Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 61 (1920)
- Issue
- Heft 48 (2.12.1920)
- Date
- 1920-12-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Sette 6 Nr. 48 England. Jüflifdie einheifsfronf- «Lands«, 26. November. Auf Antrag Lord Rothschilds hat der Boarü of Depmties in seiner letzten Sitzung beschlossen, sich mit der Anglo-Jewish Association und der Leagueof British Jews (entspricht der Tendenz nach ungefähr dem „Zentralverein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens") zwecks gemeinsamer Abwehr der antisemitischen Angriffe zu einem Presse-Komitee zusammenzuschlteßen. Eine starke Minderheit nationaljüdischer Mitglieder des Board wollte von einer Gemeinschaft mit der ihr Engländertum stark betonenden Liga auch bei dieser Gelegenheit nichts wiffen, wurde aber überstimmt. Auch andere Organisationen, wie Bene Berich usw. sollen noch herangezogen werden. Dänemark* Die Emigranten in Dänemark. Kopenhagen, 23. November. Entgegen vielfachen Gerüchten über Ausweisungen von ausländischen Juden aus Kopenhagen erklärte Justizmtnifter Ritter einem jüdischem Preffevertreter: Dänemark kennt keine Zudenfrage und auch die Mitteilungen über Austreibungen ausländischer Juden entbehren jeglicher Unterlage. Wohl wurden Ausländer ausgewiesen, die sich gegen dte Staatsgesetze vergingen oder keine genügende Ausweise hatten. Unterschiede nach Konfession wurden dabei nicht gemacht. Amerika. ilarding und Sie Pogrome. » Wew-Uork, 15. November. Auf eine Begrüßung des jüdischen „Tagblattes" an Harding, erhielt das Blatt aus der Kanzlei des künftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten Amerikas folgendes Antwortschreiben: „Senator Harding verurteilt alle Verfolgungen der Juden aufs schärfste, wie er überhaupt gegen jede Art von Gewalt und Ungesetzlichkeit ist. Präsident Harding wird diese Auffassung vom Rechte aller Menschen zur Grundlage seiner Regierungspolitik machen." nmerifcanifdie HJünfdie für Polen. Wew-York, 15. November. Wie bereits berichtet, berief der polnische Gesandte in der Union Fürst Lubomirski eine Konferenz jüdischer Delegierten ein zur Beratung der Judensrage in Polen. Die Konferenz faßt die Wünsche der amerikanischen Judenheit in folgenden 8 Punkten zusammen: 1. Polen möge sich bezüglich der Judenfrage auf den Boden des Versailler Vertrages stellen. 2. Durch Befehl soll jede Attacke auf jüdisches Leben unmöglich gema werden. 3. Es soll ein Aufruf an dte Zivilbevölkerung erlassen werden und für seine Verbreitung gesorgt werden. 4. Die Verbreitung aufreizender antisemitischer Literatur ist zu verbieten. 5. Den Regierungsbeamten wird untersagt, die Juden der Vaterlandslosigkeit zu zeihen. 6. Ueberfälle auf Juden werden mit allen Mitteln unmöglich gemacht. Die amerikanische Judenheit wünscht von der polnischen Regierung Taten, nicht Worte, die allen Kredit in Amerika verloren haben. Personalien. Somborn, 21. Nov. Am 15. November d. Jsstarb nach kurzem Leiden unser ältestes Gemeinde- Mitglied Herr Herz Löwenstein im Aller von 81 Jahren. In dem Verstorbenen beklagt unsere Gemeinde einen schweren Verlust, denn er war noch ein Mann, welcher an der Lehre, die ihm von seinen Vätern überliefert worden ist, treu festhtelt. Trotz seines hohen Atters hatte der Dahingefchiedene noch stets guten Humor und körperliche wie geistige Frische. »er JSraeru Er war ein Mann von wahrhaft frommen Gemüte und als wirklich überzeugungstreuer Jude, ein musterhaftes Vorbild in unserer Gemeinde. n*2Sün. München, 12. Nov. Am 10. November wurde der in weiten Kreisen bekannte und hochgeachtete Herr Louis Fleischhacker, hier, zu Grabe getragen. Nach kurzem schweren Krankenlager erlöste ihn der Tod am 8. d. Mts., kurz vor Beendigung seines 61. Lebensjahres. Neben der treuen ebenbürtigen Gefährtin seines Lebens, mit der er zwei Jahrzente in harmonischer glücklichster Ehe verbunden war, beweinen ihn viele Freunde in Deutschland und in der Schweiz, wohin ihn seine geschäftlichen Reisen führten. Während seines arbeirssamen, schaffensfreudigen Lebens verwendete er seine ganze freie Zeit für wohltätige Bestrebungen und für die Erfüllung unserer heiligen Lehre. So bescheiden und selbstlos er bezüglich seiner eigenen Bedürfniffe war, im Wohltun kannte er keine Grenzen. Für die Witwen und Waisen seiner Familie sorgte er wie ein Vater ohne auf seine eigne geschwächte Gesunoheii zu achten. Nachdem er sich aus gesundheitlichen Gründen vor ungefähr 10 Jahren von der geschäftlichen Tätigkeit zurückgezogen hatte, widmete er sich noch mehr der Allgemeinheit und betätigte sich eifrig in der „Chewra Kadischa", dem Verein für durchreisende Armen und verschiedenen anderen auch auswärtigen wohltätigen Vereinen. Die Ideale, welche die Synagogengemeinde Ohel Jakob versolgt, der er als Gründungsmitglied angehörre, bildeten den Leitstern aus seinem Lebenswege. rrsSin. Fulda, 21. Nov. Eine nvio mipo vereinigte heute die Mitglieder des Aurach-Chajtm-Bereins, die im Festeskleide erschienen waren. Eine feierliche, weihevolle Stimmung herrschte. Der Verein hat in opferfreudiger von nmn nan» zeugender Weise eine NLv erstanden, die ihrer Bestimmung übergeben wurde. Eingeteiret wurde die Feier nach vorangegangenem nn^v-Gebete durch Gesang des hiesigen Synagogenchores. Nach Rezitation mehrerer Psalmen hielt Herr Provinzialrabbiner Dr. Cahn eine dte Bedeutung des TageS würdigende Rede. Als dann unter dem vom Synagogenchor meisterhaft vorgetragenen rB32 \"Pi die in reichem Blumenschmuck prangende, vom Kerzenlicht umstrahlte heilige Lade geöffnet und ihr dte n'D entnommen wurde, erreichte die Weihe ihre Höhepunkt. Nach Beendigung der religiösen Feier trugen mehrere Kinder ernste und heitere Gedichte und Kouplets lokalen Charakters vor. Nach den geistigen Genüssen bot man den Mitgliedern des Vereins ein lukullisches mit trefflichen Reden gewürztes Mahl. Ter erste Vorsitzende, HerrBank- ' direktorBirkenrut, begrüßte dieErschtenenen, gab einen Rückblick auf die sei: Gründung des Vereins durchlebte Zeit und wünschte ihm ferneres Wachsen, Blühen und Gedeihen. Der zweite Vorsitzende, Herr Gabriel Eschwege, richtete unter Zugrundelegung der mttan der sX’i mnc einen warmen Appell an die Mitglieder des Vereins, den min»Geist zu pflegen und die Standarte der heiligen Gotteslehre in allen Lebenslagen. hochzuhalten. Herr Sanitätsrat Dr. Stern gab in bewegten, zündenden Worten seiner Freude Ausdruck, über die sich in aller Blicken wiederspiegelnde niSEö btv nnvV und wünschte dem Verein ein weiteres 222'« r&£. Noch lange wird die Erinnerung an. die erhebende Feier in den Herzen der Beteiligten nachhallen- Meerholz, 8. Nov. Am 6. November verschied nach kurzem Krankenlager der Lehrer Bernhard Rothschild in seinem 57. Lebensjahre. Mit ihm ist einer der Besten dahtngegangen und unsere Gemeinde ist ihres trefflichen Führers beraubt. 26 Jahre wirkte er an der ögemlichen Volksschule in Lichtenroih und 11 Jahre an unserer Schule mit den besten Erfolgen und seine tiefe vivL» rirr-n wirkte auch auf die Jugend und auf die ganze Gemeinde. Unter großer Beteiligung der jüdischen und christlichen Bevölkerung wurde seine irdische Hülle zu Grabe getragen. Die Herren Lehrer Strauß und Weingarten aus Gelnhausen, Ehrenreich, Langenselbold und Wechsler in Alzenau sprachen im Haufe und am Grabe über den schmerzlichen Verlust und die Herren Schulrat Weitzenstein und Bezirkshauptlehrer Schmey widmeten an der Bahre ehrende Worte des Nachrufes. Um den Entschlummerten trauern eine Witwe mit ihren drei Kindern, «mitan. London, 20. Nov. Wie das „Jewish Corr. Bur." aus Jerusalem mitteilt, ist dort der Begründer der Jüdischen Nation albibltothek Dr. Josef Chasanowicz gestorben. Vermischtes. Berlin, 22. Nov. Die Zeutral-WohlfahrtSstelle der deutschen Juden veranstaltet am Montag, 34. und Dienstag, 25. Januar 1921, im Anschluß an den Gemeindetag des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes in Berlin, ihre WohlfahrtStagung. Reinheim (Hessen), IS. Nov. Bei lder heutigen BorstandSwahl der israelitischen Gemeinde wurde Herr Josef Frohmann fast einstimmig zum erste« Vorstand gewählt. Sprechsaal. Misrachi und Aguda. Bon gesetzestreuer Seite erhalte» wir aus London eine Zuschrift, die sich nach einigen ein--! , 2. Dezember 1920' f leitenden, etwas agresstven Sätzen mit der Frage beschäftigt, was Agudas Jisroel am MiSrachi auSzn- * setzen habe. Der Einsender schreibt: „Eigentlich hatte man dem Misrachi nur einen einzigen Vorwurf zu machen und zwar, daß er sich dem Zionismus angeschloffen habe. Man »ergoß aber und wie es scheint, vergißt man immer noch die Tatsache, daß die Thora eine Wirksamkeit zur Lösung sozialer Probleme und zur Förderung gemeinnütziger Zwecke in Gemeinschaft mit nicht traditionell lebenden Juden, nie untersagt har. Man scheint ferner zu übersehen, daß der Misrachi in seiner bisherigen Tätigkeit in Palästina noch nie durch die Zionisten an der rhoragemäßen Behandlung seines Programms gehindert worden ist und der nüchterne, unparteiische traditionelle Jude in England fragt sich somit vergebens, welchen gemeinnützigen Zweck die AgudaS Jisroel in ihrer hier unbegreiflichen Opposition des Misrachi und der Misrachisten eigentlich verfolgt. Er fragt sich allerdings ferner, ob es politisch angezeigt und traditionell geboren sei, eine derartige Anfeindung und Untergrabung des behördlich anerkannten Misrachi-Prestige uud seiner Palästina-Arbeiten planlos zu unterstützen". Wir bemerken hierzu folgendes: . 1. Es verrät unzureichende Kenntnis vom Wesen deS Zionismus und von der Wirksamkeit der zionistischen Organisation, wenn man behauptet, es bandle sich dabei lediglich um dte Lösung „sozialer Probleme". Dies könnte sein, wenn der Zionismus von Anfang an etwa nach der Idee geformt worden wäre, dte sich dte AAmerikaner zur Zeit von ihm machen. In Wirklichkeit trat und tritt der Zionismus mit dem Anspruch auf, die vollendete Realisierung der überlieferten jüdischen Bolksidee zu sein, ist also für jeden denkenden Juden eine ganz eminent religiöse Angelegenheit. Schon daraus erbellt, daß die Idee einer gesetzestreuen Fraktion innerhalb eines an sich konfessionslosen jüdischen Volkes im schärfsten Widerspruch zu der ganzen Gedankenwelt deS überlieferten Judentums steht. Opportunirätsrncksichren aber, seien sie politischer oder wirtschaftlicher Art, dürfen nicht mitsprechen, wo religiöse Grundprinzipien auf dem Spiele stehen. 2. Der Misrachi ist — auch hier irrt der Einsender — schon sehr häufig „durch die Zionisten an der ihoragemüßen Behandlung seines Programms gehindert worden". Er hatte sich z. B. entsprechend de» Vorschriften der Thora von vornherein aufs schärfste gegen das Kulturprogramm des Zionismus, gegen die finanzielle Förderung der radikalsten Apostasie durch die Gtsamiorganisation gewendet, hatte später gesonderte Schulverwaltung verlangt, schließlich das Frauenwahlrecht bekämpft und ist in allen diesen Fällen mit konsequenter Regelmäßigkeit immer zurückgewichen oder unterlegen. Es scheint also in seine« Wesen zu liegen, daß er immer an einem parlamentarischen Kompromiß endet. 3. Bon einer „Untergrabung und Anfeindung der Palästina-Arbeiten des Misrachi" war und ist trotzdem auf seiten der Aguda nie die Rede gewesen. Das ist eine Verdächtigung, für die jede Grundlage fehlt. Was -die Aguda bekämpft, ist lediglich die Misrachi- Jdee, in der sie eine Trübung jüdischer Prinzipien erblickt. Sie weiß sich darin einig mit der ungeheuren Mehrheit der geistigen Führer des orthodoxen Judentums in der ganzen Welt. Trotzdem hat die Agudeleitung seit Jahren — starker Widerstände in den eigenen Reihen ungeachtet — immer wieder nach Mitteln und Wegen gesucht, um irgendwelche gemeinsame Arbeit mit Misrachi oder Misrachisten zum beste« des gesetzestreuen Judentums in Palästina möglich zn machen. Chanukakerzen. Man schreibt uns: 'Lp ina ^L»2v TDr6. Wie jedes Jahr werden auch diesmal Hunderte von Paketen Kerzen für N2vn versandt. Jedes Paket enthält 44 kleine Kerzen von einer halben Stunde Brenndauer. Jedes Jahr gibt es aber auch einen naun rav, wo die Kerzen nicht eine halbe, sondern eineinhalb Stunden zu brennen habe«. Es werden vielfach die % Stunde - Brenndauer- Kerzen auch für fiaun mtp verwendet, wodurch ORT» Anfang Damm lIBtlfflKn.l930j 568JL AuSgang Ubr Mi». Frankfurt a. M. Berlin .... München . . . Straüburg . Stuttgart. . . Bose» . . . . Rürnver«. . . . . 4 4 4 : jSSKiSlew Dez. 15 . i 4 5 IS 4S 07 4 10 4 — S ©4 4 SS'