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Der Israelit · 1920-12-30 · Heft 52 (30.12.1920) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 52 (30.12.1920)
Date
1920-12-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
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30. Dezember 1820 Erez' Jisroel von den neuen zioniMchien Ankömmlingen zum Schrecken aller guten Jüden . eingeführten öffentlichen Chillul .Sch'abbos und die empörende Uebertretung der Speisegesetze an. Tie Agudäs Jispoel vereinigt in sich den Großteil aller rabbinischen Autoritäten und die besten Kräfte des orthodoxen Judentums. Diese •. müssen auch für Erez Jistoel wirksam werden, ganzabgesehen von dem positiven Aufbau- Programm der AgUda. Durch die Einigkeit im orthodoxen Lager könnte die orthodoxe Judenheit die Führung wieder erlangen. Er halte es im Interesse der gemeinsamen religiösen Ideale für nottraiMgi, die Bemühungen nach dieser Richtung hin ohne 'Preisgabe der organisatorischen Selbständigkeit und der politischen und religiösen Grundsätze fortzusetzen. IN dieser Richtung wollte er seinen Einfluß geltend machen. Oberrabbiner Plotzky, Ostrow, überbringt hierauf die Grüße der polnischen Aguda und ihren Dank für die von der englischen Judenheit den Brüdern'in Polen geleistete, Hilfe. 'Bei der Schilderung der Leiden der polnischen Juden während der letzten Jahre bricht der greise Gaon in Tränen aus. Er legt Wert darauf, hier klar und unzweideutig festzustellen, daß in Bezug auf die Agnda und ihre Notwendigkeit für das jüdische Volk mit ganz geringen Ausnahmen die gesamte polnische selbstbewußte Orthodoxie, sämtliche Rabbinen und Rabbis einer Meinung seien und bittet die Gleichgesinnten in England sich mit Begeisterung in den Dienst der Aguda ziele zu stellen. Ter Eindruck der schlichten Wdrte des Rabbi ist auf allen Gesichtern erkennbar und ftndet in stürmischen Beifallskundgebungen feinen Ausdruck. Hierauf erhält Tr. Nathan Birnbaum das Wort. Er möchte der Versammlung nur zwei Tatsachen in Erinnerung bringen, durch die der Lebensweg und die Aufgaben des jüdischen .Volkes für alle Zeiten unwiderruflich! bestimmt. wurden. -Erstens: Ihr seid Nachkommen von Llwrohom Owiuu, des ersten Menschen auf Erden/ der durch! die Gnade Gottes seinen heiligen Namen erkannt und fein Leben seinem Dienste geweiht hat. Wir Haben uns vor Augen zu halten, daß daraus für uns die! Verpflichtung erwächst, den gleichest- Weg zu gehen und den gleichen Idealen zu dienen. Und. zweitens: Ihr seid am Sinai gestanden Md habet die Thauro empfangen. In jenem Momente seid ihr ein „Volk", ein Gottesvolk geworden. Das will sagen, das jüdische Volk hat bis ans Ende der Zeiten als Volk der Thauro und nur als solches zu leben und in der Welt zu wirken. Alles, was dieses Volk unternimmt und leistet auf Erden, hat im. Lichte der Thauro zu geschehen. 'Es gibt hiervon keine Ausnahme. Auch nichlt die Politik darf als eine solche betrachtet werden. Das religiöse Judentumist in-der letzten Zeit geschwächt worden. Tie Frommen haben die Zügel aus der Hand verloren. Tas/muß anders werden, soll das religiöse Judentum seiner Mission gerecht werden' Tie Leitung der öffentlichen Angelegenheiten in Gemeinde Md Politik müssen wieder die frommen Juden in die Hand nehmen und sie dürfen nicht zugeben, daß AbgefMene und. Ungläubige, daß „MeschUmodim" die Sachwalter bleiben. Bei diesen Worten des Redners schlug ein kleines Häuflein junger Leute Lärm. Es! gelang ihm, den Redner zu stören, nicht aber, die würdige Fortsetzung des Meetings zu verhindern. Solicitor Isaak Landau ergreift nun däs Wort zu.seinem einleitenden Referate über die Geschichte und j&ie Ziele der Aguda-Bewegung. .In prägnanten Sätzen schildert der Redner die Zustände Des orthodoxen Judentums Während Der letzten Jahrzehnte vor Der Gründung der Aguda, berichtet über die Motive, aus denen die Organisation entstanden ist und erklärt ihre Eigenart unter den sonstigen organisatorischen Bestrebungen im Judentum. Die Aufgaben der. Agudas Jisroel sind für die I Der Israeli». Gesamtheit des Judentums von so entscheidender Bedeutung, daß es insbesonderee im gegenwärtigen Moment für jeden englischen Juden eine unabweisbare Pflicht ist, sich ihr Mzuschjließen und sie mit allen Kräften zu fördern. Zum Schlüsse empfiehlt er eine Resolution zur Annahme. I. M. Lewin, Warschau^ erstattet hierauf sein Referat über das Programm der Aguda und ihren gegenwärtigen .Stand in Polen und in anderen Ländern. Der Referent betont nachdrücklich, daß das Endziel der Aguda auf die Erhaltung des Friedens und des friedlichen Zusammenwirkens aller positiven Organisationen im Judentum gerichtet ist. Tie Voraussetzung hierfür ist indessen der Bestand einer festgefügten, in sich geschlossenen und ausschließlich den JUteressen der Thoratreue gewidmeten vollständig unabhängigen und sich lediglich dem Thoraworte und den Thora-Autoritäten unterordnenden Organisation wie die Agudas JisUoel. Niemals werden, die vielen hundert Rabbinen und Talmide Chachornim Polens und der anderen osteuropäischen Länder, die jetzt in Der Aguda vereinigt sind, an einer Organisation milwirken, die Dieser Voraussetzung nicht entspricht. Ist einmal die selbständige Organisation geschcffsen und sind erst ihre Institutionen finanziell und mit dem Rüstzeug Der modernen Technik gehörig ausgestattet, so wird der Zeitpunkt auch! für eine Arbeitsgemeinschaft mit solchen Orga- \ nisationen kommen, von denen uns Prinzipien | trennen. Nur im Wege einer unabhängigen Organisation ist es möglich, die Kräfte des orthodoxen Judentums für die großen Zwecke der jüdischen Gemeinschaft nützliche zu machen. Es muß eine Organisation da sein, zu der Die frommen Massen und ihre rabbinischjen Führer Vertrauen haben.' Und eine solche Organisation ist die AgUdas Jisroel. Tiefes Vertrauen hat sich die Aguda Durch die Unzweideutigkeit ihres Programmes und ihre bisherigen Leistungen auf dem Gebiete der Erziehungder W'aisenfürforge und der politischen Tätigkeit erworben. Jetzt gilt es, auf dem begonnenen Wege fortzufahren. Tie Verlegung der Zentrale nach London gibt den englischen Gesinnungsgenossen Gelegenheit, sich hinter die Führer des Ostens zu stellen, und. so den Ring der Landesorganisationen zu schließen. Mit einem warmen Appell an die Versammlung zur Mitarbeit in der Aguda schließt der Redner seine mit Begeisterung vorgetragenen und von der Versammlung beifällig aufgenommenen Ausführungen. (Schluß folgt.) Amerika. Die jitöifdien Kriegsgefangenen in Sibirien* Wew-Hork, 5. Dezember. Der Vorsteher des Joint in Sibirien, Herr Rosenblüt, berichtet aus Wadtwostok, daß auf den 5 Schiffen, die z. Zt. mit Kriegsgefangenen aus Sibirien auf dem Wege nach Triest sind, sich 880 Juden befinden. Die Schiffe müssen alle im Zeiträume von Mitte Dezember bis Anfang Januar inTrissteintreffen. Die meisten jüdischen Kriegsgefangenen stammen aus Galizien und anderen Landen des früheren Oesterreich. Bis jetzt sind im ganzen 1200 jüdische Gefangene aus Sibirien heimgeschickt worden. Es befinden sich dort noch.etwa 1100 jüdische Gefangene, für deren Heimreise ebenfalls bereits alle Vorbereitungen getroffen sind. Argentinien. NguSsL Jisroel in Argentinien, Wuerros-Zprcs, 1. November. Gestern veranstaltete die hiesige. A g u d a s Jisroel - Jugend gruppe eine Propaganda-Versammlung in der großen sefardifchen Synagoge. Herr Lewinski eröffnete t>ie Versammlung mit einer eindrucksvollen Darlegung der Ziele der Agudas Jisroel, die vor allem eine Annäherung zwischen Aschkenasim undSefardim herbeiführen und Me K No. 52 Sette 5 thoratreuen Kräfte einheitlich organisieren wollen. Herr A. E, Deutsch! zeichnete dann mit' hinreißender Beredsamkeit die besonderen Erziehung sauf gaben, die Agudas Jisroel am argentinischen Judentum zu erfüllen habe, und verlas ein Schreiben des! Zentralbüros in Zürich, das auf die Versammlung tiefen Eindruck machte. Es sprachen noch, die Herren Massel in spanischer und Chücham Jac. Joschor in arabischer Sprache. T>ie Presse berichtet über die Versammlung in äußerst sympathischer Weise. Tie Jugendgruppe ist jetzt mit der Gründung eines orthodoxen Wochenblattes im Geiste der Agudas Jisroel beschäftigt. Ualitstina. Religiöse Kämpfe in 6re? Jisroel. Sektionen. — Miln. - Cyttlul Schavvos, Zerusalem, 15. DeZ. In dem Hospital der jüdischi-amerikanischen Gesellschaft „Hadassah" nehmen die Aerzte Leichensektionen vor. Aus einen Protest des Oberrabbiners' Sonnenfeld hat die Leitung geantwortet, daß in der Tat Sektionen stattfänden, sobald die Aerzte dies im „gesundheitlichen Interesse" für notwendig fänden. Man ist bemüht, dem ein 'Ende 'zu bereiten. Noch mehr Erregung verursachen die Bemühungen des Hadaffab-Hospttals in Sarfed, die 7122 abzuschaffen. — Der C h i l l u l S ch> a b b o s ist leider in starker Zunahme begriffen. IN Jerusalem richtete die sozialistische „Achdus Awlaudo" eine Küche ein, die am Sabbath vollkommen im Betriebe ist. Die Leitung erwiderte auf- Vorhaltungdaß man für die Chäluzim frisch x kochen müsse; da ihr Fleisch ohnedies nicht koscher sei, so komme, es auch nicht auf die Sabbatentweihung an. Am 14. Kislew fand 'gegen diese Vorkommnisse in Meo Schieorim eine große! P rote st v e r s a m m l u n g statt, in der zunächst Rabbi Chaim Sonnenfeld eine erschütternde Rede hielt. Nach dem Maariw-Gebete sprach Rabbi Mordechai Rubin. Am Schluffe dieser Rede erschien Rabbiner Ku k mit mehreren Freunden im Saale und begawn eine hebräische Ansprache Die Versammelten wollten, im Gefühle der Entrüstung gegen die Säbbatschänder, welche die hebräische Sprache als ihr Monopol betrachten, Rabbiner Kuk veranlassen, in Jiddisch weiter zu sprechen, Während die anwesenden „Liberalen" mit lauten Rufen die Fortsetzung der hebräischen Rede forderten. Der Tumult dauerte eine Viertelstunde. Rabbiner Sonnenfeld! verließ den Saal, als er sah, daß die Aufregung zunahm. Rabbiner Kuk fügte sich jedoch den Wünschen der Mehrheit und setzte seine Redie! in jiddischer Sprache fort, worauf noch eine ganze Anzahl bekannter J'erusalemer Rabbinen das Wort ergriffen. Es wurde eine ausführliche Protest - Resolution angenommen und von allen Anwesenden unterzeichnet, die in der ganzen Diasporaj verbreitet' werden soll. Die gesamte Judenheit soll erfahren, zu welchen Zwecken die Gelder verwendet werden, die man zum besten des heiligen Landes dem zionistischen Waad hazirim in die Hand gibt. HHHhTl Anfang Datn« Ubr iMin.IISSl! 5681 AuSgang Uhr Mi«. «ranksurt a. M. 4 10 1. Jan. 21.Teöeth 5 25 Berlin ... 4 05 4 52 Mönche« . . . 4 20 5 16 Ttratzbnrs . . — — ... — Stuttgart. . . — — - — Bose» 1 •! — 4 20 5 12 Hamdura . . . 4 05 5 —>

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