aus die Tauer den gerechten Forderungen der Lehrerschaft doch keiner! Widerstand leisten kann. Ts checho-Sionrakei. Staatliche Zuschüsse?ur Rabbinerbefoldung. Bratislava, 29. Dez. Das zuständige Referat des Ministeriums! hat der orthodoxen Landeskanzlei nunmehr osftziell mitgeteilt, daß als Ergebnis der von dem Präsidenten Qberrabbiner Weber unternommenen Bemühungen der Staat sich entschlossen hat, den Rabbinern die bisher einbehaltenen Zulagen für die Jahre 1919 und 1920 auszuzahlen. Es ist erfreulich!, daß damit der bereits in dem Jahresberichte der Landeskanzlei in Aussicht gestellte Erfolg endlich praktisch zu werden scheint. Noten. Der Vertreter 9es neuen amerihanifcfien Präsidenten und die jüdische Ciniuanderung nach Rmeriha- Warschau, 26. Dez. Nach hiesigen Blättern hat Senator Cormick, der gegenwärtig im Aufträge des künftigen amerikanischen Präsidenten Europa bereiste ferne Intervention zu Gunsten derjenigen polnischen Flüchtlinge zugesagt, die zur Einreise nach Amerika zugelassen sind, bei der Beschaffung der Visa aber bisher Schwierigkeiten fanden. Senator Cormick konferierte in dieser Angelegenheit mit dem amerikanischen Botschafter in Warschau, und unterrichtete sich persönlich bei einer Anzahl von Emigranten über ihre Verhältnisse. Grrgtcrnd. 0as Londoner Massen-Meeting der flgudas Jisroel. (Schluß.) London, 27. Dez. Unter großer Spannung der Versammelten beginnt nun Jacob R o s e n h e im, Frankfurt a. M. zunächst hebräisch, später in deutscher Sprache seine Rede über die Grundgedanken der Aguda. Wie Josef nach jahrelanger Entfremdung seine Brüder in der heiligen Sprache anredete zum Zeichen seiner Zusammengehörigkeit mit ihnen, so soll auch in meinem Munde die Sprache der Thora es sein, die Ihnen den Wrudergruß vermittelt. Ist es doch die Thora allein, die uns alle zu einem Volke eint und unlösbar verbindet. Etwa zehn Jahre find es her, daß die großen rabbinischen Autoritäten des Ostens ihren Ruf zur Sammlung aller Kräfte des Volkes unter das Banner der Thora, zur Gründung der AgudaS Jisroel, an alle die es zunächst betraf, an die Gesetzestreuen ergehen ließen. Fraget Ihr, meine Freunde, nach dem Wesen der Aguda, nach dem zentralen Gedanken ihres Programmes, so ist meine Antwort kurz und klar: Die Aguda strebt nach derWiederherstellung der jüdischen Einheit vermittelst der Seele der Nation, der Thora.