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Der Israelit · 1920-12-30 · Heft 52 (30.12.1920) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 52 (30.12.1920)
Date
1920-12-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 No. 52 _•'. 18 Stimmen zählt, den gesetzestreuen Standpunkt vertreten werden. Es sind dies die Herren Hermann Engel, Hermann BuxLaum, Joseph Lehmann, Jg. Rindskopf, L. Anfänger, Kommerzienrat Rosenthal, B. Sachs und M. Saalheimer. Eingehender Bericht folgt. Gesteweich. km Aufruf der polnischen Aguda. Men, 20. Dezember. Der in Wien ansässige „Czortkower Nebbe" erläßt im Warschauer „Jud" einen warmen Aufruf zu Gunsten der Agudas Jisroel, der besonders der Palästina-Arbeit der Aguda das Wort redet und die drei Punkte dieser Tätigkeit, Gründung einer großen Jeschiwah in Palästina, Förderung der Kolonisation und Schaffung von Industrie und Heimarbeit im einzelnen erörtert. Er fordert alle seine Anhänger auf, an der Lösung der von der Aguda in Palästina-und der Diaspora ins Auge gefaßten Aufgaben kräftig mitzuarbeiten. Die galbifdien Juden in Oesterreich. Wien, 25. Dezember. Laut Vertrag von San Remo haben die in Oesterreich ansässigen Bürger der inzwischen von Oesterreich abgetrennten Gebiete das Optionsrecht, d. h. das' Recht, sich als österreichische Staatsbürger zu erklären. Es ist kein Zweifel, daß diese Bestimmung auch für die galizischen Juden zu Recht besteht, sofern sie in Oesterreich ihren Aufenthalt und ihr Auskommen haben. In der Praxis wird aber ihre Erklärung zum österreichischen Staate in allen Fällen ignoriert. Auf diese Wc^ise sind Unmengen von Juden, die während oder sogar vor der Kriegszeit Galizien Zerlassen haben, um sich in Oesterreich niederzulassen, unter das Fremdengesetz gestellt und laufen Gefahr, aus dem Lande vertrieben zu werden. Das Kom tee der jüdischen Delegationen läßt sich die Sache angelegen sein und sucht oas in San Remo gewährte Recht der neuen österreichischen Bürger auch für die Juden zu sichern. Noten. Die Petijura-Cruppen in Cjenffocfiau. Warschau» 23. Dezember. Die StadtCzenstochau an der galizisch-schlesischen Grenze hat jetzt die hohe Ehre, den Generalstab Petljuras beherbergen zu dürfen. Die Verhältnisse in der Stadt'haben sich dadurch wesentlich verschlimmert, da die Petjura-Soldaten mit Geld nur so um sich werfen und alles wesentlich verteuern. Ihre Geldschätze stammen, wie man annehmen darf, aus den Plünderungen bei den Juden in der Ukraine. Daß die jüdische Bevölkerung in Czenstochau von-der Anwesenheit der Gäste nicht erbaut ist, braucht nicht erst gesagt zu werden. Aber es muß gerechterweise betont werden, daß sie sich hier verhältnismäßig anständig gegen die Juden betragen. Die Aguda-Delegafion nach 6re? Jisroel. Warschau, 24. Dezember. Die Palästina-Kcmmission der polnischen „Agudas Jisroel" teilt in den jüdischen Zeitungen mit, daß die Abreise der orthodoxen Delegation nach Palästina, wie sie in einer Sitzung unter dem Vorsitz der Rabbis aus Ger und Ratzimin beschlossen wurde, schon Mitte Schewat vorssich gehen soll. Der Delegation können sich auch orthodoxe Laien-Mitglieder anschlteßen, die Kenntnisse und Erfahrungen auf dem Gebiete von Handel und Industrie besitzen und die Reise auf eigene Kosten unternehmen wollen. Mitreisende dieser Art werden gebeten, sich baldigst bei den zuständigen Stellen zu melden. Die Derfländigung. Warschau, 25. Dezember. Die Verhandlungen über die polnisch-jüdische Verständigung werden unter besonderer Berück- Der JSrüÄtt, sichtigung der Provinz weiterführt. Der Vize- Minister-Präsident Dafchinski, der die Sache in der Hand hat, hat alle zuständigen Stellen in der Provinz beauftragt, dte jüdischen Wünsche anzuhören und sie ihm als Material zuzustellen. Auch in Galizien werden ähnliche Maßnahmen,getroffen. Die Ergebnisse einer am 13. ds. in Lemberg abgehaltenen . Konferenz werden noch - geheimgehalten. Kitanen. Die Rabbiner in Litauen- Kowuo, 24. Dezember. In der Erklärung, die der Vertreter der litauischen Regierung jüdischen Organisationen gegenüber im' August 1919 abgegeben, befand sich auch die Bestimmung/ daß die Rabbiner in Litauen die gleichen -Rechte genießen sollen, wie die Geistlichen aller anderen Konfessionen. Wie sehr die litauische Regierung bestrebtest, das Versprechen einzuhalten und überhaupt den Juden gerecht zu werden, beweist, daß von dem nun von der litauischen Regierung für die Geistlichen bewilligten Kredit 7,57» für die Rabbiner bestimmt sind. Das jüdische Ministerium in Litauen teilt dieses in einem Rundschreiben mit und weist auf die prinzipielle Bedeutung dieser Bewilligung hin, wenn auch über die Frage, ob sie in diesem Maße den Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung ganz entspricht, noch zu sprechen sein wird. Rumänien. eine rabbinifthe Kundgebung. Hroß-Wardeln, 20. November. Das hiesige Besdtn unter Vorsitz von Ober, rabbtner Fuchs hat folgende Kundgebung erlassen: „In Beantwortung Eueres Schreibens sind wir erstaunt, wie jemand vermuten kann, daß wir der Misrachi-Bewegung dte geringste Förderung angedethen lassen'könnten. Von vornherein haben wir alle, die in den Wegen der Thora gehen, davor gewarnt, sich dem Misrachi als einem Bestandteil der zionistischen Organisation anzuschiießen, jener Organisation, die keinerlei Beziehung zum überlieferten Thoragesetz hat, die dieses vielmehr nur als etwas neutral Geduldetes, nicht als nationale Angelegenheit, sondern als ein Prioatanliegen jedes^ Einzelnen betrachtet. Alles dies haben "wir in unserem Aufruf schon früher gesagt und haben wiederholt hinzugefügt, daß wir lediglich die Agudas Jisroel als die geeignete Organisation betrachten, um sowohl in der Ttakpora, wie im heiligen Lande unsere heilige Sache zu stärken. Um jedoch endlich allen falschen Ausstreuungen ein Ende zu machen und um unsere Brüder davor zu warnen, dem Misrachi finanzielle oder propagandistische Förderung angedeihen zu lassen, betonen wir nochmals, vaß Jeder, in dessen Herz Gottesfurcht lebt, verpflichtet ist, sich der Agudas Jisroel anzpschließen, die Aguda zu fördern und zu stärken. Denn nur wenn sie allgemein als Repräsentation der Gesamtheit anerkannt wird, wird sie die Kraft besitzen, das überlieferte Judentum zu stärken und zu schützen vor seinen Feinden und scheinbaren Freunden, die es wisientltch oder unwissentlich zu Grunde richten. Nur diese Organisation wird die Grundlage neu schaffen können, auf der das Judentum seit Jahrtausenden ruhte, wird dte Krone der Thora-Souverä'nität in allen Bolksangelegenhekten in neuem Glanze erstrahlen lassen. Und nun ergeht dte Bitte des Besdin zu Groß-Wardeln: Seid nicht lässig und müßig im Dienst des Heiligtums zum Besten der jüdischen Gesamtheit! Die beste Waffegegen Zionismus und Misrachi wird produktive Arbeit sein, produktive Arbeit, das Programm der Agudas Jisroel in seiner ganzen Ausdehnung .zu verwirklichen. Laßt Euch nicht von Schwächlingen entmutigen! Arbeitet zum Besten unseres heiligen Landes, das den Mittelpunkt bildet, zu dem die Maffen des jüdischen Volkes hinstreben. Ist Erez Jisroel das Herz unseres Volkes, so wollen wir dieses Herz mit Thora und Mizwos beleben, sodaß Ströme reinen -Blutes alle Teile des Volkskörpers mit Kraft erfüllen. Seid stark und fest! Gott, der seine Thoraund sein Volk und sein Land erwählt, wird mit Euch sein in der materiellen und geistigen Arbeit für Israel. Oberrabbiner-Juchs, Aw Besdin, Pinchas Zimtbaum, Rosch Besdin, I. S. Dein Dajan, I. Pollak, Düjan. Der Aufruf hat in ganz Transsylvanien eine 'tarke Wirkung ausgeübt und den Reihen der Agudas Jisroel zahlreiche Mitglieder, auch aus misrachistischen Kreisen, zugeführt. LO.^DezemberlMv Das Londoner JIMen-AIeefing der Agudas Jisroel. London- 22. Dez. Kn demselben.Saale, .in der Mächtigen Greak Assembly Hall, in weWr vor Kahren, wenige Tage vor. Ausbruch des Weltkrieges, am, 27. JMi 4920, den Londoner jüdischen Massen Mm besten Mal von den, Bestrebungen der Agudas Wr>oel- Bswegung Kenntnis gegeben wurde, fand am 18. Dezember abermals ein Massenmeeting von ■ .geüPälHgen Dimensionen statt, das! Au einem wichtigen Markstein in der Geschichte der Agudas Jisroel und damit oes orthodoxen Judentums geworden ist, Ter ßcüd war weit überfüllt: Mehr als 8000 Menschen wurden in den Saal gelassen, und eine unübersehbare Menge wurde Platzmangels halber zinrückgewiesen. Das äußere Bild einer solchen Massenversammlung, in der — in London zum erstem Mal — die Teilnehmer nach Geschlechtern geschieden, und sämtliche Männer bedeckten Hauptes saßen, .machte schon an sich einen tiefen Eindruck auf Me Anwesenden. Es schien, aR ob die gesamte Mische Einwohnerschaft Fahlreicher polnischer Md russischer Städte in Gemeinschaft mit ihren westeuropäischen Brüdern sich in diese Halle eingefunden hätte zu einer weit in die große Welt .hinansschjallenden Kundgebung für Gott Und sein Gesetz, für die ungeschmälerte.Souveränität des Gotteswillens in seinem.Molke und in seinem Lande. ' * Wenige Minuten nach 8 Uhr abends! betreten unter Führung des Chairman's Sir Stuart, Samuel — Bruder des High Commissioners Sir Herbert Samuel —- die Londoner und auswärtigen Ehrengäste den-Saal und nehmen unter stürmischen Kundgebungen'der Menge auf der Estrade Platz. Da sieht man die. bekannten Gestalten mancher 'Führer der Aguda aus den Ländern des Kontinents', zunächst die Rabbiner Meir Don Plotzky, Li f schätz, Zither st e i n, Lew und. L e w i n aus Polen, Rabbiner H o r o v i c z aus Jerusalem, Rabbiner Dr. M. H i l d e s h e i m er, Jacob Rosenh e i m und Leo. W r e s ch n e r aus Deutschland, Sälly Gng genh eim, Schweiz, Dr. Rathan Birnbaum, Oesterreich, Koppel.Spi r ä, Belgien, Rabb. Chodrow, Bukowina neben prominenten Persönlichkeiten des öffentlichen jüdischen Lebens in England wie die Rabbiner Tr. Jung, Ferber, RabbinoWitz, Leiser o Wi tz aus 'London, H o r o v i tz, Leeds', Suk - m a n s k Y, Liverpool, ferner die Solicitors Jsaac Landau und Zeitlin, die Präsidenten vieler Synagogen und Verein^ die alle herbeigekommen sind, um ihre Begeisterung für die organisatorische Einheit des jüdischen Volkes'tnnter dem Banner der Thora kundzutun. Viele gaben und schriftlich ihrer Sympathie Ausdruck. Viel bemerkt wurden besonders die herzlichen Begrüßungsbriefe des W! a a d H a i r Asch kenazim und Rabbi S o n n e n f e l d s in Jerusalem, Rabbi Da ich es, Leeds!,' Eommandant Lipman und Prof. Haw'kin, Paris. Unter lautloser Stille begrüßt der Chairman mit einem „Gut Wloch" die Erschienenen und' weist irr einer fein pointierten Ansprüche auf die Bedeutung dieser Kundgebung und der Agudas Jisroel hin. Er habe sich, trotzdem er bisher der Aguda nicht angehört, verpflichtet gefühlt, den Vorsitz in dieser Versammlung, zu übernehmen, nicht nur weil er als Präsident des.Board os Deputies allen positiven Bestrebungen >zur Erstarkung des jüdischen Geistes, und zur Hebung der materiellen Wiohlsahrt des jüdischen Volkes seine Unterstützung gewähren möchte,, sondern auch, und vornehmlich deshalb^ weil er bekannten, für das religiöse Judentum so ungemein traurigen religiösen Zustände in Erez Jisroel einen Zusammenschluß Mer orthodoxen Juden und aller orthodoxen Organisationen als eine Lebensuotwendigkeit für das Judentum' betrachtet. . Cr führt hierbei besonders' den in

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