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Der Israelit · 1920-12-23 · Heft 51 (23.12.1920) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
61 (1920)
Issue
Heft 51 (23.12.1920)
Date
1920-12-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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MWMMWUMWWMMMMMW ». Dezember 1S3G »er JSraelit._ No. S1 Sette 8 TfätzeLho-KLonratret. Seiegierlen-Dersammlung 9er vrlho9oxen öemeinSen in 9er Slomahei. Wralistarva, 10. Dezember. Die erste Delegierten-Versammlung der orthodoxen Gemeinden der Slowakei unter der neuen Ordnung wurde am letzten Dienstag in K asch au durch Overrabiner E r n e f e l d-Mihaly als Alterspräsident eröffnet. Die slowakische Regierung hatte die Versammlung durch ein Schreiben begrüßt und einen Vertreter zu den Verhandlungen entsandt, der fcte Delegierten in slowakischer und ungarischer Sprache des Wohlwollens der Regierung versicherte. Der vom Präsidenten der zentralen Kanzlei, Oberrabbiner Weber in Postein erstattete Geschäftsbericht erstreckte sich auf die letzten verflossenen 15 Monate, während deren es gelungen ist, unter Ueberwindung starker Widerstände aus Mischen Kreisen die selbständige Organisation der slowakischen Orthodoxie unter Dach zu bringen und ihr die. Anerkennung dei Staatsbehörden zu sichern. Für die Zwecke der Altersversorgung der Lehrer und Schochttm hat die Kanzlei- Ceitung einstweilen eine Jahres etnn ahme von 100 OÖ® gesichert, um bis zur Fertigstellung einer auf soliden technischen Grundlagen ruhenden Altersversorgungs-Kasse wenigstens der Not des Augenblickes abzuhelfen. Eine beträchtliche Rolle hat in den Arbeiten der Kanzlei-Leitung die Schochtim-Frage gespielt. Die Leitung steht der Bestrebung der Schochtim, sich aewerklich zu organisieren natürgemäß sympatisch gegenüber, hat aber 2 Kommisfionen eingesetzt, die beauftragt sind, eine einheitliche Dienstordnung mit Gehaltsregulierurg und Altersversorgung auszuarbeiten. Noch mißlicher ist die finanzielle Lage der RabLinen, trotzdem der Staat gewisse Unterstützungen für diese zahlt. Die Leitung hat sich daher, wie bereits vor kurzem gemeldet, nach Amerika gewandt, und es ist von dort auch ein verhältnismäßig beträchtlicher Betrag bewilligt worden. Der Bericht dankt den amerikanischen Brüdern, fügt aber hinzu, daß die Lösung der Frage nur im Lande selbst in befriedigender Weise geschehen könne. Für das Jahr 1921 sind die Unterstützungen an die Rabbiner in das Staats-Budget ausgenommen wordenjedoch müssen neue Einnahmequellen erschlossen werden, wenn auch nur eine annehmbare Gehaltsregulterung und Altersversorgung erreicht werden soll. Ueber die Beziehungen zu anderen Organisationen sagt der Bericht, daß die Leitung die Unabhängigkeit und Selbständigkeit der Orthodoxie gewahrt, keiner anderen Organisation Schwierigkeiten in den Weg gelegt habe, wenn diese auf humanen oder wirtschaftlichen Gebieten Gutes anstrebt. Die Delegierter-Bersammlung erteilte der Leitung ein warmes Vertrauens-Votum und beschloß, den Bericht jeder Gemeinde in zwei Exemplaren zuzustellen. Unter stürmischem Beifall wurde der bisherige Kanzlei-Präses, Oberrabbiner Weber, durch Akklamation wiedergewählt, als Stellvertreter Oberrabbiner Hirschler, außerdem die Oberrabbiner von Zsadany, Bardiov, Torna, Hommona, Stropkovon Laien die Herren: Preiß-Presov, Klei n-Helmecz, L o m Y-Bardiov, Rein e r-Presov, Willer-Plavnica. In der Schochtim-Angelegenheit wurde ein Antrag des Oberrabbiners von Preßburg angenommen, mit einem Zusatz von Oberrabbiner Jüngreiß. Hiernach setzt der Delegiertentag eine ständige Schochtim-Sektion ein, bestehend aus Rabbinen und Laien, die in allen Streitfragen, Verwaltungsrechtlichkeit in finanzieller Natur zwischen Gemetndebeamten und Gemeinde vermitteln sollen. OberrabbtnerS ch r e i b e r-Preßburg richtet einen warmen Aufruf an die Versammlung, sich der Landsleute in Erez Jisroel anzunehmen, da sie gerade gegenwärtig wahre Märtyrer ihrer religiösen Ueberzeugung seien. Unter dem Eini druck dieser Rede wurden größere Spenden aus der Versammlung gezeichnet. —-VEit—* Ungarn. Ju9enra??ias. Budapest, 14. Dezember. Auf Anordnung der Regierung werden die fremden Juden, hauptsächlich Galizier, in nächtlichen Razzien zusammeugefangen und ohne Rücksicht darauf, ob sie während oder vor dem Kriege eingewandert sind, ob ihnen Ausweisungsbefehle bereits eingehändigt wurden oder nicht, mit ihren Familien, Frauen und Kindern, ins Schubhaus in der Mosonyigaffe gebracht, wo sie in Kellern und ungeheizten Räumen, in Zimmern ohne Fensterscheiben, mit Verbrechern und Vaganten zusammengepfercht bleiben müssen. Bis jetzt sind im Schubhaus mehr als tausend Juden eingeliefert, wo sie, da keine Liegegelegenheit verhanden ist, ohne Nahrung die Nächte z stehend zubringen müssen. Nach einiger Zeit oder wenn das Schubhaus überfüllt ist, werden sie ins Jnternierrenlager nach Pilis- Csab a gebracht, wo bisher schon über achthundert Juden, untergebracht sind. Auch hier haben die Juden nicht nur unter der.Kälte zu leiden, I sondern unterliegen auch infektiösen Krankheiten, von welchen dieses Lager noch aus der Zeit her verseucht ist, da es als Konzentrationslager für die internierten Ruwänen während des Krieges diente. . Sowohl während der Einlieserung der Juden in das Schubhaus als auch aus dem Transport nach Pilis Csaba sind diese den ärgsten Mißhandlungen durch die behördlichen Organe üusgesetzt. Bisher wurden aus dem Schubhaus und aus Pilis-Csaba zwanzig Todesfälle gemeldet, während eine große Zahl, besonders Frauen und Kinder, von verschiedenen Krankheiten ergriffen wurden. Die Bestürzung unter den Juden ist eine sehr große, da die Razzien ununterbrochen fortdauern und das Elend und die Verzweiflung unter dm Verhafteten und Internierten immer mehr Platz greifen. -—ho—- Noten. Die Hlinorttäfenredtte in Polen. Warschau, 10. Dez. Am 6. Dezember wurde im offiziellen Verordnungsblatte (Nr. 110) endlich der Zusatztraktat zur Versailler Frtedensvertrage bezüglich der Rechte der nationalen Minoritäten in Polen \ publiziert. Der Zusatztraktat ist nur von dem Regierungsoberhaupt Pilsudski und dem damaligen Außenminister Paderewski unterfertigt, und ist erst durch die soeben erfolgte Veröffentlichung in Polen in Kraft getreten. Bekanntlich hatten die jüdischen Reichstagsabgeordneten mehrfach die Kundmachung erwähnter Bestimmungen im ReichSgesetzblatte urgiert, und auf die Merkwürdigkeit verwiesen, daß im Reichsgesetzblatte der Versailler Friedensvertraa unter Ausschluß der 8 Paragraphen des Zusatzvertrages bezüglich der nationalen Minoritäten veröffentlicht worden sei, wodurch trotz der Ratifizierung diese Bestimmungen in Polen noch nicht Gesetzeskraft erlangt hätten. öur Ehrenrettung 9es 3u9enfums. Warschau, 8. Dezember. Der R o h li n g des polnischen Landtages heißt Lutoslawski. Er ist Geistlicher von Beruf und sieht seine vornehmste Aufgabe darin, das polnische Volk gegen Juden und Judentum zu verhetzen. Er hält sich für einen großen Kenner des jüdischen Schrifttums, aber seine Anklagen bilden nur ein Sammelsurium von allen Märchen, wie man sie seit Pfefferkorn, Eisenmenger, Rohling bis zu Dinter, Hammer-Fritsche und Knüppel- Kunze genugsam kennt. Der Verteidigungskampf gegen diese geistige Brunnenvergiftung "fällt in erster Reihe den jüdischen Gelehrten im Landtage zu. Als solche traten auch in der Verhandlung am 2. Dezember die Rabbiner Dr. Thon und Rabbi Halpern in ungemein wirksamen Reden dem katholischen Geistlichen entgegen. In geschickter Weise deckten sie die politischen Machenschaften Lutolawskis auf und geißelten dessen Kühnheit, den Talmud zu beurteilen, ten er nach eigenem Geständnis im Original nicht kennt und etn Urteil über das jüdische Schrifttum zu fällen, nachdem er, nach eigener Erklärung, die hebräische Sprache kaum versteht.. An Einzelheiten aus den Anklagen Lutolawskis weist Rabbi Halpern dessen völlige Ignoranz nach. Seine Rede stellt sich als herrliche Verteidigung der jüdischen Lehre dar, die auch für die Abwehrvereine anderer Länder viel apologetisches Material liefert. Als Rabbi Halpern einen Btbelsatz zitierte, rief Lurolawski dazwischen- „Wo steht dieses im Talmud geschrieben?" Der Rabbiner schlug einen hebräischen Pmtateuch auf und sagte: „Der Satz steht hier, in unserer jüdischen Bibel. Es wundert mich, daß der in jüdischen Dingen so bewanderte geistliche Herr dieses nicht weiß." (Allgemeines Lachen.) Da die erschöpfenden Ausführungen des Rabbiners über die genehmigte Redezett hinaus gehen, muß er seine Rede abbrechen. Er schließt mit den Worten: „Ungeachtet aller Anfälle von rechter und linker Seite wird die prophetische Verheißung an uns und durch uns an allen Völkern der Welt in Erfüllung gehen." Die polnisck-M'scke Derffän9igung. Warschau, 15. Dezember. Gestern tagte die Verständigungskommissiou die sich zur Aufgabe gemacht hat, Frieden zwischen den Juden Und Polen zu .stiften. Von Setten der Polen war Minister Daschins ki anwesend, von Seiten dcr Juden mehrere Landtagsabgeordnete. Daschinski steht auf dem Standpunkte, daß die Juden vollkommene Gleichberechtigung erhalten müssen, von zionistischer Sette wurde Anerkennung der jüdischen Nattonalität gewünscht. Die Verhandlungen werden heute fortgesetzt und nehmen einen günstigen Verlauf. Kitarren. Wrtua, 16. Dezember. Die Aushebungen der Jahrgänge 1890—1900, die durch General Zeligowskt im Namen der„Regierenden Kommission für Zentral-Lttauen" angeordnet wurden, ergaben, daß die meisten der ausgehobenen Rekruten Juden sind. . GnSland. Die Dgu9a in London. London, 19. Dez. (Privattelegramm an den „Israelit".) An einem Massenmeeting Samstag abend waren 8000 Personen beteiligt. Es wurden mehrere Resoluttonen angenommen. Hauptreden hielten Dr. Birnbaum, Rechtsanwalt Landau, London, Lewin, Warschau und Jacob Rosenheim, Frankfurt a. M. Srhrveiz. Sie Zu Sen un9 Ber DOIherbanO- Genf, 13. Dezember. Die in Genf weilende Abordnung des Komitees der jüdisch enDelegati onenüberreichte gemeinsam mit dem englisch-jüdischen Joint Foreign Komitee und Israel Zangwill ein Schreiben an den Völkerbund, in welchem eine Sympahteerklärung mit den Pogromopfern und dieEntsendung vonU ntersuchungskomMissionen gefordert wird. Das Komitee der jüdischen Delegatttonen überreichte ferner einen Protest gegen die Pogrome der Ukrainer. Anläßlich der Beratung bezüglich der Aufnahme Finnlands in den Völkerbund verhandelte das Komitee mit führenden Polittkern in der Richtung, daß die Aufnahme der Klauseln, betreffend die Rechte der nationalen Minoritäten, in die Konstitution der betreffenden Länder eine Aufnahmebedingung neuer Staaten /

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